Das Netzwerk wächst mit rasanter Geschwindigkeit und verdrängt einen Konkurrenten nach dem anderen
Noch vor 15 Monaten zählte das soziale Netzwerk Facebook 200 Millionen Nutzer. Heute sind es bereits über 500 Millionen auf der ganzen Welt und die vor sechs Jahren in einem Studentenheim gegründete Plattform geht laut Gründer Mark Zuckerberg zielstrebig auf die Milliarde zu. Kritisch für die kommenden Jahre wird der Fokus auf Länder sein, in denen Facebook noch keine so große Rolle spielt. Einem Bericht der New York Times nach, dürfte es allerdings nicht mehr allzu lange dauern, bis einer der letzten großen Mitbewerber am Markt verdrängt wurde und Facebook die Internetwelt fest in seinen Händen hält.
Schneeballeffekt
Mit der Etablierung in den englischsprachigen Märkten und in vielen Teilen Europas ist Facebook nun in der Lage sich auf neue Regionen zu konzentrieren. Und betrachtet man den bisherigen Verlauf, dürften es lokale Player nicht leicht haben, dem Druck standzuhalten. In Großbritannien verdrängte Facebook in nur wenigen Jahren das Netzwerk Bebo. Eigentümer AOL war gezwungen die Seite nach einer 850 Millionen Dollar teuren Übernahme zwei Jahre zuvor mit hohem Verlust zu verkaufen. In Deutschland und Österreich zog Facebook am einstigen Platzhirschen StudiVZ vorbei und zählt allein im in Deutschland bereits 19 Millionen User. Vor einem Jahr war Googles Plattform Orkut in Indien noch etwa doppelt so groß wie Facebook, mittlerweile stehen sich die Anbieter auf Augenhöhe gegenüber. In Brasilien haben sich Facebooks Nutzerzahlen in zwölf Monaten auch 8 Millionen verachtfacht und Marktführer Orkut dürfte mit seinen 28 Millionen Nutzern nicht mehr lange allein an der Spitze bleiben.
Lokalisierung
Es ist wie ein Schneeballeffekt. Umso mehr Menschen Facebook gebrauchen, desto schneller breitet sich das Angebot aus. Ein Großteil dieses Wachstums in der jüngeren Vergangenheit ist dabei auf die vermehrte Lokalisierung des Dienstes zurückzuführen. Vor zwei Jahren war Facebook noch rein in englischer Sprache verfügbar. Doch mit der Festigung der US-amerikanischen und britischen Nutzerbasis wird nun ein Großteil des auf eine Milliarde Dollar geschätzten Jahresumsatzes auf die Lokalisierung verwendet. Die Übersetzung der Seite - mit seinen über 300.000 Wörtern - wurde und wird mit Hilfe der User realisiert. Freiwillige konnten animiert werden, um das Netzwerk in über 80 Sprachen zugänglich zu machen. Der Aufwand hat sich bereits bezahlt gemacht. Über 70 Prozent der Facebook-Anwender stammen von außerhalb der USA, wo bereits 123 Millionen Menschen dem Netzwerk angehören.
Riesen Problem für Google
Facebooks zunehmende Dominanz stellt vor allem für den Internet-Riesen Google eine Bedrohung dar. Die aberwitzige Vielfalt an Inhalten kann zum Großteil nicht von Googles Suchmaschine erfasst und damit auch nicht für Googles Online-Marketing genutzt werden. Gleichzeitig findet Facebook immer mehr Wege, um die Milliarden Nutzerdaten und Informationen vermarkten zu können, ohne dabei auch nur irgend einen anderen außenstehenden Werbedienst mitschneiden zu lassen. Aber auch für Webseitenbetreiber nimmt Facebook eine immer bedeutendere Rolle ein. Sorgte bis vor wenigen Monaten vor allem Google für die Verbreitung von Webseiten und Onlineinhalten, ist Facebook mit zahlreichen Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen Webseiten und Nutzerprofilen nun der vielleicht wichtigste neue Zugriffsbringer.
Konkurrenzprojekt
Wie Google langfristig mit Facebooks Einfluss umgehen wird, muss sich noch zeigen. Derzeit bemüht sich der Konzern seine eigenen Angebote wie Youtube so gut es geht mit Facebook zu verknüpfen und steuert damit einen beträchtlichen Anteil der auf Facebook geteilten Inhalte bei. Ob Google es nach Orkut noch einmal probieren wird, ein soziales Netzwerk zu stellen, ist fraglich. Branchenberichten zufolge arbeite man an einem Geheimprojekt namens "Google Me". Was genau dahinter steckt, wird sich weisen. (zw)