Netzwerkanalyse

Uruguays unfreiwillige Ich-Angriff-Gesellschaft und die markante Differenz im Flügelspiel der Niederlande

7. Juli 2010, 18:40

Die Gegenüberstellung der Pass-Netzwerke der Niederlande und Uruguays dokumentiert das beiderseitige Hin- und Hergewoge in einer bis zum Schluss offenen Begegnung. Hüben wie drüben finden sich die Schlüsselspieler tendenziell auf den Außenbahnen - mit jeweils einem überragenden Vernetzer im Spielzentrum: Sneijder auf der einen und Forlán auf der anderen Seite bildeten die strukturellen Anlaufstellen im Spiel nach vorn. Sneijder allerdings fand in Robben und van Persie zwei potenzielle Auftragnehmer, während Forlán bedingt durch das Fehlen von Suárez zur unfreiwilligen Ich-Angriff-Gesellschaft mutierte.

Bei den Holländern zeigt sich eine markante Differenz im Flügelspiel. Während Robben den abschlussaffinen Flügelstürmer gibt, findet sich in Kuyt ein ständig rotierender, Bälle ebenso anziehender wie verteilender Attackenreiter. Van Bronckhorst erscheint nicht zum ersten Mal im Turnier als Schlüsselfigur in der Spieleröffnung - im Verbund mit Kuyt verpasst er der holländischen Neigung zu Statik und Ballkontrolle im Aufbauspiel eine auffällig vertikale Dynamik. Und wie vielleicht nur bei den Deutschen wird der Torhüter (Stekelenburg) ins Spiel eingebunden: Widerständen im Spielaufbau oder drohendem Ballverlust durch konsequentes Pressing begegnen die Niederländer mit vertikaler Ballrückgabe.

Uruguay ist das Bemühen um ein möglichst schnörkelloses Reaktionsspiel nicht abzusprechen. Wie in den Partien zuvor finden wir einen beeindruckenden Beziehungsschwerpunkt in der Offensive und eine relative Regelmäßigkeit hinsichtlich der Flügelachsen. Beide Außenverteidiger kommunizierten nicht nur mit ihren Flügelpartnern, sondern suchten auch Kontakt zu den Spitzen. An der vergleichsweise hohen Fehlpassquote in der Offensive lässt sich nicht zuletzt das dem intensiven Spielstil geschuldete Schwinden der Kräfte Uruguays ablesen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 8. Juli 2010, Helmut Neundlinger)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Perez-M. Pereira 15
2. Caceres-A. Pereira 14
2. M. Pereira-Perez 14
4. Caceres-Forlan 10
4. A. Pereira-Forlan 10
4. Gargano-Forlan 10
7. Muslera-Cavani 9
7. Caceres-Cavani 9
9. A. Pereira-Cavani 8
9. Forlan-A. Pereira 8
9. Forlan-Cavani 8
9. M. Pereira-Forlan 8
9. Gargano-A. Pereira 8
9. Forlan-Gargano 8
9. Godin-Caceres 8
9. Gargano-M. Pereira 8

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Gargano 93 (46/47)
2. Cavani 91 (28/63)
3. Forlan 90 (33/57)
4. M. Pereira 88 (47/41)
5. Perez 87 (48/39)
6. A. Pereira 81 (33/48)
7. Caceres 79 (49/30)
8. Victorino 67 (39/28)
9. Godin 63 (37/26)
10. Arevalo 60 (36/24)
11. Muslera 30 (24/ 6)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Arevalo 91,67 (33 von 36)
2. Godin 89,19 (33 von 37)
3. Victorino 84,62 (33 von 39)
4. Caceres 77,55 (38 von 49)
5. Perez 77,08 (37 von 48)
6. Gargano 76,09 (35 von 46)
7. M. Pereira 74,47 (35 von 47)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Van Bronckhorst-Kuyt 25
2. Van Bronckhorst-Van Persie 15
3. Sneijder-Kuyt 14
3. Van Persie-Sneijder 14
5. Van Bronckhorst-Mathijsen 12
5. Boulahrouz-Van Persie 12
7. Kuyt-Van Bronckhorst 11
7. Kuyt-Sneijder 11
7. Stekelenburg-Kuyt 11
7. Sneijder-Van Bommel 11
7. Van Bommel-Sneijder 11
12. Mathijsen-Van Bronckhorst 10
12. Sneijder-Robben 10
14. Robben-Sneijder 9
14. Boulahrouz-Robben 9
14. Mathijsen-Kuyt 9

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Kuyt 141 (58/83)
2. Sneijder 140 (61/79)
3. Van Bronckhorst 111 (69/42)
4. Van Persie 108 (32/76)
5. Van Bommel 90 (52/38)
6. Mathijsen 88 (51/37)
7. Robben 75 (28/47)
8. Van der Vaart 74 (36/38)
9. Boulahrouz 68 (45/23)
10. Stekelenburg 60 (38/22)
11. De Zeeuw 54 (29/25)
12. Heitinga 53 (32/21)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. De Zeeuw 96,55 (28 von 29)
2. Van Bommel 96,15 (50 von 52)
3. Boulahrouz 86,67 (39 von 45)
4. Sneijder 85,25 (52 von 61)
5. Van der Vaart 83,33 (30 von 36)
6. Van Persie 81,03 (26 von 32)

Der Ansatz 

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe. 

Die Analytiker 

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei der WM 2006 und der EURO 2008 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard ab 11. Juni auch die WM in Südafrika.

Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair.

Link: www.fas.at

feger77
01

ja, sah man auch im spiel, dass kuyt und sneijder die besten waren. kuyt gefällt mir bisher überhaupt gut in diesem turnier...

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