HTC Wildfire: Billig-Gerät mit Android 2.1

11. Juli 2010, 18:12
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Kleiner Cousin des Desire punktet bei Preis und Software, Display und Performance enttäuschen

Nach Highend-Smartphones wie dem Nexus One oder dem Desire hat HTC mit dem Wildfire wieder ein Einsteiger-Gerät auf den Markt gebracht. Mit Android 2.1 und der aktuellsten Version von HTCs eigener Benutzeroberfläche Sense ist das Gerät bei der Software zwar am aktuellen Stand, um den Preis niedrig zu halten ist bei der Hardware jedoch stark gespart worden.

Ausstattung

Die Eckdaten auf einen Blick: Das HSPA-Smartphone verfügt über einen 3,2 Zoll großen, kapazitiven LCD-Touchscreen. Als Prozessor kommt ein 528 MHz-Chip zum Einsatz. Der interne Speicher beträgt 512 MB, erweiterbar um bis zu 32 GB große microSD-Karten. Als Arbeitsspeicher stehen 384 MB zur Verfügung. Das Gerät verfügt über eine 5-Megapixel-Kamera, Annährungs- und G-Sensoren, einen digitalen Kompass, Bluetooth 2.1 mit A2DP-Support für kabellose Stereo-Kopfhörer, GPS und WLAN 802.11 b/g. An den Computer kann es über ein Micro-USB-Kabel angeschlossen werden.

Design

Mit Abmessungen von 106,7 x 60,4 x 12 mm ist das Wildfire sehr kompakt. Inklusive Akku wiegt es 118 Gramm und ist deutlich kleiner und leichter als die derzeitigen Highend-Smartphones. Trotzdem wirkt das Gehäuse solide verarbeitet und spiegelt das Design des Desire wider. Allerdings hat sich HTC beim Wildfire wieder für die vom Nexus One bekannten Touch-Buttons für Home, Menü, Zurück und Suche entschieden. Statt eines physischen Trackballs kommt die optische Variante zum Einsatz. An der Oberseite befindet sich ein 3,5 mm Kopfhöreranschluss.

Display

Beim Display zeigt sich dann, wieso das Wildfire zum Einstiegspreis angeboten wird. Der 3,2 Zoll messende Screen bietet eine relativ geringe Auflösung von 320 x 240 Pixel - das 2009 vorgestellte Magic beispielsweise bietet bei ebenfalls 3,2 Zoll eine Auflösung von 320 x 480 Pixel. Beim Wildfire sind die einzelnen Pixel deutlich zu erkennen, besonders Schrift erscheint sehr pixelig. Das ist beim Interface "nur" unschön, beim Surfen auf Webseiten wird Schrift ohne Vergrößerung nahezu unleserlich. Und auch bei einer höheren Zoom-Stufe bleibt die Schrift verwaschen (siehe Aufnahmen links). 

Leistung

Bei Prozessor und Arbeitsspeicher hat HTC das Wildfire gegenüber dem im Herbst 2009 ebenfalls als Einsteiger-Gerät positioniertem Tattoo nur geringfügig aufgerüstet. Der Prozessor ist mit 528 MHz gleich stark geblieben. Der Arbeitsspeicher ist mit 384 MB etwas höher als die 256 MB des Tattoo. So ausgestattet liegt die Leistung des Wildfire weit hinter den Flaggschiffen mit 1GHz-CPU und mehr RAM. Und auch die fehlende Unterstützung von WLAN 802.11 n fällt auf. Die schwächere Hardware macht sich etwa beim Aufbau von Websites auf, die langsamer laden, beim Download und der Installation von Apps oder beim Scrollen bemerkbar. Der Touchscreen läuft bei weitem nicht so flüssig und vor allem Video-Widergabe bringt das Wildfire zum Stottern. Die Kamera wird auch bei anderen HTC-Modellen mit schlechten Lichtverhältnissen nur schwer fertig. 5 Megapixel, Fokussierung per Antippen und ein Blitzlicht machen sie jedoch zur brauchbaren Schnappschusskamera. Bei der Performance kann das Wildfire insgesamt nicht überzeugen.

Akku

Theoretisch etwas schwächer ist auch der Akku mit 1300 mAh. HTC gibt 440 Minuten für Sprechzeit in 3G-Netzen, 490 Minuten für GSM an. Die Standby-Zeit soll bei 3G bis zu 690 Stunden, bei 2G 480 Stunden betragen. Bei durchschnittlicher Nutzung mit aufrechter 3G-Verbindung, WLAN und gelegentlichem Musik-Hören allerdings ohne automatischer Synchronisierung von Social Networking-Widgets oder E-Mail hielt das Gerät im Test etwa zwei Tage durch.

Android und Widgets

Als einer der Hersteller mit der höchsten Android-Entwicklungs-Kompetenz hat HTC als Betriebssystem natürlich Android 2.1 aufgespielt. Neben dem Desire und dem Legend wird das Wildfire nach Aussage von HTC im dritten Quartal bereits auf Android 2.2 Froyo aktualisiert. Beim Update auf 2.1 haben sich HTC-Kunden länger gedulden müssen - oder warten teilweise noch immer darauf. Wie bei seinen anderen Smartphones hat der Hersteller wieder die eigene Oberfläche Sense aufgesetzt. So sind auch Widgets wie Friend Stream, das unter anderem Facebook- und Twitter-Updates anzeigt, sowie Aktien-, Kalender-, Wetter-, Mail-, News oder Musik-Widgets vorinstalliert. Daneben hat der taiwanesische Hersteller dem Wildfire FM-Radio samt Widget und eine Taschenlampen-Anwendung mit drei Helligkeitsstufen spendiert, die das Kamera-Licht nutzt.

Apps empfehlen

Praktisch ist die Anwendung zum Empfehlen anderer Apps, mit der man selbst installierte Programme via Facebook, Twitter, Mail oder SMS weiterempfehlen kann. Aus einer Liste sämtlicher installierter Apps kann man die gewünschte auswählen. Der Empfänger erhält eine Nachricht mit dem Link auf den Android Market. Zum leichteren Umstieg von einem alten Gerät steht eine App zur Datenübertragung bereit. Damit können Kontakte und Kalender-Daten über Bluetooth übermittelt werden. Das funktioniert mit Modellen mehrerer Hersteller, die man aus einer Liste auswählen kann.

Fazit

Das HTC Wildfire bietet vom Funktionsumfang zwar alles, was auch die Top-Smartphones mitbringen, allerdings in deutlich schwächerer Variante. Besonders beim Display fällt der Unterschied auf. Zum mobilen Lesen von Nachrichten oder gar E-Books ist das Wildfire nicht zu empfehlen. Mit 279 Euro ohne Vertrag ist das Smartphone zwar billig, ab ca. 120 Euro mehr wird allerdings bereits das deutlich besser ausgestattete Legend mit AMOLED-Display angeboten. Konkrete Ankündigungen, ob und wann die heimischen Mobilfunker das Wildfire anbieten wollen, gibt es noch keine. T-Mobile will es zumindest "voraussichtlich dieses Jahr" ins Angebot aufnehmen. Ohne Vertrag ist es bei mehreren Händler zu haben. (Birgit Riegler/ derStandard.at, 11. Juli 2010)

 

 

 

 

 

 

  • Mit dem Wildfire bietet HTC wieder ein günstiges Einsteiger-Gerät mit Android 2.1 an, das wie der kleine Cousin des Desire aussieht. 
    foto: htc

    Mit dem Wildfire bietet HTC wieder ein günstiges Einsteiger-Gerät mit Android 2.1 an, das wie der kleine Cousin des Desire aussieht. 

  • Das LCD liegt mit einer Auflösung von 240 x 320 Pixel bei 3,2 Zoll allerdings um Klassen hinter den AMOLED-Screens von Desire oder Legend.
    foto: birgit riegler

    Das LCD liegt mit einer Auflösung von 240 x 320 Pixel bei 3,2 Zoll allerdings um Klassen hinter den AMOLED-Screens von Desire oder Legend.

  • Vor allem beim Lesen von Nachrichten oder E-Books fällt die niedrige Auflösung ins Gewicht.
    foto: birgit riegler

    Vor allem beim Lesen von Nachrichten oder E-Books fällt die niedrige Auflösung ins Gewicht.

  • Das Design des Wildfire (links) spiegelt das des Desire wider.
    foto: markus sulzbacher

    Das Design des Wildfire (links) spiegelt das des Desire wider.

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