Noch immer Kluft zwischen Österreichern und Migranten an Schulen

06. Juli 2010 13:25

Studie: Auf beiden Seiten Bedürfnis nach Annäherung - Korun: "Zeit des Aneinander-vorbei-Lebens vorbei"

An den Schulen existiert noch immer eine tiefe Kluft zwischen Schülern mit österreichischen Eltern und Schülern mit Migrationshintergrund. Nur zehn Prozent der Migranten fühlen sich als Österreicher, 20 Prozent als voll integriert. Die Mehrheit der Schüler ohne Migrationshintergrund findet, dass das Projekt Integration gescheitert ist. Das ist das Ergebnis einer Studie mit 120 Schülern zwischen 14 und 18 Jahren (60 davon Migranten, die meisten islamischen Glaubens) aus ganz Österreich, die in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Erziehung und Unterricht" publiziert wurde.

"Alarmierend" findet Studienleiterin Edit Schlaffer die Aussagen der Jugendlichen zum realen Zusammenleben. Dabei gibt es nur wenige Berührungspunkte: Die Migranten werden stark von den Eltern gelenkt und nennen als wichtigste Bezugspunkte Familie, Religion und Ehre. "Sie leben zwar in Österreich, leben auch gerne hier, erleben aber täglich, dass sich das Leben in ihrer Familie ganz anders gestaltet als in der Gesellschaft um sie herum", so Schlaffer.

Keine natürliche Durchmischung

Es gibt zwischen den beiden Gruppen keine natürliche Durchmischung, sondern eine Blockbildung, die beide Seiten misstrauisch macht. Die Schuld daran schieben sich die Jugendlichen gegenseitig zu: Die jungen Migranten würden sich gezielt absetzen, ihre eigene Sprache sprechen und "quasi als kleine schwimmende Inseln durch den Schulalltag fluten", werden in dem Bericht die Aussagen der österreichischen Schüler zusammengefasst. Dazu kommt, dass jugendliche Migranten kaum Stimmen im öffentlichen Raum haben und versuchen, sich diesen durch das Auftreten in Gruppen anzueignen, was auf die anderen Jugendlichen oftmals bedrohlich wirke.

Die Migranten wiederum haben den Eindruck, dass sich die übrigen Schüler bewusst von ihnen abgrenzen. Und sie haben ebenfalls Vorurteile gegenüber den österreichischen Jugendlichen: Die würden (zu viel) Alkohol trinken, nicht an Gott glauben, gegen den Islam sein und Burschen jeden Abend ein anderes Mädchen mit nach Hause nehmen.

Klima gegenseitigen Respekts

Nichtsdestotrotz herrscht in der Klasse im Großen und Ganzen ein Klima gegenseitigen Respekts zwischen den beiden Gruppen: "Die Migranten aus dem Klassenzimmer sind meist 'die Guten', schnell finden sich Negativbeispiele aus Parallelklassen." Und: Es besteht prinzipiell von beiden Seiten ein Bedürfnis danach, mehr miteinander zu reden und sich anzunähern

Guter Anlass zur Förderung sozialer Interaktion wären gemeinsame Aktivitäten wie Exkursionen oder Sportwochen. Gerade diese sind allerdings laut Schlaffer "kritisches Terrain": Obwohl es sich dabei um Pflichtveranstaltungen handelt, dürfen die muslimischen Mädchen laut eigenen Angaben nicht daran teilnehmen; teilweise äußern sie auch selbst Bedenken. Und auch in der Freizeit leben die Migrantinnen nicht wie österreichische Mädchen: Ausgehen, Beziehungen zu Männern und Übernachtungen bei anderen Familien sind ihnen laut Befragung in der Regel nicht gestattet.

Unterschiede bei traditionellen Geschlechterollen diskutieren

Bei der Stellung der Frauen sehen die befragten Migranten ebenfalls Unterschiede: Für 25 Prozent der Mädchen und 40 Prozent der Burschen sind diese im Islam nicht gleichberechtigt. Nur ein Viertel der Migranten würde eine partnerschaftliche Beziehung bevorzugen, die dominante Rolle des Mannes soll dabei aber keinesfalls infrage gestellt werden.

Genau bei der Geschlechterfrage sieht Schlaffer einen möglichen Ansatzpunkt, um die beiden Gruppen einander trotz unterschiedlicher Normen- und Wertesysteme näher zu bringen: Indem gemeinsam diskutiert wird, wie man gewisse traditionelle Geschlechterrollen aufbrechen kann, soll den von den Jugendlichen thematisierten Konflikten die Spitze genommen werden. Bei diversen Schulversuchen habe sich diese Methode als Konfliktbearbeitungsmodell bewährt.

Grüne: "Wir brauchen mehr und offene Auseinandersetzungen"

"Die Studie 'Zusammen Leben Lernen in der Schule' zeigt einmal mehr: Die Zeit des Aneinander-vorbei-Lebens ist endgültig vorbei. Unsere Gesellschaft ist dabei, sich über die unterschiedlichen Vorstellungen, Lebensstile und Rollenbilder 'zusammenzustreiten' und das ist auch gut so. Wir brauchen mehr und offene Auseinandersetzung, zu lange wurde in isolierten Gruppen gelebt", erklärt Alev Korun, Integrationssprecherin der Grünen.

Österreich ist zum Einwanderungsland geworden. Die heutige Vielfalt bedeutet oft mehr Reibungsfläche, aber auch die Chance, sich miteinander auseinanderzusetzen. "Die Schule als Ort der Begegnung sollte diese Aufgabe durch mehr Projekte, SozialarbeiterInnen, mehrsprachige LehrerInnen und die Einbindung der Eltern mit und ohne Migrationshintergrund angehen", so Alev. (APA/red)

Die Studie "Zusammen Leben Lernen in der Schule. SchülerInnen mit Migrationshintergrund in Österreich" von Edit Schlaffer wurde im Auftrag des Unterrichtsministeriums erstellt und ist in "Erziehung & Unterricht" 5-6/2010 erschienen.

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sari1
16.07.2010 18:44

mich erstaunt, dass alev korun in diesem forum wirklich ein feindbild zu sein scheint.

ich bewerte ihr dasein positiv. sie kann für andere menschen mit migrationshintergrund ein vorbild sein. ebenso wird ihr wohl kaum der vorwurf der rassistin gemacht werden, wenn sie mehrheitsgesellschaft UND migrantInnen kritisiert. für österreich als land mit integrationswunsch an alle migrantInnen positiv.

sam duke
15.07.2010 15:22
so soll es sein

so kann es bleiben.

docw
07.07.2010 18:19

eine studie,bei der man sage und schreibe nur 120 schüler befragt. genieren sich die leute nicht,die solchen schwachsinn in auftrag geben und dafür noch bezahlen? es geht auch anders: in der bilingualen gymnasialklasse meines sohnes sind von 22 schülern genau 3 "reinrassige" österreicher(meiner ist nicht dabei),und sie verstehen sich prächtig: letztens nach der schule in unserer wohnung: ein buddhist(eurasier),ein christ(Polen),zwei muslems(kuweit und oman) und ein jude(österreich). das ist prktizierte integration-basierend auf in allen familien herrschender intellektualität.

Lemure
 
08.07.2010 10:58
Darf man raten,

dass das Interesse an dieser derart löblichen Integration von einem muslimischen Vater ausgeht und gefördert wird?
Das Hauptproblem ist ja, dass die muslimische Elterngeneration meist wenig interessiert daran ist, multikulturelle Kontakte zu fördern.

sam duke
07.07.2010 22:49
die jungen sind halt noch

idealisten und glauben an die schöne neue welt.

mountaineer
07.07.2010 12:50

Die Österreicherinnen und Österreicher trennt nur Eines: die gemeinsame Sprache, die nicht existiert, nicht an Schulen, nicht einmal am AMS.

Eine alternative Wahrheit
 
07.07.2010 12:17
Die jungen Migranten würden sich gezielt absetzen, ihre eigene Sprache sprechen ...

meiner meinung nach liegt hier das kernproblem.
warum können sie sich gezielt absondern?

weil es soviele auf einem haufen sind, dass sie ohne weiteres unter sich bleiben können.

der fehler/die verantwortung ist bei unsren zuständigen politikern zu suchen, die seit jahrzehnten dafür sorgen, dass ausländer geballt nebeneinander platziert werden, anstatt einzeln unter einheimischen, was der integration zweifellos förderlicher wäre.

auf diese weise gibt es immer nur konfrontation, kaum annäherung.

letztendlich sind aber eh schon so viele so schnell zu uns gekommen, dass es dafür wohl zu spät ist...

cyber ferkel
07.07.2010 07:50

Die Integration muslimischer Zuwanderer ist europaweit gescheitert. Warum sollen wir uns das weiterhin antun?

Deshalb: Zuwanderung nur mehr aus ähnlichen Kulturen oder Gesellschaftssystemen.

Stahl_____666
07.07.2010 09:42
.

Sehr richtig! Zuwanderung wird heutzutage nur mehr gefordert um unzählige Pseudo-Integrationsstellen mit Arbeit zu versorgen.

Lebens & Frauenberaterin
07.07.2010 03:44
Das fröhliche Quotenfrl. Korun - dieser grüne

Sargnagel, 'tschuldigung, diese grüne Sargnägelin kostet ganz besonders viele Stimmen.

Quotenfrau nix gutt - das wird Grün noch schmerzlich lernen müßen. :-)))

GoodieGoodie
07.07.2010 11:58

QuotenFRAU bei den Grüninnen???
Da könnte es doch nur einen QuotenMANN geben!

audrey187
06.07.2010 23:18
hm. die meinsten menschen mit migrationshintergrund in österreich sind aus welchem land?

a grünes stricherl
 
06.07.2010 20:29
und warum hat man ein migrantensampel genommen

dass grossteils aus muslimen besteht wenn der grossteil der migranten keineswegs muslimisch ist?

wo genau ist da die logik?

sadfasd sdfasdfas
07.07.2010 18:39

... na weil dieser kleine Teil für den Großteil der Probleme verantwortlich ist.

google
06.07.2010 20:25

Die Frau Korun ist so ziemlich das größte das Hindernis für mich Grün zu wählen.
Wo sieht die Frau das es bald vorbei ist? Unglaublich wie man so naiv durch die Welt gehen kann.

Die Gräben werden erst verschwinden wenn die Religion aus deren Köpfen ist. Da wir aber nur erzkonservative ins Land geholt haben wird das wohl noch etwas länger dauern.

Was geht die das an was ich in meiner Freizeit mache. Da ich schon lange aus der Kirche ausgetreten bin und gern ein Bier trinke werden wir wohl keine Freunde. Intollerant hoch³.


Der Artikel bestätigt so ziemlich alle Vorurteile die man nur haben kann. Vielleicht hätte man noch fragen können wie sie zur österreichischen Gay-Community steht um das ganze noch abzrunden.

Mulitkulti ist gescheiter

asinus
09.07.2010 06:33

Ich finde auch, dass Muliti-kulit gescheiter ist, aber wir sind erst auf dem Weg dorthin, und ein Vorurteil bleibt ein Vorurteil...auch in anderen Ländern geht das nicht ohne Reibungen ab.

anders and
 
06.07.2010 18:17
rund 5-10 nichtislamische männliche Migranten

zwischen 14 und 18 Jahren aus ganz Österreich wurden also für diese Studie untersucht.

Welche Kraft die daraus gewonnenen Aussagen doch haben müssen!!

Kra Wuzikabuzi
06.07.2010 17:48
und das betrifft beide seiten !

Irma la Douce
06.07.2010 19:51
Wie sähe denn eine einseitige Kluft aus?

kmmm
07.07.2010 13:10
na die liegt

halt irgendwie auf der einen seite, oder so ...

Fisch^^Fisch
06.07.2010 17:46

Noch immer?

Wahnsinn, dabei ist in den letzten 2 Wochen, seit dem letzten thematisch verwandten Artikel, so viel getan worden.

hed
06.07.2010 15:27
noch immer?

klingt so, als würde man seit 1950 versuchen das zu ändern.

na ja. im großen und ganzen wird sich das nicht ändern. das sieht man auch sehr gut am paradeeinwanderungsland usa: die sich integrieren wollen, machen es und die anderen leben in ghettos in denen man ohne englisch auch zurechtkommt.

Irma la Douce
06.07.2010 19:53
Na ganz so ...


die jungen Latinas und Latinos der zweiten Generation beherrschen die Landessprache -- im Vergleich dazu ...

xes
06.07.2010 15:04

Anstatt zu lernen sollen sich unsere Schüler jetzt mehr für die gescheiterten Integrationsträume der Grünen engagieren? Widerlich, wie diese Partei ihre Fehler auf unsere Kinder abzuwälzen versucht. Offenbar wollen sich nicht alle mit allen auseinandersetzen, und das kann man auch nicht mit Gewalt erzwingen. Schluss mit diesen grünen Träumerein und Rückkehr zur Realität.

anders and
 
06.07.2010 18:15
Sie übersehen dass

1) 50% unserer Schüler Migranten sind
2) es nicht die Grünen waren, die deren Eltern nach Österreich geholt haben (die Roten waren es übrigens auch nicht).
3) es nicht darum geht den Lernstoff zu reduzieren.

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