Hälfte der Eltern sieht Verbesserungsbedarf bei Neuer Mittelschule

01. Juli 2010 12:57

Unterrichtsministerin fühlt sich durch Umfrage bestätigt - über 90 Prozent der SchülerInnen fühlen sich wohl

Wien  - 46 Prozent der Eltern, deren Kinder derzeit eine 1. oder 2. Klasse der Neuen Mittelschule (NMS) besuchen, sehen Bedarf für Verbesserungen dieser neuen Schulform. Das zeigt eine Befragung von Ifes (500 Befragte im Juni 2010), die Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum Ende des Schuljahrs vorgestellt hat. Die Wünsche der Eltern sind dabei laut Studie breit gestreut, am häufigsten wird mehr Förderung für schwache sowie Förderprogramme für gute Schüler gefordert.

Nachhilfe ist in der NMS nicht obsolet geworden: Mit zwölf Prozent der Kinder, die zumindest einmal punktuell Nachhilfe benötigt haben, ist der Anteil allerdings laut Studie deutlich geringer als in den anderen Schulformen mit 21 Prozent. Schmied sieht diese Ergebnisse als Bestätigung, "dass wir weiterarbeiten müssen an der Individualisierung des Unterrichts". Die NMS sei allerdings auf einem guten Weg, immerhin hätten 80 Prozent der Eltern einen "sehr guten Eindruck" von dieser Schulform, 91 Prozent der Schüler besuchen sie gerne. Über 80 Prozent der Eltern loben zudem das gute Schulklima, das Gesprächsklima mit den Lehrern und das Engagement der Lehrer.

"Pionierland Vorarlberg"

Schmied will daher schon in den nächsten Wochen Gespräche mit dem Koalitionspartner darüber führen komplett auf die neue Schulform umzustellen. Vorbild dabei ist das "Pionierland Vorarlberg". Hier nehmen bereits 90 Prozent der Schulen für die Zehn- bis 14-Jährigen am Schulversuch NMS teil - allerdings keine der zwölf AHS. Erste positive Signale "habe ich bereits", zeigte sich Schmied optimistisch. Österreichweit werde bereits jede sechste Schule für die Zehn- bis 14-Jährigen als NMS geführt, es handle sich also schon lange nicht mehr um punktuelle Schulversuche, sondern "das hat schon Bildungsbewegungsausmaß". Mit dem Schuljahr 2010/11 wird es 320 NMS mit rund 35.000 Schülern geben, im zu Ende gehenden Schuljahr waren es noch 244 Standorte mit rund 20.000 Schülern.

Landesschulrat Stemer will Kernfragen mit Schmied besprechen
Vorarlbergs Schullandesrat Siegi Stemer steht einem Gespräch mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied über eine Ausweitung der NMS auf ganz Vorarlberg offen gegenüber. Er werde mit Schmied einige Kernfragen zu besprechen haben, "dann sehen wir, wie die Perspektive ist", so der Landesrat gegenüber der APA.

Stemer betonte, dass Vorarlberg bereits jetzt Modellregion sei. Das beinhalte die Verschränkung zwischen Mittelschulen und Gymnasien ebenso wie Teamteaching oder die maßgeschneiderte Ausbildung der Pädagogen, unterstrich der Landesrat. "Wenn uns die Ministerin die Möglichkeit gibt, den Charakter der Modellregion noch zu verstärken, dann wird der Fokus auf der Frage liegen, wie wir jedes einzelne Kind in seiner Entwicklung bestmöglich unterstützen können", so Stemer.

Halbzeit des Schulversuchs

Zum jetzigen Zeitpunkt könne man auf die ihm laufend gestellte Frage, ob der Schulversuch zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen führe, keine seriöse Antwort geben, sagte Stemer. Zum einen sei man erst in der Halbzeit des auf vier Jahre angelegten Schulversuchs angelangt, zum anderen aber gelte es Kernfragen zu klären. Um etwa die unterschiedlichen Potenziale der Schüler abrufen zu können, brauche man Ressourcen und die entsprechende Anzahl qualifizierter Lehrpersonen. Umgekehrt sei Geld derzeit knapp und auch ein deutlicher Lehrermangel absehbar, sofern nicht gegengesteuert wird.

Stemer zeigte sich überzeugt, dass mit einem besser gestalteten Übergang von der Volks- in eine weiterführende Schule "viele von den jetzt vorherrschenden Problemen gelöst wären". In seinen Augen müsste dafür die reine Ziffernnote von einem über mehrere Jahre hinweg angelegten "Portfolio" abgelöst werden, aus dem Stärken und Schwächen der Kinder ersichtlich werden. Seine volle Unterstützung sagte Stemer der Unterrichtsministerin in Sachen Umgestaltung des Dienstrechts und Gehaltssystems zu.

 

AHS-Gewerkschaft und FPÖ kritisieren NMS

Die Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, Eva Scholik, bezeichnete die Aussagen Schmieds zur NMS in einer Aussendung als "Jubelpropaganda". Studien in Deutschland hätten gezeigt, dass Bayern, das ein differenziertes Schulsystem hat, besser abschneidet als Bundesländer mit einem Gesamtschulmodell. Zudem würden sich viele Lehrerinnen und Lehrer bei ihre über die Sinnhaftigkeit der zusätzlichen Ressourcen für die NMS beschweren. FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz bezeichnete die Umfrag in einer Aussendung als "tendenziös". Erfahrungsbericht von Lehrern an Neuen Mittelschulen hätten gezeigt, dass begabte Schüler unter- , und schwache Schüler überfordert seien. (APA/red)

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Faultierchen
07.07.2010 13:31
"Erfahrungsbericht von Lehrern an Neuen Mittelschulen hätten gezeigt, dass begabte Schüler unter- , und schwache Schüler überfordert seien. "

dieser satz trifft auf alle schulformen zu!

GoodieGoodie
09.07.2010 09:56

Dieser Satz trift nur dann zu, wenn man alle Kinder in eine Schulform stopft.
Mit unterschiedlichen Schulformen kann man Über- und Unterforderungen vermeiden. Dann ist jedes Kind in der Schule, die es begabungsmäßig bewältigt.

ride my pimp
06.07.2010 07:09
österr. hs ist nicht gleich deutsche hs!

da schneidet die nms ja schon jetzt trotz aller der unseriösen marktschreierei schlechter ab als die trotz aller polemik doch nicht so schlechte hauptschule!

die österr. hauptschule ist halt doch keine deutsche haupt- und restschule, wie uns die sog. experten, die ihre studienergebnisse unseriöserweise von der deutschen auf die österr. hs übertragen, immer wieder gebetsmühlenartig suggerieren wollen!

Doktor Leid
02.07.2010 13:29
... und daraus schließt schmied messerscharf


dass nicht sein kann was nicht sein darf ...

AlBundyFan
 
02.07.2010 09:51
super ja - da wird gefeiert

und dabei: "Die Wünsche der Eltern sind dabei laut Studie breit gestreut, am häufigsten wird mehr Förderung für schwache sowie Förderprogramme für gute Schüler gefordert."

einer der zentralpunkte warum es die neue mittelschule überhaupt gibt, wird also nicht ausreichend erfüllt.
das sagt mir, daß der versuch gewaltig danebenläuft,wenn eben genau das nicht passiert,weshalb man die NMS überhaupt eingeführt wurde.

Carlo Soziale
02.07.2010 09:35
In der Nähe der Hauptschule, in der ich nach der 3. Klasse ausgeschult wurde,

gab es ein Gymnasium. Mein Schulweg führte dadurch an diesem alten Gebäude vorbei und ich nutzte dies, um die Muttersöhnchen zu quälen, ihnen das Taschengeld abzunehmen und ihnen Angst einzuflößen. Den feinen Mädchen drohte ich Gewalt der anderen Art an.
Um meinen Nachfolgern solche Umwege für diese Tätigkeiten zu ersparen, bin ich für die Gesamtschule. Idealerweise ganztags, damit sich die Streber von Typen wie mir, nicht erholen können.

Sir Robert von Locksley
02.07.2010 10:35
Das >>copy&paste<<-Gschichtl kenn ma schon auswendig.

Penelope Ody
01.07.2010 21:58
Wir Eltern dürfen uns nicht vera... lassen

Die Ministerin hat in einem Interview selbst gesagt, dass die neue Mittelschule, wenn sie flächendecken eingeführt würde, mit dem gleichen Personalstand auskommen wird müssen, den es jetzt gibt. Diese derzeitige überdurchschnittliche Ressourcenverteilung an den Schulversuch dient nur der Blendung der Eltern!

Loxoceles
03.07.2010 20:27

Und: Trotz dieser überdurchschnittlichen Ausstattung der NMS-Versuche ist das Modell gescheitert. Ergo: Flächendeckend ist die NMS völliger Unsinn.

Phillip Decker
01.07.2010 21:38
Etwas mehr Resourcen...

für die NMS wären nötig! Nicht 2 oder 3 Lehrer ipro Klasse , sondern 4 oder 5 wären ideal! Im Gegnzug könnte man ja die Klassenschülerhöchstzahl in der AHS-Unterstufe auf 40 oder 45 anheben- und dann über die mangelnde individuelle Betreuung in dieser Schulform jammern !Würde man die NMS unter den jetzigen Voraussetungen flächendeckend einführen, müßte das Unterrichtsbudget verdoppelt werden. Bei unserem Budgetüberschuss ja kein Problem....

thepike
 
02.07.2010 11:52
Klassenschülerhöchstzahl der AHS anheben

Blendende Idee! Ihr Idol Gehrer hat ja vorgezeigt, wie mans macht, und die Lehrer haben damals auch nichts dabei gefunden...

Ich gebs zu
03.07.2010 15:25
Gehrer hat niemals Klassenschülerhöchstzahlen anheben lassen.

Das Streichen von Gruppenteilungen war eine Erfindung der Länder, der einzelnen AHS (die ihre Großzügigkeit lieber in der Oberstufe ausleben, wo man sich ein WAPFL für 5 Schüler/innen leisten kann) und wurde unter Schmied zusätzlich verschärft, weil die Mittel in allen Schulformen außer der NMS stetig gekürzt wurden.

Man muss einer Unterrichtsministerin nicht nachweinen (Meiner Erinnerung nach gab es auch noch nie einen Grund dafür.), doch sollte die derzeitige Ressortchefin schon für ihre eigene Politik verantwortlich gemacht werden.

LL MM
01.07.2010 19:47

Wie ist denn die Befragung abgelaufen? Hat das Ministerium Daten von Eltern an das Ifes-Institut weitergegeben und jene Eltern wurden dann angerufen?

Oder hat man anonyme Zettel verteilt?

Oder wurden die Eltern "ausgesucht"?

zwergleviathan
01.07.2010 19:18
ob die Kinder der Reichen und Mächtigen

in diesem Lande so eine "Mittelschule" jemals von innen gesehen haben?

Martin Wöber
01.07.2010 18:38
hm ...


Man wird doch nicht für den Schulversuch 69 Millionen Euro zusätzlich ausgeben und eine Propagandawelle starten, bei der ein Honecker vor Neid erblasst wäre, nur um nachher festzustellen: "Man hätte mit demselben Geld im bestehenden Schulwesen wesentlich mehr bewirken können."

Herzogin
01.07.2010 18:28
Hoch lebe ukm schmied !!!

Aber wenn 90 % der schüler sich wohlfühlen dann braucht man doch nicht meckern und ich hätte dieses schulmodell sehr gerne gehabt !!!

Chien de Pique
02.07.2010 11:57

Ich kann Ihnen, für das halbe Geld, eine Schule hinstellen, wo sich fast 100% der Schüler_Innen wohlfühlen, das ist keine Kunst. Nur werden die bei mir auch keine ihren Begabungen angemessene und sie für die Arbeitswelt odet das Studium vorbereitende Ausbildung erhalten, beim Filmschauen und Pornosurfen.

Annemarie Veit
01.07.2010 18:07
die nms ist als gescheitert anzusehen.

hätten die "normalen" HSn und KMSn gleiche bedingungen in finanzieller und personeller ausstattung, gäbe es vllt sogar besserer ergebnisse.

aber was soll anderes rauskommen, wenn das ergebnis eines roten instituts als basis der meinung der ministerin dient...

magkeinelinken
01.07.2010 17:48
NMS wieder mal der österr. Weg

War ja nicht anders von Rot u. Schwarz zu erwarten. Weder ordentliche Förderung von Begabten, gar nicht zu reden von besonders Begabten, noch verstärkte Hilfe bei weniger Begabten.
Anstatt auf der einen Seite Eliten heranzubilden, und bei Schwächeren deren Talente zu finden und verstärkt zu fördern, wird sich im Mittelmaß gesuhlt und dieses, von der Politik, als großen Wurf gefeiert.

Nebenbei: Ich wette das in der nächsten Zeit die Fächer Ökonomie, Ökologie u. Ökönomische Ökologie (oder umgekehrt ;-) ) nicht auf den Stundenplan kommen, obwohll diese genauso wichtig wären wie andere Hauptfächer.

zwergleviathan
01.07.2010 19:22
Eliten

brauchen sie nicht in Schulversuchen zu bilden

die bilden sich selbst in entsprechenden Privatschulen und Sandkisten

das lässt eigentlich nur den schluss zu, daß sich die 2-Klassengesellschaft einfach deutlicher in der Bildung manifestiert

viel Geld sichert einem Kind eine brauchbare Ausbildung

und wers nicht hat darf halt im öffentliche Lotto mitspielen; amerikanische Zustände quasi

und weil die Nivellierung gleich inbegriffen ist, gibts auch die benötigten Hilfskräfte viel häufiger ^^

G. Lavant
01.07.2010 16:46
Es gibt nicht "die NMS"

sondern von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Modellpläne, die von den einzelnen Schulen noch völlig unterschiedlich ausgestaltet werden.
So gibt es Schulen mit Leistungsgruppen wie in, Schulen ohne ausgewiesene Leistungsgruppen, Schulen in denen Schularbeiten auf verschiedenen Niveaus geschrieben werden und bei denen die Differenzierung nicht ausgewiesen wird.
Schulen haben die verschiedensten Schwerpunkte und vor allem solche, die sich gut anhören.
Allen Modellplänen ist ein gewisscher pädagogischer Kitsch (siehe. R. Reichenbach) zu eigen, der gut klingt, aber nicht weiter hinterfragt und diskutiert werden soll.
Wie man da vom Erfolg "der NMS" sprechen kann, ist mir scheierhaft.

AlBundyFan
 
02.07.2010 09:55
Was????

es gibt wirklich schulen wo die schwachen schüler leichte mathe-schularbeiten bekommen und die guten schüler schwere und dann erkennt man das nichtmal im zeugnis?

und dann schaut sich einer die zeugnisse an und der einer hat einen 2 und der andere eine 4 obwohl der mit dem 4er alle schularbeiten mit 1 hätte wenn er auch so leichte hätte.

d.h.es werden die belohnt,die ganz knapp nicht in die nächste stufe kommen.

Kaulquappe
02.07.2010 13:14

Ganz so schlimm wird es nicht werden, denn man wird im Zeugnis schon erkennen, ob jemand in der schwierigeren oder leichteren Gruppe war. Aber die Anforderungen werden grundsätzlich weniger.

Ich gebs zu
03.07.2010 15:31
Mutmaßungen sind fein und vornehm, Tatsachen etwas wenige.

Da die NMS durch ein paar seltsame rechtliche Privilegien automatisch zur Oberstufenreife führt (mit wirklich sehr wenigen Ausnahmen), wird sich erst dort erweisen, wie sehr ihre Abgänger/innen den Anforderungen der Bildungsstandards entsprechen.

Deren Überprüfung hat ja keinen Einfluss auf die Benotung und die Aufstiegsberechtigung in ORG oder BMHS.

Da ich erst vorvorgestern das Vergnügen hatte, Aufnahmeprüfungen für Schüler aus der 3. LG zu halten, ahne ich, mit welchem Einstiegsniveau höhere Schulen in der Oberstufe künftig rechnen dürfen.

Nein, noch tiefer.

Viel tiefer.

youtroll
01.07.2010 16:43
So wie jede andere Schulform auch

wird die NMS an unfähigen Lehrern, unwilligen Schülern und unzufriedenen Eltern scheitern. Der einzige Ausweg ist eine Eliteschule mit der Möglichkeit auf den Pöbel hinunterzusehen - denn nur wenn alle Beteiligten sehen dass sie besser sind, wird der Selbstwert bestätigt.

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