Alexandra Wieshaider studierte Forstwirtschaft, ist seit elf Jahren bei den Österreichischen Bundesforsten und seit 2009 ÖBf-Leiterin im Biosphärenpark Wienerwald
STANDARD: Was hat es Ihnen am Wald angetan, dass Sie sich schon so lange damit beschäftigen?
Wieshaider: Der Wald strahlte immer schon Beruhigung für mich aus. Er ist ein Ort des Neu-Aufladens für mich. Und es wird einem in der Beschäftigung mit ihm nie langweilig.
STANDARD: Sie sind Österreichische Bundesforste-Leiterin (ÖBf) des Biosphärenparks Wienerwald ...
Wieshaider: Ja. Der Wienerwald ist seit 2005 ein Unesco-Biosphärenpark, der Schutz und Entwicklung in Kulturlandschaften mit hohen Naturwerten verbindet. Ein Drittel der Fläche liegt auf ÖBf-Grund. Der Biosphärenpark besitzt drei Zonen: Kernzonen mit strengen Naturschutzauflagen, Pflegezonen zur Erhaltung von menschlich beeinflusster Landschaft und Entwicklungszonen, den Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der Bevölkerung.
STANDARD: Welche Ziele werden in den Kernzonen verfolgt und was ist für Sie daran spannend?
Wieshaider: Es ist spannend zu beobachten, wie sich Natur entwickelt, ohne Eingriff des Menschen - die Baumartzusammensetzung, die Erhaltung, Veränderung und Beobachtung der Artenvielfalt. Das ist ein Ziel. Das sind langfristige Forschungsprojekte ...
STANDARD: ... deren Ergebnisse Sie nicht alle werden erleben können.
Wieshaider: Ja, eigentlich schade. Aber die Bewusstseinsbildung kann ich mitbeeinflussen. Viele haben eine romantische Vorstellung von Naturschutz. Aber ein für die Betrachter schöner Wald muss mit Naturschutzzielen nichts zu tun haben. Ich wünschte, dass der Wald in all seinen Aspekten - neben dem der Erholung - wahrgenommen wird. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.7.2010)