Babylonisch

Hollywood vs. Katalonien: Sprachenstreit

5. Juli 2010, 12:13
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    foto: warner bros.

    Harry Potter, eines des zahlreichen Beispiele, die hinkünftig auf Katalanisch gezeigt werden sollen.

US-Produktionen reagieren mit "Boykott" auf ein Gesetz, wonach mindestens die Hälfte aller ausländischen Filmproduktionen auf Katalanisch gezeigt werden müssen

Barcelona - "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" startet am 19. November in Spanien und der Filmstart des berühmten Zauberlehrlings wird auch die Potter-Fans in der nordöstlichen Region Katalonien in die Kinos locken. Doch es wird der vorerst letzte Hollywood-Streifen sein, in dem der Protagonist in einer katalanischen Synchronfassung sprechen wird. Denn Hollywood hat Katalonien den Krieg erklärt.

Anfang des Jahres beschloss das katalanische Regionalparlament in Barcelona im Zuge seines derzeit verstärkten Kampfes für eine sprachliche und politische Selbstständigkeit von Spanien, dass mindestens die Hälfte aller ausländischen Filmproduktionen auch in katalanischer Fassung gezeigt werden müssen. Doch Hollywoods Kinobranche hat in der globalisierten Welt kein Verständnis für sprachliche Kleinkriege. Und die Antwort der Hollywood-Produzenten ist knallhart: Weder auf Spanisch, noch auf Katalanisch! Ab dem kommenden Jahr werden amerikanische Streifen in Katalonien nur noch in der englischen Originalfassung gezeigt oder gar nicht.

Die Kinobranche in Katalonien befürchtet schon das Schlimmste. 2009 wurden in Katalonien 370 Filme gezeigt. Doch waren es die 50 Hollywood-Produktionen, die rund 65 Prozent der gesamten Kinobesucher anzogen. Sollten nur zehn große US-Produktionen in Katalonien nicht oder nur auf Englisch gezeigt werden, würde das Verlusten von bis zu 15 Prozent für die gesamte Branche bedeutet, sagt Camilo Tarrazón, Präsident des katalanischen Kino-Verbandes. Tarrazón prophezeit bereits das "Aus" für viele Kinobetreiber in der Region.

Absurde Regelungen

Tarrazón hält die neue Gesetzgebung zudem für absurd. Nach einer Umfrage sind 82 Prozent der 7,5 Millionen Katalanen dafür, dass Kinofilme nicht nur auf Spanisch, sondern auch auf Katalanisch zu sehen sind. Aber in der Praxis schauen sich nur 3,8 Prozent der Kinobesucher Filme in katalanischer Sprache an. Die sozialistische Regionalregierung führt das allerdings nicht auf das geringe Interesse, sondern auf das knappe Angebot zurück. Derzeit werden in Katalonien nur etwa drei Prozent der Filme in katalanischer Fassung gezeigt. Die Regierung sieht darin zudem eine klare Benachteiligung des Katalanischen, das in der Region ebenso wie das Spanische offizielle Amtssprache ist.

Die Regierung in Barcelona hoffte lange darauf, dass Hollywood in dem Sprachenstreit klein beigeben wird. "Katalonien zählt immerhin mehr Kinobesucher als Finnland, Dänemark oder die Niederlande", erklärte Kataloniens Kulturminister Joan Manel Tresserras Anfang Februar. Jetzt hat er die Antwort bekommen. Sein Vergleich mit den nordeuropäischen Ländern war sowieso ein argumentatives Eigentor, denn in Finnland, Dänemark und in der Niederlande laufen die Filme in den Kinos ohnehin stets im Original mit Untertiteln, da es sich für Hollywood und die Kinobetreiber finanziell nicht lohnt, für Sprachen, die von so wenigen gesprochen werden, Synchronfassungen anzufertigen. (APA)

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25 Postings
Rigglerobber
00
sollen doch froh sein!

"Ab dem kommenden Jahr werden amerikanische Streifen in Katalonien nur noch in der englischen Originalfassung gezeigt" - was besseres könnt ihnen nicht passieren.

Wenn ich mir anschaue, wie gut junge Leute in Skandinavien Englisch sprechen, dazu tragen auch die ganzen englischen OVs im Kino nicht unwesentlich bei. Die Katalanen würden davon nur profitieren... und Hollywoodkino kann eine eigenständige, lokale Filmszene eh nicht ersetzen, also sollen sie das beste daraus machen statt zu jammern!

peter schmidt
 
00
jet zt weiss ich endlich warum auf den älteren DVDs oft nur 3-4 sprachen sind

und eine davon die doch recht seltene katalanische.

momodeluxe
00

wenn hatche erst mal bgm ist, gibts auch in wien endlich nurmehr blockbasta auf wienerisch.

http://derstandard.at/127137621... her-Partei

das poppende lottchen
22
wären diese katalonischen lokalpolitiker klug, würden

sie katalanische untertitel verpflichtend fordern.
damit wäre nicht nur der filmkultur etwas gutes getan (weil synchronversionen immer verfälschungen darstellen, auch wenn sie gut gemacht bzw. gut gemeint sind). sondern auch die vertrautheit mit dem englischen würde steigen - was gerade auf der iberischen halbinsel nicht schlecht wäre.
denn katalanische untertitel werden katalanen wohl lesen können. oder?
aber nein, soviel weitblick ist von überkompensierenden und ihre bescheidene bedeutung überschätzenden lokalpolitikern offenbar nicht zu erwarten.
übrigens: kann es sein, dass diese leute unglaublich viel energie für solche pseudoprobleme verschwenden und deswegen so wenig zeit haben, sich um ihre finanzen und faule kredite zu kümmern?

zeamount
01

originalfassungen machen für die mehrheit nur in englisch sinn, alle anderen sprachen müssen einfach synchronisiert werden, so sehr ich auch auf sprachenvielfalt stehe. spanisch, französisch, italienisch mag auch noch manchmal gehen - aber asiatische sprachen? skandinavische? synchronisation ist durchaus etwas feines, wenn gut gemacht. und manchmal bin ich auch froh, deutsche fassungen englischsprachiger produktionen zu sehen, wenn ich einfach nur entspannen will oder müde bin ...

major grubert
00
10.7.2010, 10:09
ich finde

es aber doch fein mir auch japanische filme im original mit ut (auch wenn er eng ist) anzusehen. bringt einfach mehr atmosphere rueber.

zeamount
00
25.8.2010, 10:08

jau, gefällt mir auch gut, aber ich seh' keinen grund, alle dazu zu zwingen - mittlerweile hat man eh immer öfter die möglichkeit, selbst zu wählen, welche version man sich ansieht und je mehr filme, serien, dokus über's web kommen, desto besser wird das werden ...

das poppende lottchen
00
schon einmal versucht, untertitelte filme zu sehen?

also warum "muss" da synchronisiert werden?
und: nein, es ist nicht anstrengend oder ablenkend, untertitel zu lesen, das ist lediglich eine frage der gewohnheit.
gerade asiatische filme sind synchronisiert nicht auszuhalten.
einfach ausprobieren, keine angst haben, locker bleiben, bei filmen von wong kar wai oder takeshi kitano den klang der originalstimmen genießen...
oder hörst du auch sinatra, die stones, jack white - wen auch immer - nur in deutschen coverversionen, weil die originalstimme egal ist? na eben.

zeamount
00
25.8.2010, 10:06

ich liebe filme im originalton, aber das ist meine persönliche präferenz und ich hab' das glück, dass ich sehr gut englisch kann. so geht es aber halt nicht jeden. dennoch bin ich durchaus froh, ab und zu und vor allem bei sämtlichen anderen sprachen synchronisierte fassungen sehen zu können und mich dabei entweder entspannen oder voll aufs bild konzentrieren zu können. das ganz wesentliche dabei ist, dass die inhalte für möglichst viele verfügbar sein sollen und das wird mit der synchronisation erleichtert.
musik ist etwas gänzlich anderes, da hat die originalstimme eine viel größere bedeutung - und mir ist es da auch nicht so wichtig, dass ich alles vom text verstehe.

Conrad Meyer
31
Es ist eine Frechheit, wenn sich

Holywood in die Sprachpolitik eines Landes einmischt.

erwin meier
02

artikel nochmal lesen?

Chien de Pique
33

Ist wohl eher so, dass eine größenwahnsinnige, zudem, nationalchauvinistische Politik, die selbst ausschließlich von Steuergeldern lebt, sich ohne Not in das Geschäft der KinobetreiberInnen und FilmproduzentInnen einmischt, also Menschen, die im Gegensatz zu ihr Arbeit und Wohlstand schaffen.
Ich finde jedenfalls nicht, dass dieser Krieg von Hollywood ausgeht.

an kog
13

So wie es ausschaut mischt Hollywood eben nicht in diesem kleinen Sprachenpolitikspiel mit.

Warum sollte sich Hollywood dazu zwingen lassen müssen seine Filme zu synchronisieren?
Ist sowieso eine üble Unsitte.

Marie Sandoz
104
Das nenne ich

Sprachimperialismus vom Feinsten. Also liebe Leute: Fersehsprache nur mehr Englisch. Und ab jetzt in der Schule Pausengespräche auch nur mehr in Englisch! Besser noch: im amerikanischen Slang. Und Englisch als einzige Sprache auf der Uni. In der Schule ist es ja eh fast schon so weit. Sonst erlernen wir es eh nie.

Hat da nicht jemand gesagt, Englisch sei leicht?

Chien de Pique
14

Kritikwürdig ist wohl eher der aggressive katalanische Nationalchauvinismus der selbst in der geschützten Werkstätte von abgepresstem Steuergeld lebenden, weltfremden PolitikerInnen. Die wollen ja Menschen - UnternehmerInnen und KinogängerInnen -ernsthaft vorschreiben, in welchen Sprachen Filme hergestellt, gezeigt und gesehen werden müssen.
Dass Hollywood, das einfach Filme verkaufen will und jeden Markt bedienen würde, der groß genug ist, sich das nicht bieten lässt, finde ich eher sympathisch. Unter die Räder kommen als Opfer nationalistischer Selbstbefriedigung halt die KinobetreiberInnen und daneben -besucherInnen (die immerhin eine Gelegenheit erhalten, ihre Fremdsprachenkenntnisse aufzupolieren).

an kog
11

Warum sollte sich jemand von wem auch immer dazu zwingen lassen seine Filme nach dem belieben der Politiker zu synchronisieren?

The Man With the Plan
14

Es muss eine unheimliche Bedrohung sein, wenn nicht Film und Fernsehen durchgehend synchronisiert wird. Es könnte uns gar so etwas drohen wie in kleineren Sprachmärkten wie etwa Skandinavien oder den Niederlanden, wo sich der Durchschnittsbürger sehr wohl passabel mit Ausländern verständigen können.

Ein echtes Schreckensszenario!

opti
23
sprachenvielfalt und menscheneinfalt

and die liebe frau Marie Sandoz und alle ihre freunde:

portugal und spanien - ein vergleich:
die generation der nachkriegsgeborenen ist in beiden ländern unter einer diktatur aufgewachsen
in portugal waren film und fernsehen in fremden sprachen möglich
in spanien verboten
diese generation, deren aktivste zeit sich langsam dem ende zuneigt zeigt einen signifikanten unterschied: der prozentsatz der menschen, die sich in einer fremdsprache ausdrücken können ist in portugal um ein vielfaches höher als in spanien.
und das lässt sich in ganz europa nachvollziehen. die verbreitung von fremdsprachenkenntnissen ist umgekehrt proportional zum prozentsatz der "synchronisierten" filme.

der rest ist polemik wie z.b.
"dahoam is dahoam" meint die Marie

scientific impotent
10
tja, aber

wenn sehr viele filme in originalsprache sind, nimmt man dann immigranten nicht eine gute möglichkeit, die landessprache zu erlernen?

wie sieht es mit ausländischen serien aus?

wird dort genauso verfahren ist es noch eine möglichkeit weniger, über tv die landessprache zu erlernen.

viele immigranten haben ja keine lust einen eigenen sprachkurs zu besuchen. kino/tv ist dann noch einer der wenigen "zwänge", mit denen man sie motivieren kann.

das poppende lottchen
00
sorry, aber ein "immigrant", der "keine lust"

hat, die sprache des landes zu lernen, in das er einwandert und wo er offenkundig leben möchte, ist selbst schuld. und sollte sich fragen, warum er dann überhaupt einwandert.
wer nach australien auswandert und sich weigert, englisch zu lernen, kann auch nicht ganz bei trost sein. wobei die australier allerdings so klug sind, solche typen gar nicht erst in ihr land zu lassen.

erwin meier
00

ein absurdes argument. wie wärs stattdessen mit selbst produzieren in der landessprache? ach ja das will ja keiner sehen.

opti
01
ich denke nicht

unsere imigranten können nicht 24 stunden nur sprachen lernen. die einheimischen produktionen sollten für den lernbedarf ausreichen. ausserdem fördert das die integration stärker. die synchronisationen sind meist von sprechern mit deutschländischem akzent gemacht und das behindert die integration bei uns dahoam erheblich. mit den eingesparten synchronisationskosten könnte hansi hinterseher zum beispiel eine frühsendung für imigranten zum mitsingen machen - da würden sich alle touristen und migranten freuen.

scientific impotent
10
niemand verlangt 24h sprachen lernen. natürlich werden sie

auch schlafen, arbeiten, essen und diverse andere dinge erledigen.

wieviel zeit bleibt dann fürs sprachen lernen?

schauen sie in der restlichen zeit amerikanische tv-serien und hollywoodfilme bringen die eigenproduktionen auch nichts. noch schlimmer wird es durch die vielen satelliten-schüsseln, mit denen man das angebot der eigenproduktion noch mehr vermeiden kann.

der deutschländische akzent macht es sogar einfacher, weil er von allen verstanden wird. die paar spartensender mit starkem akzent werden eh kaum von österreichern geschaut. oder wollens die produktionen jeweils in vorarlbergerisch, steirisch und wienerisch vertonen?

die kosten könnens außerdem nicht sein, gibt sicherlich paar leute, die es gerne sehr günstig machen würden.

opti
00
eine gute möglichkeit, die landessprache zu erlernen?

ich denke der orf und die anderen sender mit (mostly) deutsschrachigem programm sowie die noch vorhandenen "einheimischen" bieten genug möglichkeiten.
wir sollten für alle einheimischen und zuagroasten ein ausreichendes angebot zur verfügung stellen.
der wille und die umsetzung kann aber nur von jedem menschen im empfangsbereich selbst eingebracht werden.
wir wollen doch die freiheit und selbstbestimmung nicht einschränken. die schlimmste einschränkung ist die synchronisation. ein film ist ein gesamtkunstwerk und kann nur in der originalsprache wirklich erfasst werden. die synchronisation verfälscht das kunstwerk und es ist grundsätzlich die frage, ob diese verfälschung durch untertitel weniger schlimm ist als durch synchronisation.

die Resi-Tant Evil
13

Nun, ich kann nicht für "uns" reden, aber ich persönlich sehe mir sehr gerne Filme in Originalfassung (bedarfsweise mit Untertitel) an. Um nicht zu sagen, hauptsächlich.

Erst kürzlich sah ich einen Katalanischen Film mit (ich glaube) engl. Untertitel: http://www.imdb.com/title/tt1221188/
Offengestanden, den fand ich ohnehin besser als den meisten Hollywood Schmonzes.

Na, wenn ich Katalanien wäre und Hollywood erklärte mir den Krieg, denen schicke ich doch eine Landkarte und markiere mit einem x, wo sie mich finden können. "Kommts her alle und holts euch eure Watschen!" :p

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