Neue Eingangsphase: Wirtschaftsuniversität weitet Selektion bei Studienanfängern aus

05. Juli 2010 14:41

Vier entscheidende Prüfungen - Aus für "totale Liberalität" - Badelt stellt Leistungsvereinbarungen in Frage

Wien - Mit einer Reform der Studieneingangsphase will sich die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien künftig "auf jene Studenten konzentrieren, die leistungsfähig und -willig sind sowie in absehbarer Zeit zum Abschluss kommen können". Dies betonte Rektor Christoph Badelt bei einer Pressekonferenz am Montag. Künftig müssen die Studienanfänger zunächst vier bestimmte Prüfungen absolvieren, bevor sie andere Lehrveranstaltungen besuchen bzw. zu anderen Prüfungen der Studieneingangsphase antreten dürfen.

Vier entscheidende Prüfungen

Zunächst müssen an der WU die Prüfungen "Einführung in die Betriebswirtschaftslehre", "Mathematik", "Grundlagen der Volkswirtschaftslehre I" und "Wirtschaft im rechtlichen Kontext - Europäisches und öffentliches Wirtschaftsrecht I" abgelegt werden. Insgesamt sind je nach Studienzweig 14 bzw. 15 Prüfungen in der Studieneingangsphase zu bestehen. Von der Änderung betroffen sind nicht nur die Studienanfänger ab dem kommenden Studienjahr, sondern auch alle Studenten, die bisher noch keine einzige der vier künftigen Einstiegsprüfungen bestanden haben. Die entsprechenden Prüfungen werden drei Mal pro Semester angeboten, möglich sind je vier Antritte

Badelt stellt Leistungsvereinbarung in Frage

Bei einem derart großen Auseinanderklaffen zwischen Kapazitäten und Studentenzahlen habe die WU Maßnahmen ergreifen müssen, betonte Badelt. Zuletzt war ein Antrag der WU auf Zulassungsbeschränkungen von der Regierung abgelehnt worden. Derzeit beginnen rund 7.000 Personen pro Jahr ein Bachelor-Studium an der WU (Wirtschaftsrecht bzw. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften), während die Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium eine Kapazität von jährlich 1.300 Bachelor-Absolventen vorsehen, so Badelt. Diese Leistungsvereinbarung stellt der Rektor nun in Frage: "Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, muss sich auch die Leistungsvereinbarung ändern." Im Moment könne diese "nicht das Papier wert sein, auf dem sie geschrieben steht".

Derzeit schaffen 62 Prozent der Studienanfänger im ersten Studienjahr insgesamt nicht einmal vier der 14 bzw. 15 Prüfungen. Umgekehrt haben von den Studienanfängern des Jahres 2006 nur 100 das Bachelor-Studium in Mindestzeit absolviert.Trotzdem ist Badelt davon überzeugt, dass "wir ja nicht nach Stachanow-Methode irrsinnige Ansprüche formulieren". Die vier Prüfungen würden in etwa dem entsprechen, was Maturanten bei der mündlichen Reifeprüfung zu absolvieren haben.

Betreuungsverhältnis "ein Wahnsinn"

Durch die Maßnahme erhofft sich Badelt eine bessere Betreuung derjenigen Studenten, die die Eingangsphase schaffen, und damit eine Steigerung der Absolventenzahl - trotz mittelfristig eventuell sinkender Studentenzahlen. Derzeit kämen an der WU auf einen Professor 320 Studenten - das sei sogar im Österreich-Schnitt (121 Studenten auf einen Professor) ein "Wahnsinn". Wenn die WU jene 6.400 Euro pro Student wie die Fachhochschulen erhalten würde, müsste sie jährlich 173 Mio. Euro bekommen - "haben tun wir 100 Mio. Euro".

Badelt räumte ein, dass mit der neuen Eingangsphase eine Reduktion der derzeitigen "totalen Liberalität" des Studiums verbunden ist. Nicht glücklich ist er damit, dass bei sämtlichen Prüfungen mit Multiple-Choice-Formaten gearbeitet wird: "Wir wissen, dass das keine ideale Auswahltechnik ist. Aber man sage mir, wie einige Tausend Studenten sonst geprüft werden sollen." Die Hochschülerschaft an der WU hat gegen die Änderungen bereits anlässlich des Senatsbeschlusses in der Vorwoche protestiert und angekündigt, die Änderungen bis zum Verfassungsgerichtshof (VfGH) zu bekämpfen.

Ministerium hat "vollstes Verständnis"

Das Wissenschaftsministerium hat angesichts der Situation an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien "vollstes Verständnis" für die Maßnahmen der Uni. Allerdings müsse man sich die neu gestaltete Studieneingangsphase noch rechtlich genau ansehen, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Ministerium.

Was das von Rektor Christoph Badelt angekündigte Infragestellen der Leistungsvereinbarungen betrifft, wolle man zunächst darauf warten, dass dieser an das Ministerium herantrete. In den derzeitigen Leistungsvereinbarungen sei eine Verwendungszusage enthalten gewesen, dass sich das Ministerium für den Antrag der WU auf Zulassungsbeschränkungen einsetze, hieß es weiter. Das sei aber mit dem Koalitionspartner SPÖ nicht zu machen gewesen.

ÖH: "Ganz klare Schikane"

Keine Freude hat die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) mit der WU-Maßnahme: Badelt mache "genau den gleichen Fehler wie alle anderen und trägt die chronische Unterfinanzierung der Unis auf dem Rücken der Studenten aus", so ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer. "Und das mit einer völlig illegalen Methode." Die Maßnahme ziele nämlich auf eine quantitative Beschränkung der Studentenzahl.

Das Vorgehen der WU hält Maurer für eine "ganz klare Schikane". Einerseits gebe Badelt vor, mit der neuen Studieneingangsphase die Qualität der Studenten abprüfen zu wollen, andererseits sage er ganz klar, dass er dies aufgrund der Ressourcenlage mache. Für die Studenten bedeute dies noch längere Wartezeiten und Studiendauern sowie den Verlust von Beihilfen. (APA)

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aculus populus
 
06.07.2010 08:55
Selektieren geht über Studieren :D

wuzi1970
 
06.07.2010 06:47

Endlich traut sich eine Universität den richtigen Weg zu gehen und schon am Beginn des Studiums zu selektieren. Dazu werden sich auch die anderen Hochschulen durchringen müssen. Ich hoffe nur dass sich die Politik entscheidet in weiterer Folge solche Eingangsprüfungen breitflächig an allen Hochschulen einzuführen und dass bei der notwendigen Neugestaltung der Studienpläne auch die Fachhochschulen einbezogen werden (siehe auch http://www.wuzi.at/?p=27755).

aculus populus
 
06.07.2010 09:11

Warum nicht gleich Studiengebühren in Höhe von 15.000 jährlich einführen? Nur für die WU! Das wäre doch ganz nett und amerikanisch! Dann ist der Badelt endlich zufrieden, denn dann bleibt nur die Crème de la Crème!

kalle keituri
05.07.2010 18:46
ich bin grundsätzlich dafür

allerdings find ich mathematik sehr unpassend (anscheinend wirklich nur dabei um so viele studienanfänger wie möglich rauszuprüfen). amc1 wär sinnvoller

HydraulikSepp
05.07.2010 18:41
Puh, da wird uns aber somancher Spitzenmanager


erspart bleiben, wenn das nur gut geht - fehlen dann nicht der ÖVP die zukünftigen Finanzminister, ach ja die rekrutiert man ja auf der Boku, also so gut kann die WU dann ja auch wieder nicht sein, damit hält sich der Schaden in Grenzen.

elgrancatalan
05.07.2010 18:24
Habe selber an der WU studiert

habe während meiner WU Zeit(war nur ein Semester) 2 dieser 4 Prüfungen gemacht, Mathematik und die Rechtliche. Bei beiden Durchfallquoten weit über die 50%. VWL 1 ist sicherlich keine einfache Prüfung, was ich von Kollegen so gehört habe. Jetzt ist das System der WU auf Prüfungswochen ausgelegt die alle 6 Wochen stattfinden, damit das ganze jedoch Sinn macht, sollte ich anstreben, die 4 Prüfungen in einer dieser Wochen zu erledigen. Das ist prinzipiell unmöglich, da der Stoff für alle 4 so dermaßen viel ist, dass das in 6 Wochen nicht alles gut zum lernen ist. Heißt also ich brauche eine Zweite dieser Prüfungswochen, wo ich dann eine Prüfung mach. In dem Sinn absolut vergeudete Zeit...

Franz Bim
 
05.07.2010 19:24
6 Wochen schon schlimm?

Im Vergleich zu dem, was andere Studierende an Zeit verplempern ist 6 Wochen jetzt wohl nicht so schlimm. Nochdazu ist es ja kein völliger Leerlauf, sondern Zeit, die zur Vorbereitung auf eine Prüfung genützt werden kann. Und wer meint, dass er es gar nicht anders aushält, macht in der Zeit halt eine freie Wahllehrveranstaltung.

.oOo. /|||||||\ .oOo.
05.07.2010 18:18

Macht die Ausbildung an der WU die Welt gerechter?
Wenn nein, dann könnens vom mir aus noch ein paar Prüfungen mehr machen :-)

Cosinus62
05.07.2010 18:13
Darum ja zur Gesamt-Sonderschule

Gesamt-Sonderschule und natürlich Aufsteigen mit Fünfer/n - ja, aus diesem Holz müssen die schmiedgewollten Studenten sein.

Hackbrett Schorsch
05.07.2010 18:04

An der WU könnten sich manche anderen Unis mal ein Beispiel nehmen. Verwaltung immens auf ein Minimum reduziert (aus eigener Erfahrung weiß ich, wie angenehm das im Vergleich zu Hauptuni ist; Amtsschimmel), um mehr Geld für Lehre und Forschung zu haben und Alibistudenten werden schon in der STEP ausgesiebt (wer die nicht schaft ist entweder zu blöd für ein Studium oder legt nicht den nötigen Ehrgeiz an den Tag). An der STEP ist allerdings zu kritisieren, dass sie zu lange dauert.

Einzig was wirklich stört ist der nicht ordentlich erfolgte Umstieg von Diplom auf Bachelor/Master. Diplomstudienplan - Freie Wahlfächer = Bachelorstudienplan

Leistungsfeindliche Geschöpfe, wie die Maurer Sigi, wird man ohnehin nie zufrieden stellen können.

mailat
05.07.2010 18:01
die 6 semester mindeszeit

schaffen nicht viele,selbst, wenn sie nicht arbeiten müssen und das studium halbwegs finanziert ist. muss man sich mal reinziehen,wie krank unsere unisystem schon is. wenn man sich dann noch ein bisschen mit den stipendien systemen auskennt, dann kann man eh nur mehr gute nacht sagen...die bildung soll abgedreht werden, entweder über zugangsbeschränkungen, oder über nock- out(wobei man dann bedenken muss, dass zB. wie in Medizin selbst Leute mit einem 90% bestanden Test nicht ins Studim kommen. krank, krank und muss abgeschaft werden. ich fordere geld für die unis.

Munis
05.07.2010 18:00
Dieser Badelt ist wirklich eine unangenehme neoliberale Grätzn

Anstatt sich für verbesserte Studienbedingungen einzusetzen wirft er den Neueinsteigern jede Menge Prügel zwischen die Füsse. Diese Drop Out Prüfungen bewirken nichts - nur den Frust - dadurch wird die Qualität an den Unis nicht besser. Badelt sollte man an eine Eliteuniversität - vielleicht Harward abschieben - da kann er dann seine Träume von seiner Eliteuni verwirklichen - hier in Österreich wollen wir aber Bildung nicht nur für eine Elite sondern für mögichst viele junge Menschen!!!

Mad_Max86
 
05.07.2010 17:46
Es ist schon klar

das diese Auswahl mittels Prüfungen nicht optimal ist, aber was da die Maurer Sigi wieder daherseidelt, von wegen Schikane etc. ist auch nicht gerade konstruktiv.

Es ist doch bitte keine Schwierigkeit diese 4 Prüfungen zu machen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand der das Studium ernsthaft betreiben will dabei auf seine Grenzen stößt.

Das Bildung der Politik scheinbar seit Jahren ein Dorn im Auge ist, ist eine andere Geschichte, kann aber sicher nicht damit gelöst werden sich bei jedem Furz aufzuregen.

mailat
05.07.2010 18:13
ja aber es geht ja nicht nur um prüfungen

sondern auch um das zusammenspiel, stipendien, nicht schaffbarer (mindeszeit) ablauf. geld weg->noch mehr arbeit->brauchst noch länger... sparen bei der bildung nervt mich und muss geändert werden. nur weil kein geld hergegeben wird(nicht das einzige Problem der unis) macht man jetzt dann die pläne nicht studierbar.schneller is niemand wie man an der statistik sieht(100 haben gerade mal mind.studienzeit geschafft)

NeoProgressive
05.07.2010 18:10

Niemand wird dabei an seine Grenzen stoßen, aber die Schikane besteht darin, dass ich keine anderen Lehrveranstaltungen besuchen kann, bevor ich nicht diese 4 abgeschlossen habe. Dabei kann es häufig zu Wartezeiten kommen.

Franz Bim
 
05.07.2010 19:47

Naja Vorlesungen wird man wohl besuchen können, oder gibt es an der WU an den Eingängen der Hörsäle Türsteher, die nur Leute durchlassen, welche diese Eingangsphase schon hinter sich haben?

Und selbst wenn: Man kann ja immer noch etwas für sein Freies Wahlfach tun, ggF. halt auf einer der anderen Universitäten.

rudolf schladming
05.07.2010 17:43
"nur 100 das bak in mindestzeit absolviert"

ja dann muss man eben studienpläne machen die auch in mindestzeit absolvierbar sind. ich weiss nicht wie es an der wu aussieht, aber in anderen bereichen ist das nicht sher realistisch. auch mit hoher "leistungsfähigkeit und -willigkeit" nicht. ein bak ist eben ein bak und nicht das diplomstudium in 3 jahren.

trollvottel
05.07.2010 18:01

Außerdem scheinen viele schwarze "Bildungspolitiker" zu meinen, dass man alle von den Unis verjagen sollte, die neben dem Studium arbeiten gehen (weil sie müssen, oder um den Eltern weniger auf der Tasche zu liegen.). Dass die nebenbei hackelnden Studis sogar in der Mehrheit sind, aber auf widerlichste Art schikaniert werden, wird selten angesprochen.

rudolf schladming
07.07.2010 14:25

oder die neben den pflichveranstaltungen vielleicht auch noch was anderes lernen wollen.

ilse schmidt
05.07.2010 17:39
...unterm Strich geht es Badelt also 100%ig um nichts anderes als die Misere seiner Universität, für das er symptomatisch und durchaus legitim das Betreuungsverhältnis veranschaulichend heranzieht,

auf dem Rücken jener Studierender auszutragen, die von Mama und Papa keine 500 Euro zur Verfügung gestellt kriegen (und auch keine Wohnung geschenkt bekommen) sondern neben dem Studium hackeln müssen, weil sie älter sind als erlaubt, unerlaubterweise für Kinder sorgen müssen, oder unerlaubterweise mal eine psychische Krise hatten oder unerlaubterweise lieber für eine Universität eintreten, in der sie sich Fächer selbst aussuchen können. Jetzt ist die richtige Zeit um den Retter des "eigenen Hauses" zu markieren - danke lieber Badelt - bitte liebe Beatrix - denn jetzt sollen Nachahmungseffekte erzeugt werden, hat doch die ÖH-Chefin anekündigt, dass weitere Proteste denkbar sind. Mit den Rektoren - ohne Badelt´- der ist schon gekauft !

Fisch^^Fisch
05.07.2010 17:43

Bekommen die Kinder wohlhabender Eltern leichtere Tests vorgesetzt?

:
05.07.2010 18:18

nein, aber die haben die noetigen tausender, um vorbereitungsskurse zu besuchen.

irgendein/e posterIn
05.07.2010 18:04
das nicht, aber

man kann hinterfragen, ob es kindern reicher eltern nicht leichter fällt die tests zu bestehen?
was zb. wenn der papa oder die mama schon in der wirtschaft tätig ist?
ich kann mir schon vorstellen, dass reiche kinder das geforderte schon eher mit der muttermilch einsaugen, als kinder, die in einem gemeindebau im 10. bezirk leben.

ich möchte aber nicht sagen, dass es 100%ig so ist, aber zu überdenken wäre es.

ilse schmidt
05.07.2010 17:48

Ich verstehe - Du bist berufstätig, nicht wahr.

Der große Mann
05.07.2010 17:27

War klar dass Faymann nun seine viel beschworene "Gerechtigkeit" umsetzt und die Minderleister aus der Uni rausschmeißt!

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