London und Berlin dementieren - BP ließ Vertrag mit Iran Air auslaufen
Hamburg/Berlin/Teheran - Auslöser der Irritationen
in Teheran um die Nicht-Betankung iranischer Flugzeuge scheint ein
auslaufender Vertrag zu sein. Wie die "Financial Times Deutschland"
(Dienstag) berichtete, hat der britische Mineralölkonzern BP einen
Vertrag mit der Fluggesellschaft Iran Air nach Informationen des
Blattes Ende Juni fristgerecht auslaufen lassen. Betroffen davon ist
auch der Flughafen Hamburg, wo eine Maschine der Iran Air nach
Angaben aus Branchenkreisen am Sonntag kein Kerosin erhielt und nach
Wien ausweichen musste.
Nach Informationen des Blattes spielten die internationalen
Sanktionen gegen Teheran bei der Entscheidung von BP eine Rolle. Der
französische Konzern Total teilte mit, iranische Maschinen würden am
Flughafen Köln-Bonn weiterhin betankt. Auch der kuwaitische Konzern
Q8 liefert noch.
Die Betankung iranischer Flugzeuge hatte am Montag heftige
Diskussionen entfacht. Deutschland, Großbritannien und die
Vereinigten Arabischen Emirate verweigern iranischen Angaben zufolge
auf Basis neuer UN-Sanktionen iranischen Passagierflugzeugen Kerosin.
Seit vergangener Woche würden iranische Flugzeuge in den genannten
Ländern nicht mehr aufgetankt, zitierte die iranische
Nachrichtenagentur Isna am Montag die Gewerkschaft der iranischen
Fluggesellschaften.
Berlin und London dementieren
Die deutsche Bundesregierung wies am Montag Berichte aus
Teheran
zurück, dass das Auftanken iranischer Passagierflugzeuge in
Deutschland verboten worden sei. Ein Sprecher der britischen
Regierung sagte ebenfalls, er habe derzeit keine Kenntnis über Fälle,
in denen Flugbenzin verweigert worden sei. Die Flughafengesellschaft
in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate,
widersprach ebenfalls den iranischen Angaben. Auch in Dubai wies ein
Flughafensprecher die Vorwürfe zurück. Aus Dubai verlautete aber, ein
"internationaler Treibstofflieferant" habe es auf mehreren Flughäfen
weltweit abgelehnt, iranische Flugzeuge aufzutanken. Iran Air könne
seinen Treibstoff aber aus anderen Quellen beziehen.
Auch in Österreich läuft nach den Berichten über Deutschland,
Großbritannien und die Vereinigten Arabischen Emirate eine Diskussion
über die Betankung iranischer Flugzeuge, es waren aber am Montag auf
APA-Anfrage keine näheren Informationen zu erhalten. Die Iran Air
fliegt zweimal wöchentlich nach Wien-Schwechat.
Ein von US-Präsident Barack Obama zu Monatsbeginn
unterschriebenes
Gesetz sieht Strafen für Firmen vor, die mit dem Iran Handel treiben.
Darunter fällt auch der Export von Benzin und anderen
Raffinerieprodukten. (APA/dpa)