Einjährige postpromotionelle Ausbildung und Approbation - Gefolgt von Facharztausbildung oder "Facharzt für Allgemeinmedizin"
Graz - Für eine einjährige gemeinsame postpromotionelle Basisausbildung (Common trunk) von zukünftigen Fachärzten und "Fachärzten für Allgemeinmedizin" und eine Approbation nach dem Studium sprachen sich am Dienstag die Ärztekammer Steiermark und die Medizinische Universität Graz (MUG) aus. Mit dem derzeitigen System werde die Ausbildungszeit über Gebühr ausgeweitet.
Der Rektor der Medizinischen Universität Graz, Josef Smolle, und Ärztekammer-Präsident Wolfgang Routil sprachen sich dafür aus, den Medizinabsolventen in Österreich die Approbation (Berufsberechtigung für Mediziner) nicht erst nach einem an das Studium anschließenden dreijährigen Turnus, sondern nach dem Studium zu erteilen. Dieses Vorgehen sei in vielen europäischen Ländern, so auch in Deutschland üblich, hieß es. "Es ist hoch an der Zeit die Approbationsregelung in Österreich zu überdenken. Das derzeitige System dehnt die Ausbildungszeit über Gebühr bis ins vierte Lebensjahrzehnt aus", betonten Smolle und Routil.
Das System des sogenannten "Common trunk" sähe nach einer einjährigen Ausbildung eine Approbation vor. Ab diesem Zeitpunkt solle es die Möglichkeit geben, sich fünf Jahre lang zum "Facharzt für Allgemeinmedizin" oder zum Facharzt in einem Sonderfach auszubilden, so Routil. Durch die Approbation bestehe aber auch die Möglichkeit, ins EU-Ausland zu migrieren. Nach dem "Common trunk" wäre dann eine Niederlassung ohne Abrechnungsmöglichkeit mit der Kasse möglich.
Ärztekammer fordert Facharzt für Allgemeinmedizin
"Unser Studium ist sicherlich gleichwertig mit jenem in den Ländern, die die Approbation mit Studienschluss erteilen", zeigte sich MUG-Rektor Smolle überzeugt. Eine entsprechende praktische Ausbildung sei an der Med-Uni Graz bereits seit mehreren Jahren verankert, so der Rektor: Das Grazer Medizin-Studium endet mit einem praktischen sechsten Studienjahr, in dem bereits die Studierenden u.a. in einem fünfwöchigen Block in den ärztlichen Alltag integriert werden. Davor ist ein sogenanntes Objektives Strukturiertes Klinisches Examen zu absolvieren, bei dem die Studierenden ihre praktischen Fähigkeiten unter Beweis stellen müssen, so Smolle. Zum Erwerb dieser Fähigkeiten bietet die MUG zusätzlich ein "Clinical Skills Center", in den Studierende unter Betreuung von Tutoren an Modellen üben können.
Vonseiten der Ärztekammer wurde die Einführung eines eigenen Ausbildungsfaches "Facharzt für Allgemeinmedizin" wiederholt eingefordert. Die Reform zur Ausbildung zum Allgemeinmediziner als "Facharzt für Allgemeinmedizin" sei inhaltlich geklärt. Sie hänge jedoch nach wie vor von der Finanzierung der dafür notwendigen Lehrpraxen in den Praxen von Allgemeinmediziner ab. Diese seien vonseiten der Ärzteschaft aufgrund der neu geltenden Kollektivverträge mit der bisherigen Förderung nicht mehr finanzierbar. "Die Finanzierung muss von Bund und Land gefördert werden", so Routil.(APA)