Beim Ausbau der Fotovoltaik ist Österreich ein Nachzügler im Europavergleich
Beim Ausbau der Fotovoltaik ist Österreich ein Nachzügler im Europavergleich. Allein in Tschechien wurden 2009 zwanzigmal mehr neue Anlagen installiert. Ursache ist auch dort ein attraktives Einspeisegesetz.
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Wien - Vor einem Jahr ging der österreichische Klima- und Energiefonds angesichts der Antragsflut regelrecht unter - der Server der Förderstelle ging im Ansturm der Fotovoltaik-Förderwilligen geradezu in die Knie. Heuer wurde das Fördervolumen des Bundes für Kleinanlagen auf 35 Millionen Euro aufgestockt - womit in Summe rund 5500 Sonnenstrom-Anlagen gefördert werden könnten, wie das Umweltministerium zum Aktionsstart mitgeteilt hatte.
Gleichzeitig beginnt das Anträgesammeln heuer auch nach Bundesländern gestaffelt - und anstelle der Antragsflut findet diesmal teilweise eher ein Tröpfeln statt. In Wien etwa konnten zum Ende der Vorwoche erst 27 Anträge angenommen werden - Spitzenreiter ist derzeit Salzburg mit 377 fertigen Einreichungen. Steiermark, Kärnten, Oberösterreich und Tirol stehen noch aus.
Für den oberösterreichischen Energie-Landesrat Rudi An-schober (Grüne) liegt der Fehler im System: "Laut unseren Schätzungen gäbe es in Oberösterreich rund 10.000 Interessenten. Aber wenn alle zwei Jahre die Förderbedingungen geändert werden, kann sich kein Markt entwickeln."
Vorbild ist für Anschober neben Deutschland und Italien auch Tschechien - ausgerechnet jenes Land, das wegen der Ausbaupläne von Temelín unter oberösterreichischen Dauerbeschuss steht. "Man muss die Energiepolitik Tschechiens differenzierter sehen. Denn Tschechien ist gleichzeitig massives Ausbauland bei Fotovoltaik und Windenergie."
Die Vergleichszahlen sind eindeutig: Allein im Vorjahr wurden in Deutschland Fotovoltaik-Anlagen mit einer maximalen Leistung von insgesamt 3000 Megawatt neu installiert. In Italien waren es 700 MW und inTschechien immerhin noch 411 MW. "Österreich ist in diesem Vergleich das absolute Schlusslicht in Europa - mit einer neu installierten Leistung von mageren 19,9 Megawatt" , betont Anschober.
Der entscheidende Unterschied seien die attraktiven Einspeisetarife in den Nachbarländern nach Vorbild des deutschen Einspeisegesetzes (EEG). Am höchsten ist der Einspeisetarif für Sonnenstrom inTschechien mit 44 Cent pro Kilowattstunde - und zwar ohne Deckelung. In Österreich gibt es erhöhte Einspeisetarife nur für Anlagen mit mehr als fünf Kilowatt Maximalleistung - und das gedeckelt mit 500.000 Euro pro Jahr für Neuanlagen. "Die Folge: Die Budgets für 2010 und 2011 sind bereits vergeben, und das Budget für 2012 ist bald ausgeschöpft" , bilanziert Anschober.
Dazu kommt noch die für "Häuselbauer" interessante Investitionsförderung des Klima- und Energiefonds für Fotovoltaikanlagen bis 5 kW - ebenfalls gedeckelt, mit 35 Millionen Euro.
In Österreich sind in der Folge Anlagen um zehn bis 15 Prozent teurer als etwa inDeutschland - da die Installationsbetriebe keine großen Mengen bestellen können. Tschechien hingegen musste aufgrund der massiven Nachfrage die Notbremse ziehen: Ende Jänner lagen bereits Zusagen und Genehmigungen für den Bau von Solar- und Windkraftanlagen mit einer Leistungsstärke von über 1000 MW (davon 5200 MW Fotovoltaik) vor. Daher wurde die Förderung ausgesetzt, weil die Netzaufsichtsbehörde vor einem Zusammenbruch der Stromnetze warnte. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Printausgabe, 5.7.2010)