STANDARD-Interview

Fernando Rojas: "Kuba wird durch eine Lupe betrachtet"

7. Juli 2010, 19:44
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    foto: stackl

    Vizeminister Fernando Rojas: Gegen den EU-Druck.

Kubas Vizekulturminister über die EU-Kritik zur Lage der Menschenrechte, den Spielraum kritischer Blogger und das Zwischenresultat Obamas

 Fernando Rojas, Vizekulturminister Kubas, über die EU-Kritik zur Lage der Menschenrechte, den Spielraum kritischer Blogger und das Zwischenresultat Obamas. Mit ihm sprach Erhard Stackl.

***

STANDARD: Spaniens Außenminister Miguel Ángel Moratinos war in Havanna, um die nicht guten Beziehungen Kubas zur EU zu verbessern. Sehen Sie dafür Chancen?

Rojas: Kuba hat den besten Willen, dass diese Beziehungen optimal werden. Essenziell ist, dass man unsere Souveränität und Legalität respektiert und nicht versucht, uns unter Druck zu setzen. Es geht um gegenseitigen Respekt.

STANDARD: Zur EU-Kritik an den politischen Häftlingen, speziell des im Hungerstreik befindlichen Oppositionellen Guillermo Fariñas, haben Sie hier in Wien gesagt, von der internationalen Gemeinschaft werde "mit zweierlei Maß gemessen" . Wie meinen Sie das?

Rojas: Gegenwärtig befinden sich in mehr als 20 Ländern Menschen im Hungerstreik. Das ist keiner Zeitung eine Nachricht wert. Ein Mensch, der das aus freien Stücken und aus eigener Entscheidung macht, erhält die größte Aufmerksamkeit in allen Medien. Hier wird zweierlei Maß angelegt.

STANDARD: Vor dem Uno-Menschenrechtsrat hat Ihr Außenminister Bruno Rodríguez das Kuba von heute als positives Beispiel im Vergleich zur Ausbeutung und der Unterdrückung in der Kolonialzeit bezeichnet. Sie reden aber von jetzt?

Rojas: Ja. Uns betrachtet man durch eine Lupe. Wie viele "außergerichtlichen Hinrichtungen" (Morde durch Todesschwadronen, Anm.) gibt es auf der Welt? Wie viele Journalisten sind abgängig und tauchen als Tote wieder auf? Wie viele Landarbeiter verschwinden in Massengräbern? In welcher großen Zeitung steht darüber etwas? Kuba ist dagegen dauernd in den Schlagzeilen.

STANDARD: Der populäre Sänger Silvio Rodríguez und andere kubanische Künstler, die loyal zur Revolution sind, haben sich nun laut Medienberichten auch kritisch über die Entwicklung im Land geäußert.

Rojas: Die revolutionären kubanischen Künstler waren gegenüber der Revolution immer kritisch. Die Medien haben es nur erst jetzt bemerkt. Wir, als staatliche Organe für die Kultur, sind sehr interessiert daran, dass die Künstler kritisch sind.

STANDARD: Erstreckt sich das auch auf die kritischen Internetblogger?

Rojas: So etwas gibt es überall auf der Welt. Das kann man ja nicht limitieren.

STANDARD: Sie haben keine Probleme mit Bloggern? Denen wirft man doch Gesetzesübertretungen vor?

Rojas: Wir haben im Kulturbereich das Netz "cubarte" , mit mehr als 20.000 Nutzern. Am häufigsten werden dort Kritiken verfasst. Aber wenn Sie eine bestimmte Person meinen ...

STANDARD: Die bekannt kritische Bloggerin Yoani Sánchez.

Rojas: Sie bezieht erhebliche finanzielle Mittel von anderen Ländern. Sie nutzt einen Server, der in Deutschland steht und der 60-mal mehr Bandbreite hat als alle Computernetze in Kuba und der Tochter einer US-Firma gehört.

STANDARD: Es gab Hoffnung, dass die USA unter Präsident Obama ihre Haltung zu Kuba ändern werden. Hat sich etwas geändert?

Rojas: Die Wirtschaftskrise hat wahrscheinlich viele Pläne zerstört. In der Essenz sind sie positiv, aber die Regierung steht auch unter Druck der extremen Rechten. Verwirklicht wurden bisher nur die Erleichterungen für Reisen von US-Kubanern nach Kuba, die Wirtschaftsblockade ist weiter aufrecht. Und die Zahl der Kuba-Reisen von US-Kubanern ist noch weit unter dem Niveau zu Zeiten der demokratischen US-Präsidenten Clinton und Carter.  (DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2010)

FERNANDO ROJAS (48), Ex-Chef der Kulturzeitschrift "El Caimán Barbudo" . In Wien schloss er Abkommen mit dem Kuba-Kunstmuseum und der Floridita Dance Academy.

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pepitant
10
13.7.2010, 15:16
Kann das wer verifizieren ?

Sie bezieht erhebliche finanzielle Mittel von anderen Ländern. Sie nutzt einen Server, der in Deutschland steht und der 60-mal mehr Bandbreite hat als alle Computernetze in Kuba und der Tochter einer US-Firma gehört.

Wenn das stimmt, ist es ein Angriff seitens des Westens, führend wie immer USA und Deutschland, auf einen souveränen Staat und als EU-Mitglieder hängen wir mit drin. Eigentlich ist jeder mitschuldig daran, weil in unseren Breiten informationsbeschaffung als Holschuld eingestuft werden kann. Man könnte sich dafür interessieren, aber es macht offenbar keiner, sonst hätte ich davon schon in irgendeinem Medium erfahren. Es wird also mit Steuergeld Presseförderung dafür betrieben, die Konsumenten möglichst uninformiert zu halten.

Träume sind Schäume.
101
Kuba aus der Sicht der USA

Außer dem Velust von Investitionen vor 60 Jahren ist Kuba ein Glücksfall.

a) Ideale Humanressource
In Kuba, wie jedem Land, kommen besonders fähige, ehrgeizige Menschen hervor.
Da das sozialistische Ver'sagersystem diesen keine Lebensgrundlage bietet, hauen sie ab

Kombiniert mit Allgemeinausbildung und jugendl. Alter sind die 2 Mil. Flüchtlinge in Florida ein wichtiger ökonomischer Faktor.
Sie erwirtschaften mehr Reichtum/BIP im Ausland als das gesamte Castro' Regime.
Und dienen damit der US Wirtschaft

Unqualifizierte und ältere Kubaner würden das Risiko der Flucht nicht leichtfertig auf sich nehmen, ergo kommt beste Qualität in Florida an

Gleichzeitig vergreist Kuba durch niedrige Geburtenraten und Abwanderung=ökonom. Suizid ;)

En Sabah Nur - Apocalypse
10
12.7.2010, 12:22

Die Kubaner die abhauen wollen im Leben etwas erreichen, und die USA bietet ihnen diese Möglichkeit. Österreich wäre dafür viel zu blöd, ohne die EU gäbe es hier wohl keinen einzigen Ostdeutschen Professor z.B.
Fakt ist und das hat der UJC Ex-Chef der USI angesprochen, das Land bietet den jungen keine Zukunft. Greise bestimmen darüber wieviel Internet ein Kubaner nutzen kann, kein weltoffenes Fernsehen, und das in einem Land das eine Bevölkerung hatte die aus der ganzen Welt zusammengewürfelt war. Dank eines Nationalismus gibt es jetzt eine eigene Kultur. 10 x mehr Prostituierte als vor Castro aber dafür bessere Bildung, mit uralten Büchern. Kaum Papier und so weiter. Es ist einfach nur traurig.

pepitant
01
13.7.2010, 15:21
Ich weiß nicht, woher Sie das alles haben, aber

es ist zum Teil grundfalsch, geradezu konträr.
Jede Teilwahrheit ist aber eine ganze Lüge.

En Sabah Nur - Apocalypse
10
15.7.2010, 12:45

Ein großer Kubakenner, die gute Pepitant, ich hoffe wir kennen uns nicht persönlich.
Aber kannst mich ja aufklären?
Papier Ja oder Nein?
Schulbücher an den Unis Alt oder Neu?
Heute mehr wenn auch stille Prostitution als früher?
Internet wird beschränkt durch Satellit oder dadurch das der Staat das 10 fache verlangt was die Verbindung kostet?
Satellitenfernsehen im Privathaushalt?
Also was ist? Kenne ja nur knapp 1000 Kubaner die mir das erzählten und blind bin ich auch nicht.

Träume sind Schäume.
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Kuba aus der Sicht der USA

b) Militärische Sicht.
In den Angfangsjahren war das Castro Regime offen aggressiv, expansionistisch und bedrängte US freundliche Regierungen/Diktaturen in ganz Lateinamerika.
Ebenso kämpften kubanische Truppen in afrik. Bürgerkriegen (Angola).

Mit der wirtschaftlichen Inkompetenz und Wegfall des Ostblocks schoß sich das Regime aber selbst seine Stärke weg.
Das kubanische Militär/Marine ist veraltet und könnte schnell durch eine Invasion weggeputzt werden.

c) Intellektuelle Sicht:
Linksintellektuelle haben das Castro Regime schon immer gestützt, auch in den USA.

Die Medienbilder über Massenfluchten auf vor der Küste Floridas haben das Propagandabild aber irreperabel beschädigt.

Außer in Uni-Hinterzimmern glaubt niemand den Blödsinn ;)

charles reuon
06

Statt zu SCHÄUMEN und zu TRÄUMEN sollten Sie wirklich einmal dieses Land besuchen und mit den Menschen dort Kontakt aufnehmen;nur eine Empfehlung:

Erzpiefke
 
60

Genau das empfehle ich euch Linksromantikern. Verlasst dieses scheussliche Land und geht nach Kuba, um es noch paradiesischer zu machen. Wir hätten überhaupt nichts dagegen. Ich versteh überhaupt nicht, warum ihr noch dableiben wollt.

dölerich hirnfidler
70

kuba ist eine diktatur. ob links oder rechts ist dabei völlig wurscht. es ist und bleibt ein verabscheuungswürdiges, menschenfeindliches brutales und unterdrückendes system.

Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte
 
03
Sie scheinen da etwas verschlafen zu haben ^^

Das Batista-Regime konnte vor über 50 Jahren erfolgreich vertrieben werden...

Girgl Galgenstein
10
Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen

Das Batista-Regime währte keine zehn Jahre, das Castro-Regime seit mehr als fünfzig.

charles reuon
04

Warum bloss wohl????

Der Neue Mensch
10
10.7.2010, 13:48

Bestimmt weil Castro wegen seiner erfolgreichen Politik seit 50 Jahren regelmäßig in freien, gleichen und geheimen Wahlen mit +/- 98% wiedergewählt wird.

pepitant
00
13.7.2010, 15:27
Quatsch,

wahrscheinlich stützen ihn die Amis insgeheim, damit sie ihren Vorzeigefeind vor der Haustür nicht verlieren. Das passiert ihrem militärisch-industriellem Komplex nicht noch mal, dass sich der Feind wie unter Gorbi in Luft auflöst und ein wichtiges Rüstungsargument wegbricht. Obwohl man sagen muss, mit dem "war on terror" haben sie sich für die nächsten Jahrzehnte ausreichend Feinde gesichert, vielleicht könnens ja Kuba jetzt entbehren.

manfred maier
14
der soll nicht motzen, sondern sich ein beispiel an den US erschaffenen vorzeigedemokratien.....

....wie afghanistan, irak, georgien, etc. nehmen.
und würde cuba nur ein wenig beim us foltern, massakrieren und plündern helfen, wäre ihnen sicherlich ein status wie zb dem hochdemokratischen pakistan als "enger nicht nato partner" sicher oder wenigstens die jahrzehntelange freundschaft, wie zb dem natürlich gar nicht radikalislamistischen terrorfinanziers in saudi arabien.......

mistvieh666
 
20

nein.
ich glaub, kuba sollt sich an laendern orientieren, in denen der wechsel zu einer marktwirtschaft erfolgreich war. china, vietnam.
und nicht venezuela.
und die menschenrechte sind nicht kubas hauptproblem:
es gibt ca 70 politische haeftlinge (sicher, einer ist schon zuviel ...) und die gefaengnisinsassenquote ist ca doppelt so hoch wie in oesterreich, aber 1/4 der usa.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mens... on_in_Kuba
in kuba mag man das internet nicht, aber es ist eins der wenigen laender, in denen es "soziale menschenrechte" gibt.
wirtschaftlich geht es seit 1995 bergauf, aber genauso wie alle sowjetunion nachfolgerstaaten: den level, den man 1990 gehabt, den hat man nicht wieder erreicht.

manfred maier
01
"den level, den man 1990 gehabt, den hat man nicht wieder erreicht."

...dieser level hatte massgeblich mit der unterstützung der ehemaligen sowjetunion zu tun.
die sanktionen, der umfassende boykott durch die "demokratischen rechtsstaaten - hier vor allem die USA, hatte und hat natürlich dramatische auswirkungen. (die anführungszeichen bei demokratische rechtsstaaten SIND anführungszeichen)
das kubanische modell DURFTE unter keinen umständen ein erfolgsmodell werden......
zumindest halbherzig ist diese verhinderungspolitik zumindest geglückt.

pepitant
00
13.7.2010, 16:03
DURFTE unter keinen umständen ein erfolgsmodell werden..

Genau erkannt, und in Bezug auf Chiles Sozialismus unter Allende hat Kissinger das beinahe wortgleich formuliert. Aus seiner Sicht war (oder ist, ich hab schon länger nichts mehr vom guten Henry vernommen) der Kapitalismus das um soviel bessere System, dass alle konkurrierenden Systeme in extremis auch gewaltsam vernichtet werden mussten. Keine Spur von schlechtem Gewissen, obgleich er einräumt, dass er gezwungen war, unsaubere Praktiken anzuordnen bzw., wie er es nennt, seinem Geheimdienst freie Hand zu lassen.
Aber Kapital kennt nun mal keine Skrupel.
Inwiefern das für in dem System lebende Durchschnitts-Nichtherrenmenschen von Vor- oder Nachteil ist, muss jeder für sich entscheiden.

berti russell
00

sehr überzeugende antworten.

Timagoras
 
00


auf sehr zaghafte fragen.

Solidarität mit den Reichen und ihren Zuhältern!
14
Im Gegenzug hierfür könnten doch

die USA und EU eines ihrer vielen Folterlager weltweit schliessen und vielleicht einen ihrer verbrecherischen Angriffskriege beenden?

Aber das ist zuviel verlangt.

antistaberl1
20
WIESO

ist der Vizetyp schon jetzt in Wien, das Volksstimmefest ist doch erst im September ? Oder bleibt der solange da ? Na ja, eine Woche könnt er beim Erwin Lanc wohnen, dann beim Dr.Peter Kreisky, vieleicht beim Charly Blecha oder auch beim von Einem. Der Pilz oder der Öllinger würden ihm auch Quartier gewähren.....und sicher der Atlatus vom Fischer.....

Herr und Frau Österreicher
 
41

Zu leugnen, es gäbe in Kuba keine politischen Gefangenen ist Unsinn. So zu tun, als gäbe es Presse- und Redefreiheit, ist Unsinn. Kuba ist auch nicht Nordkorea und das heutige nicht-mehr-sozialistische Russland unterscheidet sich in Sachen demokratische Freiheiten auch nicht vom Inselstaat.
Andererseits frag ich mich, wieso ausgerechnet ein "sozialistisches" Land nicht mehr Freiheit zulässt (gerade nach dem Ende des staatskapitalistischen Ostblocks) - dann wäre ein Embargo auch schwerer zu argumentieren.
Aber so kann man den Amis halt die Schuld geben, für alles was schief läuft, naja...

Ernst Guevara
13
"Andererseits frag ich mich, wieso ausgerechnet ein "sozialistisches" Land nicht mehr Freiheit zulässt"

deshalb, weil kuba eben auch nur ein bürgerlicher staat ist und der gleichen logik folgt wie alle anderen bürgerlichen staaten. und diese logik besagt, dass politische macht nicht notwendigerweise demokratisch legitimiert sein muss und dass die repräsentanten der herrschaft jederzeit zu autoritären methoden und gewalt greifen, wenn es der absicherung von macht dient. das kann jederzeit und überall passieren, zb war die masseninternierung in heiligendamm 2008 ein solcher fall mitten in europa. dazu kommt, dass in kuba der "sozialismus" an den staat gebunden ist und daher die furcht umgeht, dass mit einer politischen liberalisierung auch der "sozialismus" zu ende gehen würde. diese angst hatten ja auch alle machthaber des ostblocks.

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