Dollfuß-Gedenken im Kanzleramt

5. Juli 2010, 20:32

Auch heuer findet eine Gedenkmesse zum Todestag in der Hauskapelle statt

Wien - Auch 2010 wird im Bundeskanzleramt anlässlich des Todestages von Engelbert Dollfuß des ehemaligen Bundeskanzlers und Begründers des austrofaschistischen Ständestaats mit einer Messe gedacht. Was früher zu wütenden Protesten der SPÖ geführt hat, wird auch heuer wieder unter einem sozialdemokratischen Bundeskanzler stattfinden.

"Skandalös" und "einer Demokratie unwürdig" nannte Norbert Darabos die Gedenkmesse.

Das war allerdings 2004, der Kanzler hieß Wolfgang Schüssel, und Darabos war Bundesgeschäftsführer der SPÖ. Die damalige Replik des schwarzen Bundeskanzleramtes: Die Gedenkmesse für Dollfuß habe seit den 60er Jahren auch unter SP-Kanzlern stattgefunden. Heute argumentiert der Sprecher des mittlerweile roten Bundeskanzlers praktisch wortident. "Die Messe wird seit Bruno Kreisky abgehalten, auch unter sozialdemokratischen Bundeskanzlern" , sagt Leo Szemeliker, Sprecher von SPÖ-Chef und Bundeskanzler Werner Faymann. Dem Kanzler sei die geschichtliche Bedeutung des Datums sehr wohl bewusst, der Streit mit den konservativen Kreisen in der Regierung stehe sich aber nicht dafür, eine Absage der Messe durchzusetzen. Außerdem: "Die Republik hat sicher wichtigere Sorgen."

So wird am Montag, den 26. Juli, im Kanzleramt wieder des Austrofaschisten Dollfuß gedacht. Das ist einen Tag nach dem regulären Todestag, der heuer auf einen Sonntag fällt. Unter dem christlich-sozialen Bundeskanzler Dollfuß schaltete sich 1933 das Parlament aus, Dollfuß schuf mit der Maiverfassung 1934 einen autoritären Ständestaat und stützte sich vor allem auf die katholische Kirche, auf die Bauern und auf die Heimwehr. Am 25. Juli 1934 wurde Dollfuß im Verlauf des Juliputsches von den Nazis ermordet.

Die Kapelle im Bundeskanzleramt, in der die Gedenkmesse "für die verstorbenen Bundeskanzler", wie es in der offiziellen Einladung heißt, stattfindet, wird vom Schottenstift betreut. Jedes Jahr gibt es im Kanzleramt eine Diskussion darüber, ob die Messe abgesagt werden soll. Auch unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Faymann konnte man sich nicht entschließen, diesen Schritt zu setzen - mit dem Verweis, dass es ja nicht Dollfuß-Messe heißt und dass man mit dem Koalitionspartner keine zusätzliche Streitfront aufmachen wolle. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 447
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
klausenpown
00

Da fällt mir auch ein österreichischer (und nebenbei deutscher) Kanzler ein, der im Amt verstorben ist und durch einen Nazi (nämlich sich selbst) umgebracht wurde. Für den wird aber keine Gedenkmesse abgehalten. Hat man auch nie gemacht (hat ja keine Tradition, wie Andreas Khol das sagen würde). Außerdem ist es verboten hier eine Gedenkmesse abzuhalten.

zwergleviathan
00
nachdem nicht für jeden verstorbenen BK eine solche Messe

abgehalten wird kann es sich nur um eine persönliche Wertschätzung für den diktatorisch regierenden Gründer des austrofaschistischen Ständestaats handeln.

Nachdem austroFASCHISTISCH ziemlich eindeutig ist, ebenso wie diktatorisch braucht man garnicht drüber nachzudenken

interessant wie offensichtlich sich manche zu solchem Gedankengut bekennen

eine Schande für jene die so etwas besuchen oder unterstützen

kanute
10
der Dolfuß war kein Demokrat und die Soziaisten keine Österreicher!

...... das konnten sie sich dann gegenseitig alle im KZ vorhalten, weil der lachende Dritte sie dorthin gebracht hatte.

Freigeist78
03

Dolfuß hat die Sozialdemokraten schon vorher ins KZ gebracht. In das "Anhaltelager" Wöllersdorf.

zwergleviathan
00
und nach der Auflösung

des "Anhaltelagers" '38 schnurstracks nach Dachau...

ob direkt oder indirekt darüber könnte man streiten; ist aber vollkommen wurst

Elmar Schiermer
41
Die von Moskau kontrollierten und gesteuerten Sozialisten, die übrigens mit Demokratie genausoviel am Hut hatten wie Dollfuß, wollten damals die Macht im Staat an sich reißen. Die Zeit schien günstig.

Sie sind damit gescheitert, die roten Rädelsführer haben sich ins benachbarte Ausland abgesetzt, die Masse ihrer Mitläufer ist in der NSDAP aufgegangen. Internationale Sozialisten und Nationale Sozialisten gingen ein Bündnis ein. Es fand zusammen was zusammen gehörte.
Welche Partei in der Nachkriegszeit immer wieder Nazis in die Regierungen holte, dürfte auch bekannt sein.
Diese Zeit ist vorbei, derartige Artikel locken höchstens noch Kellersozis aus den Sektionen bzw. hinter dem Ofen hervor.
Fazit: Grund gibt es für diese Klientel absolut keinen, Dollfuß als großen Demokratievernichter hinzustellen und sich an einer Gedenkmesse in einer Kapelle zu reiben. Schon gar keinen moralischen.

Georg Brockmeyer
01
???

Das ist Geschihtsklitterung der übelsten Sorte.

Die SDAP der ersten Republik war sicher vieles, von Moskau gesteuert jedoch nicht. Ihre Mitglieder wurden von den Austrofaschisten verfolgt und gehörten zu den ersten, die die Nazis in KZs steckten und ermordeten.

UNI Columbo
44
Dollfuss war der einzige Bundeskanzler, der politischen Gründen ermordet wurde

Die Zwischenkriegszeit in Ö war sowohl für linke als auch die rechte Reichshälfte kein Ruhmesblatt. Beide hatten Dreck am Stecken. Tatsache bleibt, dass ein amtierender Bundeskanzler von NAZI-Putschisten in seinem Amt ermordert wurde. Aus diesem Grund - unabhängig von seinen politischen Untaten - ist eine Gedenkmesse angebracht.

Klarstellung:Laut Definition war Ö ein autoritärer Ständestaat!

Wie die Faschismusdefinition von Politikwissenschaftler Lyons zeigt:

„Faschismus ist eine Form rechtsextremer Ideologie, die die Nation oder Rasse als organische Gemeinschaft, die alle anderen Loyalitäten übersteigt, verherrlicht. Er betont einen Mythos von nationaler oder rassischer Wiedergeburt nach einer Periode des Niedergangs und Zerfall.

Freigeist78
05

Als er ermordet wurde war er nicht der Bundeskanzler eines demokratischen Österreich, sondern der Anführer einer faschistischen Diktatur.

Dass er von anderen Verbrechern, die sich für noch bessere Faschisten gehalten haben ermordet wurde ist kein Verdienst.

Er ist NICHT bei der Verteidigung der Demokratie gestorben sondern bei der Verteidigung eines Faschismus gegen einen Anderen. Dafür verdient er weder Respekt noch Ehre.

hcl
02

Wenn einer aus politischen Gründen ermordet wird, weil er ein Verteidiger der Freiheit und Rechtsordnung ist, dann ja. Wenn Anhänger einer totalitären Strömung, Proponenten einer anderen ermorden, dann ist ein derartiges Gedenken ein Hohn.

Koloman Walfisch
11
Sapperlot.

kooling
34
Draufpinkeln verdammt!

Einfach jedes Jahr ein heiteres Gedenkpinkeln veranstalten und froh sein, daß wir dieses totalitäre Pack vorerst los sind!
(Denn die ÖVP wird wohl in absehbarer Zeit
keine Parlamente "schließen",
keine politischen Gegner einsperren oder töten
keine Gemeindebauten zerschießen, usw.)

Dr Schnorrle
 
00

Vielleicht könnte man ja die Gedenkfeier nach Marienfeld verlegen. 2 Fliegen mit einer Klappe.

Dr Schnorrle
 
38
Jetzt bin ich wirklich schockiert

Nein, nicht von der SPö. Da überrascht micht nichts wirklich mehr (aufregen tuts mich aber schon, gell).

Ich bin schockiert vom Geschichtsbild das hier so viele (und vermutlich doch nicht nur Trolls) aufzeigen. 10 Minuten Wikipedia genügen doch um Dollfuss halbwegs richtig einordnen zu können.

Und danach müsste sich eigentlich jeder österreicher für so eine Gedenkfeier schämen.

(Fast hätte ich geschrieben "jeder anständige österreicher", aber das hat ja der Selbstmörder belegt.)

niewieder nett
 
01

wir sind doch alles nur opfer. der dollfuß wollte uns retten. gesehen und gewusst haben wir nichts.
dann unterm hitler genauso. es ist ein jammer und heute? heute werden die aufrechten männer von damals in den dreck gezogen. aber reden wir nicht mehr davon. es ist schon sooo lange her, wir hatten damit nichts zu tun und kollektiv schuld gibts keine.


tut mir auch leid dass sie schockiert sind. ihr post hielt mich davon ab weitere zu lesen: in diesem sinn, vielen dank!

zwergleviathan
00
"kollektiv schuld gibts keine"

die gibts eigentlich NIE weils die garnicht geben darf

das sollte man grade dann verstehen wenn man solche "Kollektivideologien" die angenommene Gemeinsamkeiten wie ethische Herkunft verherrlichen nicht auch noch mit einer weiteren Gemeinsamkeit stärken will

siehe "Dolchstos$legende"

wer sind die Schuldigen heute? die meisten davon fressen grade die Würmer...
der '45er-Jahrgang geht bald in Pension...

irgendwann wachsen die Schuldigen auch aus unserer Gesellschaft heraus
und deren Kinder und Kindeskinder werden sie nicht an den Pranger stellen wollen, oder doch?

daß Dollfuss kein Andenken verdient sondern eine Warnung sein sollte steht eh auf einem andern Blatt...

Nichtschweiger
 
70
Wikipedia - Geschichte für Dummies!

minski
01
Was gefällt Ihnen daran wohl nicht?

Sie brauchen wohl eine eigene Geschichtsschreibung.

sterngucker
 
04
Na kommen Sie, verraten Sie uns schon, wo es die überlegene Geschichte für Nichtschweiger zu studieren gibt!

Oder befürchten Sie, Sie hätten dann weniger Grund, allen anderen zu attestieren, daß sie nichts kapiert haben?

Freigeist78
11

Das Geschichtsbild des Nichtschweigers finden Sie in "Aula", "ZurZeit" usw.

derfalke
83
Es waren die roten Schutzbündler, die am 12.02.34 das Feuer eröffneten.

Wörtlich heißt es bei Wikipedia:

"Als jedoch am 12. Februar 1934 die Polizei im Parteiheim der Sozialdemokraten, dem „Hotel Schiff“ in Linz, nach Waffen suchen wollte, um die (von Dollfuß befohlene) Entwaffnung der Sozialdemokraten fortzusetzen, widersetzten sich die Schutzbündler unter dem lokalen Schutzbundkommandanten Richard Bernaschek. Vor dem Parteiheim eröffneten Schutzbündler das Feuer."

Dollfußs harte Reaktion darauf war also durchaus gerechtfertigt.

el magnifico
10
ja bitte

zitier wikipedia mal auf einer hochschule und poste mir was dein lektor dir als kommentar zurückgibt.

sterngucker
 
13
Klar

Ein paar Schüsse in Linz sind Grund genug, Wiener Gemeindebauten unter Artilleriebeschuß zu nehmen. Das wird jeder verstehen.

minski
11

Vor allem diese Ewiggestrigen

Klaus Bergmaier
31
Lernen Sie einmal Geschichte,...

...bevor Sie "GeschichteN" aus Wikipedia zitieren.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 447
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.