Turnus

Med-Uni Graz und Ärztekammer Steiermark für Approbation nach Studium

6. Juli 2010, 15:06

Einjährige postpromotionelle Ausbildung und Approbation - Gefolgt von Facharztausbildung oder "Facharzt für Allgemeinmedizin"

Graz - Für eine einjährige gemeinsame postpromotionelle Basisausbildung (Common trunk) von zukünftigen Fachärzten und "Fachärzten für Allgemeinmedizin" und eine Approbation nach dem Studium sprachen sich am Dienstag die Ärztekammer Steiermark und die Medizinische Universität Graz (MUG) aus. Mit dem derzeitigen System werde die Ausbildungszeit über Gebühr ausgeweitet.

Der Rektor der Medizinischen Universität Graz, Josef Smolle, und Ärztekammer-Präsident Wolfgang Routil sprachen sich dafür aus, den Medizinabsolventen in Österreich die Approbation (Berufsberechtigung für Mediziner) nicht erst nach einem an das Studium anschließenden dreijährigen Turnus, sondern nach dem Studium zu erteilen. Dieses Vorgehen sei in vielen europäischen Ländern, so auch in Deutschland üblich, hieß es. "Es ist hoch an der Zeit die Approbationsregelung in Österreich zu überdenken. Das derzeitige System dehnt die Ausbildungszeit über Gebühr bis ins vierte Lebensjahrzehnt aus", betonten Smolle und Routil.

Das System des sogenannten "Common trunk" sähe nach einer einjährigen Ausbildung eine Approbation vor. Ab diesem Zeitpunkt solle es die Möglichkeit geben, sich fünf Jahre lang zum "Facharzt für Allgemeinmedizin" oder zum Facharzt in einem Sonderfach auszubilden, so Routil. Durch die Approbation bestehe aber auch die Möglichkeit, ins EU-Ausland zu migrieren. Nach dem "Common trunk" wäre dann eine Niederlassung ohne Abrechnungsmöglichkeit mit der Kasse möglich.

Ärztekammer fordert Facharzt für Allgemeinmedizin

"Unser Studium ist sicherlich gleichwertig mit jenem in den Ländern, die die Approbation mit Studienschluss erteilen", zeigte sich MUG-Rektor Smolle überzeugt. Eine entsprechende praktische Ausbildung sei an der Med-Uni Graz bereits seit mehreren Jahren verankert, so der Rektor: Das Grazer Medizin-Studium endet mit einem praktischen sechsten Studienjahr, in dem bereits die Studierenden u.a. in einem fünfwöchigen Block in den ärztlichen Alltag integriert werden. Davor ist ein sogenanntes Objektives Strukturiertes Klinisches Examen zu absolvieren, bei dem die Studierenden ihre praktischen Fähigkeiten unter Beweis stellen müssen, so Smolle. Zum Erwerb dieser Fähigkeiten bietet die MUG zusätzlich ein "Clinical Skills Center", in den Studierende unter Betreuung von Tutoren an Modellen üben können.

Vonseiten der Ärztekammer wurde die Einführung eines eigenen Ausbildungsfaches "Facharzt für Allgemeinmedizin" wiederholt eingefordert. Die Reform zur Ausbildung zum Allgemeinmediziner als "Facharzt für Allgemeinmedizin" sei inhaltlich geklärt. Sie hänge jedoch nach wie vor von der Finanzierung der dafür notwendigen Lehrpraxen in den Praxen von Allgemeinmediziner ab. Diese seien vonseiten der Ärzteschaft aufgrund der neu geltenden Kollektivverträge mit der bisherigen Förderung nicht mehr finanzierbar. "Die Finanzierung muss von Bund und Land gefördert werden", so Routil.(APA)

 

Kommentar posten
16 Postings
Frederik Radunsky
00
Weil die Approbation, das "ius practicandi" keine adäquate Ausbildung in Allgemeinmedizin darstellt,

Allgemeinmedizin ein zu wichtiges Gebiet für ein "Verlegenheitsfach" ist,

Petition zur Stärkung der Allgemeinmedizin in Österreich
http://www.ipetitions.com/petition/... inmedizin/

bobwheeler
01

a) gibt es in Graz 1 praktisches Jahr während des Studiums, nämlich das letzte

b) steht ein common-trunk Jahr im Text

kiwi100
00
MedUni Graz ...

Graz ist in Ö sicher der einzige Standort der international dzt. halbwegs mithalten kann. Obwohl auch hier v.a. an den Universitätskliniken viele ProfessorInnen vergessen haben, dass dieser Titel von lateinisch profiteri „sich öffentlich als Lehrer zu erkennen geben“ kommt. In den kleinen Lehrspitälern lernt man/frau in der Regel recht viel und einen Monat verpflichtenden Allgemeinmedizin gibt es auch nur in Graz.

Bergfex3
00
Grob fahrlässig?

Wenn Sie diese Meinung haben, dann dürfen Sie es nicht nur den österreichischen Absolventen schwer machen, um in Österreich zu arbeiten. Nein, dann müssen Sie es auch den deutschen Kollegen etc. schwer machen. Vergessen Sie nicht, dass derzeit ein approbierter Arzt (aus Deutschland, Italien, Belgien etc.) in Österreich BEREITS JETZT selbständig - also OHNE AUFSICHT - arbeiten darf! Die derzeitige Regelung benachteiligt nur österreichische Absolventen.

Schurli Schorsch
 
00

könne sie nicht lesen? ich schrieb nur weil es in "anderen ländern so gehandhabt wird, heißt das noch lange nicht, dass es auch gut ist." ich würde auch in anderen europäischen staaten dafür eintreten die jungärzte nicht sofort auf die menschheit loszulassen.

Reisebegleiterin
00

in wien sinds derzeit 2 wochen verpflichtete allgemeinmedizin

Schurli Schorsch
 
20

nur weil die qualität des studiums sicher "gleichwertig" ist und es auch in anderen ländern so gehandhabt wird, heißt das noch lange nicht, dass es auch gut ist. meines erachtens ist es grob fahrlässig dipolmmediziner auf die menscheit loszulassen ohne ihnen vorher zumindest ein jahr auf die finger zu schauen und ihnen zu zeigen wie es in der praxis läuft. immerhin zweifelt ja auch keiner das aspiranten jahr für pharmazeuten an und die können weit weniger schaden anrichten als ärzte...

Reisebegleiterin
10
grob fahrlässig?!

die letzen zwei jahren an der meduni wien sind praktisch

kiwi100
02
MedUni Wien ...

praktisch? klinisch? allgemeinmedizinisch? wo, wie, was, genau soll da sein?

Reisebegleiterin
10

praktische erfahrung in der klinik, zusätzlich gibts zu den zwei jahren noch weitere 18 wochen krankenhausluft

Schurli Schorsch
 
00

und wkie siehst diese praxis aus? so wie die typische verwendung von turnusärzten, also viel papierkram und zur abwechslung ein wenig blut abnehmen, oder noch ein wenig schlimmer?

Reisebegleiterin
10

ich verstehe ihre logik nicht.
wenn der turnus so schlimm sein soll, wieso soll der turnus dann alles besser machen?

Schurli Schorsch
 
00

ich hab kein einziges wort darüber verloren, dass der turnus gut ist, so wie er ist. ich sage nur dass es immer noch besser ist 3 jahre im krankenhaus zu arbeiten als überhaupt nicht. das der turnus so wie er meistens gehandhabt wird nicht sehr zielführend und effizient ist und dringeng reformiert werden sollte, ist eine ganz andere geschichte...

Jo eh...
01

Im Turnus hat man wenigstens noch ein bisserl Praxiserfahrung. Am Anfang je nach Krankenhaus wenig bis gar keine qualifizierte, aber gegen Ende hin dann doch meist einige. Wenn man den Turnus nicht mehr hat lässt man Ärzte auf die Leute los die zwar Medikamente, Knochen und Organe rezitieren können aber denen jegliche menschliche und soziale Fähigkeiten fehlen um mit Patienten umzugehen, die nie Krankenhausalltag erlebt haben (außer in der Famulantenrolle die meist komplett umsonst ist). Das wäre eine gewaltige Verschlechterung der Ausbildung. Die Ärzte würds freuen, sicher, die haben ja auch eine starke Lobby. Aber wer schaut auf die Interessen der Patienten?

Schurli Schorsch
 
00

genau darauf wollte ich hinaus

Reisebegleiterin
11

blablabla
nachdenken!!!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.