Heftiger Stromschlag

30. Juni 2010, 18:45
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Wie ist es möglich, dass der Bund über eine Kapitalerhöhung 500 Millionen Euro in den Verbund pumpt?

Ganz so dramatisch kann die finanzielle Lage der Republik offenbar nicht sein. Wie wäre es sonst möglich, dass der Bund über eine Kapitalerhöhung 500 Millionen Euro in den Verbund pumpt? Oder gibt es ungenannte Gründe, die den Schritt erforderlich machen?

Die von den Ministern Josef Pröll und Reinhold Mitterlehner vorgebrachten Argumente sind jedenfalls wenig stichhaltig. Da war von Initiativen für Wasserkraftwerke und Stromleitungen die Rede und somit von Konjunkturstimulierung. Pröll verstieg sich sogar zu der Behauptung, höhere Körperschaftsteuer und Dividenden brächten mehr als die Kosten für die höhere Verschuldung. Allein, die Projektliste ist hinreichend bekannt, der Verbund plant einen Großteil davon seit Jahren. Und wenn die Investition des Bundes so hohe Renditen abwirft, warum überhäuft er nicht auch die um Kapitalstärkung ringende OMVoder andere staatliche Beteiligungen mit Geld?

Dass ausgerechnet der Verbund Staatsgeld einheimsen darf, ist verkehrt. Der Wettbewerb am Strommarkt ist bekanntlich alles andere als ruinös, von den Gewinnmargen können andere Branchen nur träumen. Dennoch hat der Konzern seine Verschuldung durch teure Zukäufe und Dividendenansprüche des Hauptaktionärs stark nach oben getrieben. Weitere drohende Rating-Verschlechterungen dürften der wahre Grund für den Zuschuss sein, der der Verbund-Aktie einen heftigen Stromschlag versetzte. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.7.2010)

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