20 Jahre Internet in .at: Die Revolution fraß ihre Kinder

8. Juli 2010, 09:35
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Am 10. August feiert das Internet in Österreich Geburtstag

Am 10. August feiert das Internet in Österreich seinen 20. Geburtstag. Seit der Installation einer Standleitung zwischen Wien und dem Genfer Kernforschungszentrum CERN 1990 und dem für das World Wide Web bahnbrechenden Laborversuch 1969 in den USA haben sich Anwendungen und Folgen ergeben, an die Pioniere wohl nie gedacht hätten: Avatare können auf dem Online-Friedhof Herolymp ihre letzte Ruhestätten finden, "Krankheiten" wie Google-Stalking oder Ego-Surfing plagen die User.

64 Kilobit pro Sekunde

Während heute kuriose Anwendungen florieren, dachten die Erfinder vornehmlich an den praktischen Zweck: die Vereinfachung auf Datenzugriff, -weiterleitung, -archivierung. Als österreichischer Vater des Internets gilt Peter Rastl, der als Chef des Zentralen Informatikdienstes der Universität Wien für die Installation einer Standleitung zwischen seiner Arbeitsstätte und CERN am 10. August 1990 verantwortlich zeichnete. Dieser Schritt gilt als die Geburtsstunde des heimischen Internets, da Österreich fortan permanent mit dem Netz verbunden war - mit einer für damalige Verhältnisse sagenhaften Datenleistung von 64 Kilobit pro Sekunde.

Die Revolution fraß ihre Kinder

Im April 1992 ging mit EUnet der erste kommerzielle Internetprovider in Österreich an den Start. Die Telekom Austria schlummerte damals noch gemächlich dahin, doch 18 Jahre später sieht alles anders aus. EUnet und viele andere kleine Internetpioniere sind von der Bühne verschwunden, während die Telekom den Markt bei fixen wie mobilen Internetanschlüssen dominiert. Aus einem bunten Haufen von gewerblichen Firmen ist mittlerweile ein Oligopol geworden, das sich die Telekom Austria mit den Töchtern internationaler Großkonzerne teilt: T-Mobile, Orange, "3", UPC und Tele2.

Y-Line

UTA, Netway, Magnet, Yline, Inode, RSL Com, Cybertron, MCN, eTel - einst große Player am Internetmarkt - all diese Firmen sind mittlerweile Geschichte. Wobei die Pleite von Y-Line und dessen Gründer Werner Böhm die Gerichte noch heute beschäftigt. Besser lief es da schon für die beiden Inode-Gründer Michael Gredenberg und Peter Augustin. Sie hatten ihre Firma 2006 für 94 Mio. Euro an UPC verkauft. Fleißig zugekauft hat auch eTel - um dann selbst von der Telekom geschluckt zu werden. Die Telekom wiederum musste zuvor den Flop mit ihrer Internetfirma "jet2web" verdauen.

Trotzdem war es die Telekom, die 1999 mit der Einführung von ADSL den Internetmarkt vorangetrieben hatte. Allerdings mit einem deutlichen Startvorteil gegenüber dem Mitbewerb: Der Staatsbetrieb musste seine ADSL-Leitungen der Konkurrenz erst nach einem Jahr zur Verfügung stellen. Obwohl: Um einen Riesenmarkt ging es damals ohnehin noch nicht. Ende des vorigen Jahrtausends gab es gerade einmal 10.000 Kunden. Dann kam die Internetblase mit zahlreichen Firmengründungen, die aber rasch wieder verschwanden. Die bekanntesten Namen waren KPNQwest und T-Online.

A1 Pocketnet

1997 wurde das Internet in Österreich mobil. Mit A1 Pocketnet brachte die Mobilkom das Internet auf den Laptop. Mittlerweile werden bereits mehr mobile als fixe Internetanschlüsse verkauft. (APA)

 

  •  Ein Flop der Telekom Austria

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