Budget entzweit Regierung und Opposition vor Sommerpause

6. Juli 2010, 17:48
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    foto: apa/neubauer

    Ab Samstag hat das Hohe Haus Sommerpause, doch die könnte nun ins Wasser fallen, wenn die Opposition wegen des Budgetfahrplans der Koalition auf Sondersitzungen besteht.

Die Opposition will sich angesichts der Verschiebung des Budgets nicht besänftigen lassen - sie sinnt weiter auf Revanche

Um 9.30 Uhr in der Früh lag am Dienstag nach einer Aussprache zwischen den Klubobleuten das Kompromissangebot von SPÖ und ÖVP für die Opposition unwiderruflich auf dem Tisch. Erstens werden der rote Kanzler sowie sein schwarzer Vize und Finanzminister in Personalunion heute, Mittwoch, gleich am Morgen das Parlament ausführlich über ihre Beweggründe für die Verschiebung des Budgets auf Dezember unterrichten.

Und zweitens sollen die Beratungen über den Haushaltsplan 2011 nach heftiger Kritik seitens Blau, Orange und Grün doch eine Woche früher beginnen. Heißt: Josef Pröll (ÖVP) hält nun seine Budgetrede am 1. Dezember anstatt wie vorgesehen am 9. Dezember - und damit hätten der zuständige Ausschuss sowie das Plenum ausreichend Zeit, über das milliardenschwere Steuer- und Sparpaket zu diskutieren. Am Tag vor Weihnachten, also am 23. Dezember, erwartet dann die Koalition vom Nationalrat, sein Budget abzusegnen, damit sämtliche Maßnahmen auch mit Jahresbeginn in Kraft treten können.

Als Grund für die späte Vorlage - normalerweise sollte das Budget im Oktober feststehen - geben die beiden Regierungsparteien hartnäckig die derzeit schwer berechenbare Konjunkturlage an. Auch späte Wirtschaftsprognosen sollen daher noch in den Hauhaltsplan einberechnet werden.

Tatsächlich stehen im Herbst aber auch in Wien wie in der Steiermark Landtagswahlen an - und deswegen, argwöhnt die Opposition, soll nun das Parlament genauso hingehalten werden wie das Wahlvolk, das damit erst nach den Urnengängen von neuen Belastungen in Kenntnis gesetzt werde.

Seit Monaten liegen die Regierung und die Opposition deswegen schon miteinander im Clinch - und trotz morgendlicher Aussprache steuerte ihr Verhältnis am Dienstag auf einen neuerlichen Tiefpunkt zu, obwohl Freiheitliche, BZÖler und Grüne schon seit Tagen abwechselnd mit Kurz- und Einwendungsdebatten, Sondersitzungsserien sowie Misstrauensanträgen gegen Regierungsmitglieder drohen.

Als Erste lehnten die Orangen den "Kompromiss" der Koalition ab. Schlicht "ungenügend" lautete das Urteil von Parteichef Josef Bucher. Seine Fraktion werde jedenfalls nicht "für einen Regelverstoß, für einen Bruch der Verfassung zur Verfügung stehen", gelobte er. Nur bei einem Einlenken und einer Präsentation des Budgets am 22. Oktober "sind wir wieder Freunde", erklärte Bucher in Richtung SPÖ und ÖVP. Dazu will der oberste Orange Blau und Grün für eine sommerliche Sondersitzungsserie gewinnen. Denn: Nun brauche es "maximalen Widerstand" alle zwei Wochen. In Richtung eigener Reihen meinte Bucher: "Wir brauchen keine Sommerpause. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist es nicht angebracht, dass die Politik Urlaub macht."

Als Nächste machten die Grünen ihrem Ärger Luft - auch sie lehnten den neuen Budgetfahrplan ab, weil: "Die Regierung tut so, als ob die anstehenden Landtagswahlen ein Grund wären, die Verfassung mit Anlauf zu brechen", sagte Vize-Klubchef Werner Kogler. Auch er pochte weiter auf Einhaltung des im November beschlossenen Zeitplans des Parlaments, der die Budgetrede für 20. Oktober vorsieht.

"Vielleicht ist die Regierung so verrückungsbereit, dass sie sich am Schluss wieder im Verfassungsbogen bewegt", ätzte Kogler. Seine Partei bestehe jedenfalls weiterhin auf einen fristengerechten Termin zehn Wochen vor Jahresende, wie es Artikel 51 vorsehe.

Was eine sommerliche Sondersitzungsreihe betrifft, mit der die Regierungsmitglieder ins Parlament zitiert werden könnten, sind die Grünen noch skeptisch, weil damit sehr großer Aufwand verbunden wäre. Daher wolle man noch über schlauere Protestmaßnahmen beraten.

Und auch die FPÖ war mit der Vorverlegung der Budgetrede um eine Woche nicht zu befriedigen. Alles andere als die budgetkonforme Frist bis 22. Oktober sei "nicht zu akzeptieren", dozierte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Und überhaupt, SPÖ und ÖVP seien bloß in Panik, dass sie bei den Landtagswahlen verlieren, wenn sie die Wahrheit über die Konsolidierung sagten.

Dazu erklärte sich Strache gegenüber mehreren Protestmaßnahmen für offen. Sondersitzungen seien für ihn genauso möglich wie eine weitere Blockade von Materien, die eine Zweidrittelmehrheit bräuchten.

Die Klubobleute der Regierung zeigten sich von den wilden Drohungen freilich nicht sonderlich beeindruckt. Josef Cap von der SPÖ erklärte, der einzige Unterschied zum ursprünglichen Vorhaben mit der Budgetrede im Oktober sei, dass das ganze Prozedere um vier Wochen zeitversetzt stattfinde. Rechtlich sei die Vorgangsweise möglich. Zudem gewährleiste man nun mit den zwei Ausschusswochen, dass es eine ausgiebige Diskussion für alle Beteiligten gebe. Und: Bedenken könnten ja auch in der Begutachtungsfrist für das Budgetbegleitgesetz vorgebracht werden.

Karlheinz Kopf von der ÖVP wiederum betonte, dass der 1. Dezember für die Budgetrede "der äußerste Termin ist" , der für die Regierung machbar sei. Damit wäre immerhin sichergestellt, dass man im Parlament gleich viel Zeit zur Beratung habe wie in früheren Jahren.

Zu guter Letzt parierte Kopf die drohenden Sondersitzungen mit der Frage, was wohl die Bevölkerung davon halte. Immerhin müssten 183 Abgeordnete mehrmals nach Wien anreisen. Und das sei mit hohen Kosten verbunden. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2010)

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15 Postings
Jogur Lukesch
00
Diskussionsforum über öst. Innenpolitik

Ich weiß, das passt jetzt vielleicht nicht hierher.
Trotzdem frage ich, ob hier jemand ein Internet-Diskussionsforum über öst. Innenpolitik kennt.

schwarze löcher nicht nur im weltraum
00
das parlament ist ja oder wird noch

umgebaut - ???
merkt man davon schon was ???
oder sind nur steuergelder verschwunden

didifelix
00

wie wärs mal zur abwechslung mit einer produktiven zusammenarbeit?

jane doe2
00

Wie wärs mal einfach vom heutigen Stand den "worst case" anzunhemen. Falls sich die Wirtschaft weiter erholt, kann das Defizit abgebaut werden (sparen von Zinsen), und falls nicht sollte man mit dem "worst case" auch noch zurande kommen. Hier geht es um ganz was anderes. Eigentlich hätten bereits schon vor Monaten in gewissen Bereichen einsparungen vorgenommen werden müssen (andere Länder haben es ja vorgemacht), aber man will ja seine Klientel nicht verärgern. Österreich ist denen doch sowas von egal!

Def. Izit
01
Wer den Verfassungseid ablegt, pfeift oft drauf

Landesregierungen
Bundesregierung
Parlamentsabgeordnete
...

Wenn Verfassung und Gesetze für diese Herr/Frauschaften nicht gelten soll, wunderts mich nicht, dass der "einfache" Bürger auch darauf pfeift.

da wrbala fredl
02

wofuer bezahlen wir diese 183 flaschen eigentlich? wirklich ausschliesslich fuers bloed daherreden und die grosse klappe? es ist echt bedenklich wie sich die westl. demokratien entwickeln und welche inkompetenten gestalten und abzocker sich da herumtreiben. von den nationalen regierungen und parlamenten bis nach bruessel - mit wenigen ausnahmen - nichts als offensichtlich geistig schwer benachteiligte verlierer, wichtigmacher und adabeis.

petrarca
00
selber besser machen.

Ich stimme Ihnen im Prinzip schon zu, aber wenn "Politik nur was für Idioten" ist, dann gehen halt nur Idioten in die Politik ....

Alexander Patjomkin
00
Was für die Reichen (Einflussreichen) gut ist, dass kommt, was ihnen nicht gut ist, kommt nicht.

So ziemlich einfach ist das. Oder kann jemand aus den letzten Jahrzehnten ein gegenbeispiel nennen? Ich nicht.

christoph0011
03
Um das Offensichtliche anzusprechen

Die verschobene Budgetrede bzw. das Handeln der Regierungsparteien reflektiert deren Angst, für ihr mangelndes Krisenmanagement und die unzureichnd ehrliche Kommunikation mit dem Volk (Bankenrettungspaket, wer zahlt für die entstandenen Schäden,...) von diesem abgestraft zu werden. Der Wähler, wenn man ihn so verallgemeinern möchte/kann, ist mündig.Das sollte die Politik nicht vergessen. Er wird sinnvolle, wenn
auch schmerzliche, Einschnitte verstehen oder zumindest akzeptieren.
Ich würde mir von den Politikern mehr "Rückgrad"
erwarten.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
02
Übrigens, er heißt nur Kopf

"Zu guter Letzt parierte Kopf die drohenden Sondersitzungen mit der Frage, was wohl die Bevölkerung davon halte. Immerhin müssten 183 Abgeordnete mehrmals nach Wien anreisen. Und das sei mit hohen Kosten verbunden."

Seit 55 Jahren nicht das Fett aus der Republik wegzureformieren, ist mit hohen Kosten verbunden.

(Bundesländer, Bundesrat, etc.)

Außerdem müssen 183 Abgeordnete nicht nach Wien anreisen.

Die können gleich da bleiben.

55 Jahre Reformstau und 'zig Mal Überholtsein von z.B. Skandinavien, sind Gründe genug dafür, daß der Tag von Regierung und Parlament von nun an 48 Stunden hat, zur Not die Nacht dazugenommen wird, die Wochenenden sowieso und das gefälligst als Auszeichnung verstanden wird!

Onward! An die Arbeit!

mikromalist
 
00
Ich glaube, WIR sollten

DIESE "Köpfe", bei den nächsten Wahlen, an der Arbeit hindern.
Wenn Sie arbeiten gefährden sie UNSER Leben.

Beim Budget haben sie das erstmals gemerkt und fürchten sich...? Deshalb wollen sie uns unser Grundrecht zu Wahlen - Information - vorenthalten.

p.s. dazu benötigten WIR eine Partei, die UNS direkte Demokratie verspricht. WIR können das besser.

schwarze löcher nicht nur im weltraum
03
wer gesetztgebung mißachtet ist kriminell

pröll macht es ständig, wie ein hobby von ihm, gesetzte zu umgehen, zu mißachten - ergo ist er ein gauner. ein schwarzer haderlump. eine marionette der industrie.
die meisten kaufmännischen gauner befinden sich in der övp.

Hazweio
03
Perfektes Outing

der gesamten Regierungsbank als verfassungsbrechende Minderleister.

stopmakingsense
03

Noch einmal:
Nein zu
- einer höheren Besteuerung des 13./14. Monatsgehalts (v.a. mit der schwachsinnigen Begründung, dass dies unfair gegenüber jenen sei, die keine Steuern zahlen),
- einer höheren Bemessungsgrundlage für die Sozialversicherung.

Stattdessen:
- Abschaffung des Amtes des BP (Aufgaben übernehmen die NR Präsidenten),
- Verkleinerung der LT, des NR und des BR,
- Zusammenlegung von Landesregierungen.

Wenn wir schon dabei sind:
- Abschaffung des Kammerzwangs (zumindest AK und WK) und
- Abschaffung des ORF-Zwangs

Def. Izit
00
Was hat das Amt des/der BP mit dem fehlenden Rechtsverständnis der zwei Regierungsparteien zu tun?

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