Der moderne Spion benützt handelsübliche Elektronik

06. Juli 2010 10:58
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Großmarkt-Laptop und Prepaid-Handy ersetzen gefinkeltes James-Bond-Equipment

Wenn James Bond zu einem Einsatz aufbricht, dann schaut er zunächst einmal im Labor von "Q" vorbei, um sich mit neu konstruierten Geräten wie einer explodierender Uhr auszurüsten. Die jetzt in den USA festgenommenen russischen Agenten nutzten offenbar vor allem handelsübliche elektronische Geräte, wie man sie in jedem Verbrauchermarkt findet.

"Jetzt benutzen sie normale Computer, normale Laptops"

"Früher hatten sie eine spezielle KGB-Ausrüstung. Jetzt benutzen sie normale Computer, normale Laptops", sagt Sujeet Shenoi, Professor für Computerwissenschaften an der Universität von Tulsa und Berater der US-Bundespolizei FBI. "Die Technik ist inzwischen so leistungsfähig, dass man eine spezielle Ausrüstung gar nicht mehr braucht."

Laut den FBI-Unterlagen, die Grundlage der Haftbefehle gegen die elf Verdächtigen waren, nutzten diese Laptops, verschiedene Speicherkarten und mindestens ein Prepaid-Handy. Zudem sollen sie auch alte Spionagetechniken wie Kurzwellenfunk, unsichtbare Tinte und Verschlüsselung benutzt haben. Kurzwellenfunk war früher durchaus nicht unüblich, würde heute aber wohl sofort den Verdacht des FBI erregen. Bei Laptops und Handys ist das zwar nicht der Fall. Die Art und Weise, wie die Verdächtigen die Geräte benutzten, lieferte dem FBI, das jahrelang observierte, aber genug Hinweise auf ihre Tätigkeit.

Ein wichtiger Punkt in der Beweisführung des FBI ist das "Spy-LAN". Nach Polizeiangaben ging eine der Verdächtigen, Anna Chapman, mittwochs in ein Cafe in Manhattan und schaltete ihren Laptop ein. Kurze Zeit später fuhr dann dort ein Kleinbus vorbei, von dem das FBI wusste, dass er von russischen Diplomaten genutzt wurde.

WLAN sehr amateurhaft und einfach abzufangen gewesen

Für Außenstehende passiert eigentlich gar nichts. Das FBI fand aber heraus, dass Chapmans Rechner so eingerichtet war, dass er über den integrierten WLAN-Chip schnell eine Verbindung zu einem anderen Laptop in dem Kleinbus aufbaute. In der kurzen Zeit, in der die beiden Rechner verbunden waren, wurden dann verschlüsselte Daten ausgetauscht. Das entdeckte das FBI mit ganz normaler Netzwerk-Software, auch hier war nichts aus "Q"s Labor im Einsatz.

Ein Experte, Glenn Fleishman, der das Blog Wi-Fi Net News betreibt, erklärt, aus technischer Sicht sei das WLAN sehr amateurhaft und einfach abzufangen gewesen. Da hätte es auch andere Techniken wie die Ultra-Breitband-Technologie gegeben, die das FBI nicht hätte abfangen können. Ein anderer Experte, Keith Melton, verweist hingegen darauf, dass die Idee mit der WLAN-Verbindung zwischen den Rechner schon recht clever war, da nichts über das Internet gesendet wurde. Die Verbindung wäre fast unmöglich zu entdecken gewesen, wenn das FBI es nicht geschafft hätte, die Ausrüstung zur WLAN-Analyse zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben.

Melton erklärt, die Technik erinnere an einen Vorläufer der heutigen BlackBerrys, mit denen die CIA in den 70er Jahren Spione in Russland ausgerüstet hatte. So konnten auch diese völlig unauffällig Nachrichten an einen Empfänger schicken. Der Nachteil der Geräte war, dass man, wenn man mit ihnen erwischt wurde, mit der Todesstrafe rechnen musste.

Prepaid

Besonders beliebt bei Spionen und auch Terroristen sind Prepaid-Handys, bei deren Kauf man in den USA bislang keinen Ausweis vorlegen muss. Das soll sich aber bald ändern, im US-Senat liegt schon ein entsprechender Gesetzentwurf. Ein solches Gerät kaufte auch Chapman. Ein verdächtiges Telefonat konnte die Polizei zwar nicht festhalten, ihr Verhalten beim Kauf war aber auffällig. Sofort danach warf sie nämlich die Verpackung und den Kaufvertrag weg. Das FBI stellte diese Dinge sicher und fand heraus, dass sie einen falschen Namen und eine falsche Adresse angegeben hatte.

Eine moderne Variante der unsichtbaren Tinte ist die digitale Steganographie. Nachrichten werden dabei in anderen Dateien versteckt, zum Beispiel in Liedern oder Bildern. Wer nicht genau weiß, wonach er suchen und welche Verschlüsselung er benutzen muss, wird die versteckten Botschaften wohl nie finden. In drei Wohnungen, die Verdächtigen gehörten, fand das FBI Hinweise auf den Einsatz von Steganographie. Und in einer, die von Richard and Cynthia Murphy genutzt wurde, fanden die Agenten auch ein auf Papier geschriebenes Passwort. Das erlaubte es ihnen, Hunderte Botschaften zwischen den Murphys und Moskau zu entschlüsseln.

Auch wenn das FBI einige seiner Ermittlungserfolge dem Einsatz moderner Technik verdankt, so hing doch viel von althergebrachten und zeitaufwendigen Methoden wie verdeckten Überwachungen und Hausdurchsuchungen ab. Und alle Technik zur Verschleierung von Spuren hilft nichts, wenn das geheime Passwort offen auf dem Tisch liegt. (Von Peter Svensson/DAPD)

 

Kommentar posten
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ÖVP und Banken sind eine Seuche !
21.07.2010 21:52
sie wollen sich verändern

wir suchen spionen, aller altersgruppen
vorkenntnisse nicht notwenig, verdienst gut,
garantierter job auch für pensionisten und jugendliche....
nebenberuflich schon als schüler anfangen
schnüffeln sie was das zeug hergibt....
wir zahlen gut.

Rauhreif
09.07.2010 10:05

cooles bild!

wann gibts das schramm-schramm-super-package beim hofer?

JosefGott
08.07.2010 20:17

Und wie gehen Spione mit DRM um?

schwarze löcher nicht nur im weltraum
08.07.2010 13:28
CIA kauft bei ich bin doch nicht blöd - man !!

schwarze löcher nicht nur im weltraum
07.07.2010 23:13
yeah... einen guten walkman !!

Eddie Eddison
07.07.2010 14:30

"Prepaid-Handys, bei deren Kauf man in den USA bislang keinen Ausweis vorlegen muss. Das soll sich aber bald ändern,.."
und
"und fand heraus, dass sie einen falschen Namen und eine falsche Adresse angegeben hatte."
Wozu genau brauchen wir diese Registrierungspflicht nochmal?

lool
07.07.2010 06:13

Spione benutzen handelsübliche Elektronik...
Komisch vor einiger Zeit hieß es beim Standard noch Ausrüstung wie James Bond...
Irgendwie ist es erbärmlich, dass die Amerikaner jetzt auf die bösen Spione machen. Ein bisschen Diskretion wäre angebracht, schließlich weiß sowieso jeder,dass die Amis CIA sei dank in allen Ländern vertreten sind.

Coleman Silk
07.07.2010 09:42

ich gebe ihnen schon recht.
nur was die cia vertretung in allen ländern angeht . . . nun ja, ein bißchen realismus wäre da angebracht. die si

lool
07.07.2010 12:07

Dann passen Sie es mich anders formulieren: In jedem Land das für die Amis interessant ist, oder eine Gefahr darstellen konnte und in diese Kategorien fällen sowieso fast alle Länder der Erde weil schon die Anzahl der offiziellen Stützpunkte äußerst groß ist. Und zu dem Gefahr darstellen jemand im Standardforum hat zu einem Artikel über Waterboarding einen guten link gepostet. Eine Dokumenten über die CIA die Folter der CIA etc.

Erwin Wolfram
07.07.2010 03:32

es geht einfach darum zu beweisen, dass man jeden verhaften kann nur unseren finanzminister nicht.

Sascha K.
06.07.2010 23:12
HA, HA, sind die Amis wirklich so doof?

Sie überwachten "Papnasen" bis die wirkliche Spione am werken waren, Ha, Ha , lol, und zu dann haben sich die FBI-Leute damit noch gebrüstet, man muss dass in Moskau eine Feier gewesen sein. Dieser KGB-Trick ist seit 60 Jahren schon bekannt, dass man "Zielscheiben" ausbildet, damit man die Profis (meistens getarnt als Schizo-affektive oder schwer depressive Patienten) von der Meute fern hält, o Gott sind die Amis primitiv.
LOL!!!!!

JosefGott
06.07.2010 18:32
Passwörter aufschreiben?

So dumm kann eigentlich kein Spion sein. Ich schreibe nur Passwörter auf, die das CIA finden darf, aber sicher nicht die von versteckten Containern.

Sir Harry....
06.07.2010 17:15
Es waren keine Spione, sondern Papnasen.

Wenn ein "Spion" darauf angewiesen ist, sich ein Passwort aufzuschreiben: was ist es denn bitte für ein Agent?

Hectic
08.07.2010 16:41

Der schafft es nichtmal zum Callcenter-Agent bei Humbold

Flaschenpost
06.07.2010 17:04
Wundert mich ja schon lange...

warum prepaid-Karten bei uns noch nicht registriert werden.
Man könnte damit im Internet allerhand anstellen, werden ja sogar von Spionen und Terroristen genutzt! Aber: Abhilfe ist ja unterwegs, im US-Senat liegt ja schon ein entsprechender Gesetzesentwurf...bei uns wirds auch nicht mehr lange dauern!

Also Freunde, wenn ihr anonym posten wollt dann geht lieber noch heute zum Hofer, sehr bald ist es vorbei mit der Anonymität im Netz!

Hectic
08.07.2010 16:43
Ich weis nicht wo es war...

...aber gabs nichtmal einen anbieter der 10€ Guthaben verschenkt hat, wenn man seine Prepaidkarte registrieren lässt?

peace & love
06.07.2010 16:02
also sind mittlerweile ...


... ALLE ein spion. selten so einen hanebüchenen quatsch gelesen.

andreas lamers
 
06.07.2010 18:02
alles standard technik

und wenn sie ein agent sind was glauben sie macht ihr leben sicherer ein gepanzerter ferrai testarossa mit raktenwerfer oder ein fiat panda mit rostflecken? unauffaelligkeit ist die beste waffe. abgesehen davon kann mand as geld dann wo anders einsetzen.

Flaschenpost
06.07.2010 17:14
Es geht doch nur darum...

eine zukünftig effizientere Netzüberwachung zu rechtfertigen. Das Netz kann unkontrolliert eine enorme politische Sprengkraft entwickeln, diese gilt es im Zaum zu halten.

Keine unregistrierten prepaid-Karten mehr, Trafficüberwachung und -filerung beim Provider, Netzsperren für böse Unangepasste, und und und...

Aber ich weiß eines: Bei diesem Katz- und Mausspiel werden die Mäuse immer in der Überzahl und schneller als die Katzen sein!

andreas lamers
 
06.07.2010 18:05
das sowieso

was aber nichts daran aendert das man die technik dazu nutzen kann. in deutschland wurde eine frau verurteilt als terroristin weil sie einen wecker gekauft hat, den gleichen type wie der fuer eine bombe verwendet wurde. waffen und mordwerkzeuge sind einfach herzustellen und nicht kontrolierbar. aber darum geht es letzten endes gar nicht. sonder darum um kritiker an der herrschenden klasse aufzufinden und auszuschalten. kontrolle zu bekommen. wobei man vergisst das kontrolle eine illusion ist.

TRockenmilch
06.07.2010 14:17

"Der Nachteil der Geräte war, dass man, wenn man mit ihnen erwischt wurde, mit der Todesstrafe rechnen musste."
....
ich will ja jetzt nicht den teufel an die wand malen, aber... ihr könnt euch den rest denken :(

GevatterTod
06.07.2010 13:13
das entdeckte der FBI mit ganz normaler Netwerksoftware

Airsnort?

brandaktuell
06.07.2010 21:23

"ganz normale netzwerksoftware" ist es nur in diesem artikel. wenn es wieder darum geht, den bürger seiner eingriffsmöglichkeiten zu berauben, wird es wieder "gefährliche hackersoftware" sein.

andreas lamers
 
06.07.2010 18:08
jeder visierte netzwerktechniker

knackt einen wpe code in 30 secunden einen wpa code in 5 minuten. selbst wpa2 ist mit der richtigen nw karte und der software kein wirkliches problem. liegt an der technik selbst.

T. Lurker
07.07.2010 11:26
Können sie mir das bitte für WPA2 einmal demonstrieren ... ?

Ich würde da liebend gern zusehen (und mitstoppen)!

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