EU-Parlament stimmt Swift-Abkommen zu

08. Juli 2010 14:04
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    Foto: apa/wolfgang kumm

    Mehr Transparenz bei Bankkundendaten fordert das Europaparlament.

Das umstrittene Abkommen zur Übermittlung von Bankkunden-Daten zur Terrorbekämpfung an die USA wird wie geplant am 1. August in Kraft treten

Straßburg - Nach monatelangem Tauziehen hat das Europaparlament dem umstrittenen SWIFT-Abkommen mit den USA zugestimmt, das den Transfer von europäischen Bankdaten an US-Terrorfahnder legalisiert. Das von Datenschützern heftig kritisierte Abkommen wurde am Donnerstag in Straßburg mit breiter Mehrheit angenommen. 489 Abgeordnete stimmten dafür, 109 dagegen, zwölf enthielten sich der Stimme. Von den österreichischen Parlamentariern wurde das Abkommen mehrheitlich abgelehnt, neben Liste Martin, FPÖ und Grünen votierten auch drei der vier SPÖ-Abgeordneten mit Nein.

Das Abkommen ermöglicht den US-Behörden ab August den Zugriff auf Daten von Millionen europäischen Bankkunden, die Geld ins Ausland überweisen. Faktisch greift Washington schon seit dem Jahr 2001 auf die Daten des in Belgien beheimateten Finanzdienstleisters SWIFT zu, nun wird der Datentransfer auf eine legale Basis gestellt. Washington will mit den SWIFT-Daten Terroristen auf die Schliche kommen.

Ablehnung im Februar

Die EU-Volksvertreter hatten im Februar eine erste Version des Abkommens abgelehnt, weil sie Datenschutzbedenken zu wenig berücksichtigt sahen. In Verhandlungen mit den EU-Regierungen und Washington konnte das Parlament nun einige Sicherheitsklauseln verankern. So wird die Auswertung der Bankdaten künftig in Washington von Beamten der EU-Polizeibehörde Europol überwacht und gegebenenfalls gestoppt. Betroffene EU-Bürger haben ein Auskunftsrecht, und beim Verdacht auf missbräuchliche Verwendung steht ihnen der Rechtsweg offen. Außerdem verpflichten sich Rat und EU-Kommission, innerhalb von drei Jahren ein eigenes Screening-System zur Terrorbekämpfung aufzubauen, das die Daten-Weitergabe an die USA obsolet machen würde. Allerdings dürfen die in die USA übermittelten Daten auch nach dem neuen Abkommen fünf Jahre lang gespeichert werden.

Unterstützt wird wurde das Abkommen von der Europäischen Volkspartei (EVP), den Sozialdemokraten (S&D), den Liberalen (ALDE) und den Konservativen (ECR). Berichterstatter Alexander Alvaro (ALDE) sagte, dass "deutliche Verbesserungen" im Vergleich zum ersten Abkommen erreicht worden seien. Die EU-Volksvertretung habe 90 Prozent ihrer Forderungen durchgesetzt, betonte der deutsche Liberale. Auch der belgische Premier und amtierende EU-Ratspräsident Yves Leterme lobte das Abkommen, weil darin die Wahrung von Datenschutz mit effektiver Terrorismusbekämpfung kombiniert werde.

Keine Filterlösung

Dagegen kritisierte der EU-Datenschutzbeauftragte Peter Hustinx das Abkommen als "alles andere als zufriedenstellend". Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP nannte es Hustinx eine "Blamage", dass die EU trotz jahrelangen Bemühungen keine Lösung gefunden habe, um die Daten unbescholtener Bürger herauszufiltern. Er kritisierte auch, dass die Daten bis zu fünf Jahre gespeichert werden können, während das deutsche Verfassungsgericht kürzlich sogar eine sechsmonatige Vorratsspeicherung von Telekom-Daten aufgehoben hatte. Auch sei es "unklar", ob betroffene Bürger ihre Rechte in den USA durchsetzen können.

Von den 17 österreichischen Europaparlamentariern unterstützten nur die sechs ÖVP-Mandatare und der SPÖ-Abgeordnete Hannes Swoboda das Abkommen. ÖVP-Delegationsleiter Ernst Strasser sprach von einem "Meilenstein" und betonte, dass die EU-Abgeordneten "bis zuletzt" bei ihren "strengen Forderungen" geblieben seien. SPÖ-Delegationsleiter Jörg Leichtfried votierte ebenso wie seine Kolleginnen Evelyn Regner und Karin Kadenbach aus Skepsis gegenüber einem drohenden "Überwachungsstaat" gegen das Abkommen.

Für Grüne wenig effizient

Die Grünen bezeichneten die vom Europaparlament erreichten Verbesserungen als "schlicht Kosmetik". EU-Mandatarin Eva Lichtenberger wies darauf hin, dass sich betroffene europäische Bürger US-Anwälte nehmen müssten, um eine Korrektur falscher Daten zu erreichen. Auch sei der Datentransfer wenig effizient. "Man vergrößert den Heuhaufen an Daten immer mehr, damit man die Stecknadel (mutmaßliche Terroristen; Anm.) noch schwerer findet", sagte sie.

Martin Ehrenhauser von der "Liste Martin" kritisierte neben dem "massenhaften Datentransfer" an die USA, dass ausgerechnet ein Europol-Beamter die Datenschutzinteressen in Washington wahren solle. Das sei so, "als ließe man einen Schäferhund auf eine Knackwurst aufpassen", sagte Ehrenhauser. Ein Nein hatten auch die FPÖ-Abgeordneten angekündigt. "Was bei diesem Abkommen als 'Datenschutz' verkauft wird, ist einfach zum Schämen", kritisierte Delegationsleiter Andreas Mölzer. Unbescholtene Bürger würden ins Visier der US-Geheimdienste geraten.

Malmström "beruhigt", Obama erfreut

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hat sich  nach der Zustimmung im Europaparlament zum umstrittenen Bankdatenabkommen mit den USA (SWIFT) erleichtert gezeigt. "Ich bin sehr beruhigt. 80 Prozent Zustimmung ist wirklich ein großer Sieg", sagte sie.

Neuerlich betonte sie, dass es einerseits um die Bekämpfung des Terrorismus und andererseits um den Datenschutz für europäische Bürger gegangen sei. "Die Verhandlungen waren wirklich nicht einfach mit den US-Kollegen. Nach dem Schock im Februar (das EU-Parlament hatte den ersten SWIFT-Vertrag abgelehnt; Anm.) hat man aber in den USA wirklich verstanden, wie wichtig der Datenschutz auf hohem Niveau ist." Die Amerikaner seien natürlich "überrascht gewesen, als wir sagten, wir müssen die Verhandlungen neu eröffnen".

Auch US-Präsident Barack Obama hat die Zustimmung zum Bankdaten-Abkommen begrüßt. Er sprach in einer schriftlichen Erklärung von einem "wichtigen Werkzeug" zur Terrorabwehr. "Die Bedrohung durch den Terrorismus, mit der die USA und die Europäische Union konfrontiert sind, dauert an, und mit dieser Vereinbarung werden alle unsere Bürger sicherer sein", betonte Obama.

Er hob zugleich hervor, dass das Abkommen bedeutende zusätzliche Datenschutz-Mechanismen enthalte. Der Schutz der Privatsphäre und die persönlichen Freiheitsrechte seien eine Toppriorität der Obama-Regierung. "Wir sind entschlossen, Bürger aller Nationen zu schützen, während wir gleichzeitig fundamentale Rechte aufrechterhalten", hieß es abschließend in der Erklärung. (APA)

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marty fink
11.07.2010 21:31
Schön unauffällig zum WM-Finale...wie schon weiland die Mehrwertssteuer in Deutschland...

sirnicha
08.07.2010 23:12
hosenscheisser- und deppenklub

ich bin sowas von wütend, dass diese ungebildeten und unwissenden scheinabgeordneten eine solche entscheidung getroffen haben. swift ist leider jetzt der überträger des amerikanischen virus und wir sind dem hilflos ausgeliefert. gegenmittel ist nur ein stopp.
eines ist für mich sicher: mein letzter wahlgang war auch der letzte - auch wenns nichts helfen wird...

2erBock
08.07.2010 18:39
Abgeordnetenwatch.de

Gibt es sowas eigentlich für Österreich - würde gerne wissen welche Abgeordneten dafür gestimmt haben.

Sir Karl Popper
09.07.2010 00:52
ist hier zu finden:

http://www.ehrenhauser.at/dokumente... -abkommen/

Interessant: Kaum Sozialdemokraten (ausser 3 Österreicher + 4 weitere haben dagegen gestimmt), von der CDU sogar auch zwei dagegen.

badat
08.07.2010 21:41
Votewatch.eu

Da sind alle EU-Parlamentarier drinnen. Lesen, merken und 2014 dran denken.

Ob es das auch für den Nationalrat gibt, weiss ich nicht, aber dank Klubzwang eh wurscht, wie heute schon ein Poster gemeint hat, ein Abgeordneter pro Klub würde da eh reichen und auch Geld sparen...

Ben vanDyke
08.07.2010 20:57
gibt es nur in schland-land

stellen sie ihre frage noch einmal in 100 jahren.

northrim
08.07.2010 18:30

ich verstehe es nicht ganz: was kriegt die EU im gegenzug oder was hat sie davon?

Ben vanDyke
09.07.2010 13:11
schon in der bibel steht...

geben (von daten) ist seliger denn nehmen.

Insofern haben wir unsern ruf als christliches abendland (angesichts der weltweiten bedrohung durch die islamisten) gesichert.

Hakuna Matata
 
08.07.2010 20:17
"ich verstehe es nicht ganz: was kriegt die EU im gegenzug oder was hat sie davon?"

nix außer einer fetten Schleimspur zu den internationalen Großbanken und nach Washington.

mfg

H.M.

so go
08.07.2010 18:33
wissen ist macht

und aus informationen kann man wissen ziehen.

W.Hammerl
08.07.2010 18:15

Ich hoffe, dass EU-Parlament hat darauf bestanden, dass im Gegenzug die Daten amerikanischer Bürger nach Europa weitergegeben werden. Immerhin wollen ja auch wir die Terroristen bekämpfen.

Hakuna Matata
 
08.07.2010 20:48

Das EU-Parlament besteht gegenüber den US-Behörden auf garnix.

Im Gegenzug lachen die US-Politiker das EU-Parlament nur schallend aus.

mfg

H.M.

Catrin Kerschhaggl
08.07.2010 18:01

Wo/Wer sind eigentlich diese Terroristen von denen die ganze Zeit geredet wird?
Da wird seit 10 Jahren Angst und Hass für nichts geschürt.

Hakuna Matata
 
09.07.2010 07:13
"Wo/Wer sind eigentlich diese Terroristen von denen die ganze Zeit geredet wird? "

Die sitzen im Pentagon und sammeln Daten.

mfg

H.M.

also dann ...
08.07.2010 17:49
und immer wieder dasselbe lied : wer hat uns v e r r a t e n . . .

S O Z I A L D E M O K R A T E N !

dass nur swoboda... zustimmte,
sagt eh schon alles über diese "intellekutelle wüste spö"...aus.

die SD-europas... hat a l l e n gesetzen über
- die lieberalisierung der kap.märkte
- den (völlig vertrottelten) verbriefungen
- die NICHT-registrierungd. hedgefonds
- die völlig überzogenen privatisierungen
(die ja nur zur schaffung von p r i v a t e n ÖLIGOPOLEN diente - die zu "preisabsprachen"...von stahl, kaffee bis hin zu bäder-produkten...führte)
usw
usw.

die SD-europas
hat mitschuld an dieser verheerenden wi-politik.
dass sie nun auch noch
diesem "info-auslieferungs-gesetz" zustimmt,
zeigt auf...
mit kaltschnäuzig ...die SD ihre wähler verrät.

KTHXBYE
08.07.2010 17:38

Die EUdSSR schaut auf ihre Bürger!

badat
08.07.2010 21:47
Ich muss Sie enttäuschen

Das abstrakte Gebilde "Brüssel" gibt es gar nicht. Zuerst haben die nationalen Innenminister direkt oder durch Stimmenthaltung dem ersten Entwurf zugestimmt, danach hat das EU-Parlament diesen Entwurf verworfen und nun dem neuen, etwas entschärften aber mMn noch immer inakzeptablen Etwurf zugestimmt. Das EU-Parlament wird von den Bürgern gewählt, es ist auch Ihre Stimme. So niederschmetternd diese Erkenntnis auch sein mag, da gibt es keine Verschwörung, sondern lediglich das Ergebnis der Wahl 2009.
Daher: Votewatch.eu besuchen, die eigenen Abgeordneten überwachen, Mails schreiben und 2014 nicht aus innenpolitischen Motiven wählen, sondern dran denken, dass hier das mittlerweile schon sehr mächtige EU-Parlament gewählt wird.

warp.faktor
08.07.2010 17:27
Um die Lebensmittel-Ampel (Gütesiegel) zu verhindern ...

... haben die Konzerne mehr als 1 Milliarde Euro in Lobbyismus investiert.

Würde mich interessieren, was die Banken für die Swift-Daten bezahlt haben.

Korrupter kann ein Parlament nicht sein.

also dann ...
08.07.2010 18:29
stimmt : zur offiziellen - loggy - korruption

muss man all jene förderungen...zählen, die man (so der EU-RH) gar nicht hätte vergeben ...dürfen !
schätzung : ca. 12-15 % des eu budgtes
also ca. 20 mrd - p . a.

natürlich trägt dafür weder die kommission...
noch das parlament ... die verantwortung.
nun sollen die "reinigungsfrauen + portiere + chauffeure"... unter verdacht stehen ! ?

also dann ...
08.07.2010 18:34
natürlich : lobby ...

g
08.07.2010 17:20

ahh, ich wusste es...die zigarette danach schmeckt immer gut... danke uncle sam...

trolliger Troll
08.07.2010 17:18

aus dem swoboda wird sich noch mal was...

also dann ...
08.07.2010 17:52
tja ... ein fetter ... pensionist.

Hakuna Matata
 
08.07.2010 19:31

vollkommen richtig.

mfg

H.M.

(°)(°)
08.07.2010 17:17
So ein shice!

Kriegt die EU die Banktransaktionsdaten von den Amis auch?

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