Mit Lego, Spionen, Kart-Rennen und All-Ausflügen
Das heurige Spiele-Sommerloch sieht wie ein kubistischer Zauberlehrling aus. Denn es gibt jetzt, was unabwendbar war: Lego Harry Potter - Die Jahre 1-4 (Warner, alle Plattformen, ab 6 Jahren, 25 Euro). Der Bausteinvirus, der schon Indiana Jones und Star Wars befiel, hat nun auch Joanne K. Rowlings Neuvariation des Märchenschatzes in ein Rätsel- und Geschicklichkeitsspiel verwandelt.
Dass das Spielprinzip frei von Überraschungen bleibt, ist egal. Es geht um Schauwerte: Geister, spitze Hüte und lange Bärte bis zu Zauberschulheften aDas us Lego, in denen Lego-Zauberschüler mit Lego-Stiften mitschreiben. Es geht um die Ironisierung einer bekannten Welt, die bis ins kleinste Detail aus vertrautem Spielzeug nachgebaut ist.
Red Dead Redemption von Platz eins der Spielecharts verdrängt
Die Produktidee der geteilten Spielzeugerinnerung hat mit Lego Harry Potter in Großbritannien auf Anhieb den Blockbuster Red Dead Redemption von Platz eins der Spielecharts verdrängt. Der Sommer braucht eben zugängliches Vergnügen.
Aufregender als die Mischung aus Lego und Potter, wenn auch weniger witzig, ist jene aus Agenten und Rollenspiel. Das Genre macht in Alpha Protocol (Sega, für PC, XBox360, PS3, ab 16 Jahren, ab 35 Euro) einen der raren Ausflüge aus der Welt der Feen und Orks und lässt den Jetztzeit-Helden zwischen die Fronten von islamistischen Terroristen und US-Geheimdiensten geraten. Entscheidungen, die in den Spieldialogen getroffen werden, bestimmen das Verhältnis zu anderen Charakteren und den weiteren Spielverlauf.
Ein bisschen ...
Die Leichtigkeit des Sommers, ohne zu tief ins Loch zu fallen, bringt ModNations (Sony, PS3: 50 Euro, PSP: 15 Euro, ab 6 Jahren) auf die Fahrbahn. Ein bisschen LittleBigPlanet, ein bisschen Track Mania, zusammengemischt zum Internet-Seifenkistenrennen: putzige Charaktere erschaffen, Karts aufpimpen, halsbreche-rische Strecken bauen, diese mit der Welt teilen und online Rennen fahren. Kurzweilig, für eine Zeit.
Für ruhige Sommernächte voll Nostalgie bietet sich die Flucht in das bunte All von Darkstar One - Broken Alliance an (Kalypso, ab 12 Jahre, 50 Euro). Im Remake des Spiels aus 2006 wurde die Auflösung stark verbessert. Auf der XBox kann man nun halbwegs zeitgemäß Raumschiffe ausbauen, von einem Sonnensystem zum nächsten fliegen, Aufträge annehmen und Handel treiben. Die Spielmechanik geht nicht über den Klassiker Privateer hinaus. Genau das ist der Vorteil des Spiels.
(Alois Pumhösel, DER STANDARD Printausgabe 3. Juli 2010)