Die wichtigsten Empfehlungen des Hochschuldialogs

30. Juni 2010, 19:08
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Fünf Arbeitsgruppen erarbeiteteten während des Hochschuldialoges 92 Empfehlungen

  • GESELLSCHAFTLICHER AUFTRAG UND TERTIÄRER SEKTOR: Hier wurden keine Empfehlungen abgegeben, sondern nur das "gemeinsame Verständnis" der Teilnehmer festgehalten: Der Zugang zum tertiären Sektor muss gefördert und die soziale Durchlässigkeit erhöht werden. Hingewiesen wird, dass die Erhöhung der Zahl der Studienanfänger nicht ausreiche, sondern die Zahl der "erfolgreichen Studierenden" steigen müsse. "Grundsätzlich" sind der freie Zugang zu Wissen und zu Instrumenten der Wissensaneignung zu gewährleisten, von einem freien Zugang zu den Hochschulen ist nicht explizit die Rede.
  • KOORDINIERTE ENTWICKLUNG DES TERTIÄREN SEKTORS: Die Fachhochschulplätze sollen anteilsmäßig ausgebaut werden. Unis, Privatunis, Fachhochschulen (FH) und Pädagogische Hochschulen (PH) wollen ihre Profile schärfen. Gleichzeitig soll aber die Durchlässigkeit zwischen den Einrichtungen erhöht werden, dafür sollen künftig regelmäßige Treffen der "Führungskräfte" stattfinden. Durch "Brückenprofessuren" sollen außerdem künftig gemeinsame Lehrtätigkeiten an Uni und FH vereinfacht sowie die Kooperation von PH mit anderen Hochschulen ermöglicht werden.
  • BOLOGNA UND STUDIENARCHITEKTUR: Durch Schulungen und Empfehlungen soll die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen verbessert werden. Das Arbeitsforum spricht sich außerdem dafür aus, die Rahmenbedingungen für den Studienfortschritt (Anmeldesystem, Workload, Voraussetzungsketten, Platzangebot bei Lehrveranstaltungen, Wahlfächer etc.) zu überprüfen. Die Dialogteilnehmer fordern die Politik dazu auf, die Akzeptanz für Bachelor und Master zu verbessern. Um den Wechsel in einem Studium zwischen Hochschulen zu erleichtern, sollen die Kerninhalte stärker abgestimmt werden. Generell soll es höhere Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Hochschultypen sowie mehr berufsbegleitende oder mehrsprachige Angebote geben. Die Mobilität der Studenten aller Hochschultypen soll gesteigert und dafür die Möglichkeit höherer finanzieller Unterstützung geprüft werden. An den Unis soll die Lehre aufgewertet werden, um den Lehrenden Entwicklung- und Karriereperspektiven zu geben.
  • STUDIENWAHL UND HOCHSCHULZUGANG: Die Bundesregierung wird aufgefordert, "dringendst" einen politischen Konsens zur Frage des Hochschulzugangs und der Kapazitäten zu entwickeln. Im Forum selbst gibt es in dieser Frage "keine konsensualen Vorschläge". Um die Studienwahl zu verbessern, soll es "transparente und frühzeitige Kommunikation der Anforderungskriterien" geben und die Bildungs- und Berufsberatung für Schüler sowie das Informationsangebot für Eltern optimiert werden. Um Dropout zu verringern, werden einfachere und transparentere Anerkennung von Prüfungen bei Studienwechsel auch zwischen den verschiedenen Hochschultypen empfohlen. Die Vereinbarkeit von Studium und Beruf soll verbessert werden. Eine Verbesserung der finanziellen Situation könnte eine direkte Auszahlung der Familienbeihilfe an die Studenten bringen.
  • RESSOURCEN UND FINANZIERUNG VON LEHRE UND FORSCHUNG: Das Arbeitsforum 5 - exklusive der Grünen, die eigene Forderungen eingebracht haben - appelliert an die Bundesregierung, bis Ende 2010 einen verbindlichen Pfad für die Anhebung der Mittel für den tertiären Sektor bis spätestens 2020 auf zwei Prozent des BIP vorzulegen. Schon jetzt soll trotz Krise in bessere Betreuungsverhältnisse insbesondere an den Unis investiert werden. Das Thema Studiengebühren wird mangels Einigung zwischen den Teilnehmern nicht erwähnt. Diese treten allerdings geschlossen dafür ein, dass auch Privatuniversitäten künftig Zugang zu kompetitiver Forschungsförderung (etwa FWF-Mitteln) bekommen. An den Unis soll eine Studienplatzfinanzierung eingeführt werden, davor müssten allerdings "politische Prinzipien, Leitlinien und Ziele" formuliert werden. Zudem spricht man sich für einen weiteren Ausbau des Fachhochschulsektors um mindestens 300 Anfänger-Studienplätze pro Jahr spätestens ab 2012 aus. (APA)
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