Einserkastl RAU

Heldenplatz und anderswo

30. Juni 2010 18:16

Die Zivilgesellschaft beginnt sich zu wehren - gegen Politik, Kirche und Kultur

Die Zivilgesellschaft beginnt sich zu wehren - gegen eine Politik, die man mit "einfallsloses, aber in Kernbereichen bösartiges Verwalten" charakterisieren könnte. Gegen eine oberste Kirchenleitung, die bei der Sinngebung versagt und Verfallserscheinungen wegdekretieren will; gegen "Was-brauch-ma-des" in der Kultur.

In Linz findet Donnerstag ein Marsch gegen die Abdrehung des "Akustikons" statt. In Wien verweist die "Pfarrerinitiative" auf die rebellisch-depressive Stimmung unter den Priestern und unterstützt gleichzeitig Kardinal Schönborn in seiner "mutigen Kritik an Kardinal Sodano", der die Missbrauchskatastrophe wegweihräuchern wollte. Am Heldenplatz, am Donnerstag ab 18.30 Uhr, will eine Initiative von Künstlern und Intellektuellen eine "mindestens fünfstellige Anzahl" zusammenbringen, um gegen die "Kaltherzigkeit in der Fremdenpolitik" zu protestieren.

Zivilgesellschaftliche Protestgruppen sind immer Minderheiten. Aber sie formulieren oft ein breiter vorhandenes Unbehagen. "Es geht darum, zu kämpfen, zu verändern, das Leben selbst zu bestimmen", sagte der Überraschungskandidat für das Amt des deutschen Bundespräsidenten, Joachim Gauck - gerichtet an jene, die sich in wuterfüllter Resignation von der demokratischen Politik in ihrer jetzigen Erscheinungsform abwenden. Und der hat miterlebt und mitgestaltet, wie die Zivilgesellschaft plötzlich ein übermächtiges System stürzte. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2010)

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Sonnenfels
21.07.2010 10:36
>Zivilgesellschaftliche Protestgruppen sind immer Minderheiten. Aber sie formulieren oft ein breiter vorhandenes Unbehagen>>

Da Unbehagen wird in der Tat immer größer.
Wenn wir nicht bald die Wende in Richtung Rückgrat und Humanität aufbringen, dann wird uns die Bürgerüberwachungs- und Proporz-Mentalität der etablierten Staatsorgane zum Verhängnis werden.

Freilich tut Aufwachen und Zur-Kenntnis-Nehmen der Realität zunächst immer weh.
Solange jemand in (Fernseh-)Narkose liegt, spürt ein Operierter keine Schmerzen.

more more
04.07.2010 08:56

Ach, das ist also jetzt die Namensänderung.
Was man früher Verkäufer nannte, heißt jetzt Berater.
Was früher Kriegsministerium hieß, heißt jetzt Verteidigungsministerium.
Und wer eigentlich Querulant und Berufsdemonstrant ist, nennt sich jetzt zivilgesellschaftlicher Akteur.

chilli p.
02.07.2010 14:25
geh bitte -

die zivilgesellschaft hat sich schon seit langem gewehrt - stichworte kirchenvolksbegehren, donnerstagsdemos, lichtermeer etc.

vielleicht wird der protest ein wenig breiter - mainstram ist das aber noch lange nicht.

auch tageszeitungskolumnisten könnten doch eigentlich ein wenig historisches gedächtnis entwicklen.

Ausgeflippter Lodenfreak
01.07.2010 15:24

Was mich extrem stört ist, dass Proteste so selektiv dem Begriff Zivilgesellschaft zugeordnet werden. Wenn es für Arigona, und gegen das Abdrehen irgendeiner Kunstsache und gegen die konservative Kirche geht, ist das gut. Aber wo ist der Unterschied zu einer Demo gegen eine Moschee oder gegen Abtreibung? Steht da nicht auch die Zivilgesellschaft auf? Und warum ist es ein "wütender Mob" wenn Elsner ausgepfiffen wird und nicht eine Unmutsäußerung der Zivilgesellschaft gegen gierige Banker? Warum ist eine Kampagne der linken Medien für Arigona so viel besser als eine der Kronenzeitung? Beide Seiten richten sich die Tatsachen wie sie sie brauchen und sind polemisch.

Nik M
02.07.2010 12:19

Bei Arigona protestieren Oesterreicher gegen ihre eigene Regierung, die sie schlecht vertritt. Wie sich Fekter benimmt, ist eine Frechheit, und das kann mir als Staatsbuerger nicht wurscht sein, sie ist ja quasi meine Angestellte.

Bei der konservativen Kirche sinds progressive Katholiken, die ihren eigenen Verein so gestalten wollen, wie es fuer sie richtig waere (mir als Agnostiker z.B. ist die Kirche reichlich wurscht, solang sie nicht versucht, sich in mein Leben einzumischen).

In beiden Faellen versuchen Menschen, ihren eigenen "Verein" zu verbessern.

Auf der anderen Seite - Katholiken gegen Moslems, Abtreibungsgegner, Lynchmob gegen Einzelpersonen - das seh ich als unzulaessige Einmischung in die Angelegenheiten anderer.

Ausgeflippter Lodenfreak
02.07.2010 21:06

Sie machen es sich zu einfach und schieben allen die für Dinge kämpfen die ihnen nicht passen negative Beweggründe unter.
Abtreibungsgegner protestieren auch gegen die Fristenlösung und aus ihrer Sicht für das Recht auf Leben der Ungeborenen, da sie Abtreibung für Mord halten, da seh ich echt nicht warum die schlechter wären als Menschen die für die Zuwanderung von Arigona und gegen die Asylgesetze protestieren.
Gegner von Moscheen protestieren meist nicht aus religiösen Gründen sondern weil sie aus ihrer Sicht ihre Gemeinschaft schützen wollen.

witherabbitt
 
01.07.2010 19:13


Der Unterschied liegt im Wesentlichen: Die sogenannte »Zivilgesellschaft« setzt sich Ziele gegen die systematische Abvermenschung derjenigen, die, kaum dem Einfluß des Nationalsozialismus entkommen, sich die nächsten Ausseiter suchen, die gemobbt werden können. Die Erregung erscheint äußerlich freilich ähnlich.

Die einen setzen die besten Traditionen der selbst in sich gespaltenen Aufklärung fort, die anderen halten die Werte der bürgerlichen Aufklärung aus dem 17. und 18. Jhdt. für linke Ideologie.

ChesneyB
01.07.2010 13:28

"In Linz findet Donnerstag ein Marsch gegen die Abdrehung des "Akustikons" statt."

Schade, daß ich nicht dabei sein kann! War eine gute Sache. Völlig unverständlich, warum das abgedreht worden ist.

kajetan1
01.07.2010 11:21
das kann ja wohl

nicht wahr sein, dass rau den sturz des ddr-unrechtsregimes durch bürgerproteste mit der geplanten arigona-demo vergleicht. man sollte doch versuchen, die kirche im dorf zu lassen und den österreichischen rechtsstaat nicht auf eine stufe mit der ddr stellen. das ist nämlich eine billige verhöhnung der ddr-opfer, die durch ein krankes system um ihr leben betrogen wurden.

und zur angeblichen "kaltherzigkeit" im fremdenrecht: gefordert wird also offenbar eine diffuse "warmherzigkeit", die leider in gesetz und rechtsprechung nicht definiert ist und der willkür tür und tor öffnet. wenn man das will, soll man es auch sagen. dann ist der weg in die ddr ja gar nicht mehr so weit.

witherabbitt
 
01.07.2010 19:19


Die DDR mit „warmherziger Willkür« zu vergleichen ist erst recht eine Verhöhnung der Opfer der DDR.

libertine*
01.07.2010 15:26
Erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit?


…Artikel I des österreichischen Bundesverfassungsgesetzes: "Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus."

kajetan1
01.07.2010 16:30
und deshalb

soll das volk jetzt verwaltungsrechtliche entscheidungen treffen? so weit geht die direkte demokratie ja nicht mal in der schweiz. und würde wohl direkt in den wahnsinn führen.

und natürlich geht das recht vom volk aus, gemeint sind damit aber (verfassungs)gesetze. das ist in jeder demokratie so.

meines wissens werden gesetze in ö im parlament beschlossen und nicht auf der strasse. man bedenkt da nämlich zu selten, dass die schweigende mehrheit selten auf die strasse geht. unerträglich wirds nur dann, wenn minderheiten ihr anliegen für ein mehrheitsanliegen halten und sich entsprechend aufführen. was ja heute abend der fall sein wird. aber das wird die ö demokratie auch überleben.

+DieMeinung+
01.07.2010 10:13
UND GENAU DESWEGEN ...

... werden immer mehr Gesetze geschaffen, um der Zivilgesellschaft das Wasser abzudrehen.

Bestes Beispiel : Hainburg in den 80ern. Die "Rädelsführer" wären nach heutiger Rechtssprechung allesamt vorbestraft und im Häfn.

So schaut's aus ... schrittweise zur "Demokratur".

the comedian
 
01.07.2010 10:21
ochlokratur

Was für eine dreckige Stadt!
01.07.2010 11:19

schloch?

the comedian
 
02.07.2010 05:47
demos ....volk

ochlos ....poebel

einfach einmal ochlokratie googeln.

Chris_SM
01.07.2010 09:28
Wie zivilisiert ist unsere Zivilgesellschaft eigentlich

Genner war über den Tod der Innenministerin überglücklich. Kurt Palm lässt in Bad Fucking die Fekter-Figur im eigenen Urin und Kot wälzen, ihr die Zunge abschneiden u. in den Kosovo abschieben. Bei einer Lesung in der Thalia grunzte das Publikum wohlig bei diesen Passagen. Christian Rainer bezeichnet es im aktuellen Profil als verlogen, dass Arigona pro Forma ausreisen muss um spätestens im Herbst zurückzukehren. Diese Tatsache verschweigt der Standard geflissentlich. Auch Misik weiß das, was ihn nicht daran hindert in seinem VLOG "Schottermitzi unsere Leute schiebst du nicht ab", zu pöbeln. Die Demo ist der letzte Versuch, Arigonas Gesicht für eigene Zwecke zu missbrauchen.
Wenn das unsere Zivilgesellschaft ist, dann gute Nacht Österreich

witherabbitt
 
01.07.2010 19:37


Danke für den Hinweis auf Palm: offenbar eine zwar grobe, aber treffende Visualisierung des moralischen Verkommenheit wichtiger Teile der Politik und Teile der Bevölkerung. Der Vergleich der Abschiebung mit einem Theaterstück ist genau die rhetorische Raffinesse, die für eine solche Unpolitik bezeichnend ist.

Schneefritz
01.07.2010 12:39

welch eine falsche moral ruft bei ihnen diese empörung hervor...

Peter Sichrovsky
01.07.2010 12:14
Die Gute Sache

Der Club der Gut-Gemeint-Menschen kent keine moralischen Grenzen, wenn es um die 'Sache' geht, das sind ihre stalinistisch/faschistoiden Wurzeln, es geht nicht um Dialog und unterschiedliche Meinungen, oder Demokratie; jene, die zB eine Abschiebung befürworten werden als Rechtsextreme und Nazis denunziert (von wegen verschiedene Meinungen...) hier reagiert der Hass, die Verleumdung und die Moralisierung von Unterschieden...auch eine Form von Rassismus.

witherabbitt
 
01.07.2010 19:40


Gratuliere, Sie haben nichts verlernt! Die alte Täter-Opfer-Umkehrung kommt Ihnen noch immer mit der nämlichen Flüssigkeit über die Lippen wie den alten Nazis Ihrer Partei.

leon74
01.07.2010 12:11
witzig

kurt palm war übrigens auch klassenkollege der fekter und er hat ihr aus dem buch vorgelesen, sie war begeistert. nachzusehen im aktuellen orf- report . http://tvthek.orf.at/programs/... 310-Report

Death 'n' Roll
01.07.2010 12:08
Alles erbärmliche Heuchler, die auf solchen Veranstaltungen ihre /fragwürdigen) Netzwerke pflegen und sich gegenseitig die Eier schaukeln.

theWatcher14
01.07.2010 12:33
Ja,ja.....

...sauf einfach weiter!

Was für eine dreckige Stadt!
01.07.2010 11:20

Wenn niemand mehr deswegen auf die Straße geht, DANN - gute Nacht Österreich.

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