Bezirksporträt Alsergrund

Bürgerlicher Universitätsbezirk mit Veränderungspotenzial

Sebastian Pumberger, 23. Juli 2010, 10:26
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    Seit 2003 ist Martina Malyar Bezirksvorsteherin in Alsergrund. Davor war sie Landtagsabgeordnete der SPÖ.

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    Der Strudlhofstiege setzte der Autor Heimito von Doderer ein Denkmal.

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    Drei ungefähr gleichstarke Parteien ergab die Bezirksvertretungswahl 2005. Quelle: www.wien.gv.at

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    Bei der Nationalratswahl 2008 wurden die Grünen stimmenstärkste Partei. Quelle: www.wien.gv.at

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    Auf Gemeindeebene war das Ergebnis 2005 nur geringfügig anders als im Bezirk. Quelle: www.wien.gv.at

Am Alsergrund könnte es zu einem knappen Rennen zwischen SPÖ, Grünen und ÖVP kommen

Der 9. Wiener Gemeindebezirk, der Alsergrund, ist - so sagt man - ein gutbürgerliches Pflaster. Gründerzeithäuser, gediegene Lokale und alte Strukturen zwischen Uni, AKH und Volksoper. Sigmund Freud hatte hier in der Berggasse seine Praxis, unweit davon befindet sich das Palais Liechtenstein, das die fürstliche Kunstsammlung ausstellt. Neben den Wohnvierteln ist der Bezirk geprägt von den Universitäten und den beiden Bettentürmen des Allgemeinen Krankenhauses. Sowohl die Wirtschaftsuniversität als auch die Uni Wien haben große Teile ihrer Institute im Bezirk verteilt. Für die Zukunft sind weiter Bauprojekte geplant. Die Uni Wien wird sich auch an der Rossauer Lände ansiedeln.

Zwischen universitärem Chaos und Charme

Vergangenes Jahr ging es im Bezirk einigermaßen rund. Die Situation an Österreichs Hochschulen führten zu den Studentenprotesten des Herbst 2009. Vor allem rund um die Votivkirche fanden Demonstrationen und Besetzungen statt, im Hauptgebäude der Universität, welches im 1. Bezirk liegt, wurde das Audimax wochenlang besetzt. Auch ein Hörsaal am Uni-Campus im Alten AKH wurde im Herbst von den Studierenden besetzt, dort wo Biergärten und Universitätsinstitute einander abwechseln, eine kleine Oase inmitten des Bezirks.

Die Wirtschaftsuniversität wird der Bezirk jedoch in den nächsten Jahren verlieren. Im zweiten Bezirk entsteht ein neuer Campus, da das derzeitige Gebäude zu klein und sanierungsbedürftig ist. Mitten in der Stadt gilt es nun ein neues Konzept zu finden, denn auch das Gebäude des Franz-Josefs-Bahnhof ist von der Neuplanung betroffen. Die SPÖ-Bezirksvorsteherin will in einer Bürgerbefragung die Anrainer bei der Neuwidmung des Areals - immerhin acht Prozent der Bezirksfläche - mit einbeziehen, noch ist über eine Weiternutzung noch nicht entschieden.

Hoch- und Alternativkultur

39.422 Personen wohnten 2008 im Bezirk, 23,6 Prozent von ihnen hatten keinen österreichischen Pass. Drei Hauptstraßen durchziehen den Bezirk, die Alserstraße, die Währinger Straße und die Liechtensteinstraße. Nur wenig Meter von einander getrennt liegen die Volksoper und das Werkstätten- und Kulturhaus, besser bekannt als WUK. Doch auch das Schauspielhaus liegt im Bezirk nebst des Donaukanals. Etwas in Vergessenheit geraten ist ein Bahnhof, der einst Verbindungsstück zu weiten Teilen der Monarchie war, der Franz-Josefs-Bahnhof. Von hier aus  fahren heute nur noch wenige Züge in Richtung Waldviertel und Tschechien ab, der Charme der 1950er Jahre ist in der kleinen Eingangshalle stecken geblieben. Das Verteidigungsministerium hat in der Rossauer Kaserne seinen Sitz, entlang des Donaukanals öffnet alljährlich die Summerstage die Türen für Außen- und Nachtmenschen.

Trotz all dieser Einrichtungen, der neunte Bezirk bleibt unentschlossen. Nicht hip genug für Wiens Bobos, nicht fein genug um rein bürgerlich zu sein, und zu teuer um als Wohnbezirk Karriere zu machen. Die Unis sind es, die den Bezirk  lebendig machen.

Zwischen Schwarz, Grün und Rot

Politisch ist der Bezirk äußerst umkämpft. SPÖ, Grüne und ÖVP liegen nur knapp auseinander Zwar konnte die SPÖ mit 33,8 Prozentbei der Bezirksvertretungswahl 2005 die meisten Stimmen erzielen, die Grünen (29,4 Prozent) wurden jedoch mit nicht allzu großem Abstand zweitstärkste Kraft. Die ÖVP, die zwischenzeitlich immer mal wieder den Bezirksvorsteher stellte (zuletzt jedoch von 1978 bis 1991), kam auf 25,5 Prozent, die FPÖ lediglich auf 8,2 Prozent.

Deutlicher fiel das Ergebnis bei der Gemeinderatswahl aus, hier erzielte die SPÖ 36,1 Prozent der Stimmen, die Grünen kamen auf 26,1 Prozent der Stimmen und die ÖVP auf 25,3 Prozent. Bei den letzten Nationalratswahlen konnten jedoch die Grünen mit 27,2 Prozent der Stimmen die meisten Stimmen erzielen, die SPÖ rutschte ab und kam auf 24,5 Prozent, die ÖVP auf 23,1 Prozent, die FPÖ auf 10,9 Prozent. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 23.7.2010)

Infos zum Bezirk:

Wahlberechtigte (bei der Bundespräsidentschaftswahl 2010): 27.220

Bezirksvertretung (Mandate): SPÖ 14, GRÜNE 12, ÖVP 11, FPÖ 3

Bezirksvorsteherin: Martina Malyar (SPÖ)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 69
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Ru-Dolf
02
28.7.2010, 11:43
nicht einmal die hauptstrassen richtig gezählt

ist da nicht noch die nussdorferstrasse? und die alserbachstrasse? die porzellangasse? und die erfreulichen details wie das älteste buffet wiens das Kolosseum, die wenigen FP-wähler, das schubert-haus, beste mir bekannte internisten-praxis in der nussdorferstr. 60, die übrigen stiegen neben der strudelhof-st., die dem früheren donau-flusstal-gefälle entsprechen, das schöne serviten-viertel in der ehemaligen rossau, usw..

jö schau ...
02
25.7.2010, 14:17
... schon wieder so ein Schas-Bericht ...

... ich lese sie mir alle durch und bin immer wieder erfreut, wie die Leute "ihre" Bezirke gegenüber diesem journalistischen Flachw... (...wurzler natürlich!) verteidigen.

Bei "meinem Bezirk" war das auch so ... eigentlich wollte ich ihn zu einem Rundgang einladen ... ich hatte dann aber zu große Sorge, dass er bleibt - und solche Schnösel brauchen wir bei uns nicht.

Für mich ist "mein Bezirk" der leiwandste ... ich finde es schön, dass das für die anderen auch so ist - und das ist gut so!

Lassen wir uns unsere Bezirke / unsere Stadt nicht schlechtreden - trotz aller Schwächen (Schwächen habe sogar ich ;-)!

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
00
25.7.2010, 10:41
Also der 9. Bezirk

ist wirklich wunderbar: Galeries Lafayette und Printemps sind in der Nähe oder meinen Sie Ferencváros?

Eckhausbesitzer
00
26.7.2010, 12:29

Ist mein Lieblings-Nachbarbezirk :o)

nihilist73
01
24.7.2010, 11:27
MedUni Wien

ist auch im 9. Bezirk. Mit dem grössten Universitätsspital Mitteleuropas. Nur so nebenbei, wird mittelfristig die einzige Uni im 9.Bezirk bleiben - aber mit grossem Potenzial. Bringt dem Bezirk auch gutes Image

Ubuntor
02
24.7.2010, 11:22

wohne hier nun seit 10 jahren und endecke immer noch schönes, möchte hier nicht weg. das portrait wird, wie schon oft geschrieben dem bezirk nicht gerecht. schade nur um die nussdorferstraße, die mehr und mehr verkommt aber ja trotzdem potential hätte - ich habe schon oft gehört, es müssten nur die mieten in den kleinen geschäftslokalen gesenkt werden - kann man die nicht etwa stützen? in der derzeitigen situation gibt es hier keine nachhaltigen geschäftsideen. handyshops, 2nd hand läden, türkische obststände die einfach nicht wirken, als ob sie publikum anziehen könnten....

graviton
07
23.7.2010, 22:19

Diese Bezirksportraits kann man sich allesamt einrexen. Das beginnt bei überhaupt nicht angesprochenen lokalen Problemen (das von den Postern unten beschriebene Geschäftesterben, Verkehrssituation, usw.) und endet bei kleinen Dingen wie der falsch geschriebenen "Alserstraße" (richtig: "Alser Straße").

Außerordentlich enttäuschend für ein Portrait des Bezirkes, aus dem ich nie nie nie mehr weg mag, weil es hier einfach unglaublich lebens- und liebenswert ist! Aber für einen echten Bericht müsste man ja hierher fahren und vielleicht 1-2 Tage durch den Bezirk spazieren und nicht aus dem Reiseführer abschreiben.

hcl
07
24.7.2010, 12:38

Ja, ich glaube die Portraits sind allesamt nur da, um mindestens einmal pro Artikel das Wort Bobo verwenden zu dürfen.

Die Eingangshalle des Franz-Josefs-Bahnhof strahlt übrigens keineswegs den Charme der 50er Jahre aus, denn das Gebäude wurde, wie aus einschlägigen Quellen leicht recherchierbar ist, erst in den späten 70ern erbaut und 1978 eröffnet. Soviel zur Qualität der journalistischen Arbeit.

Hawkwind
01
24.7.2010, 04:06

da haben Sie schon recht...

kein unbedingt journalistisch hochwertiger beitrag...

junjunjun
00
23.7.2010, 18:29
Jubel

Ich habe selbst ein paar Jahre im 9. gewohnt und er ist wirklich ein toller Ort zu wohnen. Viel "action" gibts dort nicht, aber wie schon gesagt, zum wohnen sehr angenehm. Auch schön durchmischt, zumindest in der Gegend rund um die Markthalle. Auch etwas Multikulti, u.a. auch wegen dem französischen Lyzeum.

Begrünung täte manchen Straßenzügen sehr gut, umso mehr freue ich mich (daher der Jubel) dass das Gebäude am FJ-Bahnhof vielleicht nicht mehr lange steht. Bitte einen großen Park, mit Bäumen und Wiesen zum Verweilen statt Beton und Vulkangranulat. Von mir aus auch Elemente, die den k.u.k. Bahnhof irgendwie aufgreifen, um den es schade ist.

http://de.academic.ru/pictures/... f_1880.jpg

Jene Grüne Straßenkatze
01
23.7.2010, 18:55
...

Wenn der FJB wegkommt, wäre ein Park natürlich schön. Allerdings ist das keineswegs zu erwarten, da der Trend in Wien eindeutig in Richtung Zubauen geht - auch für dann leerstehende Büroflächen.

Natürlich wird was immer dorthin kommt für die ersten fünf Jahre schöner als das jetzige Gebäude sein, dann wird es wie alle Stahl-Glas-Paläste grindig auszusehen beginnen.

ehschohwissn3
13
23.7.2010, 18:04
im 9. wohnt meine große liebe (seufz)...

Jene Grüne Straßenkatze
00
24.7.2010, 19:10
...

Wir können ja Freunde sein.

Don Vincenzo
04
23.7.2010, 20:41

Die 2 Euro Bar?

qwertztt
02
23.7.2010, 19:14

die Blume aus dem Geimendbau?

Zenith1
00
23.7.2010, 18:04
Also...

ich habe zehn Jahre im IX. gelebt. Schluchz, Heimweh...

SCANone
011
23.7.2010, 16:30

was für ein schlechtes Foto... so kann man das nicht stehen lassen ;-)

http://www.flickr.com/photos/sc... 779442970/

twertwert
00
24.7.2010, 17:26

Hallo!

Möchten Sie mir verraten, wie Sie solche Bilder hinbekommen? Wie erzeugen Sie dieses gewisse Leuchten?

SCANone
01
24.7.2010, 18:58

Hallo,

mein Foto habe ich nicht bearbeitet (wirklich unbearbeitet ist es nicht, weil ich es als jpeg aufgenommen habe und die Kamera (D90) da schon ein bisschen "arbeitet".

Ich habe es im A Modus (Aperture Priority Auto) und mit Auto-bracketing gemacht (um nachher die HDR Bilder herstellen zu können).

Oft ist eines der aufgenommen Fotos dann perfekt ausgeleuchtet.

Wurde in der Nacht aufgenommen, ohne Blitz - Stativ daher ein Muss!

Eckhausbesitzer
00
26.7.2010, 12:32

Hab ich so ähnlich im Urlaub gemacht. Vollmondnacht über wolkenverhangenem Berggipfel (mit D80). Genial! Sehr schönes Foto haben Sie da gemacht...

SCANone
00
26.7.2010, 15:02

haben Sie vielleicht einen Link zu Ihrem Foto?

Eckhausbesitzer
00
27.7.2010, 09:21

Leider (noch) nicht. Falls ich es zeitlich schaffe, lasse ich Sie es wissen!

graviton
00
24.7.2010, 01:49

Scheint mir oben ein echter Cremer zu sein ;)

@dein Bild: Wunderschön!

SCANone
00
24.7.2010, 18:58

Danke :)
(das freut mich wirklich!)

THE MGT.
01
24.7.2010, 05:23

Wenn Sie mit dem Mauszeiger über dem Bild verweilen, verrät ihnen kurz darauf ein kleines Textfeldchen: "APA/Hochmuth".

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