Lebenslang für Ex-Diktator Videla

22. Dezember 2010, 22:53

85-Jähriger und Ex-Militärs wegen Folterung und Ermordung politischer Gefangener verurteilt

Buenos Aires - Der frühere argentinische Diktator Jorge Rafael Videla und seinen Mitangeklagten Luciano Menendez und  Vicente Meli sind ist wegen Folterung und Ermordung von 31 politischen Gefangenen kurz nach seinem Putsch im Jahr 1976 von einem Gericht in Buenos Aires am Mittwoch zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Die Häftlinge waren nach nach offizieller Darstellung "auf der Flucht erschossen" worden.

Vor 25 Jahren war Videla bereits wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt worden, doch mittlerweile hatten sich weitere Klagen angehäuft. 2008 hatte es der Oberste Gerichtshof Argentiniens abgelehnt, Videla nach Deutschland auszuliefern, damit ihm dort der Prozess wegen des Todes einer deutschen Studentin gemacht werden kann, die 1977 in Argentinien verschleppt, gefoltert und getötet wurde.

1990 begnadigt

Videlas Militärjunta soll bis zu 30.000 politische Gegner umgebracht haben. Fünf Jahre nach seiner Verurteilung wegen Folter, Mord und anderer Verbrechen im Jahr 1985 begnadigte ihn der damalige Präsident Carlos Menem. Nach Videlas Darstellung war der Putsch damals notwendig, um Argentinien vor einem marxistischen Umsturz zu bewahren. Er beklagte sich, dass sein Land nun von "Terroristen" regiert werde.

Ein argentinisches Gericht ordnete 1998 seine Verhaftung an, weil unter seiner Herrschaft die Kinder politischer Gefangener zur Adoption freigegeben worden waren. Wegen des Alters des heute 84-jährigen wurde die Strafe in Hausarrest umgewandelt.

Bis zu 30.000 Opfer

Videla hatte 1976 einen Putsch mitangeführt und stand bis 1981 an der Spitze der Militärjunta. Während seiner Herrschaft wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen 30.000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos. Die 32 politischen Gefangenen, für deren Tod sich Videla mit 24 weiteren Angeklagten vor einem Gericht in Cordoba verantworten musste, wurden in den Monaten nach dem Putsch umgebracht.

Unter den Opfern war auch der deutsche Student Rolf Stawowiok. Der damals 20-Jährige war 1978 verschwunden, seine später identifizierte Leiche wies Spuren einer Exekution auf. Stawowiok war nach Einschätzung seiner Angehörigen vermutlich fälschlicherweise für ein Mitglied der Montoneros gehalten worden, der linksextremen Stadtguerilla in Buenos Aires. (red/APA/dapd)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
Gottes_Zorn
00
25.12.2010, 06:11
Warum Folterliebhaber am eigenen Körper Folter nicht mögen?

Weil es weh tut!

Werner Faygmann
00
23.12.2010, 13:23
Sie haben ja alle so brav gegen...

...die kommunistische Gefahr gekämpft... sowas auch noch!

Robert Fien
214
23.12.2010, 01:55
In Honduras geschieht gerade dasselbe und in 20 Jahren werden wir dann alle furchtbar entsetzt sein...

Dr.Winter - Institut für angewandte Psychatrie
01
24.12.2010, 01:27
Und auch die Männer im Hintergrund

sind aus den gleichen Organisationen und dem gleichen Land wie damals.

grassl
05
23.12.2010, 13:06
in honduras passiert schon seit langer zeit das gleiche mit hilfe der cia

allein in den 80er jahren wurden in mittelamerika ca. 150.000 menschen - meist bauern - ermordet. meist von rechten contras und der cia, die den ermordeten dann uniformen der aufständischen angezogen haben.

byron sully
18
23.12.2010, 01:53
na endlich

wird an einem verbrecherischen diktator gerechte justiz geübt. bei pol pot, idi amin, pinochet & co. ist es sich leider nicht ausgegangen. möge diese verurteilung ein vorbild für die zukunft sein! einige diktatoren, die es sich verdient hätten, ähnliche urteile zu bekommen, leben ja noch. möge es auch sie hoffentlich noch erwischen, bevor sie wegsterben!

tirol1809 | einheit u. unabhängigkeit für tirol
154
23.12.2010, 08:27
Hoffentlich passiert das auch mit der Castrobande

byron sully
71
23.12.2010, 16:25

solange es sich dabei um kein us-geführtes oder us-abhängiges gericht handeln würde, wäre auch das natürlich durchaus erstrebenswert, ja.

Frühlingsrolle
00
23.6.2011, 09:02

ich würde hier nicht behaupten, dass die Gerichte Argentiniens US-abhängig sind: Cristina (und ihre Regierung) ist ja bekanntlich sehr weit links und zeigt den USA die Stirn bzw. lässt sich von denen kaum was diktieren.

lagrangian
20
28.12.2010, 13:24

spanien würde sich wieder anbieten, aber warum nicht die usa? lebenslange haft haben sie sich sicher verdient und - je nach rechtssystem - auch tod.

byron sully
31
28.12.2010, 14:28

den usa würde ich in bezug auf kuba kein objektives verfahren zutrauen (abgesehen davon hat meiner meinung nach ohnehin außer kuba kein land das recht, denen den prozeß zu machen - bis auf den internationalen gerichtshof). und die todesstrafe lehne ich sowieso grundsätzlich ab.

lagrangian
20
28.12.2010, 14:41

;-) das dachte ich mir, deswegen mein hinweis darauf, dass sich die castros ohnehin die höchststrafe verdient haben.

byron sully
31
28.12.2010, 14:56

wenn man davon ausgeht, daß sich ALLE diktatoren dieser welt (unabhängig von der härte der diktatur) die höchststrafe verdient haben, dann ja. müßte aber natürlich auch z.b. für lukaschenko gelten (oder hätte auch für kurt schuschnigg gelten müssen, der ja noch bis in die 1970er jahre gelebt hat).

grassl
11
23.12.2010, 13:08
also, was haben Sie gegen castro?

ist es doch eine tatsache, dass der großteil der bevölkerung sehr wohl mit castro zufrieden ist. so sehen das ja auch die amerikanischen diplomaten und geheimdienstler. das können Sie übrigens in der zeit, im spiegel und teils auch im standard recherchieren, mein guter.

Meerwelle
00
11.6.2011, 19:43

Darum werden die ja auch regelmäßig bei freien Wahlen mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. so wie übrigens damals auch die Regierungen des ehemaligen Ostblocks :)

Schlom Wurzel
14
23.12.2010, 10:45

Wenn man die Opferzahlen der beide Regime sowie das Vorgehen gegen die Gefangenen vergleicht, muss man, ohne Fidel und den Rest des Regimes gänzlich entlasten zu können, schon von einem qualitativen Unterschied zwischen beiden Dikaturen sprechen.
Überdies strebte die kubanische Dikatur ein Verbesserung der Lebensumstände für das Gros der Menschen an, und ohne die Taten des Regimes zu glorifizieren, den Menschen ging und geht es dort besser als in den meisten anderen lateinamerikanischen Staaten (wenn man von der Elite dieser Staaten absieht). Die argentinische Dikatur wurde hingegen errichtet, um den Status Quo der Elite abzusichern.

Horst Holzinger
17
23.12.2010, 00:13
Es ist wichtig, genau wie bei den alten Nazis,

dass die alle vor Gericht kommen, ganz egal, wie alt sie sind - und sollten sie auf der Trage ins Gericht getragen werden.

Sie sollen wissen, dass sie eines Tages zur Rechenschaft gezogen werden.

Das gilt allerdings auch für Kissinger, Bush und Blair und wie sie auch alle heissen.

Lagom
11
23.12.2010, 00:48
ich wuenschte

sie haetten recht. Das urteil in Argentinien ist nur zustande gekommne, weil N Kirchner die amnestie aufgehoben hatte und allen erachtens werden diese verbrecher bald sterben - aus altersgruenden. Ja, Bush, Blair, Howard, viele in den jugoslawine konflikt verwickelte verbrecher laufen frei herum und sollten sehr wohl, neben Kissinger und der verbrechergarde in Washington, vor gericht gestellt werden und in vielen faellen zum tod verurteilt werden. Es wird aber nicht geschehen - leider.

GPWS GPWS
61
22.12.2010, 23:31
Laecherlich, Lebenslang

Lebenslang? Wie lange noch 1 Jahr, oder vielleicht 2 Jahre ....? Die Bloedheit der Justiz kennt keine Grenzen...In Anbretracht seiner Lebenserwartung klingt lebenslang schon etwas skuril.

Frühlingsrolle
00
23.6.2011, 09:06

zu deiner beruhigung: es ist nicht nur 1 jahr: er war ja schon mal verurteilt und hat auch schon einige jahre abgesessen. dann wurde er leider durch eine amnestie begnadigt, aber eben jetzt wieder verurteilt. also insgesamt sitzt er sicher viel länger als nur 1 jahr.

Und skurril ist da nichts: solche diktatoren sollen (als vorbild für die menschheit) als verurteilte sterben!

vheissu
01
23.12.2010, 13:57

Es ist symbolisch von großer Bedeutung, ob man einen ehemaligen Diktator begnadigt oder verurteilt!

great zampano
03
23.12.2010, 08:05

"lebenslang" heißt bis zum tod. und "skurril" schreibt man mit 2 "r"

andreas wrabalah
15
war eine Marionette der USA

Frühlingsrolle
00
23.6.2011, 09:08

falsch (Ihre behauptung stimmt vielleicht für Chile, aber nicht für Argentinien): die diktatur Argentiniens wurde rein von deren militärs errichtet (und die USA haben sie einfach schweigend geduldet, weil sie ihnen lieber war als ein umsturz nach links). Aber "Marionette" war der Videla keine: er hat schon für sich selbst gehandelt.

byron sully
54
23.12.2010, 01:57
seh ich nicht so,

diese verbrechersich-massenmörderische diktatur wurde zwar von den usa unterstützt, aber sie wurde nicht von den usa miteingerichtet (im unterschied zu chile). da ging die idee zur errichtung dieser diktatur wohl klar von den argentinischen faschisten und nicht von den usa aus.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.