Iby-Nachfolge: Unmut über Bestellvorgang

08. Juli 2010 12:28

Theologe Zulehner spricht von "vertaner Chance" - "Wir sind Kirche" befürchtet Austrittswelle - Für Schüller "katastrophal"

Wien - Scharfe Kritik hat der Bestellvorgang von Ägidius Johann Zsifkovics zum voraussichtlichen Nachfolger des Eisenstädter Diözesanbischofs Paul Iby am Donnerstag hervorgerufen. Einerseits vermissen Kritiker bei der Bestellung neuer Bischöfe generell Transparenz, andererseits verweisen sie auf Zsifkovics Rom-Treue. Ein Signal für Reformen sei dies nicht, stellten sie fest.

"Breite Enttäuschung"

"Das Vorgehen gegenüber Iby war nicht feinfühlig. Denn er äußerte bereits beim Nuntius, dass er bis zum Diözesanjubiläum am 11. November bleiben will. Die offizielle Bestellung von Zsifkovics dürfte schon am kommenden Samstag erfolgen. Das ist jetzt eine brüskierende Missachtung. Außerdem ist es ungewöhnlich, dass der Bischof von seinem Nachfolger aus der Presse erfährt", stellte Zulehner fest. Er ortet eine "breite Enttäuschung" in der Diözese Eisenstadt, denn der voraussichtlich neue Bischof werde nur von einer Minderheit akzeptiert. "Er ist sehr jung (47, Anm.). Die Diözese hat jetzt 30 Jahre Winter", meinte Zulehner. "In der jetzigen Situation der österreichischen Kirche ist das eine vertane Chance. Man hätte auf Erneuerung setzen können und sollen. Ich bin 'disappointed'", so der Theologe.

"Besser geeignete Kandidaten übergangen worden"

Auch für die Plattform "Wir sind Kirche" besitzt Zsifkovics nicht die Akzeptanz im Kirchenvolk. Mit der Entscheidung für ihn als Nachfolger seien "eine Reihe besser geeigneter Kandidaten übergangen worden", hieß es in einer Aussendung. "Die Menschen werden sich stärker als bisher von der Kirchenleitung abwenden und die Kirchenspaltung sowie die Austrittswelle werden noch größer werden", erklärte der Vorsitzende, Hans Peter Hurka. Er verwies darauf, dass Zsifkovics als "ideenloser Vollzieher" römischer Entscheidungen eingeschätzt wird und sich als Karrierist einen Namen gemacht habe. "Wir sind Kirche" kritisierte generell den Bestellvorgang von Bischöfen als "völlig inakzeptabel" und bezeichnete das Verfahren als "Geheim- und Personalpolitik, die in Diktaturen üblich ist". Die Plattform ersucht deshalb die Bundesregierung, gegen die Ernennung von Zsifkovics Einwände zu erheben.

"Ziemlich mieses Signal"

Auch Helmut Schüller von der Pfarrerinitiative spricht gegenüber der APA von einem "katastrophalen" Bestellvorgang: "Gerade jetzt hätte man die Gelegenheit gehabt - wenn man das will - andere Schritte zu setzen. Das ist wie eine 'Morgen-Diät' bei den Reformen und ein ziemlich mieses Signal. Es verstärkt den Eindruck, dass sich die Führungsetage in konservativen Löchern verkriecht." Der Umgang mit Diözesanbischof Iby sei unter jeder Kritik gewesen: "Nicht einmal die primitivsten Anstandsregeln wurden beachtet." Zsifkovics kenne er zwar nicht persönlich, "was ich höre, ist aber nicht ermutigend und deutet nicht in Richtung Reformsignal".

"Rücksichtlose Machtdemonstration"

Die Laieninitiative erkennt in dem Vorgehen eine "neuerliche rücksichtlose Machtdemonstration des Vatikans, die nicht hingenommen werden kann" und vermisst Transparenz und eine "ernsthafte" Konsenssuche. "Der deutliche Eindruck entsteht, dass Iby indirekt für seine mutigen Äußerungen zu notwendigen Reformen 'bestraft' und demonstrativ ein als 'papsttreu' geltender Priester eingesetzt werden soll", erklärte Vorstandsmitglied Eduard Posch in einer Aussendung. Die Laieninitiative verwies weiters auf eine Studientagung im November, die sich grundsätzlich mit dem Thema Bischofsernennungen auseinandersetzen wird. Dabei soll diskutiert werden, ob Rom zu "solchen autoritären" Entscheidungen überhaupt legitimiert ist. (APA)

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sirnicha
03.08.2010 11:11
jesus

würde diesen römischen pharisäerhaufen aus dem vatikan jagen samt dem obersten inquisitor, der sich
immer mehr als beelzebub entpuppt. wenns den teufel gibt, ist er voll in der amtskirche integriert.

Ali Gorman
10.07.2010 12:16
Rom: So ist es. Punkt.

Dogmen sind unfehlbaren bzw unwiderruflichen Lehrsätze, die in den letzten 2000 Jahren von Rom aufgestellt wurden. Es gibt auch unter katholischen Theologen viele Debatten über die genaue Definition und damit auch die Anzahl der Dogmen. Aber alle gelten. In der Kirche läuft das nach dem Motto „Mund halten und bloß nicht diesen Deckel aufmachen“. Geändert werden diese Dogmen jedoch nicht (auch wenn eine Auslegung eines Dogmas auf Grund des Alters etc. nicht eindeutig sind), da sonst die Bevölkerung erst darauf aufmerksam würde, für welche Absurditäten sie Kirchensteuer bezahlt.

Ali Gorman
10.07.2010 11:34
kath.Kirchen ist eine Sache - die Gläubigen eine andere.

Traurig, die kath.Kirchenführung bewegt oder besser gesagt entfernt sich immer mehr und mehr von den "gläubigen Christen". Folge ist, dass viele Christen sich von diesen Schriftgelehrten immer mehr abwenden.

Graf Bobby
08.07.2010 16:50
Geht die mediale "Empörung" wieder los.

Vorweg: Ich kenn Z. nur dem Gesicht und Namen nach. Ob er ein guter oder schlechter Bischof sein würde, weiß ich nicht einzuschätzen.

Tatsache ist, es gibt keine "Aufreger "von ihm wie von Wagner oder Laun. Es reicht, dass irgendwer schreit "ein Konservativer" und schon geht die Medienempörung wieder los. Was soll er denn sonst sein als "Rom-treu", wenn ihn der Papst ernennt? Soweit ich weiß hat der Nuntius diesmal sogar eine Umfrage unter den burgenländischen Pfarrern gemacht.

Die Empörung soll wohl wieder nur Klischees bedienen...

apostata
08.07.2010 19:31
vernaderung von bi iby

dass er den reformprozess von iby gleich in rom angezeigt hat, das genügt wohl in ihm einen bremser zusehen.dass iby nicht informiert, sondern übergangen wurde, zeigt vom menschlichen und reformerischen vorgang, umgang und von der menschenverachtung dieser partie im vatikan. da braucht es keine voreingenommenheit. aber alle, denen er so taugt, sollen glücklich werden mit diesem apparatschik.vor allem kann der reform kardinal schönborn sich über seine intrige freuen.

Graf Bobby
09.07.2010 09:41

Mit Verlaub: Selbst als nicht-Kirchen-interner kann ich mir ausrechnen, dass der aus dem Burgenland stammende Generalsekretär der Bischofskonferenz wohl zu den heißen Kandidaten gehört. Also besonders überrascht kann Iby wohl nicht gewesen sein.

W.Hammerl
08.07.2010 18:41

Naja! Die Standard-Redaktion sowie unsere user hier wären wohl zufriedener gewesen, wenn der Papst einen gestandenen Atheisten als Bischof eingesetzt hätte.

Clarissa Goldsmithprawndown
09.07.2010 10:30

Monsignore: "Heiliger Vater, die www.atheistische-religionsgesellschaft.at hätte noch Personalreserven!"
Papst: "Gott bewahre, dann lieber doch einen überragenden Mann Gottes aus unserem geliebten Burgenland - auch wenn er ja angeblich sehr Rom-orientiert sein soll."

Josef Falk1
 
08.07.2010 16:34
Kirchenvolk?!

Wie kann sich "Wir sind Kirche" anmaßen, für das Kirchenvolk zu sprechen?

I bins, da Herrgott
 
10.08.2010 13:01
Weil das Volk meine Kirche ausmacht

und nicht der Bischofsring.

So wahr ich dir helfe!

Lichtfreak
23.07.2010 15:33
Wie können sich die Kirche und ihre Schäfchen anmassen,

allen Andersgläubigen und Nichtgläubigen per Konkordat und Lobbyeinfluss über Gesetze zum Einhalten IHRER Glaubensgrundsätze zu zwingen?

minna van minning
12.07.2010 08:06

wie kann sich der papst anmaßen für gott zu sprechen?

peter marx
08.07.2010 15:41
Sehr gute Wahl

Bei diesen Gegnern halte ich Zsifkovics für eine hervorragende Wahl, ohne ihn zu kennen. Für die Amtsführung wünsche ich ihm Gottes Segen.

I bins, da Herrgott
 
10.08.2010 12:58
dudi
08.07.2010 17:52
verstehe ich nicht...

wie kann, man was man nicht kennt, für eine gute wahl halten???

Woyt'sa Vadshn?
08.07.2010 14:01
Ah, geh, welch eine Überraschung!

Kann mir jemand eine EINZIGE Bischofsernennung nennen, bei der sich Rom nicht für den dogmatischsten Betonschädel, der zur Verfügung stand, entschieden hätte?

oblomow II
08.07.2010 13:48
oiso ...

.. warum sind mir diese obscuranten wuascht?

wozu also ärgern ...

criticus maximus
08.07.2010 13:43
das signal für vorarlberg im nächsten jahr:

der von der breiten masse sehr geschsätze, weil aufgeschlossene generalvikar, soll sich keine hoffnungen machen.

rom treibt sein spiel weiter, ungeachtet der "schäfchen".

anstatt es als chance zu betrachten, dass sich nun so viele menschen mit der kirche auseinandersetzen (wenn auch in sehr negativem licht), und diesen ein klares positives signal zu geben, wird klar gemacht: tut, was ihr wollt - wir tun es auch!

The incomparably superior human being Harry Fink
08.07.2010 13:57

schaut rom wirklich auf seine schäfchen und deren meinung?

Josef Falk1
 
08.07.2010 13:42
Die üblichen Dauer-Empörten ...

... sind einmal mehr empört.

Das ist ein starkes Argument FÜR den neuen Bischof.

I bins, da Herrgott
 
10.08.2010 12:59
potamu
08.07.2010 14:27
Communio per secula seculorum ...

Ich kann mir nicht helfen, aber auf mich wirkt das kirchliche Kommunikationsmuster hinter diesen Vorgängen wie von AtheistInnen bestellt und vom Papst pünktlich geliefert.

Wasmichstört
08.07.2010 14:25
Selten so gelacht...

...oh ja, doch: gestern bei den Strebersdorfer Buam!

dafanefa
08.07.2010 18:31
Diesen Namen

sollten Sie heutzutage nicht verwenden, das kann zu Missverständnissen führen.

opt2290
08.07.2010 12:59
Die Kirche hat nie behauptet, demokratisch zu sein (Gehorsamsgelübde)


Einigermaßen erstaunlich stellt sich mir der Umstand dar, dass man sich freiwillig einer undemokratischen Institution anschließt und sich dann über fehlende demokratische Handlungsweisen genau dieser Institution wundert.

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