Filmkunst, über den Daumen gepeilt

30. Juni 2010, 20:41
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Zurück zur "Handarbeit" mit dem dritten internationalen Daumenkino-Festival in Linz

Linz - Es ist der Daumen der Schlüssel zum visuellen Glück - vorausgesetzt man legt selbigen an einem Abblätterbuch an. Einmal "geflippt", und die Illusion einer vollständigen Bewegung garantiert im Gehirn den Film aus der Hosentasche. In Linz wird am Donnerstag "geflippt", bis der Daumen Blasen schlägt. Im Rahmen des dritten internationalen Daumenkino-Festivals "Flipt! 2010" werden im Stadtkeller Linz unweit des Hauptplatzes eingesandte "Kinos" prämiert. Per Publikumsvoting werden drei Preisträger ermittelt und mit dem "Linzer Daumen" ausgezeichnet.

Am Abend der Prämierung werden die Werke in Form von Visuals und Live-Musik neu aufbereitet. Die mit dem "Linzer Daumen" ausgezeichneten Beiträge und weitere Arbeiten sind von Montag bis 17. Juli in den Geschäften "Mr. B - Jeans & Fashion", "Kleider machen Leute" sowie "Genuine Sneakers & Streetwear" zu sehen.

"Es ist einfach eine Freude, in welch kurzem Moment mit einem Daumenkino Faszination erzeugt wird. In einer Sekunde erhält man wahnsinnig viel Geschichte", zeigt sich Christian Korherr als einer der Festival-Initiatoren vom mobilen Kleinkino begeistert. Erlaubt ist beim Festival alles, was gefällt. Mit einer Ausnahme: keine Elektrik. "Aber wir haben auch Daumenkinos unter den rund 70 Einsendungen, die mit einer Handkurbel betrieben werden. Inhaltlich ist von Action, Dokus bis hin zu Erotik alles möglich", erläutert Medienkünstler Reinhold Bidner im Gespräch mit dem Standard.

Für die beiden Festivalleiter bedeutet der Griff zum Daumenkino auch eine gewisse Flucht aus dem Alltag. Korherr: "Die Hektik des Alltags weckt die Sehnsucht nach Entschleunigung, nach einer gewissen Langsamkeit. Mit dem Daumenkino kann man die Geschwindigkeit selbst kontrollieren."

So frei man bei den Vorgaben für die eingereichten Projekte ist, so heikel ist man bei der Wahl der Ausstellungsräumlichkeiten.

"So ein Festival kann man nicht in klassischen Museumsräumlichkeiten veranstalten - viel zu steril. Da muss das Ambiente passen, und der alte Stadtkeller ist ideal dafür."

Feinmotorisch verlangt der Daumenfilm dem Benutzer scheinbar kaum etwas ab. Korherr: "Da braucht man keine besondere Fingerfertigkeit - alles easy. Es muss eben einfach nur flippen. Und wennst ein Bier halten kannst, hast auch mit dem Daumenkino kein Problem." (Markus Rohrhofer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.7.2010)

  • In Linz heißt es ab sofort "Daumen hoch"
    foto: flipt! 2010

    In Linz heißt es ab sofort "Daumen hoch"

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