Erbgut

Rekordanpassung bei den Tibetern

02. Juli 2010 18:49

Spezielle Mutationen ermöglichten der Population das Überleben in der relativ sauerstoffarmen Region

Washington - Die tibetische Bevölkerung hat ihr Erbgut in Rekordzeit an das Leben in extremer Höhe angepasst. Genanalysen zeigen, dass sich die Gruppe der späteren Tibeter erst vor rund 2.750 Jahren von den Han-Chinesen abspaltete und in die Himalaya-Region wanderte. Auf dem Dach der Welt entwickelten sie dann spezielle Erbmutationen, die der Population das Überleben in dieser relativ sauerstoffarmen Region ermöglichten.

"Das ist die schnellste genetische Veränderung, die je bei Menschen beobachtet wurde", sagt Studienleiter Rasmus Nielsen von der Universität von Kalifornien in Berkeley. "Während dieser Anpassung mussten viele Menschen sterben, bloß weil sie die falsche Version eines Gens trugen."

Vergleich

Die Forscher analysierten das Erbgut von 50 Tibetern, die seit mindestens drei Generationen in mehr als 4.000 Metern Höhe lebten. Das Genom verglichen sie dann mit dem von 40 Han-Chinesen aus Peking und dem von 100 Dänen. Im Vergleich zu den Chinesen trugen die Hochland-Bewohnern 30 auffällige Genmutationen. Fast die Hälfte davon betraf den Sauerstoff-Stoffwechsel. Offenbar ermöglichten diese Veränderungen den Tibetern das Überleben in einer Höhe, deren Sauerstoffkonzentration um 40 Prozent niedriger liegt als auf Meeresniveau.

Auffällig ist, dass das Blut der Hochland-Bewohner im Vergleich zu dem der Chinesen weit weniger Hämoglobin enthält. Dieses Protein transportiert und verteilt Sauerstoff im Körper. Trotz der geringen Hämoglobinwerte haben auffällig viele Tibeter normale Sauerstoffkonzentrationen im Blut. Das vermeintliche Paradox erklären die Forscher im Magazin "Science" mit dem Gen EPAS1: Diese Erbanlage fand die Studie bei nur neun Prozent der Chinesen, aber bei 87 Prozent der Tibeter. Das Gen reguliert offenbar die Bildung roter Blutkörperchen und sorgt dafür, dass der Körper bei geringer Sauerstoffkonzentration nicht vermehrt Hämoglobin bildet. (APA/apn)

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Martin Müller10
 
04.07.2010 14:49
Also ich kann Tibet nur empfehlen

Sorgte auch bei mir für eine Anpassung. Bin sehr starker Raucher aber auf 4200 m hab ich eine Woche nicht geraucht ;-)

bad user
04.07.2010 14:17
Gab es das Problem nicht schon bei den Inka?

Ich glaube mich erinnern zu können, einmal einen Bericht im Standard gelesen zu haben.

Dem zufolge hatte die erste Generation der Mischlingskinder (von den spanischen Eroberern und den Inka) eine Überlebensrate von ca. 50%, welche auf den Sauerstoffmangel zurückzuführen war.

Diesem Bericht nach dürfte die Evolution bereits in 2.-3.Generation zu massiven Veränderungen in der Anpassungsfähigkeit fähig sein.

Thomas Eugene
05.07.2010 13:01

Bedenken Sie bitte auch dass solche Mutationen nicht spontan entstehen sondern oft schon vorher vorhanden sind und dann, bei veränderten Umständen, denen einen Vorteil geben die sie schon besitzen.

Maurice Müller
 
03.07.2010 23:31

"Während dieser Anpassung mussten viele Menschen sterben, bloß weil sie die falsche Version eines Gens trugen."
Also ich verstehe diese Schlußfolgerungen immer nicht. Könnte es nicht einfach sein, dass nur diejenigen mit der Genvariante weiter aufgestiegen sind um auch die unerschlossenen Gegenden zu besiedeln? Die anderen blieben einfach unten.
Oder gibt es andere gesicherte Erkenntnisse, Massengräber, etc?
Ansonsten meine ich wohl, dass die Menschen damals für sich auch schon beurteilen konnten, wie gut ihnen die Höhenluft bekommt und die wollten bestimmt nicht freiwillig in den sicheren Tod gehen.

khaleb
03.07.2010 14:46
das wird Peking freuen

die Tibeter sind also Berg-Chinesen

Wirtschaftshierbleiber
03.07.2010 16:31

Also ich glaub das nicht. Die schauen doch ganz anders aus.

carbonara
03.07.2010 13:22
Erklärung dafür....

....den Männern, denen die spezielle Genmutation fehlt, geht beim "Fortplanzeln" die Puste aus ---> Selektion.

nomad13
03.07.2010 12:39
Könnte man so nicht Spitzensportler züchten?

WeltEnSTurm
03.07.2010 10:30

9 % der Chinesen haben das Gen. Wenn jetzt 1000 Menschen nach oben wandern, sterben 910 Menschen, weil sie es nicht haben, die andern entwickeln sich weiter. Tadaa, 100 % Tibeter haben das Gen.

Raubmordkopierer
03.07.2010 19:55

Nun ja, so funktioniert Evolution nun mal. Die restlichen 90 dürfen sich dafür dann weiter vermehren, bis es wieder 1000 sind.

Lukas Chen
03.07.2010 14:28
Es gibt Sauerstoff-Flasche

Keine Sorge! Wie Hoch-Bergsteiger, traegt man die Falsche im Ruecksack, kann jeder auch in Tibet herum bummeln, ohne sterben zu muessen. Die Touristen wissen schon, nach der Ankunft in Tibet, eine Flasche zu kaufen, sonst kriegt man Kopfweh wegen der Sauerstoff-Mangel.

Zhdophanti
03.07.2010 19:12

Das bezweifle ich aber, das die vor 2000 Jahren Sauerstoffflaschen dabei hatten.

Yuan Wu
03.07.2010 14:26

100%? Steht in den Text nicht etwas von 87%?

WeltEnSTurm
03.07.2010 14:35

Ja, ich finde nur, man sollte die Funktionsweise der sogenannten "Evolution" nicht derart verschleiern und solch "schnelle" Veränderungen als unglaublich darstellen, mehr hat meine Aussage nicht verdeutlichen sollen. Wenn sie nämlich genauer hinsehen, ist von mehr als 30 Genmutationen die Rede.

Martin Blechbichl
 
03.07.2010 10:28
nicht so erstaunlich

wenn jemand bei sauerstoffmangel keinen mehr "hochkriegt", wird er seine gene kaum vererben. Eigentlich ein musterbeispiel für evolution. Je extremer die bedingungen, desto stärker die selektion.

manfredo 66
03.07.2010 10:26

Jetzt mal eine blöde Frage: Wie ich hörte, siedeln sich immer mehr Han-Chinesen in Tibet an. Wahrscheinlich auch mit Hilfe der chin. Zentralregierung.
Nur, wie können die dann überleben, wenn das angeblich nicht möglich ist?

ganz weit weg
03.07.2010 19:37

ich kann ihnen aus eigener erfahrung berichten, dass ein 0815 mitteleuropaer ohne probleme auf 5000m hoehe leben kann.

also warum sollen chinesen nicht auch dort leben koennen? ... 40% weniger sauerstoff ist bemerkbar, aber mal ehrlich gefragt ... wann haben sie das letzte mal die 100% sauerstoffreserve im flachland ausschoepfen muessen?

manfredo 66
03.07.2010 20:49

Ja gut, aber wieso mussten dann so viele während der Anpassung sterben wie das im Artikel steht?
Eben das versteh ich nicht ganz.

Thomas Eugene
05.07.2010 13:06
Leicht zu verstehen.

Die Aussage stimmt einfach nicht!
Kaum einer musste deswegen sterben. Menschen mit dieser Mutation hatten es einfach leichter und konnten mehr Nachkommen zeugen.

spacedakini
03.07.2010 09:29

Vielleicht hat sich auch durch Meditation das Erbgut verändert?

Das Meditation das Gehirn verändert, ist ja mittlerweilen wissenschaftlich erwiesen.

peter schmidt
 
03.07.2010 12:41
ja man wird ruhiger kann loslassen und sieht dem eigenen tod gelassen entgegen.

alles was man sich so wünscht von einem 30 jährigen.

fauler Student
03.07.2010 10:16
Hm, ja sicher.

joergipoergi
03.07.2010 05:50

Gen EPAS1: Das Gen reguliert offenbar die Bildung roter Blutkörperchen und sorgt dafür, dass der Körper bei geringer Sauerstoffkonzentration nicht vermehrt Hämoglobin bildet.

Die Tour de France darf sich schon mal freuen...

Dorothea von Gufidaun
02.07.2010 23:58
"sauerstoffarmen Region"

Der Anteil des Sauerstoffs an der Luft ist immer gleich. Es ist der niedrige LUFTDRUCK, der den Ausschlag gibt!

carbonara
03.07.2010 20:29

kommt darauf an:

Vol % Sauerstoff ("Luftzusammensetzung") ist gleich,

Sauerstoff pro Kubikmeter Luft ist geringer.

Entscheidend ist der Partialdruck des Sauerstoffs, der ist in dieser Höhe sicher geringer:

pi(O2) = Xi * p

pi(O2) ...Sauerstoffpartialdruck
Xi ........Molenbruch Sauerstoff
(statt Molenbruch verwendet man heute den
Begriff "Stoffmengenanteil")
p..........Gesamtdruck (= Summe aller Partialdrücke)

Der Partialdruck des Sauerstoffs (pi(O2) ist somit proportional zum Druck (p).
D.h. wenn der Druck (p) geringer ist (wegen der Höhe - siehe auch "barometrische Höhenformel" - , ist auch der O2-Partialdruck (pi(O2)) geringer.

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