Das Aufwärmen vor dem Samstag-Schlager hat begonnen. Diego Maradona kontert dem deutschen Mittelfeld-Chef, der Argentinien Respektlosigkeit vorwarf
Pretoria - Die Brisanz ist groß, die Rivalität zwischen Argentinien und Deutschland nicht erst seit der Schlägerei von 2006 ebenso - doch Bastian Schweinsteiger hat das erneute Viertelfinal-Duell noch zusätzlich angeheizt. "Sie versuchen immer zu provozieren, im Spiel und schon davor. So wie sie gestikulieren. Das gehört sich nicht und das ist respektlos. Aber die Argentinier sind eben so, das ist ihre Mentalität und ihr Charakter", stänkerte er vor dem Klassiker am Samstag (16.00 Uhr) in Kapstadt.
Diego Maradona brauchte denn auch nicht lange für seinen Konter. "Bist du nervös Schweinsteiger? Wir haben keine Zeit, um
uns über dich Gedanken zu machen. Meine Jungs wollen einfach auf
das Feld gehen und Revanche für 2006 nehmen. Mir ist es egal, was
du über Tritte sagst. Egal, ob Du behauptest, dass wir schlechte
Verlierer seien", meinte der Trainer der Albiceleste am Donnerstag.
Albiceleste "voll auf Angriff"
"Jedes Spiel Spiel hat seine eigene Geschichte,
die Partie am
Samstag wird eine andere als 2006 haben. Wir werden voll auf
Angriff spielen. Das ist es, was die Deutschen nervös macht", sagte
der 49-Jährige und wird weiter an seinem offensiven
4-3-3-System festhalten: "Bei unseren Spielern wäre es eine Sünde,
daran etwas zu ändern."
Auch die zuletzt in der heimischen
Presse arg kritisierten
Martin Demichelis und Angel Di Maria stehen am Samstag wohl weiter
in der Startformation des zweimaligen Weltmeisters. "Wer sagt, dass
Demichelis schlecht ist? Der muss wohl blind sein. Martin ist unser
Abwehrchef", sprang Maradona über den Innenverteidiger. Auch auf seinen Partner ließ Maradona
nichts kommen: "Mit ihm bin ich sehr geduldig. Er macht genau das,
was ich von ihm erwarte. Angel kann jeden Moment explodieren. Das
liegt schon in der Luft."
Schweinsteiger hatte auch die handfeste Rauferei nach dem 4:2 im Elfmeterschießen beim Turnier vor vier Jahren aufgewärmt,
nach der Torsten Frings für das Halbfinale gesperrt wurde. Sie stecke "immer noch fest in den Köpfen." Sieben Deutsche sind mit einer Gelben Karte vorbelastet und wären bei einer weiteren Verwarnung in einem möglichen Halbfinale gesperrt. Er hoffe deshalb, so Schweinsteiger weiter, "dass der Schiedsrichter ein gutes Auge hat und ein Gefühl entwickelt, wer wen provoziert."
Löw kalmiert
Der Schaden ist also angerichtet, da hilft es wohl auch nichts, dass Bundestrainer Joachim Löw um Zurückhaltung bemüht war und das argentinische Team über den grünen Klee lobte. "Das ist für mich einer der ganz großen WM-Favoriten, wenn nicht sogar der Favorit. Die haben enorm viele Stärken, sie haben eine starke Defensive und eine überragende Offensive", erklärte Löw.
Auch über Maradona als Trainer habe er "nur Gutes gehört. Die Mannschaft spielt mit Überzeugung und Stolz, und sie erfüllt ihren Aufgaben", führte Löw weiter aus. Dennoch habe er nach eingehenden Studien mit seinem Trainerteam auch Verwundbarkeit festgestellt. Einzelheiten behielt Löw, der möglicherweise weiter auf den angeschlagenen Stürmer Cacau verzichten muss, wohlweislich für sich. (sid/rob)