Der Verfassungsbruch

4. Juli 2010, 18:01

Die Regierung schert sich nicht ums Parlament, die Volksvertreter nehmen das hin

Diese Regierung schert sich weder um die Verfassung noch um das Parlament. Der Brief, den Bundeskanzler Werner Faymann und Finanzminister Josef Pröll an Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wegen der Verschiebung des Budgets geschickt haben, ist ein Offenbarungseid. Die darin genannten Gründe sind vorgeschoben.

Dass Sparmaßnahmen so gesetzt werden müssen, "dass sie die konjunkturellen Entwicklungen berücksichtigen", ist eine Selbstverständlichkeit und kein Grund für die Verschiebung des Budgets oder gar ein Notfall, für den eine Ausnahme gilt. Diese Regierung nimmt einen Verfassungsbruch in Kauf, denn Artikel 51 ist eindeutig: Bis zehn Wochen vor dem neuen Jahr habe die Regierung das Budget dem Nationalrat vorzulegen, heißt es darin. Das wäre der 22. Oktober. Der 9. Dezember ist drei Wochen vor dem Jahreswechsel, daran können auch Regierungsjuristen nichts ändern.

Im Dezember ist zwar das neue Jahr schon näher. Aber schon jetzt gehen die Wirtschaftsforscher von einem Plus zwischen 1,6 und 1,9 Prozent für 2011 aus und davon, dass die Wirtschaft in Österreich zum siebenten Mal in Folge stärker wachsen wird als in der Eurozone.

Die heuer stark eingebrochenen Investitionen zeigen, dass die Unternehmen abwarten, die Bundesländer jammern über dramatisch zurückgegan-gene Gewerbesteuereinnahmen. Der Aufschwung darf nicht weiter abgebremst werden. All das spricht für rasches Handeln. Die Bevölkerung weiß, dass nach den Konjunkturankurbelungsprogrammen, die in Österreich durchaus erfolgreich waren, nun die Zeit des Sparens gekommen ist.

Dass Handlungsbedarf besteht, haben die anderen EU-Staaten längst erkannt, nur die Österreicher glauben, alle Zeit der Welt zu haben. In Ungarn, Deutschland, Italien - um nur einige Nachbarländer zu nehmen - wird offenbar schneller in der Verwaltung gearbeitet, in Großbritannien ist man gerade dabei, den Sparplan noch einmal zu verschärfen. In Frankreich gehen die Menschen aus Protest gegen die von der Regierung verkündeten Maßnahmen schon auf die Straße - in Österreich macht man Urlaub, als ob es in diesem Land immerwährenden Sommer gäbe.

Denn der wahre Grund, warum die Koalition ihr Paket nicht schnürt, sind die Landtagswahlen in der Steiermark und Wien. Erst nach der Wiener Wahl am 10. Oktober soll das Absehbare verkündet werden: dass es Steuer-erhöhungen geben wird und die Bürger angelogen wurden. Und im Weihnachtsfrieden soll dann die Aufregung darüber verpuffen. Für eine ausführliche Beratung im Parlament ist dann auch keine Zeit mehr.

Dass sich die Abgeordneten von SPÖ und ÖVP das gefallen lassen, zeigt, wie wenig Selbstbewusstsein diese Volksvertreter haben. Parlamentspräsidentin Barbara Prammer hat Ende Jänner gewarnt, eine Verschiebung sei "verfassungsgemäß bedenklich" und "inakzeptabel". Gestern sprach sie in der ORF-Pressestunde von einem Erfolg, dass es gelungen sei, die Regierung davon abzuhalten, den Plan erst nächstes Jahr vorzulegen.

Die SP-Nationalratspräsidentin und die Koalitionsabgeordneten agieren als Erfüllungsgehilfen ihrer Parteien. Dabei ist das freie Mandat der Nationalratsmitglieder in Artikel 56 der Verfassung verankert, das besagt, Volksvertreter sind an keinen Auftrag gebunden - aber offenbar an die Parteiräson. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe, 5.7.2010)

Kommentar posten
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bewährungshilfe für politiker ........
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Wenn die 183 subventionierten Sozialschmarotzer im Parlament das durchgehen lassen,

dann ist das wohl der Auftakt zum allgemeinen fröhlichen Verfassungsbruch........

a las barricadas
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scheinheilige doppelmoral

bei negativen asylanträgen verweist man im falle der abschiebung auf die verfassungsrechtssprechung, aber wenns ums eingemachte geht, dann wird von der politischen klasse die österreichische verfassung mit den füßen getreten. pfui deibel.

eagle13
 
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Da jeder weiss dass nach dem Budget eine Zeit des Zitterns und des Zähneklapperns kommt nun mein Vorschlag an das österreichische Volk: Budgets verschieben schön, wir startn eine Volksbefragung und Verschieben die Landtagswahlen auf den 17.12. da

haben wir noch Zeit uns das Budgetprogram dieser Politiker durchzulesen.Von daher wäre zum einen der Tatbestand der Wählertäuschung im geplanten und vollendeten Fall eingetreten. Denn der Wähler wird im Unklaren über bestehende Notwendigkeiten gelassen und in seiner freien Willensbildung gehindert.
Man sollte dazu übergehen, am Aktienrecht zu partizipieren und vor General und Aktionärsversammlungen (Ja auch das Volk kann man als Aktionär des Staates sehen, nur muss ich nicht in schlechte Aktien investieren in schlechte Systeme, Politiker leider schon) Vor Wahlen müßten die Regierenden und die Oppossition einen Abschluss und einen verbindlichen Strategieplan in allen Bereichen vorlegen, welcher nicht am Wahlabend schon vergessen ist.

Chien de Pique
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Sehr schön, nur können Sie bzw. das Volk keine Volksbefragung (wenn Sir wirklich diese meinen sollten) starten, die kann auf Bundesebene auch nur der demokratiepolitische Problemfall Nationalrat bzw. über diesen der demokratiepolitische Problemfall Bundesregierung initiieren (was er noch NIEMALS getan haben und wohl auch niemals tun wird, warum sollte er auch), in Zusammenwirkung mit dem hier natürlich ebenfalls versagenden Bundespräserl, womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären. Sie können eine private Meinungsumfrage starten und sich an die Wand pinnen, viel mehr steht Ihnen als so genannter Bürger (d.h. Untertan) einer so genannten demokratischen (d. oligarchischen) so genannten Republik (d.h. geheime Staatsangelegenheit) nicht zu.

Ich B. Sisyphos
 
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Ich frag mich, was sowas überhaupt in der Verfassung zu suchen hat.

Steht da der "mir miassen olle tun wos in der Verfassung steht"-Gedanke (nu mehr als beim normalen Gesetz eh schon) dahinter?

Die Verfassung hat einen Zweck: Es legt die als besonders wichtig befundenen Grundregeln fest, auf denen das Rechtssystem aufgebaut wird. Dann kann man gegen Gesetze vorgehen, die gegen diese Regeln verstoßen.

Jeder, der nach einem Gesetz verurteilt wird, das der Verfassung widerspricht hat Grund, selbst dagegen vorzugehen und das Rechtssystem bleibt sauber.

Aber wer soll hier klagen? Was hat das in der Form, auch noch ohne Sanktionen, in der Verfassung zu suchen? Das ist ja so nicht mehr als eine unverbindliche Empfehlung.

ja aber
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unsere volksvertreter sind ein abnickverein

solange es den clubzwang gibt koennte man auch 90% crashtest dummies ins parlament setzten. waere billiger und das parlament saehe voller aus. der output waere der gleiche.

Andreas Szentkereszty
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Langsam festigt sich meine Eindruck,

dass hier Bandenbildung zum Schaden Österreichs vorliegt. Mitglieder: Bundesregierung, Bundespräsident, Parlamentarier, Bundesräte.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
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Werner Faymann auf den Spuren Heinz Rühmanns

Ich brech' die Verfassung der kleinsten Republiken
Weil ich so stürmisch und so leidenschaftlich bin;
Mir braucht nur eine ins Glasaug' zu schaun, und schon ist sie hin!
Ich hab bei Verfassungen so schrecklich viel Glück
Das ist kein Wunder, denn mein Sternbild ist der Stier. (4. Mai 1960)
Mein Blut ist Lava, und das ist mein Trick, das liebt man an mir!
Ich lach sie an, und sage schlau: "Sind Sie die Richt'ge, gnaedige Verfassung?"
Komm ich in Glut, dann ist mir jede so gut.
Ich brech' die Verfassung der kleinsten Republiken,
Weil ich so stürmisch und so leidenschaftlich bin;
Mir braucht nur eine ins Glasug' zu schaun, und schon ist sie hin!

barbarutta
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passt auch auf pröll.

eric le fou
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ist kein stier, maximal ein ochs

Andreas Szentkereszty
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wohl kaum....

der ist nicht halb so fesch wie der Rühmann. Außerdem fehlt ihm, zumindest aus seinen öffentlichen Auftritten geschlossen, selbst die geringste Spur von Charme...

Tschaikowsky
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Der Weg zum Verfassungsgerichtshof,

von dem eine solche Kompetenz erwartet wird, ist an formelle Voraussetzungen geknüpft. Untätigkeit der Regierung kann der VfGH grundsätzlich nicht ahnden. Hier gäbe es die Möglichkeit, dass sichder NR selber ein Budgetgesetz vorbereitet; das ist aber unrealistisch (weil die Reg. ja dort eine Mehrheit hat, die ihr nicht in den Rücken fallen wird). Der BPräs. könnte die Regierung entlassen (ist noch nie vorgekommen) und eine andere ernennen, doch diese hätte dann im NR fast sicher keine Mehrheit, was Neuwahlen bedeuten würde. Heinz Fischer wird das wahrscheinlich nicht tun.
Die Möglichkeiten der Opposition sind eingeschränkt.
Was bleibt: zivilgesellschaftlicher breiter und lauter Protest.

moroser poster
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ich finde,

Prammer sollte darauf bestehen, dass die Budgetrede, wenn schon nicht am 1. Brumaire (=22. Oktober), dann zumindest am 18. Brumaire (=9. November) hält. Das wäre für die Farce, dass ein ehemaliger Landwirtschaftminister die österreichische Verfassung aushebelt, der unbedingt angemessene Termin. Buchtipp: MEW 8.

Sturmwind
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Jetzt mal ein unbedarfter Kommentar von mir (;-))

Inwieweit wäre es eigentlich in Österreich für Privatpersonen möglich, derartige Verfassungsverstößler zu klagen? Und wenn ja wo und wie?

Ich mein, es kann ja angesichts der immer häufiger auftretenden Ignoranz gegenüber der Verfassung (Ortstafeln, Budget, ...) nicht angehen, dass alle zwar betroffen nicken, aber die Konsequenz *keine* ist.

Und wenn "unsere" Volksvertreter bzw. die Exekutive Verfassungsgerichtsurteilen nicht nachkommt, dann muss es doch möglich sein, diese *persönlich* zu belangen. Sonst könnte man sich natürlich zu Recht fragen, warum man sich selbst an (niederrangigere) gesetzliche Regelungen zu halten hat.

sitting bull
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Sie haben vollkommen recht, es ist höchste zeit für eine bürgerrechtsbewegung.

da es bis jetzt noch keine starke parteiunabhängige Organisation gibt, die den Regierenden auf die hinter dem Rücken gekreuzten Finger schaut, sind die sich zur recht völlig sicher, dass sie ungestraft machen können, was sie wollen. Da sie keine rechtlichen Konsequenzen befürchten müssen, fühlen sie sich motiviert, die Demokratie noch mehr auszuhebeln. Irgendwie müssen es die wirklich der Demokratie verpflichteten Bürger schaffen, gangbare Wege und wirksame Methoden zu entwickeln, um diese Kaste an WahllügnerInnen,DemokratieunterwandererInnen, DemokratiabschafferInnen, VerfassungsbrecherInnen und Lobby-Hörigen zur Verantwortung rufen zu können. Solange das nicht passierts, treiben es diese Madln und Burschn immer schamloser immer ärger.

edi piva
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gratuliere..

.. so treffende kommentare liest man selten.

Dr Schnorrle
 
01
Email Fischer

Hat mal jemand die Email Adresse unseres Bundespräsidenten? Vielleicht hat er es ja nicht mitgekriegt, dass die Regierung grad einen Verfassungsbruch angekündigt hat.

Jemand muss es ihm sagen.

Andreas Szentkereszty
00
heinz.fischer@hofburg.at

Ich fordere alle Interessierten auf, den schweigenden Herrn Bundespräsidenten mit entsprechenden Mails und Briefen einzudecken, vielleicht wacht wenigstens sein Sekretariat auf.

standardabweichung
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bloß keine panik. ok pröll ist soweit heruntergedörflert dass er mitteilt er brächte das budget nicht zeitgerecht her obwohl jeder weiß dass jede/r höhere/r finanzbeamte dergleichen nur mit einem taschenrechner bewaffnet ohne weiteres zuwege brächte - und alle wissen auch dass es eben nur eine den landtagswahlkämpfen geschuldete lüge ist. aber angenommen es handelte sich doch um eine so komplexe geschichte dass dem himmelpfortskommando sowas nicht zugetraut werden kann, man fragt sich allerdings unwillkürlich wie sie sich seit errichtung der republik durchgeschummelt haben, nimmt man eben eben dass indexangepasste letztbudget her und schreibt es den ehrenwehrten kollegInnen einfach vor

petrarca
09
Sehr geehrter Herr BP Fischer!

Eine Regierung, die die Verfassung bricht, gehört abgeschoben ... äh ... entlassen!

koko
02
Auf den schweigenden Heinz würde ich nicht hoffen!

Der stirbt lieber in Schönheit, als einmal den Mund aufzumachen.

Dr Schnorrle
 
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Warum sollte er jetzt plötzlich anfangen einzugreifen? Also ich erwarte das nicht von ihm.

Ja, ich hab ihn gewählt, aber ich musste doch. Wahlhelfer HC war zu überzeugend.

solotalima
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Eine Krähe pickt doch nicht der anderen das Aug aus! ;-)

Tschaikowsky
01
Hoffentlich

wird derstandard.at in der Hofburg gelesen.

Hr. Wolf
010
Wo bitte es unser salbunsvoller HBP Fischer?

Ihm stünde hier sehr wohl zu, dass er Fayman und Pröll in den A.... tritt.

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