Handwerk verspricht tausende neue Jobs

30. Juni 2010, 18:16
1 Posting

Konjunkturprogramme kamen im Gewerbe nicht an - privater Konsum stützte

Wien - Die Konjunkturprogramme der Regierung haben dem Gewerbe und Handwerk kaum durch die Krise geholfen. Die hunderte Millionen Euro für thermische Sanierung etwa kamen lediglich bei wenigen Branchen an, ist Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, überzeugt. Für das Baugewerbe seien die positiven Effekte daraus letztlich gering gewesen.

Die konjunkturellen Turbulenzen haben Österreichs Handwerker dennoch weniger hart getroffen als andere Wirtschaftszweige. Sie hielten die Zahl ihrer Beschäftigten auf 610.000 Mitarbeitern so gut wie stabil. Die deutlich bessere Eigenkapitalausstattung im Vergleich zu vor zehn Jahren ließ viele Betriebe die Monate der schwachen Aufträge durchtauchen. Die befürchtete Pleitewelle blieb aus.

Rückgrat zeigten vor allem jene, die nahe am Konsumenten arbeiten, von Bäckern und Frisören bis zu den Steinmetzen, Dachdeckern und Tischlern, zeigt eine Analyse der KMU Forschung. Angesichts magerer Zinsen steckten viele Private ihr Geld in handfeste Werte und versahen dabei manch Handwerker mit Aufträgen. Wer die öffentliche Hand und Industriekunden bedient, hatte es schwerer.

Euphorisch sei er nicht, aber es gehe bergauf, sagt Bornett. 75 Prozent der befragten Betriebe waren mit ihren Geschäften von April bis Juni zufrieden. Fürs dritte Quartal rechnet sich mehr als jeder fünfte höhere Umsätze aus. Fast ebenso viele wollen Personal aufstocken, das könnte 20.000 zusätzliche Arbeitsplätze bringen. Der Haken: Es lassen sich nach wie vor zu wenig begabte Jugendliche auf Lehrberufe ein. Köche gingen da mit gutem Beispiel voran, ist sich Josef Herk, neuer Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, sicher - sie seien in allen Gazetten vertreten, ihre Jobs anders als früher anerkannt und begehrt. "So müsste es auch in anderen Berufen sein."

Österreichs Gewerbe setzt rund 70 Milliarden Euro um. Um die Erträge ist schlecht bestellt, sagt Bornett, die Gewinnmargen näherten sich dem Nullpunkt an. Wer einen Überbrückungskredit brauche, erhalte ihn in der Regel auch. "Aber die Banken verlangen hemmungslos Besicherungen und Zinsen."

Einmal mehr fordern kleine Betriebe einen Handwerker-Bonus, der ihre Leistungen steuerlich absetzbar macht: In Deutschland ha-be sich das bestens bewährt. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.7.2010)

Share if you care.