Keime

Im Swimmingpool

4. Juli 2010, 19:27
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    foto: apa/epa/dennis m. sabangan

    Bakterien im Pool werden von Chlor und Ozon vernichtet - und das ist gut so.

Erfrischung im kühlen Nass: Manchmal bergen Schwimmbecken und Badeseen aber auch weniger angenehme Überraschungen - Eine Übersicht über Keime und ihre Auswirkungen

Eindeutig. So gekrümmt ist nur eine Art von Haar. Das Schamhaar schwimmt direkt auf einen zu - in Augenhöhe quasi, und Ausweichen ist unmöglich. Auch sonst treiben eklige Sachen im Wasser: Pflaster, ein Taschentuch, Haarbüschel. Wie gefährlich ist das? "Im Großen und Ganzen ist es hier völlig ungefährlich, in Schwimmbäder zu gehen", sagt Herbert Auer, leitender Parasitologe an der Med-Uni Wien. "Die vorgeschriebene Desinfektion mit Chlor oder Ozon gewährleistet in der Regel, dass sich Keime nicht vermehren können. In Naturseen ist das Risiko etwas höher, insgesamt aber auch noch gering."

Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten können beim Schlucken von Badewasser in den Körper gelangen oder über Ohren, Nasenlöcher, Harnausgang oder die Scheide. Manche Erreger nimmt man über die Luft auf, andere dringen aktiv durch die Haut. "Es kommt immer wieder zu einzelnen Infektionen bei Badenden", sagt Franz Reinthaler, Umwelthygieniker an der Med-Uni Graz. "Wir haben aber keine genauen Statistiken, wie häufig und womit."

Die Weltgesundheitsorganisation stellte vor vier Jahren eine Leitlinie für "Sicheres Baden" zusammen. Bei der Lektüre kann einem die Lust schon vergehen: Detailliert wird beschrieben, welche Infekte sich Badende in den letzten 40 Jahren zuzogen. Die meisten Keime waren mit dem Kot anderer Badender ins Wasser gelangt, etwa bei Durchfall. Beruhigenderweise war es in den ganzen Jahren aber nur zu einzelnen Krankheitsausbrüchen mit jeweils nur bis rund 100 Erkrankten gekommen.

Die "Badewasser-Bösewichter" können ganz unterschiedliche Infekte verursachen. Manche lösen grippeähnliche Beschwerden aus wie die Adenoviren. Viele führen zu Durchfall, zum Beispiel Noroviren, Bakterien wie Shigellen und Escherichia coli oder Parasiten wie Giardia oder Kryptosporidien. "Durchfall durch Parasiten ist hierzulande selten", weiß Herbert Auer.

Gefahr in Keim-Becken

"Bei einer Reise in ein Land mit nicht so hohem hygienischen Standard sollte man aber immer mit Parasiten rechnen." Häufiger ist in Österreich die Zerkariendermatitis, auch "swimmer's itch" genannt. "Der Ausschlag ist zwar lästig, aber harmlos" (siehe Interview). Das "swimmer's ear" ist eine Infektion des Ohres und des äußeren Gehörganges durch Pseudomonas-Bakterien. Die Ohren schmerzen und jucken, manchmal hört man nicht mehr richtig. Die Bakterien können auch zu juckendem Ausschlag führen, den man sich vor allem nach längerem Aufenthalt in sehr warmem Wasser zuzieht, etwa in Sprudelbecken. Über solche können auch Legionellen oder Leptospiren verbreitet werden, die man mit dem Dampf einatmet und die zu Lungenentzündung oder grippeähnlichen Beschwerden führen.

Gefährlicher, aber zum Glück ebenfalls selten sind Infektionen mit Amöben. "Die Akanthamöben können eine schmerzhafte Hornhautentzündung auslösen", erklärt Julia Walochnik, Parasitologin an der Med-Uni Wien. Andere Amöben, die Näglerien, verursachen eine Entzündung von Hirn und Hirnhäuten. "In vielen Ländern erkrankten Badende schon daran. Wir konnten diese Krankheit hierzulande aber noch nie nachweisen." Vermeiden kann man Infektionen mit Amöben, indem man möglichst kein Wasser schluckt, das gelte besonders für Kinder in warmen Seen.

"Vor Augenentzündungen schützen dicht sitzende Schwimmbrillen - sowohl in Naturseen als auch im Freibad", rät Gerald Böhme, Vorstand der Europäischen Kontaktlinsengesellschaft der Augenärzte. "Das verhindert nicht nur Hornhautentzündungen durch Amöben, sondern auch Entzündungen der Bindehaut durch Bakterien oder Einzeller wie Chlamydien." In seiner Praxis sieht Böhme in der Badesaison täglich mehrere Patienten mit akuter Bindehautentzündung. "Sie entstehen meist durch Reizungen von Chlorwasser, seltener durch Keime." Werden die Augen nach dem Bad rot, brennen und tränen sie, sollte man am nächsten Tag einen Augenarzt aufsuchen. Menschen mit weichen Kontaktlinsen fangen sich eher eine Infektion ein. "Sitzt die Schwimmbrille dicht, kann man auch mit Linsen schwimmen. Wichtig ist, dass man sie immer sorgfältig reinigt und Einmal-Linsen wegwirft", empfiehlt Böhme.

Keime lauern nicht nur im Badewasser. "Vor allem in Duschen und Umkleidekabinen kann man sich mit hartnäckigem Fußpilz oder mit Viren anstecken, die Warzen an den Füßen verursachen", sagt der Mikrobiologe Franz Reinthaler. Diese Gefahr ist viel größer als Wasserkeime: Rund jeder achte Erwachsene hat Fußpilz, jedes zehnte Kind hat Warzen. Wer Badeschlapfen trägt, schützt sich, sagen Experten. (Felicitas Witte, DER STANDARD, Printausgabe, 05.07.2010)

Zum Thema

Würmer in Badeseen: "Möglichst kurz im seichten Ufer" - Parasitologe Herbert Auer im Interview

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21 Postings
eleon
01

lieber fusspilz als eierschwammerl!

amelie luna
00
an die vorgänger:

habt ihr den Text eigentlich genau gelesen? ---> "Im Großen und Ganzen ist es hier völlig ungefährlich, in Schwimmbäder zu gehen", sagt Herbert Auer, leitender Parasitologe an der Med-Uni Wien. "Die vorgeschriebene Desinfektion mit Chlor oder Ozon gewährleistet in der Regel, dass sich Keime nicht vermehren können. In Naturseen ist das Risiko etwas höher, insgesamt aber auch noch gering."

Erzsébet Lucas
00

Da wird gesudddert, was das Zeug hält.
Man glaubt, da posten lauter Hundertjähtige.
Fehlt bloß noch, dass einer anfängt. "Die müssten mal einen Krieg erleben"...

Stahl_____666
31
.

Könnte derStandard nicht mal eine kurze Übersicht bringen, wo man abseits von kontaminierten Badeseen, keimbefallenen Bädern und vergammeltem Grillfleisch ohne Lebensgefahr Spaß haben kann?

Lukas Chen
00
Schwimmen im Fluss ist besser

Denn das Wasser fliesst, das heisst, es gibt immer neues Wasser dadrin zu schwimmen, beim Swimmingpool bekommt man wohl nur wochentlich neues Wasser.

miesebriese
02

warum hab ich mir das jetzt durchgelesen, ich honk.

Jonathan Möwe
00

:D

monoton
00

ja schon seltsam, wie sie bis jetzt überleben konnten in so einer gefährlichen welt...

hed
110
wie konnten jene, die in den 60er, 70er jahren aufgewachsen sind

überleben? da gab es keine helicopter-mums, die eine panikattacke kriegen, wenn der sprößling eine ladung sand futtert und es wurde nicht 24/7 vor allem und jedem angst gemacht. es gab keine experten, die uns erklärt haben wie man richtig geht, wann man trinken muss und es wurde nicht der eindruck erweckt, dass hinter jedem grashalm böse insekten oder bakterien darauf lauern uns anzufallen.

oida...

alexanderletten
 
01

Früher war die die Dienstleistung Information, wie Sie selbst wissen, noch lange nicht so ausgereift wie heute.
Früher gab es zB. ebenso Hautreizungen, Augenentzündungen, Ausschläge, Allergien, Keime etc., jedoch dieser Fortschritt also ermöglicht es im Gegensatz zu früher, auf bestimmte Situationen zu reagieren und das ist verdammt gut so.

hed
00
geh'

das ist doch völlig plemplem.

alexanderletten
 
00

Was soll plemplem sein?

hed
00
dieses theater

das heute veranstaltet wird.

noch vor 20 jahren hatten die leute nicht eine derartige paranoia vor dem leben. und sie waren auch nicht andauernd krank.

aber heute rückt man ja schon einem gelsenstich mit high-end-medizin zuleibe...

luis trew
00

Was wollen sie damit sagen?

Sollen derartige Artikel verboten werden?

hed
00
na. es würde reichen diesen

nonsens zu ignorieren. dann gäbe es das bald nicht mehr...

gustav gans42
00

ich erinnere mich gut: In meiner Kindheit sind die Bergwanderer immer auf der Erd`herumglegen.
Als nahezu geniale Prophylaxe hat man dann irgendwann die Nordic Walking Dinger erfunden.
Seitdher gehen alle aufrecht durch die Natur.

Wappen hea
04
Doch!

Die Experten gabs damals schon. Epidemien von Senkspreiz- und Plattfüßen haben ihren dunklen Schatten über endlose Kinderfüße gelegt und zu vielen Orthopäden ein einträgliches Geschäfft verschafft.
Dass der Kinderfuß sich in seiner natürlichen Entwicklung va bis zum 6. Lebensjahr verändert hat sich bis heute noch kaum durchgesetzt. Die Folge sind heute unendlich viele tatsächliche Plattfüße der damals Behandelten.

Generell glaub ich schon, daß meine Kindheit (70er) ohne ständige Handykontrolle und Verpflichtung erreichbar zu sein leichter und unbeschwerter war. Und welches Kind kannte damals nicht den Klassiker "Telephonschilling" ???

HomerJ
00

da waren wir schon weiter- ich (als Kind der 80er) hatte eine Telefonwertkarte

hot doc
00
früher war alles besser?

ohne die zeit der 60er und 70er zu idealisieren, eines der probleme von heute ist, dass wir unseren kindern im hochsitz mit ps-protzigen suv's und family-vans um die ohren fahren, ohne rücksicht auf links, rechts, schutzweg oder radfahrer.
nicht dass es diese probleme inklusive unfälle bei uns nicht gegeben hätte. vermutlich sind eltern heute auch einfach vorsichtiger, und sind froh, wenn sie ihre kinder erreichbar wissen.
die unbeschwertheit, draufloszuradeln an einem sommertag ist jedenfalls damit dahin.

R0MAN_Z
 
114
Nichts ist ungefährlich...

wenn man sich über alles Gedanken macht, was einem schaden könnte dürfte man in der Früh nicht mal aufstehen, selbst das liegen-bleiben ist gefährlich (Rückenprobleme, wundliegen, Hausstaubmilbe, allergische Reaktion aufs Waschmittel, Herz-Kreislaufprobleme wegen zu wenig Bewegung, ....)

Fazit: Genießt das Leben, es ist nunmal gefährlich, ja wirklich, selbst in Österreich !

Kra Wuzikabuzi
00
wollte etwas ähnliches schreiben.

wenn ich die Artikel hier jeden tag ernst nehme, erschiesse ich mich spätestens am freitag, oder bleib nur mehr daheim (wo ich dann im bad ausrutsche...)
das leben ist lebensgefährlich, und macht trotzdem spass.

und im jacuzzi gibts viel e.coli.
und fast alles ist gefährlich und ungesund.
und wenn ich meine kinder in 3 meter styroporkugeln einschweisse, werden sie auch krank...also ?

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