Immobilienblase gefährdet Aufschwung - 9,5 Prozent höheres BIP prognostiziert
Wien - Das Bruttoinlandsprodukt Chinas wird 2011 um 9,5 Prozent wachsen, schätzt das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Sollte China in den kommenden fünf Jahren aber konsequent qualitatives statt quantitatives Wachstum anstreben, könnte der Anstieg geringer ausfallen, sagt WIIW-Expertin Waltraud Urban.
Im März 2010 importierte China erstmals seit Beginn des Wirtschaftsbooms mehr Waren als es ausführte. Mittlerweile hat sich das wieder geändert. Trotzdem liegen Import- und Exportrate nur knapp auseinander. Diese Entwicklung lässt sich, sagt Urban, hauptsächlich mit dem aktuellen Euro-Kurs erklären: Durch den verhältnismäßig schwachen Euro seien chinesische Waren am europäischen Markt derzeit teurer. Das schwäche die Nachfrage. Umgekehrt könne China europäische Ware günstig importieren. Der Handel mit der EU macht insgesamt 18,6 Prozent des chinesischen Exports aus. Weil die chinesische Wirtschaft im Vergleich zu ihren Haupthandelspartnern USA und EU viel schneller wächst, erwartet das WIIW für die nächsten Jahre ein geringeres Plus bei Handels- und Leistungsbilanz als in den Jahren vor der Krise.
Turbulent ist auch die Entwicklung am Immobilienmarkt: Chinesische Spekulanten haben eine Immobilienblase ähnlich jener in Spanien ausgelöst. Der Immobiliensektor allein macht zehn Prozent des chinesischen BIPs aus. (Andrea Vyslozil, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.7.2010)