Diem Weiternutzung der Stadien stellt die WM-Städte vor Herausforderungen
Die zehn Stadien in den neun WM-Städten kosteten die südafrikanischen Steuerzahler umgerechnet 1,2 Milliarden Euro und erfüllen ihren Zweck tadellos. Die wahre Herausforderung kommt nach dem Finale.
*****
Johannesburg - Der Betrieb der Prachtbauten verschlingt jährlich Millionenbeträge. Viele Stadtmanager denken mit Unbehagen an die Zeit danach. An vielen Orten fehlen Vereine, die in die Arenen einziehen könnten. Im Nelson-Mandela-Bay-Stadion zu Port Elizabeth etwa. Die Anlage wurde bei Baubeginn als Hoffnungsträger für die strukturschwache, arme Heimatregion Mandelas gefeiert. Die Betriebskosten werden auf jährlich umgerechnet 2,1 Millionen Euro geschätzt. Wie sie je hereinkommen sollen, ist fraglich.
Denn der einzige Fußballklub des VW-Produktionsstandorts Port Elizabeth, Bay United, steckt in existenziellen Problemen und sucht einen Käufer. VW hatte den Klub 2005 günstig gekauft, seine Unterstützung beim Aufbau eines lokalen Vereins aber von vornherein nur als Anschubhilfe deklariert. Es gibt weder ein heimisches Rugby-, noch ein anderes Fußballteam, welche das 45.000 Menschen fassende Stadion füllen könnten. Ein ähnliches Bild präsentiert sich in Nelspruit oder Polokwane. Die Stadtväter wollen das Problem daher gerne auslagern und die Stadionverwaltung einer Betreiberfirma übertragen. Doch derartige Betreiber stehen nicht gerade Schlange.
Die WM-Gewinner sitzen in den Großstädten sowie in der Hauptstadt Pretoria, wo das Loftus-Versfeld-Stadion der Blue Bulls Rugby Union gehört. Die Betreiber gehen davon aus, dass zehn ausverkaufte Spiele pro Jahr die Betriebskosten hereinbringen. Durbans Mehrzweckstadion ist dank seiner spektakulären Konzeption das einzige, das vor der WM bereits Einkünfte hatte. Dank Bungee-Jumping sowie der Aussichtsplattform auf dem 105 Meter hohen Bogen. Die Stadt will das Stadion zudem als Joker für seine Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 nutzen. Kapstadts Green-Point-Stadion wird künftig von der französisch-südafrikanischen Firma "Sail Stadefrance" betrieben. Die Stadt erhält 30 Prozent von deren Profiten, muss dafür aber den Unterhalt zahlen.
Probleme gibt es dagegen ausgerechnet im größten Stadion, Soccer City, am Rande von Johannesburg. Im vergangenen Jänner hatte die Stadt einen Betreiber ernannt, der die Schüssel nach der WM in National Stadium umbenennen will. Doch die Arena steht auf den Fundamenten des traditionsreichen FNB-Stadions. Die Großbank, nach der das Stadion benannt worden ist, macht alte Rechte geltend. Bis zum Jahr 2014 reichten die, behauptet die Bank, und fordert die Umbenennung in FNB Soccer City nach der WM. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2010)