Tast-Technologie noch in der frühen Entwicklung
Virtuelle Welten werden immer realer. Im Rahmen eines EU-Projekts hat ein Forschungsteam mit Beteiligung der ETH Zürich nun Techniken entwickelt, dank denen virtuelle Gegenstände ertastet und gefühlt werden können.
Besser
Bild und Ton seien bei virtuellen Landschaften, Objekten und Avataren in den vergangenen Jahren immer besser geworden, teilte der Forschungs- und Entwicklungsinformationsdienst der Europäischen Kommission (Cordis) mit. Noch realer werde die Wahrnehmung aber, wenn man den Tastsinn miteinbeziehen könne.
Genau dies ist nun einem Team von neun europäischen Universitäten und Instituten gelungen. Am Institut für Bildverarbeitung an der ETH Zürich entwickelten Forscher für diesen Zweck eine Methode, mit der sich virtuelle Objekte in Echtzeit anhand von echten Objekten herstellen lassen. Die Zürcher Forscher nutzen dazu einen 3D-Scanner und ein modernes Modellierungssystem, wie es in der Mitteilung heißt. Damit ahmten sie einen Becher, einen Behälter oder - in einem Experiment - einen grünen Kuschelspielzeug-Frosch nach. Die 3-D-Darstellung kann dann verschickt werden an jemanden, der sich an einem anderen Ort befindet.
Spezialbrille
Der Empfänger ist ausgerüstet mit einer Spezialbrille und einem Tastmodul, einem robotischen Arm. Damit ist er in der Lage, das virtuelle Objekt zu bewegen, anzutippen und herumzuschubsen. Das Objekt aufzuheben war noch nicht möglich, weil der Roboter nur einen Kontaktpunkt hatte.
Die Tast-Technologie befinde sich noch in der frühen Entwicklung, wird Projektleiter Andreas Schweinberger von der Technischen Universität München im Communique zitiert. Mit den bisherigen Techniken ist es aber zum Beispiel möglich, zwischen einem harten Objekt und einem weichen wie dem Spielzeug-Frosch zu unterscheiden.
Münchner Forscher entwickelten gar eine Methode, dank der Probanden mit einem virtuellen Partner tanzen können. Laut den Wissenschaftlern werden aber nicht nur Tänzer und Gamer von den neuen Entwicklungen in der virtuellen Realität begeistert sein. Die Tast-Technik habe ein breites Anwendungspotenzial.
Ärzte könnten dereinst zum Beispiel Behandlungen an Patienten durchführen, die sich anderswo befinden. Physiotherapeuten könnten solche Systeme zur Rehabilitation benutzen und Designer könnten digitale, aber ertastbare Modelle übers Internet untereinander austauschen. (APA)