Richard Dalton kritisiert im Untersuchungsauschuss Aussagen des Ex-Premiers
Schwere Vorwürfe gegen den Britischen Ex-Regierungschef Tony Blair: Richard Dalton, der von 2003 bis 2006 Londons Botschafter im Iran war, bezeichnete am Mittwoch in seiner Aussage vor dem Irak-Untersuchungsausschuss Angaben Blairs als als "stark übertrieben".
Blair hatte bei seiner Einvernahme im Jänner gesagt, eines der größten Probleme für die Besatzer nach dem Sturz Saddam Husseins sei Irans Unterstützung für die Terrororganisation Al Kaida gewesen. "Was niemand vorhergesehen hatte, war dass der Iran schlußendlich Al Kaida unterstützen würde. Sie hatten ein gemeinsames Interesse, das Land zu destabilisieren, und außerdem wollten die Iraner kein Land mit einer schiitischen Mehrheitsbevölkerung mit einer Demokratie vor ihrer Haustür."
"Kein Interesse, anarchische Zuständezu fördern"
Der Diplomat gab vor dem Ausschuss an, er habe in Teheran nichts von großangelegter iranischer Unterstützung für Al Kaida-Kämpfer gemerkt. "Sie ließen es zu, dass Kämpfer aus Afghanistan und Pakistan über ihr Staatsgebiet in den Irak reisten, hatten aber kein Interesse, anarchische Zustände im Nachbarland zu fördern." Die Probleme der Koalitionstruppen, den Irak zu befrieden, auf den Einfluß Irans zurückzuführen, sei falsch gewesen: "Wenn wir uns unserer Sache so sicher waren, warum haben wir dann keine gefangenen Iraner präsentiert oder andere Beweise für iranische Einmischung in irakische Angelegenheiten vorgelegt?"
George W. Bushs Entscheidung, Iran gemeinsam mit dem Irak und Nordkorea zur "Achse des Bösen" zu rechnen, hält Dalton für einen "monströsen Irrtum". Nachdem die Iraner die USA beim Sturz der Taliban in Afghanistan unterstützt hatten, führte diese Verurteilung "zu tiefem Misstrauen und Verdächtigungen", so der Diplomat, der sich ausdrücklich gegen ein "militärisches Abenteuer im Iran" aussprach. (bed/derStandard.at, 8.7.2010)