Die Kronen Zeitung hat sachlich und relativ umfangreich über die Demonstration vom Donnerstag berichtet
Leicht überspitzt kann es als der größte Erfolg der Demonstration vom Donnerstag gegen die Abschiebepolitik Österreichs betrachtet werden, dass die Kronen Zeitung sachlich, relativ umfangreich und unter Verzicht auf das bisher übliche Geschrei berichtet hat. Das wäre früher aber ganz anders gewesen und ist vielleicht ein Hoffnungszeichen. Das ist eine doch auffällige Akzentverschiebung, die auch jenen irregeleiteten österreichischen Politikern, deren Leitstern in "Fremdenfragen" bisher der Rechtspopulismus Marke Krone gewesen ist, zu denken geben sollte.
Es waren vielleicht zehntausend auf dem Heldenplatz/Ballhausplatz - Vertreter einer "Zivilgesellschaft", die sich für die demokratischen und humanitären Rechte anderer einsetzt. Man kann natürlich auch jene Bürgergruppen ("Civis"=lateinisch für Bürger) als "zivilgesellschaftlich" bezeichnen, die etwa gegen Moscheen demonstrieren, aber die wollen eben nicht für die Rechte anderer eintreten, sondern deren Rechte (auf freie Religionsausübung) beschneiden.
Jenseits von Definitionsfragen muss man jetzt beobachten, ob wirklich eine rationalere Debatte über das Thema kommt. Christoph Kardinal Schönborn merkte immerhin ausdrücklich zur Demo an, dass es jede Menge integrierter und von Abschiebung bedrohter Familien gebe. Vielleicht merken auch einige Politiker, dass man nicht unbedingt stumpf in der Populismusfalle verharren muss. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 3. Juli 2010)