Bayer erhebt Führungsanspruch, Neo-Kusener zieht Reha vor
Erasmia - Philipp Lahm möchte über die laufende Fußball-Weltmeisterschaft hinaus Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bleiben. Das verdeutlichte der 26-Jährige in einem Interview mit der Münchner Zeitung "tz" (Dienstag-Ausgabe). "Es ist doch klar, dass ich die Kapitänsbinde gerne behalten möchte. Die Rolle auf dem Platz erfülle ich seit mehreren Jahren, die habe ich im Griff. Dann will man sich auch um mehr kümmern, mehr Verantwortung übernehmen. Das habe ich jetzt hier gemacht. Warum soll ich dann das Kapitänsamt wieder freiwillig zur Verfügung stellen?", erklärte Lahm.
Bundestrainer Joachim Löw hatte Lahm vor dem WM-Turnier für den verletzten Michael Ballack zum Kapitän ernannt. Inzwischen hat der Bayern-Profi die Rolle in dem jungen DFB-Team mit viel Engagement ausgefüllt und dafür viel Lob erhalten. "Freiwillig werde ich sie ganz sicher nicht abgeben", sagte Lahm auf die Frage, ob er die Kapitänsbinde nach der WM wieder feierlich an Ballack überreichen werde. "Aber das wird die Entscheidung des Bundestrainers sein", fügte Lahm hinzu.
"Muss auch an mich und meinen Verein denken"
Ballack hat am Montagnachmittag das deutsche WM-Quartier in Erasmia verlassen und den Heimflug angetreten. Auch auf Anraten von Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt entschloss sich der 98-fache Nationalspieler, die Reha-Behandlung nach seiner schweren Bänderverletzung in der Heimat fortzusetzen. "Ich muss jetzt auch an mich und meinen neuen Verein Bayer Leverkusen denken, den nächsten Schritt machen und schnell wieder fit werden", sagte Ballack.
Die Auftritte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Südafrika haben den verletzten Mittelfeldmann begeistert. "Ich finde es super, dass sie wie schon bei der WM 2002 und WM 2006 ins Halbfinale eingezogen ist, und wünsche ihr natürlich jetzt den Titelgewinn", erklärte Ballack vor seiner Abreise. Da sein Heilungsverlauf glänzend verlaufe und schneller vorangehe als geplant, seien die Bedingungen für die Reha-Behandlung in Südafrika nicht mehr optimal.
Bundestrainer Joachim Löw betonte, die Mannschaft würde ein neuerliches Wiedersehen mit Ballack bei der WM begrüßen. "Wir würden uns natürlich freuen, wenn er im Falle des Final-Einzugs nochmals den langen Weg nach Südafrika auf sich nimmt und wieder beim Team dabei ist", sagte Löw am Montag. (APA/dpa)