Gedenken an Dollfuß

Sich der Geschichte stellen

6. Juli 2010, 18:56

Die ÖVP hat ihr Verhältnis zu Dollfuß bis heute nicht aufgearbeitet

Gelegentlich bewegt sich doch etwas, und das kommt dann überraschend: Das Bundeskanzleramt hat am Dienstag die für 26. Juli geplante Gedenkmesse zum Todestag von Engelbert Dollfuß abgesagt. Das ist doch bemerkenswert. Die Dollfuß-Gedenkmesse findet alljährlich seit Kreiskys Zeiten statt, und jedes Jahr wieder gab es eine Diskussion darüber, ob es angebracht sei, des Klerikalfaschisten Dollfuß, der nach der Ausschaltung des Parlaments 1933 diktatorisch per Notverordnung regierte, im Bundeskanzleramt zu gedenken.

Die ÖVP hatte stets argumentiert, dass der christlich-soziale Dollfuß ein Opfer der Nationalsozialisten war und immerhin für die Eigenständigkeit Österreichs eingetreten ist. Die SPÖ wiederum schien den Streit mit der ÖVP zu scheuen. Sollen sie halt des Schmalspurdiktators gedenken. Das ist - oder war - typisch für Österreich und seinen Umgang mit der Geschichte. Die ÖVP hat ihr Verhältnis zu Dollfuß bis heute nicht aufgearbeitet. Die SPÖ hatte zwar eine klare Meinung, ließ sie sich aber abkaufen, wenn es nur darum geht, den Koalitionsfrieden zu wahren.

Dieses Unverbindliche, dieses Wegschauen, das ist der unsympathische Zugang zur Aufarbeitung: Mir san mir, und wer das genau sein soll, das wollen wir gar nicht so recht wissen. Dass die Geschichtsverdrängung jetzt durchbrochen wird, wenn auch nur mit einer symbolischen Geste, ist ermutigend. Aus Geschichte kann man auch lernen. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2010)

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Posting 1 bis 25 von 79
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Igor Gassner
38
Die dreißiger in Österreich

eine antidemokratische Totalitäre Partein wurde von der Anderen ausgeschaltet ( beide nennen und nannten sich die Verteidiger der Demokratie ) und schließlich werden alle beiden von noch einer radikaleren Partei eines anderen Landes eliminiert. was genau so man aus dieser Geschichte lernen ?Fressen und gefressen werden ?

Peter Hammer 06
00
26.8.2010, 19:56
Was die SDAP betrifft, sind Sie wie immer ein Märchenerzähler.

Nik M
54
Dollfuss war ein Diktator und Moerder.

Ich bin bestuerzt wie leidenschaftlich so ein Mensch, der Totengraeber der ersten oesterreichischen Republik, in diesen Foren verteidigt wird (wenn auch anonym). Es ist schockierend, wie wenig Demokratie und Buergerrechte manchen Mitbuergern wert sind.

Prof. Alois
 
10
Außerhalb österreichs hätten Sie mit so einer Äußerung keine Chance

Dort wird Dollfuß als eine Art unglücklicher Schmalspurdiktator gesehen, der aber immerhin zwei Dinge zusammenbrachte, die in diesen Zeiten der ganzen Welt nicht gelangen: Sich bewaffnet gegen die Ausbreitung Nazideutschlands stellen (Juli 34). Und dabei sterben. K ein anderer Regierungschef hat im Kampf gegen die Nazis sein Leben gelassen.

Beides wird die schweren Fehler des Februar 34 nicht ungeschehen machen. Man kann die Dinge aber nebeneinanderstellen und sie als tragische Verstrickung bewerten. Vor allem den Nachkommen der Sozialilisten wäre das dringend anzuraten: Die haben sich ja hämisch die Hände gerieben, dass es im Juli 34 dem verhassten Regime an den Kragen ging. Sie haben halt den falschen die Daumen gehalten.

Peter Hammer 06
10
27.8.2010, 07:59
Immer wieder der gleiche Unsinn....

...sich im Februar 34 beschiessen lassen und im Juli 34
womöglich, geschwächt, dem Dollfuß auch noch helfen.

Prof. Alois
 
00
27.8.2010, 17:13
Das ist das Schickal desjenigen

der sich politisch derart gewaltig irrt, dass er die Kurve nicht mehr k riegt. Den Hitler unterstützen ist halt um einiges böser, als sich intern den Zwergenfaschismus bekämpfen. Was mich so stört, das ist der Umstand, dass auch heutige Rote diesen Irrtum nicht zugeben wollen und sich innerhalb des österr. Gartenzaunes eine Geschichtswahrheit zusammenbauen, die atemberaubend ist. Lesens einmal die wikipedia in allen verfügbaren Sprachen zum Stichwort "Dollfuß".

Christoph Karl Steininger
13
Anderswo mag man aus Geschichte lernen,

hierzulande aber wird man durch Erfahrung dumm!

bora (bourgeois radical)
58
Dieses Unverbindliche, dieses Wegschauen, das ist der unsympathische Zugang ...

... zu was ? zu den skandalösen gebräuchen im muslimischen zuwanderer milieu ?

ach nein, es geht ja um wirklich dringende fragen: dollfuss der seit fast 80 jahren tot ist.

und ihr wollt regieren ???
ROFL

Vseckojedno von Jednovsek
1010
Ich kann die Argumentationen der ÖVP schon nimmer mehr hören

Dollfuß hätte sich gegen das NS-Regime gewehrt und sei durch deren Hände ermordet worden. Ja, na und? Es waren doch gerade Politiker seines Zuschnittes, die den Weg des Braunauers erst möglich gemacht haben.

Geh!danke
23
Diese Halbwahrheiten werden nicht klüger, auch wenn sie mehrheitsfähig sind

Nicht nur die Römer kannten für Krisenzeiten die (zeitlich) begrenzte Diktatur, auch bei den Griechen gabs diese Institution. Schon mal darüber nachgedacht, welche Staatsform wehrfähiger ist, eine Demokratie, schwerfällig in ihrer Beschlussfähigkeit oder eine Diktatur, die auch die Meinungsbildung beherrscht?
Das Problem Ös war aber, dass es eben kein stabiler Staat war, da Misstrauen und Kampf gege den polit. Gegner den Alltag beherrschten. Unter diesem Aspekt Dollfuß zum Sündenbock für den Untergang Ös zu stempeln, halte ich für eine Geschichtsfälschung!

bora (bourgeois radical)
49

ach ja ? wie denn ???
danke für eine erklärung :)

Vseckojedno von Jednovsek
41

Ganz einfach: indem sie durch den Abbau der Demokratie den Aufbau totalitärer Strukturen salonfähig gemacht haben.

opfer der schwarzblauen Regierung
31

schon mal was vom antisemitismus der christlich-sozialen gehört?

Freund der Sanktionen
54
Vor allem denke ich sollte man

das Problem nicht aus der Sicht der heutigen Parteien betrachten.
Auch wenn Dollfuss natürlich ein "christlich-sozialer" war, hat er mit der heutigen ÖVP nichts zu tun. Das sollte auch die ÖVP erkennen, wenn sie sich schützend, exkulpierend oder zumindest verstehend vor ihn stellt.
Dollfuss war ein klerikaler Faschist der übelsten Sorte; daß er die Eigenständigkeit Österreichs garantierte ist ebenso ein Mythos wie evident ist, daß eine Eigenständigkeit unter solchen Umständen absolut nichts wert ist.
Solange das die hartnäckigen Trachtenpärchen in der ÖVP nicht erkennen wollen, solange wird es der ÖVP auch nicht gelingen, die nötige neutrale oder objektive Betrachtungsweise für diese Figur zu finden...

mephisto6379
03

"...daß er die Eigenständigkeit Österreichs garantierte ist ebenso ein Mythos wie evident ist, daß eine Eigenständigkeit unter solchen Umständen absolut nichts wert ist..." - okay, auch eine meinung...erklärt das verhalten von vielen sozis ab 1934...

bora (bourgeois radical)
611

was macht dollfuss zu einem 'klerikalfaschisten' (jetzt mal abgesehen von den linksextremisten die ihn heute dazu machen wollen) ?

Tscharli Tschepplin
52
ÖVP-Neugebauer steht auf Dollfuß

Der ultrakonservative Lehrerunrechtsvertreter Neugebauer outet sich als Fan des Minidiktators Dollfuß, indem er gegen die Abschaffung des oben erwähnten Gottesdienstes protestiert. Er meint, ein Gottesdienst sei keine politische Veranstaltung, sondern ein "würdiges Gedenken."
Gott sei Dank hat die Kirche ihre Macht nicht meht in dem Ausmaß, wie es ihr das Dollfußregime zumaß.
Neugebauer wünscht sich wahrscheinlich wieder eine solche Kirchendiktatur, sonst wäre ihm nicht so leid um das Dollfußgedenken.

Hafner
1112
Dollfuß hat Österreich ...

... immerhin vor einer sozialistischen Diktatur bewahrt.
Das ist schon eine Großtat.

E. Pagliacci
63
Diese Behauptung widerspricht den historischen Fakten!

Es gab in Österreich niemals Anzeichen einer sozialistischen Diktatur. Im Gegenteil: die österr. Sozialdemokraten waren Musterschüler in Sachen Demokratie. Sie lehnten vehement den Kommunismus ab und grenzten sich gg ihn ab. Das gelang ihnen viel besser als den dt. Sozialisten. Die Gefahr eines diktatorischen Sozialismus war reine Propaganda der CS oder VF, war Schimäre, gg die man den faschistischen Wahn einsetzen konnte.

*QED*
07
27.7.2010, 18:17
Das nennen Sie Fakten?

Die österr. Sozialdemokratie stand weit links von der
deutschen und träumte von einer "sozialistischen
Revolution" nach dem Muster der SU. Bürgerliche
die Widerstand leisten sollten "mit den Mitteln der
Diktatur" ausgeschaltet werden. So Otto Bauer 1926.

peter marx
12
Verdrängung

Die Diktatur des Proletariats,die jahrelang im Parteiprogramm der SPÖ zufinden war, verdrängen wir halt ein bisserl.

mephisto6379
12

...wenn "die österr. Sozialdemokraten" nur ein homogener block gewesen wären...

E. Pagliacci
11

Bei der Beurteilung einer Partei, ist es ratsam, zw Parteiführung und einfachen Parteimitgliedern zu unterscheiden. Meine Aussagen waren iW auf die Mächtigen der Partei, also ihre Führer gerichtet. Sich darauf zu konzentrieren, was einfache Parteimitglieder gedacht, gesagt, gewollt, gewählt haben, würde die ganze Sache bis zur Lächerlichkeit trivialisieren.

bora (bourgeois radical)
25

sozialismus ist doch eh ursuper. es gibt keine armen mehr und alle sind gleich. diese gleichheit feiern wir dann mit einem fest zu ehren der diversität ;)

Erisian Liberation Front
36
Hat sich

eigentlich die SPÖ schon mit dem Putschversuch im Februar 1934 auseinandergesetzt und sich von den damaligen Akteuren distanziert?
Das Renner Institut aufgelöst und den Renner Ring neu benannt?
Nein?
Warum sollten sich dann die anderen von einem Kanzler distanzieren, der für sein Land und seine Weigerung, es den Nazis zu überlassen, ermordet wurde?

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