Tipps für die Reiseapotheke

"Da können sich leicht Infekte einschleichen"

5. Juli 2010, 10:08
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    foto: ap/michael probst

    Apothekerin Maria Kosch weiß, warum viele im Urlaub krank werden. Wenn der Stress nachlässt, wird auch das Immunsystem schlapp. Dann haben Keime leichtes Spiel.

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    Maria Kosch (31) ist seit acht Jahren Apothekerin. Sie hat in Wien Pharmazie studiert und arbeitet seit drei Jahren in der Apotheke "Zum Löwen von Aspern" im 22. Bezirk.

Nichts wie weg. Die Ferien sind da. Die Wiener Apothekerin Maria Kosch gibt Ratschläge, was alles in eine gut sortierte Reiseapotheke gehört

Standard: Warum werden viele im Urlaub erst einmal krank?

Kosch: Es kann verschiedene Ursachen haben. Bei Auslandsreisen sind häufig das veränderte Klima, die ungewohnte Kost, die hygienischen Bedingungen, aber auch psychische Faktoren entscheidend. So eigenartig das klingen mag, viele Menschen sind im Berufsleben so unter Stress, dass der Körper keine Zeit hat, krank zu werden. Gönnt man ihm dann etwas Ruhe, ist das Immunsystem nicht mehr so wachsam, da haben Keime ein leichtes Spiel.

Standard: Bitter, wenn man nur zwei Wochen Ferien hat. Was kann man tun?

Kosch: Das kommt darauf an. Die meisten Menschen haben irgendeine Schwachstelle. Wer sich selbst gut kennt, weiß oft, was es ist, und kann sich rüsten. Wer zu Halsweh neigt, sollte Lutschtabletten mithaben. Bei Magen- und Darmproblemen sollte ein Abführmittel oder ein Medikament gegen Durchfall im Gepäck sein. Bei gleichzeitigem Fieber oder dann, wenn der Durchfall binnen zwei Tagen nicht in den Griff zu bekommen ist, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Standard: Was hilft gegen Fieber?

Kosch: Fiebersenkende Medikamente gehören in jede Reiseapotheke, etwa Präparate, die Paracetamol enthalten. Sie sind gut verträglich und schmerzstillend. Bei Medikamenten mit dem Wirkstoff Acetylsaliyclsäure ist wichtig zu wissen, dass sie Kinder unter zwölf Jahren nicht nehmen sollten. Auch in Ländern, wo es das Dengue-Fieber gibt, sollten sie gemieden werden.

Standard: Ist es klug, ein Antibiotikum mitzunehmen?

Kosch: Auf Fernreisen ist es sicherlich empfehlenswert. Es muss allerdings im Vorfeld in Österreich genau mit einem Arzt besprochen werden. Sehr verbreitet für Reisen ist der Wirkstoff Ciprofloxacin. Er hat ein breites Wirkspektrum und hilft bei vielen im Urlaub auftretenden Infektionen.

Standard: Stimmt es, dass Flugzeuge für Keime ideale Orte sind?

Kosch: Zweifellos. Das Problem ist das Zusammentreffen vieler Menschen auf engem Raum und die niedrige Luftfeuchtigkeit. Wenn die Schleimhäute in Nase und Mund zu trocken werden, können sich leichter Infekte einschleichen. Mit einem Salzwasserspray für die Nase kann man gegen- steuern. Zusätzlich sollte man im Flugzeug viel trinken. Ein Becher, wie von den Fluglinien vorgesehen, ist sicherlich zu wenig. Vor allem sollte man Wasser, nicht Alkohol trinken. Die Flugzeugtoiletten sind übrigens auch ideale Orte für Keime. Es gibt Desinfektionsgels und -tücher für die Handtasche. Sie dabeizuhaben kann ich jedem nur dringend raten.

Standard: Empfehlen Sie Thrombose-Prophylaxe für den Flug?

Kosch: Ein Thromboserisiko besteht bei jeder längeren Reise in sitzender Haltung. Hier ist viel Flüssigkeit, Venengymnastik wie Zehenwippen und wiederholtes Aufstehen zu empfehlen. Menschen mit schon bestehenden Krampfadern, älter als 40 Jahre, Raucher, Frauen, die die Pille nehmen, und Übergewichtige sollten Kompressionsstrümpfe der Klasse I anziehen und mit dem Arzt sprechen, ob eine Thromboseprophylaxespritze notwendig ist. Wer schon einmal eine Thrombose hatte, in den letzten Monaten operiert wurde oder an Krebs oder einer anderen schweren Erkrankung leidet, hat grundsätzlich ein hohes Thromboserisiko und sollte unbedingt vor einer längeren Reise einen Arzt aufsuchen. Dies gilt übrigens nicht nur für Flugreisen, sondern besonders auch für lange Autofahrten oder Busreisen.

Standard: Woran erinnern Sie Ihre Kunden vor einer Reise noch?

Kosch: An Desinfektionsmittel, Pflaster, Verband und eine Wund- und Heilsalbe zur Wundversorgung. Auch Insektenschutz wird gerne vergessen, das sollte einem bei Fernreisen in Malaria-Gebiete nicht passieren. Sehr wichtig ist Sonnenschutz mit UVB- und UVA-Filtern. Lichtschutzfaktor 25 ist für viele, die in den Süden fahren, nicht ausreichend. Je südlicher und je weiter in der Höhe, umso stärker ist die Sonne. Sie wird oft unterschätzt.

Standard: Warum bekommen viele Urlauber Fieberblasen?

Kosch: Das hat mit der Sonne zu tun. Die meisten vergessen, sich die Lippen mit Sonnenschutzprodukten einzucremen. Die Sonne stresst das Immunsystem, und dadurch können sich Viren dann hervorragend vermehren. Wer sie rechtzeitig spürt, kann sie mit aciclovirhältigen Präparaten vielleicht noch abfangen. Wer schon eine Fieberblase hat, sollte sie mit Herpes-Patches überkleben. So schützt man die Hautstelle und ist für andere keine Gefahr. Die Sonne ist gefährlich. Wer sich dann doch einen Sonnenbrand zugezogen hat, sollte mit Wasser oder feuchten Tüchern kühlen und die Sonne bis zum Abklingen der Entzündung meiden. Kühlende Cremen ohne Parfumstoffe sind zur Beruhigung der Haut gut. Bei Sonnenbrand mit Blasenbildung sollte man einen Arzt aufsuchen.

Standard: Was gilt es auf Fernreisen zu beachten?

Kosch: Ganz wichtig ist, dass man sich rechtzeitig um die notwendigen Impfungen kümmert. Die Ärzte am Tropeninstitut kennen sich bestens aus. Ich erlebe aber immer wieder, wie erstaunt die Leute über die Kosten der Malaria-Prophylaxe sind. Wenn eine Pauschalreise 1000 Euro gekostet hat, ist eine Malaria-Prophylaxe um 150 Euro pro Person vergleichsweise kostspielig. Das sollten alle, die eine Reise in ein Malariagebiet planen, ansprechen, wenn sie beim Arzt sind. Es gibt ja ganz unterschiedliche Wirkstoffe mit jeweils ganz unterschiedlichen Nebenwirkungen. Für Kleinkinder sind sie alle aber nur bedingt geeignet.

Standard: Apropos Kinder. Was ist für sie wichtig?

Kosch: Wasserfeste Sonnencremen mit hohem Lichtschutzfaktor. Dann höre ich aber auch immer wieder, dass Kinder im Urlaub oft Ohrenweh oder Durchfall bekommen. Kinder spielen ja viel im Wasser, sie tauchen und dabei verschlucken sie auch Wasser. Oftmals ist gerade der Hotelpool eine Keimbrutstätte für Bakterien. Ohrentropfen können hier manchmal gegensteuern. Wer ein Kind hat, das zu Ohrenentzündungen neigt, sollte sich vom Kinderarzt also unbedingt ein Antibiotikum für den Notfall verschreiben lassen.

Standard: Was halten Sie von probiotischen Medikamenten?

Kosch: Bakterienpräparate machen durchaus Sinn bei Durchfällen, die durch Antibiotika ausgelöst wurden. Bei der Einnahme sollte bei diesen Produkte allerdings ein zeitlicher Abstand von zwei Stunden eingehalten werden. Besonders Präparate mit Saccharomyces boulardii sind geeignet, den Darm sowie das Immunsystem im Vorfeld zu stärken. Probiotika erst beim akutem Reisedurchfall einzusetzen halte ich persönlich aber für zu wenig effektiv. (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 05.07.2010)

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21 Postings
guggi102
00
14.8.2010, 08:29

Der einzige Durchfall, den ich mir auf meinen zahlreichen Fernreisen aufgerissen habe, war vom verdorbenen Essen beim Heimflug mit der gelb-blauen Firma.

contains sugar
00
11.7.2010, 13:21

wäre es nicht 100x gescheiter, sich zu informieren, wie das gesundheitssystem des landes aussieht und ob die ärzte dort englisch sprechen? wenn ja, kann man sich den ganzen anderen schmarrn nämlich sparen - v.a. das viele geld, das die medikamente, welche meist bei hitze sowieso nicht lagerbar sind, kosten.

Lavinya
00

Es gibt nichts schlimmeres, als mit Fieber bei über 30 Grad in einem Hotelzimmer im Bett zu liegen, oder wegen Durchfall beinahe den ganzen Urlaub im WC zu verbringen. Darum habe ich in meinem Koffer immer fiebersenkende Mittel, Schmerzmittel und Omni biotic Reise!

Arnold Hau
01
Medikamente gibt es, oh Wunder, auch anderswo

Und das meistens auch viel einfacher und billiger.

Am Besten sich ein paar Wirkstoffe rausschreiben, dann klappts auch mit dem Einkauf. In vielen Ländern neigen sie eher zu drastischer Medikation.

contains sugar
10
11.7.2010, 13:19

österreich? ;)

Rene Stangeler
01
Meine Reiseapotheke:

Schmerzstillendes Mittel (hilfreich wenn man z.b. akute Zahnschmerzen bekommt und der nächste Zahnarzt 2 Tagesreisen entfernt ist), Desinfektionsmittel da bei tropischem Klima auch leichte Verletzungen leicht infektiös werden können, Immodium akut um Durchfall zu stoppen und unvermeidbare Reisetätigkeit hinter sich bringen zu können(etwa kurz vor Reiseende zum Flughafen), ein paar Pflaster und Mullbinden, Aspirin. After Sun Lotion ist auch nicht falsch, da man trotz Vorsicht mal zuviel Sonne abbekommen kann.

Hab zum Glück noch nie etwas davon gebraucht, ausser kühlende Lotion nach Sonnenbrand, aber so viel wiegt das Zeug nicht und findet leicht Platz im Rucksack.

Benedikt W.
 
00
Meine Reiseapotheke

Natürlich Schmerzstillende Mittel (Parkemed);
Antibiotikum; Durchfallmittel (auch Immodium); Mittel gegen Übelkeit;
Natürlich auch Pflaster;

Insgesamt hab ich nur mal Parkemed und Antibiotikum gebraucht wegen einer Grippe.

Herzerzog Johann
13
Schachtelweise Globuli ...

... kistenweise rechts/linksdrehendes Joghurt (je nach politischem Geschmack), einige merkwürdige chinesische Nadeln und eine ausgewählte esoterische Reisebibliothek sollten eigentlich fürs Erste genügen.

Birgit 68
10
Chinesische Nadeln?

Akupunktur meinen Sie?
Wo kann ich die denn kaufen, wenn ich nicht vom Fach bin?
Und ist da dann auch eine Anleitung dabei?

Ich glaube, da müssen Sie was missverstanden haben, denn sonst müsste man z. B. das Gegengift für einen bestimmten Schlangenbiss auch im Reisegepäck mitführen dürfen, und zwar mitsamt Spritze und Injektionsnadel/Infusionsbesteck, oder diverse Passivimpfungen für den Notfall.

Sind da nicht überall ausgebildete Leute dafür zuständig?
Homöopathische Mittel kann ich für einen erstmals einsetzenden Akutfall auch nicht im Reisegepäck mitführen, nicht einmal dann, wenn ich auf die Homöopathie schwöre.

Lange Nacht der Kirschen
00

Ja, so sind die Männer...;-)

Demosthenes
01
kaiserliche hoheit

erlauben untertänigst eine ergänzung: die mitgliedschaft im wiener verein ist unverzichtbar. dann ist wirklich für alle fälle vorgesorgt

Herzerzog Johann
01
Leider ...

... haben die mit der Kapazundergruft keinen Vertrag ....

Deconstructive Force
20

Fiebersenkende Medikamente, Antibiotika, etc. habe ich bislang in meinem ganzen Leben noch nie gebraucht.

legion
12
und?

ich hab' in meinem ganzen leben noch keinen motoradhelm/sicherheitsgurt/zweitschlüssel/haushaltsversicherung/ ... gebraucht. Trotzdem hab' ich's/verwend' ich's.

Seien sie froh und klatschen 3 mal in die hände (wenn ihnen danach ist).

gütenand der fertige
00
Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Die von Ihnen angeführten Dinge können Sie ja wohl schlecht erst anlegen/erwerben, wenn ein Schadensfall eingetreten ist. Die meisten Medikamente hingegen schon. Und meistens kann man sie sich auch im Falle, daß man sie benötigt, vom Arzt verschreiben lassen und muß sie nicht, zum Wohle der Apotheker, VORHER käuflich erwerben.

legion
00
meine kritik bezog sich auch ...

... darauf, dass nur weil ich etwas noch niiiiiie "in meinem ganzen leben nicht" gebraucht habe es total unnötig ist.

Und weiters meinte ich natürlich eine wirkliche REISE (fahre morgen nach südost-asien und meine reiseapotheke ist klein aber fein). Wenn ich an den Neusiedlersee fahre hab ich außer einem pflaster auch nix mit! :-)

Freudenspender
00
wichtige Hinweise für

ihre Reiseapotheke finden sich auch auf:
http://www.gesund.co.at/gesund/In... otheke.htm

Miss Deutung
12

Diese Werbeeinschaltung wurde Ihnen gesponsert von der pharmazeutischen Industrie und den Herstellern keimtötender Crèmes/Gels.

her mit den Strichen!
16
Also in Italien, Kroatien, Türkei...

bekomme ich jedes benötigte Medikament ziemlich einfach, und zwar dann, wenn ich es benötige.

Und in nahezu allen "westlichen" und sogar "süd-ost-europäischen" Ländern funktioniert das genauso gut.

Wozu also eine Reisapotheke zusammen kaufen, wo viele Medikamente nach 1-2 Jahren ablaufen und entsorgt werden...???

Hilft idR nur dem Apotheker!

Rene Stangeler
01
Sehe ich genauso

Für Reisen in Länder mit funktionierender Krankenhaus- Ärzte- und Apothekeninfrastruktur ist die Mitnahme einer Reiseapotheke sicher unötig. Auch für Urlaube in Hotels mit Pool gibts sicher entsprechende Versorgung.

Leute die in Länder mit schlechter medizinischer Versorgung (Laos z.b. oder diverse Inseln in Indonesien, nicht Bali) wissen ohnehin was sie benötigen. Oder sollten es zumindest wissen.

ein Pixel kommt selten allein
00
19.8.2010, 14:02
Nur nicht immer bekommen Sie das, was sie benötigen und gut vertragen bzw. was bei Ihnen gut wirkt.

Z.B. hatte ich in DE schon lange Diskussionen mit Apothekern, weil Medikamente, die bei uns rezeptfrei sind, dort rezeptpflichtig sind (z.B. Tantum Verde). Und nachdem die dort frei erhältlichen Alternativen nicht die Wirkstoffe bzw. die Kombinationen haben, die bei mir erprobterweise am besten wirken, habe ich jetzt meine Mittel - das andere ist ein Schmerzmittel - immer mit.
Denn was nützt mir ein Medikament, das zwar von der Indikation her geeignet wäre, aber bei mir erfahrungsgemäß einfach nicht anschlägt?
Und wegen meiner üblichen, gelegentlich auftretenden Zipperlein will ich nicht unbedingt jedes Mal einen Arzt suchen und hoffen, dass der mir das verschreibt, was ich haben mag.

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