"Ein Schlag wie von Muhammad Ali"

4. Juli 2010, 14:13
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    foto: apa/epa

    Der Schmerzensmann.

Die argentinischen Superstars Messi und Maradona sind nach Debakel gegen Schland am Boden zerstört. Der Weltfußballer hat wei­tere WM-Chancen - Maradona eher nicht

Kapstadt - 30 Schüsse, vier Assists, Dribblings, die zur brotlosen Kunst gerieten, null Tore. Das ist die karge WM-Bilanz von Lionel Messi, der ausgezogen war, WM-Held in Südafrika zu werden. Der 23-Jährige, der heuer in 35 Meisterschaftsspielen 34 Tore für den FC Barcelona geschossen hatte und zum Weltfußballer gewählt worden war, scheiterte in Südafrika geradezu dramatisch. Wie auch sein Trainer, Argentiniens Teamchef Diego Maradona, der 1986 zum WM-Triumph der Albiceleste der überragende Kicker gewesen war, fünf Tore und fünf Assist geliefert hatte.

Während die Tage Maradonas als Teamchef nach dem 0:4 gegen Deutschland wohl gezählt sind, hat Messi die Chance auf mindestens zwei weitere Weltmeisterschaften. Doch diese Aussicht tröstete ihn auch nicht über die höchste WM-Niederlage der Argentinier seit einem 0:4 gegen die Niederlande bei der WM 1974 in Deutschland hinweg.

Wie ein Häufchen Elend saß Messi in der Kabine, er weinte hemmungslos, war von niemandem zu trösten. Wortlos und blass schlich er eineinhalb Stunden nach Spielende aus dem Green Point Stadion. Messi, der Gedemütigte, verabschiedete sich von der großen Fußball-Bühne durch den Hinterausgang.

Das Urteil der heimischen Presse war vernichtend: "Alle Verantwortung fiel auf Messi, und Messi ist nicht Maradona", schrieb Clarín. Maradona nahm "El Pulga", den Floh, in Schutz. "Messi hat eine große WM gespielt. Ich habe ihn in der Kabine weinen sehen, das war sehr hart. Wer sagt, dass Leo die argentinischen Farben nicht würdig vertreten hat, ist ein Idiot", sagte er.

Schweres Leben, kein Plan

Auch die wenigen Mitspieler Messis, die sich den kritischen Fragen der Reporter stellten, verteidigten den von einer Erkältung etwas geschwächten Star. "Es ist nicht die Schuld von Messi. Er ist ein Klassespieler, aber die Deutschen haben es ihm eben sehr schwer gemacht", meinte Carlos Tévez. Messi, hatten die Experten gesagt, müsse sich den Goldenen Ball für den besten Fußballer der WM nur noch abholen. Doch wenn nicht er, wer trägt dann die Schuld daran, dass es nicht so weit kam? Clarín wies sie indirekt Maradona zu: "Die Fähigkeiten des weltbesten Spielers wurden nicht ausgenutzt."

So sah es sogar der Gegner. "Man hat auch in diesem Spiel gesehen, dass Messi sehr, sehr viel Qualität hat. Aber er braucht auch eine Mannschaft um sich herum", kommentierte der deutsche Kapitän Philipp Lahm, "und diese Mannschaft war heute nicht gut eingestellt." Der Albiceleste fehlte jeder Plan. Ein Versäumnis von Trainer Maradona.

Die große Karriere Maradonas schien Messi schon öfters zu belasten. Er wollte alles so machen wie er. Tatsächlich: Messi erzielte ein Hands-Tor, ähnlich dem Maradonas 1986 gegen England, und er kopierte dessen Tor des Jahrhunderts aus dem gleichen Spiel - beides in ein und derselben Partie. Freilich nicht in einem WM-Spiel, sondern in einem Cupspiel Barcelonas gegen Getafe.

Nun sollte er es Maradona wieder gleichtun, eine WM quasi im Alleingang gewinnen. Und wieder stand ihm "El Dieguito" im Weg. "Wenn man ein ganz großer Spieler werden will, muss man einmal die WM gewinnen", hatte Messi dieser Tage erzählt.

"Eine solche Traurigkeit habe ich nur an dem Tag empfunden, an dem ich mit dem Fußball aufhörte", gestand Maradona. "Es war ein Schlag wie von Muhammad Ali. Das ist die härteste Niederlage meines Lebens." Und er nahm seinen Abgang vorweg: "Ich habe keine Energie mehr." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 5. Juli 2010, sid, bez)

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Sonja Unterweger
 
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Maradona

Agentinien hätte genau so gut gegen Deutschland
gewinnen können - wenn die Deutschen so gespielt hätten wie gegen die Serben. Im Nachhinein kann man leicht über Maradona und sein Team herziehen.
Wäre wirklich interessant, welche Wortmeldungen wohl gekommen wären, wenn Agentinien gewonnen hätte. Krankl hat Maradonas Stil vor dem Spiel gegen die Deutschen sehr positiv hervorgehoben -- habe das Interview gehört. Ansonsten haben die Deutschen nur die Gunst der Stunde genutzt.

divis
 
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Wenn man sich die Kommentare hier ansieht...

...scheint es vielen schwerzufallen, zu akzeptieren, dass ein mittelmäßiger Stürmer aus der 2. Deutschen Liga nachweisbar tausendmal mehr Verständnis für das innere Wesen des Fußballs aufbringt als der vermutlich beste Spieler aller Zeiten.

kingdavid
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verständniss? Löw gilt als vertreter der schwäbischen schule. Wie ralf rangnick. Dessen grosses vorbild ist v.lobanovskik. Auch sacci hat seinerzeit bei milan lobanovskijs theorien in die praxis umgesetzt, das ergebnis war zu sehen. Was neues ist das nicht.

aereo
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Trotzdem werden die Spitzentransfers der Zukunft nicht auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt werden. Am Fußball hängen zuviele Interessen um der Vernunft eine Chance zu geben. Der kurze Weg wird auch weiterhin angestrebt werden und das ist der des Einkaufs, nicht der eines langfristigen Aufbaus.

Stephan Schaefer
 
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--- So sah es sogar der Gegner. "Man hat auch in diesem Spiel gesehen, dass Messi sehr, sehr viel Qualität hat. Aber er braucht auch eine Mannschaft um sich herum", kommentierte der deutsche Kapitän Philipp Lahm, "und diese Mannschaft war heute nicht gut eingestellt." Der Albiceleste fehlte jeder Plan. Ein Versäumnis von Trainer Maradona.

Genau so seh ich es auch. Das selbe Problem ist bei Brasilien. Deswegen sind sie auch im Achtelfinale rausgeflogen.
Sie haben eine Menge sehr guter Einzelspieler, aber Fussball ist ein Mannschaftssport und da sind 11 oder mehr (Auswechselspieler mitgerechnet) die nur mittelmässig gut sind aber mannschaftlich spielen viel besser.

Mfg

Bambi, die Sau
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Brasilien hatte ein ganz anderes Problem als Argentinien. Dunga hat der Mannschaft den Zauber genommen, er hat sie regelrecht kastriert.

Für Argentinien würde ich mir endlich ein Comeback von Cesar Luis Menotti auf der Bank wünschen.

Silvio Lackner
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Dunga ist ein sympathischer Kerl

bei denen war einfach nicht mehr drin
Brasilien ist nicht mehr das, was es einmal war (Binsenweisheit)

Falcao
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na, was war Brasilien denn einmal?
Für mich waren sie eigentlich ein sehr rundes Team mit klarem Konzept. Vielleicht nicht begeisternd aber durchaus erfolgreich (Copa und Confed).
Kein Team bei dieser WM ist wirklich besser, höchstens die Deutschen wirken so, hatten in den k.o.-Spielen aber mit den überschätzten Argentinieren und Engländern dankbare Gegner und vorteilhafte Spielverläufe.
Gegen die Niederlande hatte man das Spiel im Griff und schmiß nach 2 eher unglücklichen Gegentoren die Nerven weg. Dungas Pech und Fehler war, dass er für den Fall keinen Plan B hatte, seine Kreativspieler außer Form waren und er die Alternative Ronaldinho daheim ließ.

kingdavid
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ja menotti, der war interessant. Lebt der noch? Valdano gilt ja als philosoph und theoretiker des fussballs, schein jedoch keine ambitionen in diese richtung zu zeigen.

Helmut Mayer
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Witzig ist...

...dass die angeblichen Klischees (Maradona ist kein Trainer, Dunga nimmt den Zauber) doch recht viel Wahrheitsgehalt haben und bei der WM bestaetigt wurden. Die Vorstellung von ARG gegen D war nur peinlich. Mit dem Trainer von Chile oder Paraguay (beides Topleute, beide Argentinier) haette ARG sicher nicht 4:0 verloren.
Bei BRA sieht man imho immer noch, dass sie extrem gut sind, doch war der Organisationswahn wohl doch zuviel des Guten...zudem gibt es ca. 50 Brasilianer, die besser als Melo sind...

divis
 
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Das Klischee ist nicht, dass Dungas Brasilianer so spielen, wie sie es dann schlussendlich...

...getan haben, das war ja schon vorher bekannt (und durchaus erfolgreich - Copa, Confed-Cup).

Das Klischee ist, dass es davor anders gewesen wäre und Dunga persönlich den jogo bonito gekillt hätte.

Die Wahrheit ist vielmehr:

- Zwischen Brasilien 1994, Brasilien 2002 und Brasilien 2010 war wenig Unterschied, nur hatten die bessere Stürmer und ein besseres Nervenkostüm.

- Dunga hat das brasilianischen Team nach dem blutleeren Auftritt 2006 einer dringend benötigten Kur unterzogen, sein Nachfolger wird, ja muss darauf aufbauen.

- Es ist eines der übelsten Klischees, dass brasilianischen Fans ein schönes Spiel das wichtigste wäre. Vielmehr lieben sie dasselbe, wie alle Fans überall auf der Welt: zu gewinnen.

Helmut Mayer
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Die besseren Stuermer...

...hat Dunga nicht einberufen. Das war auch in fast jedem Kommentar in Brasilien vor der WM zu hoeren und zu lesen. Und ich habe auch schon vor der WM nicht verstanden, was ein Melo im Kader zu suchen hat. Ich verstehe durchaus, dass man Problemkinder (Ronaldinho) nicht einberuft, aber es gibt auch andere wie Pato, der Real heuer im Alleingang erledigt hat...

divis
 
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Ja,...

...und genau das kann man ihm auch vorwerfen. Aber das betrifft nur das Personal, nicht die Philosophie.

Falcao
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völlig richtig.
die letzte, dem jogo bonito wirklich verpflichtete Mannschaft war die von 82, mit Einschränkungen 86. Alles was danach kam war bereits mehr oder weniger der international übliche Effizienzfußball. Ab und zu haben ein paar Ausnahmekönner a bissi aufgeigt und alle haben gesagt mei, so schön.

Wären Robinho und Kaka in Hochform gewesen hätte es geheißen: wunderbare Kombination von Effizienz und brasilianischem Zauber.

Stephan Schaefer
 
01
Könnte es sein, dass Spieler wie Pele und Ronaldo doch nicht so häufig in Brasilien vorkommen?

Roggenvollkornschrotbrottrog
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Wäre

schön, nur ist der bei der nächsten WM leider 76 Jahre alt.

Roggenvollkornschrotbrottrog
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Sie

haben mich überzeugt. Rock me Baby!

Alex popelino
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Gracias Commandante

y siempre el Maradonna

Kirtag
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schon bei der pressekonferenz im märz nach DEU-ARG

... war verwunderlich, dass maradona einen (eingesetzten) gegenspieler (müller) nicht kannte. mir scheint, maradona blickt zu sehr auf das eigene team und gott, anstatt sich mit dem gegner zu beschäftigen. das spielt einem team wie DEU natürlich in die karten! zu recht!

Nikos S.
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war doch vorhersehbar, dass das so enden würde. wer so überheblich in ein spiel geht, wer sich so auf einen jungen spieler verlässt, wer die religion und den kult der taktik vorzieht kann nur auf die schnauze fliegen.
man sollte sich aber für die deutschen freuen, weil sie wirklich einen fantastischen fußball spielen. sogar ich als viertel holländer wünsch mir, dass die deutschen die wm gewinnen - weil sie's verdienen!

parfen semjonowitsch rogoshin
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wenn man ernsthafte kritik...

...auf eienr strukturellen basis einfordert, wird die fifa nicht umhin kommen, ein prinzipielles problem anzugehen:

das derzeitige übergewicht des klubfussballs gegenüber den grossen bewerben.

rooney, messi ronaldo, drogba, etcetc. die gesamte erste garde im modernen gladiatorenzirkus namens profifussball bleiben allesamt meilenweit hinter den erwartungen, erfreulich anzusehendes kommt einzig von deutschen, die zum teil das ganze jahr auf der bank darben mussten oder underdogs, die ihr potential mehr als ausgeschöpft haben.

das ist jetzt kein albernes,weinerliches namedropping sondern beweist nur, dass fussball eine mannschaftssportart ist und gerade der star nur mehr in einem voll eingespieltem team zur geltung kommen kann.


Helmut Mayer
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Dazu kommt...

...aber noch, dass Rooney, Ronaldo, Drogba einfach werbewirksame Typen sind, was nicht notwendigerweise voraussetzt, dass sie auch wirklich so gut sind. Sie sind imho overrated. Messi ist es nicht, er sagt aber selbst, dass er nur so gut ist, wie seine Nebenspieler, und bei ARG gibt es keine Xavis und Iniestas...

clementinchen
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meistens ist es so dass die mannschaften die stars fabrizieren. die schaun sich talente an die in ähnlichen systemen spielen und holen die. und oft passt einer auch nicht mehr ins system - dann geht er woanders hin, wechselt den verein. bei nationalmannschaften ist es halt kaum möglich 11 maxln genau die position und die räume und mitspieler zu geben, mit denen sie (oftmals auch in anderen systemen) im club erfolgreich sind.

Poldi Fesch
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grundsaetzlich

richtig u. Blatter hat das auch geschnallt, danach aber einen kurzen Blick in seine Buecher getan u. brav den Mund gehalten. Er braucht die Stars fuer die Quoten u. die bezahlglotzen brauchen die Klubs um Stars zu machen, adidas & co um Blatter zu bezahlen

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