Schulpsychologen registrieren mehr Verhaltensauffälligkeiten

07. Juli 2010 14:02
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    grafik: apa/hirsch

    Am meisten verhaltensauffällige Schüler gibt es laut den Schulpsychologen in Tirol, den höchsten Anstieg verzeichnet Kärnten.

Kärnten als "Spitzenreiter" - Jeder zweihundertste Pflichtschüler 2009 in Beratung

Die Zahl an Pflichtschülern, die wegen Verhaltensauffälligkeiten von Lehrern oder Eltern zur Schulpsychologischen Beratung geschickt werden, steigt. Waren 2007 noch 2.274 Sechs- bis 14-Jährige deshalb beim Schulpsychologen, waren es 2009 bereits 3.130. Demnach wurde im vergangenen Jahr jedem zweihundertsten Pflichtschüler (0,51 Prozent) schädigendes oder selbstschädigendes Verhalten - von Suchtmittelmissbrauch oder Essstörungen über Vandalismus bis zu psychosozialen Störungen oder Verwahrlosungserscheinungen - attestiert.

2007 traf dies auf 0,35 Prozent der Pflichtschüler zu. Das zeigte die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

Stärkster Anstieg in Kärnten

Den stärksten Anstieg bei den Beratungsfällen gab es zwischen 2007 und 2009 in Kärnten, wo sich der Anteil von 0,37 Prozent auf 1,24 Prozent der Pflichtschüler mehr als verdreifacht hat (siehe Grafik). Auch in der Steiermark gab es hohe prozentuelle Zuwächse, ebenso in Vorarlberg und im Burgenland. Eine leichte Zunahme beim Anteil der vom Schulpsychologen behandelten Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten gab es in Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg und Wien. In Tirol gab es hingegen einen geringen Rückgang von 0,37 auf 0,35 Prozent.

Anstieg wegen Sensiblisierungmaßnahmen an Schulen

Bei den genannten Zahlen handle es sich lediglich um einen "Ausschnitt aus dem quantitativen Spektrum der Verhaltensauffälligkeiten im Pflichtschulbereich", wird in der Anfragebeantwortung betont. Immerhin seien dabei nur jene Fälle erfasst, in denen verhaltensauffällige Schüler von der Schulpsychologie beraten wurden. Die Daten würden allerdings belegen, dass sich die Inanspruchnahme "kontinuierlich von 2007 bis 2009 erhöht" habe und zeigten eine "zunehmende Tendenz bei der Fragestellung 'Verhaltensauffälligkeiten'".

Das Unterrichtsministerium führt die Zunahme bei den Beratungen allerdings nicht auf eine Zunahme der Verhaltensauffälligkeiten an sich zurück, sondern auf Sensibilisierungsmaßnahmen an Schulen wie die Projekte "Weiße Feder" oder "Faustlos". Dazu komme, dass die Zahl der Schulpsychologen 2009 um 20 Prozent auf 180 aufgestockt worden sei und dieses erweiterte Angebot von Lehrern und Eltern auch genutzt werde. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 35
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f.j.neffe
 
14.07.2010 10:36
"Die Kinder werden auffällig, damit uns was auffällt."

In den USA stieg die Zahl der Schulpsychologen von 1970 - 1995 von 455 auf 16.146 und die Zahl der Schülerselbstmorde im gkl´´leichen Zeitraum von rund 200 auf rund 10.000.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer regen mich solche Zahlen doch an, etwas genauer hinzuschauen.
Die Kinder werden auffällig, damit uns was auffällt, nicht damit wir "unauffällig unsere bewussten Anstrengungen verdoppeln. Das macht nämlich alles nur für alle doppelt anstrengend.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

Gerhard Müller
08.07.2010 11:43
Wenn es in einem Bundesland

zwei Schulpsychologen gibt, und diese Zahl wird nun auf 4 erhöht, dann muss was gemacht werden:

Man setzt einfach die Stufe, ab wann man von einer Verhaltensauffälligkeit spricht, tiefer. Bei einer realen Zunahme von 20% an Schulpsychologen ist es eher erstaunlich, dass es nur zu einer Zunahme in der genannten Prozentanzahl kommt.

Bei 6 Schulpsychologen wird Nasenbohren auch schon zu einer Verhaltensauffälligkeit erklärt.

Würden Schulpsychologen sich nicht selbst ihre Klientel heranzüchten, wären sie unnütz. Und Arbeitslos.

Was aber nicht heißen soll, dass es nicht wirkliche Probleme in diesem Sektor gibt.

Im Endeffekt bestimmt das Budget die Anzahl der Probleme, nicht umgekehrt!

Ich gebs zu
09.07.2010 07:58
Ich glaube, dass Sie sich hier irreführen haben lassen.

Es ist überhaupt nicht gesichert, dass die Schulpsycholog/inn/en die wirklichen Zahlen kennen. Da sie auf Meldungen von Seiten der Schulen angewiesen sind, erfahren sie nur das, was ihnen mitgeteilt wird.

Wenn -- so wie ich das selbst erlebt habe --, der Gang zum schulpsychologischen Dienst eher als kontraproduktiv erlebt wird, wird diese Zahl noch zusätzlich verfälscht.

e22
08.07.2010 11:22
sehe ich auch so

die Verhaltensauffälligkeiten von Lehrern nimmt dramatisch zu!

patmos
08.07.2010 12:45

Sorry, aber mit Ihren Grammatikkenntnissen konfrontiert würde ich als Deutschlehrer auch verhaltensauffällig werden.

Ich gebs zu
07.07.2010 19:12
Richtig müsste es heißen: Schulpsycholog/inn/en haben von mehr

Fällen erfahren.

Im Allgemeinen versucht man solche Probleme nämlich ohne das segensreiche Wirken dieser Damen und Herren zu lösen.

Erstens bekommt man ohnehin keinen Termin.

Zweitens gibt es auf dem freien Markt Psychotherapeuten, die -- sagen wir es gelinde -- realitätsnäher agieren.

Kassiopeia_K
08.07.2010 21:35

Ich denke, die Verfügbarkeit von Terminen ist auch bundesländerabhängig. Kann sein dass es zB in Wien sehr schwer ist einen Termin zu bekommen.
Psychotherapeuten leisten zwar tolle Arbeit, behandeln aber eigentlich krankheitswerte Störungen und sind in erster Line mitunter sehr teuer. Psychologische Beratung bietet Menschen Unterstützung, die mit komplexen Situationen oder Entscheidungen konfrontiert werden, wie es meistens bei VerhaltensAUFÄLLIGKEITEN (nicht Störungen) der Fall ist. Und bei einem Psychotherapeuten einen Platz bekommen geht genauso wenig von heute auf morgen.

Ich gebs zu
09.07.2010 12:44
Ich spreche über Niederösterreich

und könnte Ihnen da Einiges erzählen. Wenn ich so wenige Verhaltensoriginelle meinen Klassen sitzen hätte, wie die Psychologin als ihre persönliche Schmerzgrenze für die Betreuung angab, wäre Unterrichten der reine Lenz.

Mit anderen Worten: Meiner bescheidenen, nicht repräsentativen Erfahrung nach hat ein durchschnittlicher Lehrer mehr an Problemfällen "nebenbei" zu betreuen, als sich eine Sprengelpsychologin zumutet.

So einfach hätt ich's auch manchmal gern.

Lemure
 
08.07.2010 10:25
und viertens haben sich diese Schulpsychologen

bis vor kurzem für "Verhaltenskreative" gar nicht zuständig erklärt, sie waren mit Tests und ähnlich Theoretischem ausgelastet. Von denen ist keiner jemals in einer Klasse gestanden. Keine Ahnung, ob sich das jetzt geändert hat.

systemfehler1
08.07.2010 09:09
...und drittens heißt es jetzt richtig:

verhaltenskreativ.
Aber das wissen gute Journalisten ja.....

GoodieGoodie
08.07.2010 10:26

Ich dachte, "verhaltensoriginell" ist gerade aktuell.

Pestassori
22.08.2010 12:01
Reziprok zur Problemintensität ...

... änderte sich die Bezeichnung für diese spezifische Schülergruppe in den letzten Jahrzehnten von
"verhaltensgestört" zu
"verhaltensauffällig" dann zu
"verhaltenskreativ" bis zu
"verhaltensoriginell" ...

Insofern muss man den Schulpsychologen eine besondere Art der "Bezeichnungskreativität" zubilligen!

sam duke
07.07.2010 18:23
je mehr psychos

desto mehr psychos

-..--.--
07.07.2010 17:36
Dabei

haben's im Kindergarten schon Pädagoginnen.

sociovation
07.07.2010 16:33
Alle LehrerInnen und auch alle Eltern,

die Kinder in der Schule haben, wissen, dass diese Zahlen absolut lächerlich sind.

Sam Deer
 
08.07.2010 06:47
Nu immerhin

193 Kinder in Wien *ggg*

Eine rasche Erhebung an den Wiener Pflichtschulen ergäbe locker einen zehnfach höheren Betreuungsbedarf. Man kann die Zahlen auch künstlich niedrig halten, indem man mit Wartezeiten für die Betreuung von einem halben Jahr konfrontiert wird.

Kassiopeia_K
07.07.2010 17:58

Meinen Sie damit, dass die Zahlen nach unten oder oben hin gesehen nicht stimmen? Wenn Sie meinen sollten, dass es sich um eine zu geringe Zahl handelt, dann möchte ich darauf hinweisen dass - wie auch im Artikel angemerkt wurde - nur jene Fälle gemeint sind, die sich tatsächlich an einen Schulpsychologen wenden.

Ich gebs zu
07.07.2010 22:47
Antwort siehe oben.

Ich kann nur auf meine Erfahrungen beziehen und muss feststellen, dass die Unterstützung durch Schulpsychologen erstens schwer zu bekommen und dann selten eine wirkliche Hilfe ist.

Kassiopeia_K
07.07.2010 23:10

Das heißt Sie haben mehrere Erfahrungen mit dieser Einrichtung?

Ich gebs zu
08.07.2010 10:38
Ja, und zwar sowohl in meiner Eigenschaft als Lehrer

als auch als Rat suchender Elternteil.

Letzteres hat funktioniert, da es sich lediglich um einen Begabungstest handelte.

Einige Schüler/innen mit massiven Problemen habe ich zur im Sprengel amtierenden Schulpsychologin geschickt. Es war jedes Mal ein absoluter Reinfall.

Allerdings haben wir in der Schule mittlerweile ein paar Kontaktadressen von wirklich guten Psychotherapeuten, die einigen unserer Schüler sehr erfolgreich helfen konnten.

Falls es Sie interessiert, die "gängigen" Probleme (unsystematisch): Depressionen, Selbstverletzungen, Traumata durch Selbstmord des Vaters (kommt alle paar Jahre vor), grausliche Scheidungen oder Tod von engen Angehörigen, neurologische Störungen, Dyslexie usw.

clangi
07.07.2010 16:15
sehr gut, dass die gutbezahlten psychologen sowas herausgefunden haben!

hätte man einfach einen lehrer gefragt, der hätte sicher was anderes gesagt!!
oder?

Alfred Busenschauer
08.07.2010 14:01

Bis zu den gutbezahlten (!) Psychologen habe ich Ihren Post mit Interesse gelesen. Ab dann war mir klar, dass Sie offensichtlich keine Ahnung haben.

Ich gebs zu
09.07.2010 12:47
Also, das Gehaltsschema der Schulpsychologen ist öffentlich zugänglich.

Die leben -- anders als freiberuflich tätige Therapeuten -- nicht so schlecht. Vor allem können sie sich Belästigungen per Warteliste vom Hals halten.

Und das tun die -- recht erfolgreich. Wie sonst könnten so absolut unrealistische Zahlen in die Welt geschwätzt werden?

coolio
07.07.2010 15:27
könnte sein

, dass die zahlreichen abgänger von den ehemaligen pädaks und jetzigen fhs auf jobsuche sind.

Fritz Meyer
07.07.2010 22:14
In Ihrem Fall...


gab's wohl eher einen akuten Mangel an Deutschlehrern.

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