Wir treffen auf zwei Passnetzwerke, die hinsichtlich der Gesamtsumme nicht weit auseinanderliegen (477:403), deren Strukturen jedoch spielentscheidende Differenzen aufweisen. Während die Deutschen innerhalb der rotierenden Offensive ein beeindruckendes dynamisches Gleichgewicht entwickelten, verhedderte sich das Aufbauspiel der Argentinier oftmals bereits im Ansatz. Wie schon gegen England profitierten die Deutschen von einem frühen Tor. Aufgrund der Situation konnte das Team ein ähnlich lauf- und kombinationsintensives Konterangriffsspiel aufziehen. Neben der vertikalen Ausrichtung auf die Sturmspitze Klose zeigt sich auch eine bemerkenswerte diagonale Dimension im deutschen Angriffsspiel: Darin kommt die Fähigkeit zum Ausdruck, das Spiel schnell und punktgenau in die Schwachstellen bzw. Lücken des gegnerischen Verteidigungsraums zu verlagern.
Während die Deutschen den Ball dorthin zu treiben versuchten, wo es sich abspielte, mussten ihn die Argentinier ein ums andere Mal aus den Lagerräumen der eigenen Ratlosigkeit hervorkramen. Starke Beziehungen finden sich folglich in der Viererkette bzw. im zentralen Verteidigungsraum. Die relativ ausgeprägten Beziehungen zwischen Messi, Tévez und Rodríguez sind weniger Ausdruck konsequent vertikaler Impulse, sondern vielmehr Dokument einer verzweifelten Rückläufigkeit der viel gepriesenen Offensive. Sowohl Messi als auch Tévez ließen sich mit Fortdauer des Spiels immer mehr zurückfallen, weil der flüssige Spielaufbau weder über die Flügel noch über das Zentrum klappte.
Vor allem der rechte Außenverteidiger Otamendi erwies sich sowohl defensiv als auch offensiv als wunder Punkt, was die Deutschen offenbar schon vor dem Spiel erkannt hatten. Und auch der bislang so erfolgreiche Higuain markierte nicht den Vollstrecker, sondern eher die Endstation Sehnsucht auf dem Weg ins Finale. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 5. Juli 2010)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE
1. Messi-Tévez 19
2. Rodríguez-Messi 13
3. Rodríguez-Tévez 12
4. Di Maria-Messi 11
5. Mascherano-Heinze 10
5. Messi-Rodríguez 10
7. Mascherano-Messi 9
7. Demichelis-Mascherano 9
7. Burdisso-Demichelis 9
7. Heinze-Tévez 9
7. Demichelis-Burdisso 9
SCHLÜSSELSPIELER*
1. Messi 128 (57/71)
2. Tévez 112 (46/66)
3. Mascherano 107 (59/48)
4. Rodríguez 100 (51/49)
5. Demichelis 91 (53/38)
6. Heinze 79 (47/32)
7. Di Maria 76 (33/43)
8. Otamendi 75 (42/33)
9. Higuain 64 (20/44)
10. Burdisso 62 (38/24)
11. Pastore 25 (10/15)
12. Romero 22 (16/ 6)
13. Aguero 13 ( 5/ 8)
*Gegebene und angenommene Pässe
ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT
1. Demichelis 98,11 (52 von 53)
2. Burdisso 94,74 (36 von 38)
3. Rodríguez 92,16 (47 von 51)
4. Heinze 91,49 (43 von 47)
5. Romero 87,50 (14 von 16)
6. Tévez 86,96 (40 von 46)
7. Mascherano 86,44 (51 von 59)
8. Higuain 85,00 (17 von 20)
9. Messi 82,46 (47 von 57)
10. Otamendi 73,81 (31 von 42)
DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE
1. Schweinsteiger-Özil 15
2. Lahm-Schweinsteiger 13
3. Schweinsteiger-Podolski 12
3. Khedira-Özil 12
3. Özil-Schweinsteiger 12
6. Schweinsteiger-Lahm 11
6. Özil-Podolski 11
8. Neuer-Klose 9
8. Müller-Lahm 9
8. Lahm-Khedira 9
8. Podolski-Özil 9
SCHLÜSSELSPIELER*
1. Schweinsteiger 123 (63/60)
2. Özil 105 (46/59)
3. Podolski 87 (39/48)
4. Lahm 86 (48/38)
5. Müller 83 (35/48)
6. Khedira 80 (41/39)
7. Klose 75 (24/51)
8. Boateng 49 (27/22)
9. Mertesacker 33 (23/10)
10. Neuer 30 (25/ 5)
11. Friedrich 25 (16/ 9)
12. Jansen 18 (10/ 8)
13. Kroos 8 ( 4/ 4)
14. Trochowski 4 ( 2/ 2)
*Gegebene und angenommene Pässe
ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT
1. Khedira 95,12 (39 von 41)
2. Friedrich 93,75 (15 von 16)
3. Mertesacker 91,30 (21 von 23)
4. Özil 89,13 (41 von 46)
5. Schweinsteiger 88,89 (56 von 63)
6. Klose 87,50 (21 von 24)
7. Lahm 83,33 (40 von 48)
8. Müller 82,86 (29 von 35)
9. Podolski 74,36 (29 von 39)
Der Ansatz
Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.
Die Analytiker
FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei der WM 2006 und der EURO 2008 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard die WM in Südafrika.
Das Team bilden Helmut Neundlinger, Wolfgang Streibl und Harald Katzmair.
Link: www.fas.at