Rektoren steigen wegen Sparkurs auf die Barrikaden

01. Juli 2010 18:36
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Die Pläne der Regierung, die Finanzierungen der Universitäten ab 2013 einzufrieren, werden zu einem Rückbau der Unis führen

Wien - Österreichs Uni-Rektoren schlagen Alarm: Sollte es - wie vom Wissenschaftsministerium angekündigt - ab 2013 zu einer "Budget-Stagnation" kommen, werde dies zu einem "empfindlichen Rückschritt in der Qualität der Forschung und Lehre" an Österreichs Universitäten kommen, warnte der Vorsitzende der Rektorenkonferenz und Rektor der Technischen Uni Graz, Hans Sünkel, am Donnerstag im Gespräch mit dem Standard.

Nicht nur die Universität für Bodenkultur (Boku), die bereits um ihre Liquidität fürchtet, sei betroffen, auch "seine" Technische Universität Graz müsse beträchtliche Einbußen hinnehmen. Im Sommer werde die Universitätsleitung daher in einem mehrtägigen Seminar "Redimensionierungen" der Universität überlegen. Sünkel: "Wenn wir tatsächlich solche Reduktionen wie die Boku hinnehmen müssen - und das ist zu erwarten, weil auch wir enorme Steigerungen bei den Studierendenzahlen, aber keine steigenden Budgets haben -, bedeutet das, dass wir kürzen müssen. Das hieße, dass wir 100 bis 150 Personen abbauen müssen. Da blieben nicht nur die Bediensteten, sondern auch die Studierenden und Wissenschafter auf der Strecke. Es wäre furchtbar, wirklich schlimm."

Sünkel, der zurzeit an einer internationalen Rektorenkonferenz in New York teilnimmt, weiß von einem "völligen Unverständnis" bezüglich der österreichischen akademischen Situation in internationalen Uni-Kreisen. Sünkel: "Man lacht über uns."

Bitter für die Unis

Die TU Graz und die Boku sind nicht die Einzigen, die klagen. Die vom Wissenschaftsministerium den Universitäten bereits angekündigte Stagnation ihrer Budgets ab 2013 kostet die Hochschulen eine Menge des eigentlich erwarteten Geldes. In der derzeit laufenden Leistungsvereinbarungsperiode (2010-2012) erhalten die Unis noch mehr Geld, nämlich insgesamt rund 6,51 Milliarden Euro, das ist laut Ministerium ein Zuwachs von knapp zehn Prozent. Danach schaut es für die Unis aber bitter aus.

Der Rektor der Universität Salzburg, Heinrich Schmidinger, geht bei einem stagnierenden Budget für die Uni zwischen 2013 und 2015 von einem realen Verlust von zirka 20 Prozent des Budgets von 2012 aus. Das wären in Salzburg deutlich über 20 Millionen Euro. Sollten die Sparmaßnahmen tatsächlich kommen, müssten die heimischen Universitäten das System der Leistungsvereinbarungen hinterfragen. Schmidinger: "Wenn die einzige Devise Einsparung ist, brauche ich keine Leistungsvereinbarung." Er könne sich vorstellen, solche Vereinbarungen künftig nicht mehr zu unterschreiben. In Salzburg ist die Situation besonders dramatisch, da in den deutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg 2011 und 2012 wegen einer Umstellung im Bereich der Oberstufe jeweils zwei Maturajahrgänge die Schulen verlassen. Konkret wird für die Uni Salzburg daher mit einem weiteren Zuwachs an Studierenden (derzeit 16.500) um ein- bis zweitausend gerechnet.

In Linz wurde das Budget 2010 bis 2012 für die Johannes-Kepler-Universität (JKU) um 20 Prozent von 222 auf 268,6 Millionen Euro angehoben. Trotzdem komme die Linzer Uni im Vergleich zu den anderen österreichischen Hochschulen immer noch zu kurz, betont Rektor Richard Hagelauer. Sollten die Uni-Budgets ab 2013 tatsächlich eingefroren werden, bedeute dies eine Kürzung von zehn Prozent des Budgets. Die JKU hätte dann zehn Millionen Euro weniger pro Jahr, schätzt Hagelauer. Dann würde auch der geplante Ausbau der JKU - naturwissenschaftlich-technische Fakultät, Sozial- und Wirtschaftswissenschaft sowie Jus - wackeln.

Keine Nachbesetzungen

Für Uwe Steger, Sprecher der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, ist "das letzte Wort in Sachen Uni-Budget möglicherweise noch nicht gesprochen" . Eine Stagnation des Uni-Budgets ab 2012 bedeute aber auch hier de facto Einsparungen. "Im Notfall werden Professuren nicht nachbesetzt oder Umbauten nicht fertiggestellt." An der LFU Innsbruck seien die Studierendenzahlen im vergangenen Jahr um 15 Prozent gestiegen.

Der Rektor der Med-Uni Innsbruck, Herbert Lochs, warnt, seine Universität sei aufgrund der Einsparungspläne in zweierlei Hinsicht betroffen. Erstens würde die Qualität der Ärzteausbildung schlechter, und zweitens würde auch die forschungsgeleitete Spitzenmedizin unter den Einsparungen leiden. Beides würde mittelfristig "ernsthafte Folgen für die Patientenversorgung haben" .

Und auch die Klagenfurter Uni braucht mehr Geld und wäre von der Entwicklung betroffen. "Es muss auch in Sparzeiten in Forschung und Bildung investiert werden, weil sonst die Entwicklung des Landes gefährdet ist" , sagt Rektor Heinrich C. Mayr. (ker, mue, neu, stein, ver, DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2010))

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skyrock
03.07.2010 11:10
das Uni-Jahresbudget 2010-12 beträgt ca. 2.2 Milliarden Schilling

gleich wie ca. 1999-2000. Die Inflation eingerechnet eine satte Bildungsdemontage.

bösartiger gutmensch
02.07.2010 15:41

"Nicht nur die Universität für Bodenkultur (Boku), die bereits um ihre Liquidität fürchtet, sei betroffen, auch "seine" Technische Universität Graz müsse beträchtliche Einbußen hinnehmen."

tja, wenn die liquiden mittel samt wertpapieren nur rd 50% der bilanzsumme betragen, ist die liquidität wirklich gefährdet!

unbequem
02.07.2010 11:23
Hunderte Milliarden für die EU und Banken aber kein Geld für Bildung...

..das ist der Beweis der Verlogenheit der Politiker egal welcher Farbe!
Es ist auch ein Beweis dafür , dass sich unsere Politiker mehr um das Wohl anderer kümmert als um das Wohl dererdie sie gewählt haben!
Bildung wäre die nachhaltigere Investition in die Zukunft , denn punktuelle Subventionen von Staatsbetrügern wie Griechenland, Spanien, Portugal, Ungarn, aber auch Deutschland und Frankreich!
Die "intellektuellen" Rektoren zeigen aber auch die Inteligenzresistenz der Hochschulleiter auf die immer den einzelnen Studenten zur Kasse bitten wollen obwohl deren Eltern das Gehalt des Rektors via Steuerleistung bezahlen.....der Staat hat nicht doppelt abzukassieren! Wenn man wollte wäre genug Geld da! EU kürzen keine Abfangjäger ect.

yomellamo
02.07.2010 11:14
Die unterfinanzierung der Universitaeten ist teil des groesseren Masterplanes

Oesterreich in ein Billig-produktions-land fuer Leiberl und Schuhe von schlechter qualitaet umzuwandeln.

whei
03.07.2010 03:11

Und mit einem billigen Euro können wir die dann nach China exportieren...

Der Unbekannte
02.07.2010 10:57
In

diesem fall sollte die Regierung mit sofortiger Wirkung abdanken. Wenn diese lieber Firmen als die eigene Zukunft subventioniert, dann sofort abdanken. Und die Defi-Prölls auch. Bauchumfang sagt nichts über Wissen aus. Und er weiß nichts der Peppi. Anscheinend wird er gut "geschmiert".Abgang, das würde man auch in WM Zeiten sagen.

derales
02.07.2010 10:55
begrenzte ressourcen

die frage bei begrenzenten ressourcen ist eigentlich immer: wo werden die prioritäten gesetzt.

werden ressourcen in die zukunft investiert oder schmeisse ich das geld einfach auf irgendeinen anderen haufen.

die bundesregierung hat sich offensichtlich für zweiteres entschieden. mindestsicherung, hacklerregelung, ein krankes krankensystem, das keiner reformieren will. na dann muss eben bei den unis gespart werden. die auswirkungen spürt kaum wer gleich, also ist es auch für die kommenden wahlen irrelevant.

so weit zur veranwortungsvollen leitung unserer republik...

derales
02.07.2010 11:01
vergessen...

ach ja, die hypo alpe adria hatte ich auch noch vergessen. dort sind die milliarden sicher auch recht zukunftsträchtig angelegt.

p c2
02.07.2010 10:52
Österreichs Uni-Rektoren schlagen Alarm: Sollte es - wie vom Wissenschaftsministerium angekündigt - ab 2013 zu einer "Budget-Stagnation" kommen, werde dies zu einem "empfindlichen Rückschritt in der Qualität der Forschung und Lehre" an Österreichs Un

und ein möglicher rückschritt im eigenen geldbeutel.....

global_citizen
02.07.2010 10:38
Budget pro Student ist relevanter

die "Bauern"-Unis Vetmed und Boku verbrennen ein Vielfaches der technischen Universitäten (und zwar
seit mehr als einem Jahrzehnt). Die Auswirkungen
dieser einseitigen Förderung kann man in der massiven Deindustralisierung von Ostösterreich bestens beobachten. Der Vergleich mit der Schweiz
oder Bayern ist einfach erschütternd, nur Oberösterreich (Linz, Steyr) und der Raum Graz haben einigermaßen Schritt halten können.
Der Agrarsektor ist (wie auch bei anderen Interessensvertretungen) völlig überdimensioniert.
Lustig auch das selbst bei agrarischen Kernthemen wie Lebensmittelsicherheit vor allem die Schweiz
total überlegen ist.

Jetzt mit mehr Geschmack als Glutamat!
02.07.2010 11:07
ich finde stereotype ja auch so toll.

sie pfeife! fühlt sich doch gut an, oder? na also.
mit null argumentation und halbwissen muss es wohl auch gehn.

global_citizen
02.07.2010 11:15
http://tinyurl.com/2fbbww5

Seite 102 der Ausbildungsunterlagen für Ärzte
von der NADA zeigt exemplarisch wie mies
die Österreichische Lebensmittelkontrolle ist.
Die Marke Schweiz bringt bei Lebensmitteln
20% am Weltmarkt und zwar (fast) ausschließlich
wegen der Sicherheit. Ich empfehle
ihnen mal in der Schweiz die Frischwarenabteilungen vom COOP zu besuchen.

Oho
02.07.2010 10:53
Umwelt- und Bioressourcenmanagement ...

der Studiengang an der BOKU mit den meisten Hörern, ist natürlich auch ein "Bauernstudium", so wie dort erörterte Problemstellungen zu den Themen Umweltschutz, Energieversorgung, Klimawandel ... auch "Bauernfragen" sind für die es sicher auch gute Bauernregeln gibt, die man den Studierenden lehren kann. Ich fürchte, Sie wissen nicht wovon Sie reden bzw. haben Entwicklungen der letzten Jahrzehnte übersehen...

dieGRAS
02.07.2010 10:41

Aus Neugierde. Nur so herausgegriffen
"033 217 Bachelorstudium Lebensmittel- und Biotechnologie "
ist natürlich Hochtechnologie.

Und woher die Statistik dass die BOKU unverhältnismässig viel Geld braucht? UND=> Alle anderen Unis haben im Grunde die gleichen Probleme. Sich gegenseitig ausspielen lassen ist keine gute idee

global_citizen
02.07.2010 11:07
es geht überhaupt nicht um Gegeneinander

sondern um die ehrliche Darstellung des Ist-Zustandes.
Die Ausbildung der Studenten hat nun mal erste
Priorität, daher sollte man immer alle Zahlen auf
Studenten runterbrechen.

a o e
02.07.2010 15:22
ehrliche Darstellung

Sie unterstellen hier also der BOKU einen mangel an ehrlicher Darstellung?!
lassen Sie den unsinn.

FS87
02.07.2010 10:36
nur weils mich interessiert,

Studierende aus technischen Studiengängen grün und alle anderen rot

whei
03.07.2010 03:13

Ich kann leider nicht rot und grün abstimmen :-(

Martin295
02.07.2010 10:29

Gerade in dem Bereich, in dem wir noch gegen Länder mit Niedriglohnarbeitern punkten können, nämlich Bildung, wird gespart...

Bravo!

t_e_l_e
02.07.2010 10:26
was sollen diese kurzfristigen vergleiche?

die letzten 2 jahr hernehmen und dann von budgeterhoehung berichten???

eine inflationsbereinigte uebersicht der uni-budgets seit 1995 waer mal gefragt, um aufzuzeigen was wirklich los ist, und wie das aushungern der unis voranschreitet, gepaart mit den steigendenden studierenden zahlen und den meilensteinen der hungerpolitik:
1996 erstes gehrer sparpaket
von da an sukzessives verkleinern der ausserordentlichen budgets
2001/2002 autonomie der unis, einher mit dem neuen bediensteten gesetz im mittelbau und der einfuehrung der studien gebuehren, die ach so toll versprochene universitaetsmilliarde, was quasi nur die rueckfuehrung der halben studien gebuehren an die unis war, und keine zusaetzlichen mittel....
das haette aussagekraft

SiSe
02.07.2010 12:53

Die durch die Autonomie fälligen Mieten dürfen auch nicht vergessen werden. Diese verzehren nahezu die gesamten Budgetsteigerungen der letzten Jahre.

mineraloge
02.07.2010 10:26
Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber...

Wenn es wirklich stimmt, dass die meisten Rektoren der ÖVP nahe stehen, d.h. der Partei, die für die Kürzungen im Uniwesen verantwortlich sind, dann muss man das einfach so sagen wie ich in der Überschrift!

Der Vater Staat
02.07.2010 10:13
Wie kurzsichtig ...

Wie kurzsichtig sind jene, die an der Bildung sparen? Wie wird die Zukunft einer Gesellschaft aussehen, die bei Wissenschaft und Forschung kürzt? Wer hat Interesse an Dummheit und Ignoranz?

dieGRAS
02.07.2010 10:09

Barrikaden? Die ÖHen und die Unibrennt Bewegung setzen Taten. Solange RektorInnen nur reden und nicht auch Taten setzen, siehts düser aus...

rudolf schladming
02.07.2010 10:04

6,5 mrd. für das gesamte universitäre system erscheint mir nicht wahnsinnig viel in einem der reichsten länder der welt.

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