Neuer Equipe-Coach vor schwieriger Aufgabe - Keine Rückkehr für AnelkaMalouda geht mit FFF hart ins Gericht
Paris - Laurent Blanc soll den französischen 'Saustall' ausmisten: Nach dem skandalösen und desaströsen Auftreten der Equipe Tricolore bei der WM in Südafrika wurde der 44-Jährige am Freitag endgültig vom nationalen Fußball-Verband FFF als neuer Cheftrainer bestätigt. Er wird Nachfolger von Raymond Domenech, der keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte. FFF-Präsident Jean-Pierre Escalettes, der am Freitag formal seinen Rücktritt verkündete ('Ich trage meinen Teil der Verantwortung'), gab die Verpflichtung Blancs quasi als letzte Amtshandlung bekannt.
'Das ist die gute Nachricht an diesem Morgen', verkündete der 75-jährige Escalettes die Verpflichtung von Blanc, 'mit seinem Projekt soll der Siegeswille zurückkehren. Und Frankreich soll sportlich und vom moralischen Standpunkt her auf den richtigen Weg zurückkehren.'
"Habe drakonische Strafen für Spieler gefordert"
Ex-Nationalspieler Lilian Thuram hat am Freitag in seiner Eigenschaft als FFF-Vorstandsmitglied eine Verbannung von Kapitän Patrice Evra aus der Equipe Tricolore gefordert. Dieser sei für den Spielerstreik am 20. Juni bei der WM in Südafrika verantwortlich. 'Ich habe drakonische Strafen für die Spieler gefordert, und Patrice Evra soll nicht mehr für Frankreich spielen', sagte der Weltmeister von 1998, der 142 Länderspiele für sein Heimatland bestritten hat. Thuram sprach Evra Respekt vor dem Trikot der Nationalmannschaft und den Menschen in Frankreich ab.
Das miserable Bild, das Frankreich am Kap der guten Hoffnung abgab, rief die französische Politik auf den Plan. Staatspräsident Nicolas Sarkozy empfing sogar einen der gestürzten WM-Helden von 1998, Thierry Henry, zu einem persönlichen Gespräch im Elysee-Palast.
Die Politik in Frankreich übte großen Druck auf Verbands-Chef Escalattes aus - dieser kündigte am vergangenen Montag entnervt seine Demission an. Bei seiner Anhörung vor der französischen Nationalversammlung am Mittwoch gab Escalettes an, er sei während der WM bei den Spielern auf 'eine Mauer des Widerstands' getroffen. In 50 Jahren, die er im Fußball tätig sei, habe er so etwas noch nie erlebt.
Anelka fliegt aus Equipe
Für Enfant terrible Nicolas Anelka bleibt die Tür zur französischen Fußball-Nationalmannschaft offenbar geschlossen: Laut Ex-Verbandschef Jean-Pierre Escalettes wird der Stürmerstar nicht mehr das Trikot der Equipe Tricolore tragen. 'Niemand, weder ich noch mein Nachfolger noch der künftige Coach werden vergessen, was geschehen ist, und jeder wird klar machen, dass Anelka nicht mehr für Frankreich spielt'.
FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hatte die Einmischung der französischen Politik in Angelegenheiten des Fußballs am Dienstag scharf kritisiert und offen mit Sanktionen des Weltverbandes gedroht. 'Frankreich hat eine wahre Staatsaffäre aus dem Fußball gemacht, aber der Fußball gehört in die Hände der Verbände', hatte der Schweizer gesagt. Französische Politiker hatten die Drohung Blatters zurückgewiesen und beteuert, sie würden die französische Verbands-Autonomie respektieren.
Malouda fordert professionelles Umfeld
Anelkas Chelsea-Teamkollege Florent Malouda hat derweil eine schonungslose Analyse des peinlichen Auftretens der Equipe Tricolore bei der Weltmeisterschaft in Südafrika geliefert. Er warf dem französischen Verband amateurhaftes Handeln vor. 'Ein Systemfehler hat zum Debakel geführt. Die Spieler, die bei Vereinen wie Chelsea, Barcelona, Bayern oder Lyon unter Vertrag stehen, brauchen ein hochprofessionelles Umfeld, um aufzublühen', sagte der England-Legionär vom englischen Meister FC Chelsea im Interview mit dem L'Equipe-Magazin.
Es sei schwierig für ihn gewesen, das System Nationalmannschaft zu akzeptieren, wenn man es mit den Umständen bei einem Klub wie Chelsea vergleiche. Malouda: 'Jedes Mal, wenn ich in die Nationalmannschaft berufen wurde, wurde ich wieder mit negativen Geschichten und schlechten Schwingungen konfrontiert.'
Der Chelsea-Star kritisierte die fehlende Kommunikation mit WM-Trainer Domenech: 'Nicht einmal in den letzten Jahren haben meine Worte irgendeinen Einfluss beim Trainer hinterlassen.'