Kritik

"Ballmers verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung wird immer schlimmer"

5. Juli 2010, 15:29
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    Steve Ballmer

Steve Ballmers Zwischenbilanz als Microsoft-Chef: Hardware-Flops und riesige Verluste im Internet

Es war die perfekte Schönmalerei: Ende April gab Microsoft bekannt, "vorerst keinen eigenen Tablet-Computer gegen den erfolgreichen Touch-Computer iPad ins Rennen zu schicken", die Erkenntnisse aus dem erst im Januar vorgestellten Projekt würden aber "in andere Produktentwicklungen einfliessen". Wenn das Unternehmen Klartext reden würde, müsste es heissen: Wir kapitulieren vor dem iPad des Hauptkonkurrenten Apple.

Vergangene Woche gab das Unternehmen das Ende einer weiteren Microsoft-Hardware bekannt. Nach nicht einmal zwei Monaten wird die Produktion des Smartphones Kin eingestellt, der zunächst angekündigte Europa-Start ist abgeblasen.

Klumpenrisiko Windows

Damit zeichnet sich ab, dass 2010 für den immer noch grössten Softwarehersteller der Welt ein Debakel wird. Während Ballmer-Antipode Steve Jobs mit dem iPad und dem iPhone 4 einen Rekord nach dem anderen aufstellt, hält sich Microsoft verzweifelt am Klumpenrisiko Windows 7 fest. Laut einem Microsoft-Blogeintrag von Mitte Juni hat das Unternehmen seit dem Marktstart von Windows 7 150 Millionen Lizenzen verkauft.

Im Bereich Hardware fehlt ein solches Zugpferd zur Gänze: Sowohl Apple als auch Google glänzen auf dem Handymarkt mit unglaublichen Wachstumsraten (Google allerdings nur indirekt mit dem auf vielen Smartphones laufenden Betriebssystem Android). Nur drei Jahre nach der Lancierung des ersten iPhones ist Apple bereits das Unternehmen, welches am meisten mit der Handysparte verdient. In Westeuropa verkauft nur Nokia mehr Handys als der Smartphone-Frischling aus Cupertino.

Anleger sind verärgert

US-Medien haben den Schuldigen der Microsoft-Misere schnell gefunden: Steve Ballmer. Bereits 2009 wurde im Heimmarkt USA heftig über das Ende des Bill-Gates-Nachfolgers spekuliert. "Abgelenkt vom Desaster mit Windows Vista hat Ballmer alle grossen Trends der letzten 10 Jahre verschlafen", kritisierte etwa "Newsweek". Das Unternehmen hinke nicht nur anderen Tech-Unternehmen, sondern auch dem Durchschnitt des Dow Jones hinterher.

Google habe das Rennen im Suchmaschinenmarkt und in der Keyword-Werbung gewonnen, Apple dasjenige um den Musikplayermarkt und die Musikverkäufe - vom Smartphone-Markt ganz zu schweigen. "Microsofts Zune ist ein Blindgänger und Microsofts Suchmaschine Bing wird Google nie das Wasser reichen", analysierte "Newsweek". Grosse Mühe hat das Unternehmen auch mit der Websparte. Wie die "Wirtschaftswoche" schreibt, wurden seit dem Amtsantritt von Steve Ballmer mit Internet-Medien sieben Milliarden Dollar verbrannt.

Nur im Austeilen stark

Doch Ballmer geht Selbstkritik völlig ab. Dafür beherrscht der 54-Jährige die Kunst der Sticheleien. Apples iPad sei auch "nur ein PC mit einem anderen Formfaktor", sagte er unlängst (zur Erinnerung: Alle drei Sekunden geht ein iPad über den Ladentisch) und iPhone-Apps sind für den Manager nur "Modemätzchen". Google kritisierte Ballmer mit den Worten, dass Microsoft Geld mit dem Verkauf von Software mache, "nicht mit Benutzerdaten, die man zu Geld macht". Mountain View, so Ballmer abschätzig, sei nur ein "Kartenhaus".

Peinlich die Kritik an Googles Software Chrome und Android: Er verstehe nicht, warum Google gleichzeitig zwei verschiedene Betriebssysteme für mobile Geräte entwickle. Er liess jedoch unerwähnt, dass Microsoft sechs Software-Plattformen vermarktet - laut einer Analyse des Techblogs Gigaom sind es sogar 18 verschiedene Windows-Varianten.

"Ballmers verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung"

Natürlich: Das Geschäft mit Software läuft immer noch gut. Neben Windows 7 hofft der IT-Konzern auf eine Fortsetzung des Booms mit dem Microsoft-Bürosoftwarepaket Office. Aber nach den Megaflops Courier (Tablet) und Kin scheinen jene Kritiker recht zu bekommen, die überzeugt sind, Ballmer könne sich nur noch im Sattel halten, weil er ein alter Freund und Uni-Gefährte von Software-Guru Bill Gates ist.

"Ballmers verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung wird immer schlimmer", schreibt der bekannte Investor Jean Louis Gassée in einem Blogeintrag. Kein Blatt vor den Mund nimmt auch "Fast Company". Das Wirtschaftsmagazin fordert: "Holt Bill Gates zurück!" Kann Ballmer Medienkritik im Prinzip unter den Tisch wischen, muss er sich um die Anlegermeinungen ernsthaft Sorgen machen. Denn die Börse hat Microsoft brutal abgestraft: Seit dem Amtsantritt von Ballmer vor zehn Jahren hat sich der Börsenwert Microsofts gedrittelt.

Wie lange also kann sich Microsoft Ballmer noch leisten? Vielleicht länger als das Unternehmen eigentlich möchte. Denn ein geeigneter Nachfolger ist nicht in Sicht. (Reto Knobel, Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

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GulGarak
00
17.7.2010, 14:50

ITT: Leute die es besser wissen, als einer der bestbezahlten CEOs eines der größten Unternehmen.

fmdj
01

http://www.youtube.com/watch?v=pPac_AqkQl0

aus "Surplus" von Erik Gandini

original:

http://www.youtube.com/watch?v=w... re=related

gute Unterhaltung! :)

El Hierro
11
most unsympathetic guy in the business!!!

die Resi-Tant Evil
00
Your comment is short and pregnant

Ben vanDyke
00
und es heisst

"in business", das the können Sie getrost streichen.

Denglisch halt...

Al Borland
00

sympathetic heißt mitfühlend, nicht sympathisch...

Herr Florian Kobel
00
weit hinter steve

powerpack
11

microsoft sollte einfach nicht in soviele bereich reingehen und sich auf das kerngeschäft konzentrieren. apropos: der artikel hat ein weiteren milliardenflop der letzen jahre vergessen: die xbox, die seit jahren verluste schreibt und microsoft weiterhin keine ordentlichen marktanteile liefert.

im betriebssystemmarkt ist microsoft trotzdem noch wirklich gut und windows 7 ist ein gelunger wurf.

aber microsoft muss es einfach schaffen windows ordentlich auf mobile geräte zu bringen, iphone und ipad werden irgendwann verschwundene hypes sein, mobile geräte werden trotzdem immer mehr zunehmen.

benmat
00
11.7.2010, 14:55
Du vergisst die HD-DVD bzw. den Formatekrieg/-markt

Die HD-DVD war ein Projekt von Toshiba und Microsoft. Die HD-DVD hat komplett auf Microsofts infrastruktur gesetzt. So kamen da Microsofts Audio und Video Codecs zum Einsatz und im Grunde war jeder HD-DVD Player ein Windows PC. Auch die Programmierumgebung für z.B. Menüs basierte auf Microsofts Technologien wie Windows CE.

Und dann natürlich der weit vorangegangene Formate-Krieg gegen Apple mit dessen MPEG-4 der zweitgleisig auch damit Endete dass auf sogut wie jeder Bluray Dics MPEG4 mit h264 zum Einsatz kommt, bzw auf jeder Video-DVD MPEG2 zu finden ist.

Apple hat also den Formate und den HD-DVD Markt verloren.

benmat
00
11.7.2010, 14:57
Korrektur:

Microsoft hat also den Formate und den HD-DVD Markt verloren.

M27
10

@powerpack: die Xbox liegt in den USA vor der PS3. und einige Nummer-1-Hits in den Gamescharts sind Xbox-Exlcusives, zB Halo

salenoz
 
00

Die Xbox 360 liegt *weltweit* vor der PS3

zwergleviathan
22
entweder bezahlt Microsoft

ein paar Stricherlfritzen

oder es geht nicht um Inhalte


mehr als die Zwei Gründe für die offensichtliche Verständnisverweigerung einiger Forenbesucher fallen mir nicht ein...

Leute: eure XBox greift niemand an, das ist die allertollste unter den tollen Konsolen und um die gehts überhaupt net...

es geht um einen Multi der mit Ballmer einen kleinen Napoleon an der Spitze hat; MS-Fanboys bitte sucht euch was anderes um eure Lobeshymnen virtuell zu verbreiten

Gerwin Winter
10
Sicher zahlt MS

keine Frage.

powerpack
10

microsoft hat eindeutig ein führungsproblem, oder generell ein managementproblem - aber nicht nur in der zentrale sondern weltweit. das liegt wohl hauptsächlich an ihrer personalpolitik nur die "allerbesten" abgänger renommierter unis zu engagieren und dann beinhart bis zum umfallen hackeln zu lassen. so wird das unternehmen niemals neue, kreative ideen haben - solche leute sind zu 99% nur nachläufer die auf besonders fette prämien aus sind.

M27
24

*gähn*
unseren täglichen anti-microsoft-artikel gib uns heute.
war heut eigentlich schon was übers iPhone?

eltrombone
00
jep, start des iphone4 in österreich

nebenbei auch bericht über google und facebook

Gerwin Winter
00
oder android oder linux

oder PS3 oder ...

DoktorLecter
23

Microsoft hat in der 90-er Jahren sehr viel richtig gemacht und davon (Windows, Office) leben sie heute noch.

Während es Steve Jobs in den letzten Jahren geschafft hat aus der Computerfirma Apple einen Multi-Mediakonzern zu machen, schafft es Microsoft nicht von ihren Cash Cows wegzukommen. Es fragt sich wie lange man sich von diesen auf diesem Business-Niveau noch halten wird können. Microsoft wird es in den nächsten Jahren so gehen wie IBM in den 9-zigern... von der absoluten Nummer 1 zurück zu einem der Big Player am Markt.

402
00

Oder es geht ihnen wie Sun, sobald Windows und Office irrelevant werden, verlieren sie ihre Einnahmequelle. Dann haben sie zwar noch viele schöne Assets, aber Kohle kommt dafür keine rein. Zusätzlich verpulvern sie jetzt noch unmengen an Geld mit Azure.
Eine Zeit lang können sie sich das derzeitige Vorgehen noch leisten, aber über kurz oder lang müssten sie wieder mal was bringen, dass kein Flop ist.
Nur über die Sales Kanäle wirds über kurz oder lang schwer zu überleben, auch wenn die im Moment (aber da auch hauptsächlich dank Windows/Office) noch recht gut performen.

powerpack
12

etwas bringen, dass kein flop ist? sie haben's selber erwähnt: windows 7 + office. bringt dem konzern milliarden und verkauft sich milliardenfach. und seitwann ist ein betriebssystem irrelevant?

microsoft müsste ein vernünftiges gegengewicht zum hypegetriebenen apfel bilden und nicht deren trends nachrennen wie die kopflosen hendln.

NocheinWunderkind
10
Traurig, dass

der Typ mit seiner Technologie die Welt beherrscht und man de facto dort kaufen und einzahlen muß...

repent
 
12

Bei solchen Artikeln frage ich mich immer:
Warum soll MS überall mitmischen? Sollen sie bald auch Elektroautos bauen, Waschmaschinen und Klopapier?

Sepp Seppi
00
achtung

Nokia hatte einst mit Autoreifen Geld verdient.

eltrombone
00
und Gummistiefel!!!

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