Art Carnuntum

Auftakt mit "The Rape of Lucrece"

05. Juli 2010 18:07

Gareth Armstrong Shakespeares "narrative poem" in Petronell

Petronell/Carnuntum - Eine Frau wurde vergewaltigt. Geschändet von einem Freund ihres Mannes, stößt die mythische Lukretia sich anschließend einen Dolch ins Herz. Auf der nackten Bühne der erstmals beim Festival Art Carnuntum bespielten, neu renovierten römischen Therme in Petronell ist keine Frau zu sehen. Nur ein barfüßiger Mann in erdfarbener Toga. Zunehmend mitgenommen trägt dieser (Gerard Logan) unter der Regie von Gareth Armstrong Shakespeares "narrative poem" The Rape of Lucrece vor. Mal verklärt in die Luft blickend, mal irr auflachend, schlüpft er in die Haut des Vergewaltigers Tarquinius. Er ist auf dem Weg zu Lukretias Kammer, er weiß um die Ungeheuerlichkeit seines Tuns. Sein Gesicht ist schweißnass.

Die Hauptfigur fehlt. Spricht Logan als Tarquinius mit ihr, fasst er sie an, wird ihre Abwesenheit körperlich. Imaginiert er sie, beschwört er sie mit vor Wahnsinn glänzenden Augen herauf, wird deutlich, welche Gewalt er ihr antut. Schlüpft er in ihre Rolle, spricht er mit ins Lächerliche überspitzter Weiblichkeit, wird die Brutalität des Textes spürbar: Lukretia ist nicht Herrin über sich selbst, noch über ihre Geschichte.

Logan trägt die Erzählung bis zur letzten Minute mit beeindruckender Präsenz. Keine Sekunde der Unaufmerksamkeit erlaubt er sich und dem Publikum. Verdiente Bravo-Rufe holen ihn zweimal zurück auf die Bühne. (Andrea Heinz, 06.07.2010)

Nächstes Gastspiel: "The Comedy of Errors" am 31. 7./1. 8.

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