Die Deutschen lassen sich auch von Argentinien nicht stoppen - Mit 4:0 wurden Maradonas Gauchos in die Heimat geschickt
Deutschland steht im Semifinale der Fußball-WM in
Südafrika. Der dreifache Weltmeister feierte am Samstag vor 64.100
Zuschauern in Kapstadt im großen Viertelfinal-Schlager gegen
Argentinien dank Treffer von Müller (3.), Klose (68., 89.) und
Friedrich (74.) einen beeindruckenden 4:0-(1:0)-Sieg und trifft nun
am Mittwoch auf den Sieger der Partie Spanien - Paraguay.
Die vor der Partie als Top-Favorit auf den Titel gehandelten
Argentinier kamen dem Aufstieg in keiner Phase der Partie nahe. Nach
dem frühen Rückstand präsentierten sich Messi und Co. völlig ideenlos
und wussten sich schließlich vor allem in der zweiten Hälfte gegen
die effiziente Kontertaktik der Deutschen überhaupt nicht mehr zu
helfen.
Damit setzte sich die DFB-Elf vor den Augen von Bundeskanzlerin
Angela Merkel wie vor vier Jahren im Viertelfinale gegen die
"Albiceleste" durch, die so wie im Achtelfinale gegen Mexiko schon zu
Beginn der Partie neben den Schuhen stand. Diesmal wurden die
Unkonzentriertheiten jedoch mit dem schnellsten Tor dieser Endrunde
bestraft. Nach einer Freistoßflanke von Schweinsteiger kam Burdisso
zu spät, Müller rasierte den Ball mit dem Kopf und das Spielgerät
fand via Schienbein von Argentinien-Goalie Romero nach 2:38 Minuten
den Weg ins Tor.
Mit der schnellen Führung im Rücken konnten die Deutschen jene
Taktik praktizieren, die ihnen schon den Sieg gegen England gebracht
hatte. Die Löw-Truppe, die ebenso wie die "Gauchos" in der gleichen
Aufstellung wie im Achtelfinale antrat, machte die Räume in der
eigenen Hälfte extrem eng, weshalb Messi selten bis gar nicht in
Erscheinung trat. Bei Ballgewinn wurden blitzschnelle Konter gefahren
- so wie in der 24. Minute, als Müller nach Heinze-Fehler in den
Strafraum zog und für Klose ablegte. Der Goalgetter schoss in seinem
100. Länderspiel aus elf Metern allerdings über die Latte.
Erst nach rund einer halben Stunde fand die Maradona-Elf besser
ins Spiel, mehr als von Neuer entschärfte Halbchancen durch Di Maria
(33.) und Higuain (35.) schauten jedoch nicht heraus. Auch
Deutschland hielt sich vorerst mit Offensiv-Akzenten zurück, den
Hauch von Gefährlichkeit verströmten noch ein 30-Meter-Schuss von
Podolski (39./am langen Eck vorbei) und ein abgefälschter Versuch von
Müller (44.), der ebenfalls das Ziel verfehlte.
Ein gut angetragener Weitschuss von Di Maria (48.) schien nach
Wiederanpfiff eine Drangperiode der Südamerikaner einzuleiten, doch
der Schwung war schnell wieder vorbei. Gegen die gefinkelten
Deutschen gab es für die Argentinier kein Durchkommen, dafür wurden
sie in der Defensive immer anfälliger, was sich in der 68. Minute
rächte. Müller gab den Ball im Liegen auf Podolski weiter, der ideal
für Klose ablegte, und der Bayern-Stürmer erzielte aus kurzer Distanz
seinen 51. DFB-Treffer.
Die endgültige Entscheidung fiel sechs Minuten später, als
Schweinsteiger ungehindert in den Strafraum marschieren durfte und
für Friedrich auflegte: So kam auch noch der rustikale
Innenverteidiger zu einem Tor in einem WM-Viertelfinale. Das letzte
Tor - ein Volley nach Özil-Flanke in der 88. Minute - blieb wieder
Klose vorbehalten, womit der Deutsche dank seines 14. WM-Treffers mit
seinem Landsmann Gerd Müller gleichzog und in der ewigen Rangliste
nur noch ein Tor hinter Ronaldo liegt.
Deutschland feierte nach zuletzt sechs erfolglosen
Versuchen den
ersten Sieg nach 90 Minuten über Argentinien, zuletzt war dies 1990
im WM-Finale, das ebenfalls 1:0 endete, gelungen. Ein Wermutstropfen
aber blieb: Gold-Torschütze Müller, mit vier Treffern so wie Klose
ex-aequo-Führender in der Torschützenliste, sah seine zweite Gelbe
Karte und muss im Semifinale zuschauen. Die Argentinier wiederum
warten nun schon seit 20 Jahren auf eine Teilnahme an einem
WM-Semifinale. (APA)
Argentinien - Deutschland 0:4 (0:1). Kapstadt, Green-Point-Stadion,
64.100 Zuschauer, SR Rawschan Irmatow (Usbekistan).
Torfolge:
0:1 (3.) Müller
0:2 (68.) Klose
0:3 (74.) Friedrich
0:4 (89.) Klose
Argentinien: Romero - Otamendi (70. Pastore), Demichelis, Burdisso, Heinze -
Maxi Rodriguez, Mascherano, Di Maria (75. Agüero) - Messi - Higuain, Tevez
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, J. Boateng (72. Jansen) -
Khedira (77. Kroos), Schweinsteiger - Müller (84. Trochowski), Özil, Podolski -
Klose
Gelbe Karten: Otamendi, Mascherano bzw. Müller (im Halbfinale gesperrt)