EU-Ratspräsidentschaft

Belgien will Europa "wieder in Fahrt bringen"

7. Juli 2010, 11:32

Leterme geißelt den Pessimismus auf dem Kontinent - Schaffung von Jobs und Wachstum oberste Priorität

Straßburg - Der neue belgische EU-Ratspräsidentschaft will Europa "wieder in Fahrt bringen". "Europa scheint das Vertrauen in die Zukunft verloren zu haben", beklagte der belgische Ministerpräsident Yves Leterme am Mittwoch in einer emotionalen Antrittsrede als Ratsvorsitzender im Straßburger Europaparlament. "Wir dürfen nicht verzweifeln in der multipolaren Welt. Was jetzt passiert, ist kein Niedergang des Westens, im Gegenteil", sagte Leterme. Oberste Priorität der Präsidentschaft sei es, mehr Jobs zu schaffen.

Leterme geißelte den in Europa vorherrschenden Pessimismus. "Dieses Europa schafft es nicht, glücklich zu sein. In Asien sind Energie und Selbstvertrauen fast überall greifbar. Amerika glaubt immer noch an sich selbst, trotz aller Probleme. Und Afrika verleiht die Fußball-WM neuen Elan." Europa stehe zwar vor "gewaltigen Herausforderungen", habe aber mit seinem hohen Wohlstandsniveau "alle Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein". Allerdings müsse Europa "noch härter arbeiten" um diesen Wohlstand aufrecht zu erhalten. Dafür brauche es mehr gemeinsame europäische Regelungen, bekannte sich Leterme mit "ganzem Herzen" zur EU-Gemeinschaftsmethode.

"Mehr Haushaltsdisziplin"

Die Ratspräsidentschaft wolle für Wirtschaftswachstum unter Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Aspekten sorgen, sagte Leterme. "Es gibt kein nachhaltiges Wachstum ohne soziale Kohäsion." Allerdings sei ein Wachstumsrate von zwei Prozent erforderlich, "damit wir unser europäisches Sozialmodell finanzieren können". Ein Instrument für nachhaltiges Wachstum können auch "gemeinsame inspirierende Industrieprojekte" nach dem Vorbild von Airbus oder Ariane sein.

Leterme bekannte sich auch zum raschen Aufbau einer EU-Finanzmarktaufsicht, über deren Kompetenzen Mitgliedsstaaten und Europaparlament derzeit uneins sind. Außerdem solle es strengere Regeln für die Budgetüberwachung und eine EU-Wirtschaftsregierung geben. "Eine Währungsunion ohne echte wirtschaftliche Koordinierung bleibt Makulatur", betonte der EU-Ratsvorsitzende. Die Mitgliedsstaaten müssten "mehr Haushaltsdisziplin" an den Tag legen, ohne dabei das Wachstum zu behindern.

"Mit einer Stimme sprechen"

Als weitere Prioritäten nannte Leterme den Umweltschutz und die Sicherheitspolitik. Die Zuwanderung sei "weiterhin eine Bereicherung unseres Kontinents", doch müssen Kriminelle und Terroristen vom Missbrauch der europäischen Freiheiten abgehalten werden. In diesem Zusammenhang zeigte sich Leterme erfreut über die für Donnerstag geplante Zustimmung des EU-Parlaments zum umstrittenen SWIFT-Abkommen mit den USA, in dem die Wahrung von Datenschutz mit effektiver Terrorismusbekämpfung kombiniert werde.

Leterme kritisierte, dass die EU-Staaten auf internationaler Ebene immer noch nicht geeint auftreten und damit das Gewicht der Union verringern. Dies habe sich etwa beim Klimagipfel in Kopenhagen im vergangenen Dezember gezeigt. "Wir müssen andere ins Boot holen für die Verwirklichung unserer Ziele. Das erfordert mehr denn je, dass die EU mit einer Stimme spricht und vorzugsweise mit einem Mund", kündigte er einen raschen Aufbau des neuen Auswärtigen Dienstes an.

Die EU-Erweiterungsverhandlungen müssen "rasch vorangetrieben werden". Die Beitrittsgespräche mit Kroatien könnten unter belgischer Präsidentschaft "in die Endphase eintreten", mit der Türkei gingen die Verhandlungen "weiter" und mit Island könnten sie begonnen werden. Zu Mazedonien, das seit fünf Jahren Beitrittskandidat ist, äußerte sich Leterme vor dem Hintergrund des Namensstreits zwischen Skopje und Athen zurückhaltender: "Wir werden versuchen, die Verhandlungen aufzunehmen."

"Profunde pro-europäische Grundhaltung"

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso schlug in seiner Wortmeldung in die gleiche Kerbe wie Leterme. "Die Frage der Beschäftigung bleibt eine Kernfrage", sagte Barroso. Er habe sehr viel Vertrauen in die belgische Präsidentschaft, weil das Land eine "europäische Berufung" habe. Die Europaparlamentarier nahmen die leidenschaftliche Rede Leterms mehrheitlich positiv an. Sie forderten den belgischen Premier zugleich auf, die Mitgliedsstaaten von einer Stärkung der EU-Institutionen im Kampf gegen die Wirtschaftskrise zu überzeugen. Bei Finanzmarktaufsicht und Wirtschaftskrise müssen die EZB und die EU-Kommission "im Cockpit sitzen", betonte der Chef der Liberalen (ALDE), Guy Verhofstadt. Der belgische Ex-Premier betonte, dass die nationalen Behörden in der Krise versagt hätten.

Mit seiner "profunden pro-europäischen Grundhaltung" sei der belgische Ratsvorsitz eine "große Chance" zur Bekämpfung der "tiefen sozialen Kluft" in Europa, sagte der Fraktionschef der Sozialdemokraten, Martin Schulz. Ähnlich äußerte sich seine Grüne Kollegin, Rebecca Harms. Der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Joseph Daul, forderte Leterme vor allem zu konkreter Arbeit statt "Katalogprioritäten" auf. (APA)

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10 Postings
db73
11

"""Dieses Europa schafft es nicht, glücklich zu sein. In Asien sind Energie und Selbstvertrauen fast überall greifbar. Amerika glaubt immer noch an sich selbst, trotz aller Probleme. Und Afrika verleiht die Fußball-WM neuen Elan."""

Dieses Europa ? Welches Europa ?
Europa sollte endlich anfangen Politik FÜR die Bürger Europas zu machen , und nicht zu gunsten aller anderen und zu Lasten der Europäer.
Wieder und wieder wird Politik gegen die Bürger gemacht ..... gerade erst wurde ein neues verhandlungskapitel mit einem 'Beitrittskandidaten' Türkei eröffnet den lediglich linke Esel und profitgeile Eliten in der Eu haben wollen.
Und da soll man glücklich sein ? Lächerlich.

iohui
10
das ist das allerhinterhältigste und verlogenste quaqua

das ich von den eulis je gelesen hab.

also dann ...
01
JA - gerade belgien....wird europa ins wachstum ... hinein-quatschen.

man braucht sich nur deren eigene vwl. performance... ansehen.

solche lobby_PR-gschichtl-drucker...
werden immer langweiliger.

alte frau
01

wenn belgien europa so integrieren will wie wallonen und flamen, dann gute nacht...

ProEvo84
00

"Dieses Europa schafft es nicht, glücklich zu sein. In Asien sind Energie und Selbstvertrauen fast überall greifbar. Amerika glaubt immer noch an sich selbst, trotz aller Probleme. Und Afrika verleiht die Fußball-WM neuen Elan."

Oh wieso sind wir da nicht früher drauf gekommen - wir müssen einfach nur glücklich sein!

zu Asien: ich zweifle daran, dass die Arbeitssklaven
in unseren Billiglohnfabriken dort vor Selbstvertrauen sprühen (Selbstmordrate?!).

zu Amerika(USA): die glauben immer noch an sich weil ihnen entweder nichts anderes übrig bleibt oder
sie's nicht besser wissen.

zu Afrika: einfach lächerlich hier die WM ins Feld zu führen - ich bezweifle, dass sie in den Bürgerkriegsgebieten großen Elan verbreitet.

gutschein
01
die eu wird ebenso zerfallen wie belgien

Der Alte vom Berge
03
Beginnt bei Belgien,...

...ihr rückgratlosen Creaturen.

Parteipolitische Einzeller.

^^

christoph hofbaur
00

der vollkommen inkompetente leterme hat bereits dreimal bei der inner-belgischen problemstellung versagt.

Stahl_____666
01
.

Belgien war ja nie als solches gedacht - Belgien ist nichts anderes als die geografische Manifestation französischer Angst vor deutscher Stärke.

goldener_drache_spielt_mit_phoenix
00
mit einer Spaltung

könnten sie wirklich wieder ein wenig Schwung in die Bude bringen...

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