"Setze mich für EU-Beitritt ein, weil das definitiv unsere Probleme löst"

1. Juli 2010, 17:57
  • Artikelbild
    foto: apa/hochmuth

    Zur Person
    Stjepan "Stipe" Mesić (75) war 2000 bis 2010 Präsident Kroatiens. Er löste den Autokraten Franjo Tudjman im Amt ab. Mesić studierte in Belgrad Jus und wurde Mitte der Sechzigerjahre Abgeordneter im jugoslawischen Parlament. Später wurde er wegen "konterrevolutionärer Umtriebe" verhaftet und verbrachte ein Jahr im Gefängnis. Danach arbeitete er als Anwalt in Staatsbetrieben. Im Jahr 1991 hätte er Präsident Jugoslawiens werden sollen, doch wenige Wochen später zerfiel der Staat. Der als linksliberal geltende Mesić wurde zu einer zentralen Figur des unabhängigen Kroatiens.

Ex-Präsident Stjepan Mesić im STANDARD-Interview

Warum Kroatien das Friedensprojekt Europa vervollständige und was er in seiner Zeit als kroatischer Präsident erreicht habe, erzählte Stjepan Mesić, der im Februar sein Amt aufgab, im Gespräch mit Marijana Miljković in Zagreb.

*****

STANDARD: Eine Biografie über Sie erschien kürzlich unter dem Titel "Zehn bessere Jahre" . Was waren die wichtigsten Momente während Ihres Mandats?

Mesić: Es war wichtig, dass ich geholfen habe, Kroatien aus seiner Isolation zu holen und Richtung EU hin zu orientieren, um die Bedingungen und Standards dieses elitärsten aller politisch-wirtschaftlichen Klubs zu erfüllen. Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass sich Kroatien für die EU entscheidet, aus dem einfachen Grund, weil dies definitiv unsere Probleme löst. Wenn wir beitreten und der Südosten Europas in der EU ist, dann sind wir ein Kontinent, der den Krieg als politisches Mittel ausgeschlossen hat.

STANDARD: Am Anfang Ihres Mandats haben Sie die Befreiung vom Erbe der Ära Franjo Tudjmans propagiert (autokratischer Präsident Kroatiens nach der Wende, Anm.). Ist diese gelungen?

Mesić: Bis zu einem gewissen Grad. Etwa, indem kriminelle Vorgehen bei der Privatisierung nicht mehr verjähren. Ent-Tudjmanisierung hat auch geheißen, dass die Institutionen funktionieren. Bis zum Jahr 2000 war Kroatien kein Rechtsstaat. Viele Entscheidungen hingen vom Willen gewisser Leute ab, nicht von Gesetzen oder Institutionen. Auch die Armee haben wir entpolitisiert - darin waren wir sehr erfolgreich. Ich habe mich auch dafür eingesetzt, dass Kirche und Staat getrennt wurden. In öffentlichen Gebäuden dürfen keine religiösen Symbole angebracht sein. Natürlich haben mich meine Kritiker dafür angegriffen und gesagt, ich sei gegen Kreuze. Ich habe nichts gegen Kreuze, aber sie müssen an Orten sein, wo sie hingehören.

STANDARD: Wie beurteilen Sie die Arbeit der kroatischen Ministerpräsidentin Jadranka Kosor?

Mesić: Ich glaube, dass sie alle überrascht hat. Sie ist in die Position gekommen, als sie damit am wenigsten gerechnet hat, musste aber die ganze Verantwortung übernehmen. Ich glaube, sie hat sich gut zurechtgefunden. Sie ist europäisch orientiert, und sie verlangt, dass sich unsere Wirtschaft umorientiert, von einer ausschließlichen Importwirtschaft zu einer Exportwirtschaft. Es ist nicht leicht für sie und die Regierung, die Richtung zu ändern. Aber sie trifft mutige Entscheidungen. Wenn sie so weitermacht, wird sie eine erfolgreiche Ministerpräsidentin werden.

STANDARD: Sie haben kurz vor Ende ihrer Amtszeit den Kosovo besucht. Diese Reise hat zu Spannungen mit Serbien geführt.

Mesić: Ich würde nicht sagen, dass sie Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Kroatien und Serbien hatte. Wenn wir die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen, dann verhalten wir uns ihm gegenüber auch wie mit einem unabhängigen Staat. Jugoslawien bestand aus sechs Republiken und zwei unabhängigen Provinzen, Vojvodina und Kosovo. Das waren die konstitutiven Elemente der jugoslawischen Föderation.

Die Republiken sind unabhängig geworden, aber die Frage des Kosovo war nicht gelöst. Nach dem Genozid, den Milošević dort angerichtet hat, musste man den Status des Kosovo so schnell wie möglich feststellen. Serbien bot den Kosovaren "mehr als Autonomie, aber weniger als Selbstständigkeit" an. Sie haben aber nicht gesagt, was das genau bedeutet. Als die Serben dann kein weiteres Angebot machten und der Kosovo beschloss, unabhängig zu werden, entschieden wir uns, ihn anzuerkennen. Es ist darum logisch, dass wir auf höchster Ebene mit dem Kosovo kommunizieren. Unser Verhältnis zum Kosovo hat mit dem zu Serbien nichts zu tun. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3
Johannes Braunias
 
00
… und welchen Beitrag kann Serbien im Gegenzug leisten?

autobahn a3
80

.kroatien kann nicht ohne Belgrad. Das war immer schon so...Das Sagen hatte immer Belgrad und das wird in naher Zukunft auch wieder so sein.Mesic ist ein kleiner Popel-Politiker. Er ist vergleichbar mit einen Wetterhahn...so wie der Wind steht so steht auch der Mesitsch.

kroate 061
11
das ist der beweis

der ständige aufenthalt auf autobahnen greift die gehirnzellen an.

Schwabe5
01
Kroatien kann nicht ohne Belgrad? Bitte begründen!

Kroatiens Exporte gehen nach Italien, Deutschland, Slowenien und Österreich. Importe stammen meist aus den selben o.g. Ländern. Sebien taucht unter den Top5 der Länder mit denen Kroatien Handel betreibt definitiv nicht auf. So viel ich weiß hat Kroatien es ohne Belgrad in die WTO, CEFTA, NATO und bald in die EU geschafft. Alles Organisationen in denen Serbien bis heute nicht Mitglied ist. Serbische Staatsbürger konnten bis vor ein paar Monaten nichtmal Visafrei ins europ. Ausland reisen. Ich würde fast eher sagen, dass Belgrad in Zukunft nicht ohne Zagreb kann, denn nur über Zagreb lässt sich ein EU-Beitritt auf die nächsten Jahre für Serbien realisieren. Zagreb ist mehr auf Wien, Berlin, Rom und Washington angewiesen.

also dann ...
20
n e i n

in der eu ...
gibts bis dato schon genügend k o r r u p t i o n !
es braucht keine clan-familien ...
die sich mit windigen konstruktionen an banken
(h y p o) schadlos halten.

tschüss.

abrakadabra3
33

Wer Mesic bei irgendwelchen Aussagen immer noch Glauben schenkt, ist einfach nur ein Dummkopf.

Der Typ hat in seiner Laufbahn öfter die politische Gesinnung gewechselt als seine Unterhose! "Kommunist", "Natinalist", "Kommunist", "Nationalist"!. Je nachdem wer an der Macht war und was er daraus für Vorteile für sich selber ziehen konnte.
Ein Politiker, den keiner braucht und leider erkennen das nur die Wenigsten.

Chile
11
Versucht mal das ganze positiv zu gestalten...

Die Diaspora aller Beteiligten sollten mal für`n Moment die Luft anhalten, denn BH, Kroatien und Serbien versuchen momentan eine friedliche Lösung zu finden.

Der Gipfel am 09./10. Juli in Dubrovnik ist vielleicht auf dem Balkan eine Kehrtwende.
Warum sich stets Landleute aus der EU aufregen, obwohl die eigenen Verwandten zum Dialog bereit sind, bleibt mir`n Rätsel!

Es sollte im Interesse aller Völker auf`m Balkan sein, wenn die regionale Wirtschaft angekurbelt und die Infrastruktur ausgebaut wird!
Ökonomie ist der Schlüssel zum Frieden, wenn man brüderlich teilen tut.
Der Westen lacht sich in die Fäuste, wenn ihr miteinander nur zankt, soviel sei mal gesagt.
Mit oder ohne EU, auf`m Balkan ist viel potenzial.

Interface1
02

Ich verstehe nicht wie könen die Serben gegen alle und alles dagegen halten!!!

mumuj
12
Aber liebe Serbisch stämige Mitbürger, warum so veile Emotionen?

W. Müller
 
22
" .. unsere Probleme löst"

Irrtum.

Die Subventionstöpfe werden leerer und leerer.

mitrovic dejan
42
Ich setze mich auch für EU-Beitritt Kroatien.

20 jahren danach landen die so Stolze Kroatischen Nationalisten wieder in einen Staaten Bund.
Um später mit Serbien und andaren ey-Yu wieder sich zusamenfinden.
Ein Deya-vu sozusagen.
Die Presidentschafts werde genau so wie in ex-YU rotieren und alles andere werde auch fast das gleiche wieder sein.
Für was habts ihr gekämpft und weswegen meine "Brüder" Kroaten bleibt eine Rätsel.
Hätte euch auch ohne selbstausgelöste Bürgerkrieg dort gewesen wo sie jetzt stehen.
Ihr würdet schamlos ausgenutzt von Nationalistischen Faschisten wie diesen Mesic der Stolz vekündet habe "ich bin der letzte President Yugoslawien".
Reich ist nur er und companeros geworden bei Privatisierung von ex-Yugoslawischen Eigentum ihr seit noch mehr Arm als vorher.

Gegenflieger
25

Bla Bla Bla, Komusch das sich bei Themen um Kroatien immer nur Serben melden.
Dabei war es der Serbische Faschismus der dazu führte das Yu zerfiel.

Beny Kastrati
 
53
Stjepan Mesic - Ein Held im Kosova

Stjepan Mesic es war uns Albanern eine Ehre an der Seite der Kroaten gegen die Besatzer (Serben) zu kämpfen. Sie haben es mehrfach wiederholt "Die Albaner sind die natürlichen Nachfolger der Illyrer". Kosova je Albania

mitrovic dejan
00
Wer kämpft jetzt gegen Serben-Eure Teroristen ?

http://go.orf.at/news/374309.html

Akuma
00

ich frage mich langsam ernsthaft, ob es sich bei den einschlaegigen forumsalbanern um serben handelt, welche damit albaner an sich in ein schlechtes licht ruecken wollen. denn _so_ *rre koennen echte menschen gar nicht sein... aber immerhin sind die posts sehr amuesant.

bre srbin
00
aaaaaaaaaaaach so ist das , wenn eine kleiner Faschist sagt das die Arnauten von den Illyrern abstammen dann ist das absolute Wahrheit .

ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha


man man man


so gut gelacht über euer National Stolz .


SilenT EnigmA
10
Ich eber dajne deitsch....

Peja Pate
 
00
ich übersetze kurz

Kosovo ist Albanien! ;-) Für alle die es nich verstehen :-)

bre srbin
02
Bellt nur weiter so, eines Tages werdet Ihr nicht mehr auf dem Balkan existieren !

Waach Birn
23
Gratuliere

eines der schönsten Postings, in ganz wenigen Sätzen ganz viel Pathos und Nationalisten Abfall.

?und
14
heute zwar keine seeräuber mehr - aber das kriminelle erbe scheint erhalten zu bleiben

dr.no3
00
korrupte volksverräter

können mit einem sicheren hochbezahlten posten in der EU rechnen

Mc Gregger
23
Mesic - ein Geheimdienstler u Opportunist, Udbas

Ein Beitritt zur EU löst alle Probleme? Diesen humbug signalisiert die EU jedem Schwellenland u wundert sich dann, dass die Länder irgendwann einmal Probleme verursachen. CRO sollte im eigenen Interesse nicht der EU beitreten. Die maßlose Bürokratie muss das Land selbst in den Griff bekommen. Die EU wird in CRO das machen, was sie am besten kann u will:ideale Bedingungen für Investoren erzwingen. Wenn man sieht, was die Investoren mit den Küsten auf Mallorca, span. Festland u Portugal angerichtet haben, sollte man gegen den Beitritt sein. CRO ist politisch zu schwach, um sich da wehren zu können. Die Küsten sind einmalig, einmal verbaut ist es vorbei mit der Ursprünglichkeit. Der EU Einheitsbrei ist verzichtbar, also kein Beitritt!!

Lalai Dama
00
Pizzabäcker?

tricky mani
20
!

Nehmt sie endlich auf!
Es würde hierzulande vielen Menschen das Leben leichter machen!!!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.