85-Jähriger und Ex-Militärs wegen Folterung und Ermordung politischer Gefangener verurteilt
Buenos Aires - Der frühere argentinische Diktator Jorge Rafael
Videla und seinen Mitangeklagten Luciano Menendez und Vicente Meli sind ist wegen Folterung und Ermordung von 31 politischen Gefangenen kurz
nach seinem Putsch im Jahr 1976 von einem Gericht in Buenos Aires am Mittwoch zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Die Häftlinge waren nach
nach offizieller Darstellung "auf der Flucht erschossen" worden.
Vor 25 Jahren war Videla bereits wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu
lebenslanger Haft verurteilt worden, doch mittlerweile hatten sich weitere
Klagen angehäuft. 2008 hatte es der Oberste Gerichtshof Argentiniens abgelehnt,
Videla nach Deutschland auszuliefern, damit ihm dort der Prozess wegen des Todes
einer deutschen Studentin gemacht werden kann, die 1977 in Argentinien
verschleppt, gefoltert und getötet wurde.
1990 begnadigt
Videlas Militärjunta soll bis zu 30.000 politische Gegner umgebracht haben.
Fünf Jahre nach seiner Verurteilung wegen Folter, Mord und anderer Verbrechen im
Jahr 1985 begnadigte ihn der damalige Präsident Carlos Menem. Nach Videlas Darstellung war der Putsch damals notwendig, um Argentinien vor
einem marxistischen Umsturz zu bewahren. Er beklagte sich, dass sein Land nun
von "Terroristen" regiert werde.
Ein argentinisches Gericht ordnete 1998 seine Verhaftung an, weil unter seiner
Herrschaft die Kinder politischer Gefangener zur Adoption freigegeben worden
waren. Wegen des Alters des heute 84-jährigen wurde die Strafe in Hausarrest
umgewandelt.
Bis zu 30.000 Opfer
Videla hatte 1976 einen Putsch mitangeführt und stand bis 1981 an der Spitze
der Militärjunta. Während seiner Herrschaft wurden nach Angaben von
Menschenrechtsorganisationen 30.000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos.
Die 32 politischen Gefangenen, für deren Tod sich Videla mit 24 weiteren
Angeklagten vor einem Gericht in Cordoba verantworten musste, wurden in den
Monaten nach dem Putsch umgebracht.
Unter den Opfern war auch der deutsche Student Rolf Stawowiok. Der damals
20-Jährige war 1978 verschwunden, seine später identifizierte Leiche wies Spuren
einer Exekution auf. Stawowiok war nach Einschätzung seiner Angehörigen
vermutlich fälschlicherweise für ein Mitglied der Montoneros gehalten worden,
der linksextremen Stadtguerilla in Buenos Aires. (red/APA/dapd)