Postenbesetzungen

Wrabetz will TV-Hauptabteilungen befristen

7. Juli 2010, 15:30

Bis Ende 2011 - Personalentscheidungen "zeitnah" zu Vorschlägen des Redaktionsausschusses und Beratungen mit Direktoren - Grasl interessieren an Oberhauser "nur Finanzfragen"

Wien - Gleich mehrere Stunden diskutierten Redakteursvertreter am Mittwoch mit ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz über die anstehenden Personalentscheidungen. Für die TV-Magazine, die TV-Wissenschaft sowie für den Radiosender Ö1 werden neue Chefinnen bzw. Chefs gesucht. Die Leitungsfunktionen für die Fernseh-Hauptabteilungen will Wrabetz bis 31. Dezember 2011 befristen, wie er den Redakteursvertretern mitteilte.

"Channel Manager"

Schon in Alexander Wrabetz' Strategiepapier von 2009 stand der Plan, ORF 1 und ORF 2 zwei "Channel Managern" zu unterstellen. Im APA-Interview ließ er durchklingen, dass das Modell mit der nächsten Geschäftsführungsperiode ab 2012 umzusetzen wäre. Die Bedeutung der Hauptabteilungen würde dadurch abnehmen. Auch zum Bestellungsprozedere nahm Wrabetz Stellung. Er werde "zeitnah" zum Vorschlag des Redaktionsausschusses sowie der Beratungen mit den zuständigen Direktoren entscheiden, sagte der ORF-Chef. Die entsprechenden Abstimmungsergebnisse und Vorschläge der Redakteursversammlung wurden im Laufe des Mittwochnachmittag erwartet.

Um die Postenbesetzungen war in den vergangenen Wochen eine heftige ORF-interne und öffentliche Diskussion entbrannt. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die Entscheidung über die Leitung der Fernsehmagazine, die die "ZiB"-Journalistin Lisa Totzauer als aussichtsreiche Bewerberin gilt. Totzauer wurde in Medienberichten als ÖVP-Wunsch bezeichnet, weiters wurden angeblich gute Kontakte zum Kaufmännischen Direktor Richard Grasl sowie zum niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (V) ins Spiel gebracht. Kolportiert wurde Widerstand gegen Totzauer aus dem Kreis der Magazinredakteure sowie von Informationsdirektor Oberhauser. Oberhauser soll für den Fall der Bestellung Totzauers seinen Rücktritt angedroht haben.

Oberhauser verdanke seinen Job dem BZÖ

In einem internen Mail erklärte der Informationsdirektor, dass es ihm ausschließlich um die Frage gehe, wer die Personalpolitik im ORF bestimme. "Machen das die vom Stiftungsrat gewählten Mitglieder der Geschäftsführung oder machen das politische Parteien. Hier geht es um nicht mehr und nicht weniger als um die Erhaltung der journalistischen Freiheit und Unabhängigkeit". Oberhausers Einsatz für "journalistische Freiheit" im ORF sorgte am Mittwoch aber auch für Kritik. Oberhauser verdanke seinen Job dem BZÖ, meinte etwa der frühere ORF-Magazinjournalist und künftige "Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter am Mittwoch gegenüber der Tageszeitung "Österreich".

Brandstätter war 2006 einer der Kandidaten für den Posten des ORF-Generaldirektors und nahm an den Hearings zur ORF-Wahl teil. Damals wählte eine Regenbogen-Koalition aus SPÖ, BZÖ, FPÖ, und Grünen die neue ORF-Führung mit Generaldirektor Wrabetz und Informationsdirektor Oberhauser. "Peter Westenthaler hat zu mir gesagt: Ich wähle nur jemanden, der Elmar Oberhauser zum Direktor macht. Auf meine Frage, warum, hat er gesagt: Der ist mein Freund", sprach Brandstätter Oberhauser schon vor einigen Tagen in der Tageszeitung "Die Presse" die Glaubwürdigkeit in Sachen Postenbesetzungen ab.

Grasl: Nur Finanzfragen interessant

Dass hinter den Kulissen um die Personalentscheidung bei den Fernsehmagazinen auch ein Match zwischen Oberhauser und dem Kaufmännischen Direktor Grasl läuft, stellte letzterer gegenüber der Tageszeitung "Österreich" in Abrede. "An Elmar Oberhauser interessieren mich nur Finanzfragen, zum Beispiel die Kosten des Haas-Hauses für 'im Zentrum'. Personalfragen in seinem Bereich hat er mit dem Generaldirektor zu besprechen", wird Grasl zitiert.

Nach den - nicht bindenden - Empfehlungen der Redakteursversammlung ist Wrabetz nun auch am Zug. Bis zum Jahr 2002 gab es im ORF-Gesetz bei der Bestellung von Hauptabteilungsleitern ein Vorschlagsrecht der Direktoren. Nach der damaligen Gesetzesänderungen war dies nicht mehr ausdrücklich vorgesehen. Betont wurde vielmehr das Weisungsrecht des ORF-Generaldirektors. Trägt der Generaldirektor Vorschlägen von Direktoren allerdings nicht Rechnung, haben diese das Recht, vom Stiftungsrat gehört zu werden. Wrabetz kann eine Entscheidung auf Basis dieser gesetzlichen Bestimmungen also de facto auch allein und ohne Zutun der Direktoren treffen. Neben der Leitung der Magazine werden auch neue Leiter für die TV-Wissenschaft und Ö1 gesucht. Als Favoriten für diese Positionen gelten TV-Religionschef Gerhard Klein, der die TV-Wissenschaft zusätzlich übernehmen könnte, sowie Radio-Chefredakteurin Bettina Roither. (APA)

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