Osteuropa am freundlichsten zu Investoren

András Szigetvari, 07. Juli 2010 17:58

Schnelle Verfahren und nur wenige rechtliche Hürden: Nirgends sind ausländische Investoren so willkommen wie in Osteuropa

Schnelle Verfahren und nur wenige rechtliche Hürden: Nirgends sind ausländische Investoren so willkommen wie in Osteuropa. Wer sein Geld in Indien oder Griechenland anbringen möchte, braucht dagegen einen langen Atem.

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Wien - Wer sich gerade überlegt, sein erspartes Geld in Angola zu investieren, sollte viel Zeit haben. Ein Ausländer muss in Angola durchschnittlich 263 Tage warten, bis er alle behördlichen Genehmigungen beisammen hat, um ein Unternehmen gründen oder kaufen zu dürfen - nirgends auf der Welt dauert es länger.

Zu diesem bemerkenswerten Ergebnis kommt eine Untersuchung der Weltbank, die sich erstmals detailliert dem Thema "ausländische Direktinvestitionen" widmet. In mehr als 2000 Einzelinterviews wurde abgefragt, welche Hürden ausländische Investoren in 87 ausgewählten Staaten nehmen müssen. Präsentiert wurde die Studie am Mittwoch in Wien.

Während die Wartezeit auf Genehmigungen in Angola lang ist, steht am anderen Ende der Skala mit Ruanda ein weiteres afrikanisches Land. Trotz Kritik an seinem autoritären Führungsstil wird Ruandas Präsident Paul Kagame international für die wirtschaftliche Öffnung des Landes seit zwei Jahren regelmäßig gelobt.

So rasch wie in Ruanda geht es in den Industrieländern nicht: Im OECD-Schnitt wartet ein ausländischer Investor 22 Tage. In Österreich sind es sogar 30.

Die Weltbank hat zudem einen eigenen Investmentindex entwickelt, der länderübergreifende Vergleiche ermöglicht. Bewertet wird in dem Index die Zahl der Schritte, die für eine Firmengründung notwendig sind, und deren Dauer. Während Griechenland schlecht abschneidet (hinter Tunesien), liegen mit Slowakei und Rumänien zwei osteuropäische Staaten auf Platz eins und zwei.

Osteuropa und Zentralasien ist überhaupt die Region, die am offensten ist für ausländische Gelder. Hier unterliegen Investments in Banken-, Bau-, Gesundheitswesen sowie in den Einzelhandel keinen rechtlichen Beschränkungen.

Schlusslicht in dieser Kategorie ist Südostasien. Ausländisches Eigentum wird etwa in Sri Lanka nur in Minen oder der Öl- und Gasindustrie geduldet. Mit wenigen Ausnahmen erlaubt Indien in seiner Landwirtschaft überhaupt kein ausländisches Eigentum. Indien erlegt Investoren sogar noch strengere Beschränkungen auf als China.

Weltweit gilt: Gesetzliche Schranken für ausländische Investitionen bestehen am ehesten im Medienbereich, im Transportsektor sowie bei Elektrizität und Telekommunikation. Die wenigsten Beschränkungen gibt es in Bau, Tourismus und Handel.

Angesehen hat sich die Weltbank auch, ob Unternehmer Schiedsgerichte im Streitfall anrufen können und ob sie die Möglichkeit haben, Land zu erwerben. Beim Landkauf schneidet Osteuropa nicht gut ab. In Rumänien und der Ukraine fehlen öffentliche Register, in Polen kann es fünf Monate dauern, um ein Grundstück zu leasen. Bei der Schiedgerichtsbarkeit ist Südasien schwach. Dort dauert es durchschnittlich 388 Tage, bis ein Schiedsspruch umgesetzt wird.

Langsame Prozedur

Wie offen ein Staat für Investments ist, sagt laut Weltbank nur bedingt etwas darüber aus, wie viel Geld aus dem Ausland tatsächlich kommt. Ausländer investieren etwa trotz des schlechten Abschneidens kräftig in Südasien.

Pierre Guislain, Direktor der Abteilung für Investitionsklima bei der Weltbankgruppe, betonte bei der Präsentation des Berichtes in Wien, dass die Weltbank weniger Regulierung nicht automatisch für besser hält. "Aber davon, dass eine Prozedur sehr lange dauert, hat niemand etwas."

Dass Staaten, die von hohen Kapitaleinflüssen abhängig waren, nun besonders unter der Krise leiden, wollte Guislain nicht gelten lassen. Ausländische Direktinvestitionen in Unternehmen seien im Gegensatz zu reinen Finanzinvestments beständiger und daher nicht so krisenanfällig. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.7.2010)

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